Kölner Architektur Biennale Plan12 Kraftwerke im Park

Die Nutzung von Freiflächen in unseren Städten ändert sich rasant. Bürger pflanzen Tomaten an den Straßenrand und in Parks wird Energie produziert. Die Ausstellung "Produktive Stadtlandschaften" zeigt sieben Projekte aus NRW auf der Kölner Architektur Biennale Plan12, die am Freitag (21.09.2012) begonnen hat.


Zeche Hugo Gelsenkirchen

Der Historiker Peter Köddermann ist Projektleiter des Museums für Architektur und Ingenieurkunst in Gelsenkirchen. Das Museum hat keine eigenen Räume, sondern tourt mit seinen mobilen Ausstellungen durch die Republik. Das Projekt "Produktive Stadtlandschaften" wurde speziell für die Architektur Biennale in Köln (21.- 28.09.2012) entwickelt.

WDR.de: Ihre Ausstellung heißt Produktive Stadtlandschaften. Was ist denn eigentlich das Produkt der Landschaften, die Sie auf der Architektur Biennale präsentieren?

Peter Köddermann: Das Produkt ist die neue Nutzung von Freiflächen – in der Stadt und um die Stadt herum. Das geschieht auf unterschiedliche Weise. Allein schon deshalb, weil die Flächenpotenziale von Städten in Nordrhein-Westfalen sehr verschieden sind.

WDR.de: Was macht diese Unterschiede in NRW aus, wenn man zum Beispiel das Ruhrgebiet mit dem Raum Köln-Bonn vergleicht?

Köddermann: Der Raum Köln-Bonn ist das einzige Gebiet in NRW, das wächst. Das heißt, immer mehr Menschen ziehen dorthin. Das Ruhrgebiet dagegen schrumpft. Außerdem haben viele Industriestandorte im Ruhrgebiet ihre Funktion verloren. Im Ruhrgebiet gibt es darum deutlich mehr Freiflächen als im Raum Köln-Bonn.

WDR.de: In der Ausstellung zeigen Sie sieben aktuelle Beispiele aus NRW und sieben internationale Projekte, bei denen freie Flächen auf ganz eigenwillige und zum Teil auch ganz klassisch Weise genutzt und bebaut werden. Das geht von der Renaturierung des Braunkohletagebaus bis zum mobilen Obsthain in der Kölner Innenstadt, wo ein Garten an verschiedenen Orten aufgebaut werden kann. Was verbindet diese Projekte?

Köddermann: Die Verbindung ist der Faktor Nachhaltigkeit. Da geht es um grundsätzliche Fragen, wie Klimawandel oder den Umgang mit Energie und die stellen sich nicht nur Stadtplaner in NRW, sondern in allen europäischen Städten.

WDR.de Wie greifen Sie das Thema Nachhaltigkeit in der Ausstellung auf?


Peter Köddermann
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Peter Köddermann

Köddermann: Wir zeigen zum Beispiel die Flächenentwicklung der Zeche Hugo im Norden von Gelsenkirchen. Dort soll in Zukunft mit Hilfe von Biomasse Energie erzeugt werden. Im Ruhrgebiet ist die Naherholung nicht mehr das einzige Ziel der Parkgestaltung. Man denkt zusätzlich darüber nach, wie weit man Biomasse erzeugen kann, um Energie zu gewinnen. Da geht es darum, welche Bäume gepflanzt werden, wie schnell sie wachsen und wie oft man "ernten" kann. Als internationales Beispiel haben wir diesem Projekt den "Father Collins Park" in Dublin an die Seite gestellt. In Dublin wird die gesamte Energie, die dieses Naherholungsgebiet braucht, im Park selbst hergestellt.

WDR.de: Die Parks, die Sie zeigen, bekommen also eine zusätzliche Funktion. Was ist stadtplanerisch neu daran?

Köddermann: Die Erwartungen an die Stadtlandschaften verändern sich stark. Dazu gehört auch, dass die Stadtlandschaften zum Beispiel Energie erzeugen. Das ist eine wirtschaftliche Erwartung.

WDR.de: Was hat sich in den letzten Jahren bei der Stadtplanung verändert? In Ihrer Ausstellung spielt das Stichwort Bürgerpartizipation eine besondere Rolle.


Köddermann: Wir glauben, dass die Frage, wer eigentlich Stadt macht, sich verändert hat. Während früher die Stadt selbst und ihre Planer Baumaßnahmen bestimmt und angestoßen haben, kann es heute ganz anders laufen. Die Menschen, die in der Stadt leben und arbeiten, mischen sich viel stärker ein.

WDR.de: Woran liegt das?


Hügel zur Renaturierung bei Bergheim-Glesch
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Die Renaturierung der ehemaligen Braunkohlegebiete ist ebenfalls Thema der Ausstellung

Köddermann: Mittlerweile gibt es ein "Zurückkehren in die Stadt". Die Stadtbürger entdecken die Stadt für sich neu und nutzen sie auch neu. Es gibt verschiedene Ansätze z.B. "Urban Gardening", wo die Stadtbewohner ungenutzte Beete und Brachflächen in ihrer Umgebung selbst bepflanzen. Das ist eine Inbesitznahme von Stadt im öffentlichen Raum. Diese Entwicklung ist sehr neu und spielt auch eine Rolle für die Stadtplaner. Außerdem bekommen Freiflächen, auch durch Faktoren wie den Klimawandel, eine ganz andere Wertigkeit. Sowohl für die Bürger, die diese Flächen wieder für sich entdecken, als auch für die Stadtplaner, die versuchen, diese Flächen einzusetzen, um eine Stadt für die Zukunft aufzubauen.

WDR.de: Wie stellen Sie sich die Stadtplanung der Zukunft vor?

Köddermann: Die Einbeziehung von Stadtbevölkerung und Stadtgesellschaft wird eine zentrale Rolle spielen. Man wird mit den Bewohnern der Planungsflächen in Zukunft viel stärker zusammenarbeiten müssen.

Das Interview führte Conny Crumbach

Stadt ohne Autos
Conny Crumbach

An die Kölner Stadtentwickler hat Autorin Conny Crumbach als Teil der Stadtgesellschaft nur einen kleinen, bescheidenen Wunsch: eine autofreie Innenstadt. Und wegen des großen Lochs im Kölner Süden … Ach, was soll’s. Schlamm drüber.


Stand: 21.09.2012, 12.30 Uhr


Kommentare zum Thema (2)

letzter Kommentar: 22.09.2012, 09:04 Uhr

Vorstädterin schrieb am 22.09.2012, 09:04 Uhr:
Das Überplanen der letzten städtischen Freiflächen verfolgt doch nur einen Zweck: Kontrolle des öffentlichen Lebens. Schließlich soll auch der urbane Raum bis in den letzten Grünstreifen messbar effizient genutzt werden. Und die Städter? Lassen sich mit dem vermeintlichen Mehrwert abgasgeschwängerter Tomaten ruhig stellen. Denn wer im Beet wühlt, kommt wenigstens nicht auf dumme Gedanken...
Klaus Lohmann schrieb am 21.09.2012, 17:53 Uhr:
Ja suuuper. Da wird dem Zeche-Hugo-Projekt der "Father Collins Park" zur Seite gestellt. Blöd aber auch, dass dort in Dublin die nötige Energie aus Windkraftanlagen stammt, während nur hier im Ruhrgebiet der Ex-Bergmann auf die absurde Idee kommt: "Bäume?? Sind eh im Weg, also umhauen und schönes Feuerken damit machen!"


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