Lösung für den Michaelsberg Indische Mönche ziehen nach Siegburg

Von Marion Menne

Monatelang hat der Kölner Kardinal Meisner Ordensleute für die Siegburger Abtei gesucht, nachdem die Benediktiner den Michaelsberg nach fast 950 Jahren verlassen hatten. Seit Montag (23.01.2012) ist klar: Indische Mönche kommen - und ein Tagungshaus soll von Bad Honnef nach Siegburg ziehen.


Abtei Michaelsberg
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Die ehemalige Benediktiner-Abtei

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, dem Siegburg unterstellt ist, mahnte seit dem Aus der Benediktiner-Abtei, dass der traditionsreiche Michaelsberg, das Wahrzeichen einer ganzen Region, "geistlicher Leuchtturm" bleiben müsse. Eine große einheimische Ordensgemeinschaft hat er nicht gefunden. Stattdessen sollen den Benediktinern nun lediglich sechs indische Priester des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten nachfolgen. Der Orden wurde im 16. Jahrhundert in Spanien begründet. Die Mönche werden allerdings nicht in die Räume des bisherigen Klosters einziehen, sondern in das angrenzende Jugendgästehaus, wie Generalvikar Dominik Schwaderlapp am Montag bei einer Pressekonferenz sagte. Alle Ordensleute sprächen deutsch und hätten in Deutschland studiert.

Katholische Akademie soll Bad Honnef verlassen

In das eigentliche Klostergebäude soll das Katholisch-Soziale Institut der Erzdiözese Köln (KSI) einziehen. Das KSI ist eines von vier großen Tagungshäusern des Erzbistums mit 60 Mitarbeitern und residiert seit 1947 in Bad Honnef. Über die Umzugsentscheidung waren die KSI-Mitarbeiter am Montagmorgen unterrichtet worden. Allen Mitarbeitern werde ein Arbeitsplatz in Siegburg angeboten, sagte Schwaderlapp. Der Finanzdirektor des Erzbistums, Hermann Josef Schon, erklärte: "Wir hoffen sehr und gehen auch davon aus, dass alle Mitarbeiter bereit sind, mit dem Katholisch-Sozialen Institut in das 25 Kilometer entfernte Siegburg umzuziehen." Das Tagungshaus in Bad Honnef mit Schwimmbad und Sauna soll verkauft werden. Interessenten gebe es noch nicht. Und auch die mögliche Höhe des Verkaufspreises stehe noch nicht fest, hieß es.

"Kalt erwischt" fühlte sich Bad Honnefs Bürgermeisterin Wally Feiden (SPD). Die Entscheidung des Bistums sei ihr am Montagmorgen mitgeteilt worden. Mit der Verlegung des KSI breche das Herzstück des Bad Honnefer Tagungsbetriebs weg, auf den die Stadt seit dem Ende des Bäderbetriebs gesetzt habe, sagte Feiden.

Sanierung kostet mindestens 40 Millionen Euro

Der Einzug der Mönche ist für Herbst 2013 geplant, die Akademie soll bis 2016 folgen. Vorher muss die Abtei jedoch saniert werden. Das Erzbistum rechnet nach ersten Schätzungen mit Baukosten in Höhe von mindestens 40 Millionen Euro. Schwaderlapp sagte: "Es bleibt viel zu tun, doch ich glaube: Auf diese Zukunft des Michaelsberges können wir uns alle freuen." Mit dem Edith-Stein-Exerzitienhaus, das in seinem angestammten Gebäudeteil bestehen bleibe, werde es einen Dreiklang christlich-spirituellen Lebens geben, hieß es.

Investoren wollten Kloster zum Hotel machen

Nach Einschätzung von WDR-Religionsexperte Theo Dierkes wird die "zerstrittene Benediktinergemeinschaft" nun abgelöst von einem neuen, ausstrahlungsfähigen Konvent, der den Michaelsberg mit neuer Spiritualität prägen könne. Von einer "optimalen Lösung" sprach der Pfarrer der Siegburger Sankt-Servatius-Gemeinde, Peter Weiffen. Er freute sich vor allem darüber, dass das aus dem fast tausend Jahre alten Kloster kein Hotel wird. Mehrere Kaufanfragen von Investoren waren eingegangen, wie das Erzbistum berichtete.

Abschied schweren Herzens


Ein Benediktinermönch schaut in Siegburg auf das Benediktinerkloster Abtei Michaelsberg
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Abschied vom Michaelsberg im Juni 2011

"Schweren Herzens" hatten sich die Siegburger Benediktiner im November 2010 entschieden, ihr klösterliches Leben auf dem traditionsreichen Michaelsberg aufzugeben. Personelle und finanzielle Sorgen wurden genannt. Aber auch zwischenmenschlich soll es in der Gemeinschaft, die zuletzt aus zwölf Mönchen im Alter von 25 bis 90 Jahren bestand, gekriselt haben. Bei der Pressekonferenz am Montag sagte Frater Linus Appel, der den Benediktiner-Konvent abwickelt: Auch ein Betrag von 40 Millionen Euro, der jetzt vom Erzbistum investiert wird, hätte seine Ordensgemeinschaft nicht gerettet. Untereinander habe es andere Probleme gegeben, ergänzte er. Nach einem Abschiedsgottesdienst im Juni 2011 waren die Mönche ihre eigenen Wege gegangen. Die einen wählten ein anderes Benediktiner-Kloster, die anderen gingen in ein kirchliches Seniorenheim.

Klostersterben nicht nur in Siegburg

Siegburg ist kein Einzelfall. Seit Jahren gibt es den Trend, dass wegen der schrumpfenden Zahl der Ordensleute immer mehr Klostergebäude aufgegeben werden. Wie viele Klöster es bundesweit genau sind, kann kaum einer sagen. Selbst der in Bonn ansässige Zusammenschluss der Orden und Kongregationen in Deutschland, die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK), nicht. Seit Mitte den 70er Jahre gebe es das Klostersterben, hieß es. Die Statistik der DOG zeigt: Allein die Zahl der Ordensfrauen in Deutschland - sie ist um ein Vielfaches höher als die der Männer - ist von 1991 bis 2009 von rund 43.500 auf rund 22.000 gesunken.


Stand: 24.01.2012, 13.30 Uhr


Kommentare zum Thema (7)

letzter Kommentar: 24.01.2012, 11:39 Uhr

Fragende schrieb am 24.01.2012, 11:39 Uhr:
@ Geli, das kann jeder halten wie er will, aber das ist es nicht. Die von Ihnen erwähnten Länder habe ihre alten Kulturen. Wer darin von außen herumfummelt, zeugt mehr Leid, als es jemals vorher gab. Das polnische Volk soll für sich machen was die Ungarn für sich machen wollen. Aber Sie werden bemerkt haben, was dann die Stunde dazu von der Zentrale der Zuchtmeister des großen Kapitals aus, beliebt, zu schlagen und wer das alles hüten will und welche Schafe heranzüchtet werden sollen. Was den Glauben anbetrifft, der ist jedenfalls freiwillig. In Polen werden keine Kirchensteuern eingetrieben. Die Kirchen leben dort also von Spenden. Wer da was ist, hat das Volk bestimmt. Die Zentrale der Zuchtmeister macht sich lächerlich, wenn die für sie ungenehme Wahlausgänge nach eigenen Wunschvorstellungen interpretiert. Dafür allerdings braucht sie auch Schafe, die alles dulden, alles mit sich machen lassen. Schafe mit Helm auf zum Gebet muss es ja auch nicht geben, oder?
Geli schrieb am 24.01.2012, 10:32 Uhr:
Mein Gott Walter, nur Schafe brauchen einen Leithammel. Eigenverantwortung würde unserem Planeten weiterhelfen. Was Religion, verquickt mit Politik, im Alltagsleben verursacht, zeigen uns die muslimischen Länder, aber auch die Länder, wo stark christlich geprägte Parteien an der Macht sind (siehe den Gott sei Dank kurzen Zeitraum in Polen!). Wie sagen die Psychologen so schön: Glauben behebt kein Leid, er verusacht sie.
Camillo schrieb am 23.01.2012, 18:09 Uhr:
Der junge Mann auf dem Foto bietet uns eine Rückansicht. Hätte er wunderschöne ausdrucksstarke Augen und ein Herz aus Gold, könnte er Camillo ersetzen. - Was ist noch? Ich möchte Dr. Norbert Lammert von Herzen Dank sagen. Nein, nicht deswegen, sondern allgemein. Schade, dass er nicht Präsident werden möchte. Aber es ist gut. Ich mag ihn und verehre ihn noch mehr. :-)
Camillo schrieb am 23.01.2012, 17:52 Uhr:
Warum nicht in einem Seitenflügel eine Schulungs- und Tagungsstätte für die Linken einrichten? Wir erinnern uns bitte, dass die Ost-CDU in der DDR über etliche Jahrzehnte vom Arbeiter-und-Bauern-Staat für so etwas ein ganzes Schloss zur Verfügung gestellt bekam. Da staunst Du nicht schlecht, hi? - aber das ist die Wahrheit. Alles für das Volk, alles mit dem Volk, oder so, lautete drüben eine Parole. Auch für das gläubige Volk natürlich. Ich bin für den gläubigen Fortschritt.
Hans aus NRW schrieb am 23.01.2012, 17:27 Uhr:
Nur noch mal so zum mitdenken: da werden tatsächlich 40 Millionen (?) Euro für 6 (in Worten: sechs) neue Ordensleute investiert (oder sollte man besser sagen verplempert?) ? Durch weitere Umzüge soll diese Sanierung gerechtfertigt werden. Na dann baut mal schön. Von mir gibt's für solche Spinnereien kein Geld mehr in den Klingelbeutel. Punkt.

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