Birgit Meyer wird Opernintendantin in Köln Zoff um neue Opernchefin

Von Nina Magoley

Die Kölner Oper soll am Montag (06.08.2012) offiziell eine neue Leiterin bekommen: Nachdem im Juni der bisherige Chef Eric Laufenberg fristlos entlassen worden war, soll nun die bisherige Operndirektorin Birgit Meyer das Amt übernehmen.


Uwe Eric Laufenberg
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Ex-Opernintendant Uwe Eric Laufenberg

Der bisherige Opernchef Uwe Eric Laufenberg (51) war im Juni fristlos entlassen worden. Laufenberg und die Stadt Köln hatten sich über Monate einen öffentlichen Streit geliefert, bei dem es um das Budget für die Oper ging. Die Stadt warf Laufenberg vor, sich allen Bemühungen um eine Konsolidierung der Opernfinanzen zu verweigern, Laufenberg hielt die Oper für unterfinanziert. In einem Zeitungsinterview sagte er, er sei das Opfer einer "Intrige" und in einer Art behandelt worden, "die an Schmutzigkeit nicht zu übertreffen" sei. Die Stadt nahm diese Äußerungen nach eigenen Angaben zum Anlass, den Opernintendanten am 22. Juni 2012 fristlos zu entlassen.

Die kommissarische Leitung hatte daraufhin die bisherige Operndirektorin Birgit Meyer übernommen. Sie soll nun offiziell zur Intendantin gewählt werden. Noch vor zwei Wochen war unklar gewesen, ob sie das Amt tatsächlich langfristig übernehmen würde. "Möglicherweise", hatte der Kölner Kulturdezernent Georg Quander dem "Kölner Stadt-Anzeiger" gegenüber gesagt - man suche "auf jeden Fall eine Lösung, die eine Kontinuität in der künstlerischen wie organisatorischen Planung garantiert."

Von der Ärztin zur Opernintendantin


Birgit Meyer
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Die neue Chefin Birgit Meyer

Der Weg der gebürtigen Kölnerin Birgit Meyer in die Welt des Musiktheaters verlief über Umwege. Nach einem Medizinstudium arbeitete sie zunächst als Frauenärztin in einer Münchener Klinik. Parallel dazu begann die heute 52-Jährige, Theaterwissenschaften zu studieren. Nach ihrer ärztlichen Promotion im Jahr 1990 hängte sie den Arztberuf schließlich an den Nagel - einzig den als Ärztin erworbenen Doktortitel trägt Meyer auch heute noch stets vor ihrem Namen. 1992 begann sie als Dramaturgin am Tiroler Landestheater Innsbruck, anschließend war sie für die Salzburger Festspiele tätig. 1999 wurde Birgit Meyer schließlich Chefdramaturgin an der Volksoper Wien. Im Sommer 2004 erhielt sie einen Lehrauftrag an der Bayerischen Theaterakademie München als Dozentin für Dramaturgie. 2009 kehrte die Kölnerin in ihre Heimatstadt zurück, um die Direktion der Kölner Oper zu übernehmen.

"Wichtige Punkte noch nicht geklärt"

In seiner Sitzung am Montagnachmittag (06.08.2012) soll der Hauptausschuss des Kölner Stadtrats nun über die Neubesetzung der Opernleitung abstimmen. Während die Stimmen der Ratsmehrheit von SPD und Grünen für Birgit Meyer als sicher gelten, wollen CDU und FDP der Wahl nicht zustimmen. "Wichtige Punkte sind noch gar nicht geklärt", sagt Ralph Elster, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion. Es habe keinerlei Diskussion im Kulturausschuss über die Entscheidung für Birgit Meyer gegeben, kritisiert er. Aus Sicht der CDU-Ratsfraktion müssten zunächst die Probleme analysiert werden, die es mit dem gefeuerten Ex-Intendanten Uwe Eric Laufenberg gegeben habe.

"Künstlerisch hat Laufenberg nämlich fantastische Arbeit geleistet", sagt Elster. Umso wichtiger sei es, die finanziellen Probleme, die Laufenberg mit dem vorhandenen Budget hatte, zu lösen, "sonst werden sich diese Probleme nur noch verschärfen". Zumal, so Elster, der Vertrag, den Birgit Meyer unterschreiben soll, "noch deutlich weniger Geld für die Oper vorsieht" als es ihrem Vorgänger zur Verfügung stand. Köln könne nicht "einerseits eine der wichtigsten Opern Europas haben und andererseits ein Budget dafür bereitstellen wie Pforzheim oder Solingen". Elster hat außerdem Zweifel an der Qualifikation Birgit Meyers für den schwierigen Posten: "Sie hat nie zuvor ein Haus geleitet."

Entscheidung: "Die Zeit drängte"


Das Opernhaus in Köln
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Finanziell angeschlagen: Die Kölner Oper

Dem widerspricht Kulturdezernent Quander: "Das Budget für die Oper ist sogar um 2 Millionen Euro aufgestockt worden", sagt er im Gespräch mit wdr.de. Auch sei es keineswegs eine vorschnelle Entscheidung am Kulturausschuss vorbei gewesen, Birgit Meyer zur Intendantin zu wählen. "Der Oberbürgermeister und der Kulturdezernent sind Dienstvorgesetzte der Bühnen", erklärt er. Ihre Sache sei es auch, Personalangelegenheiten wie die Opernintendanz zu beschließen, bestätigt durch den Hauptausschuss. Die Entscheidung sei jetzt getroffen worden, weil die Zeit drängte: "Die Oper muss handlungsfähig sein, das Haus braucht eine klare Führung". Meyer als Interimsintendantin könne kein Dauerzustand sein. Weil der Vorgänger Laufenberg die nächsten Spielzeiten "über das Budget hinaus" geplant habe, müssten nun die kommenden Spielpläne schleunigst umgestellt werden, sonst sei mit 10 Millionen Euro Defizit zu rechnen. "Unter den gegebenen Umständen war Frau Meyer die beste Entscheidung", sagt Quander. An Meyers Qualifikation zweifele er nicht, zumal sie die Planungen in den vergangenen Jahren "zu 50 Prozent" mit zu verantworten gehabt hätte und "die Entwicklungen" an der Oper gut kenne.

Schwierige Aufgabe

Die neue Intendantin übernimmt die Kölner Oper in einer schwierigen Lage. Obwohl eins der fünf größten Deutschlands, führt die angespannte Haushaltslage der hoch verschuldeten Stadt Köln dazu, dass das Haus im Vergleich zu den Opern in Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart oder Dresden mit wenig Geld auskommen muss. Zudem wird das aus den 1950er Jahren stammende Opernhaus in den kommenden Jahren saniert. Für diese Übergangszeit wurde der Opernbetrieb bereits in ein Musical-Zelt am Kölner Dom ausgelagert. Trotz der schwierigen Bedingungen hatte es Meyers Vorgänger Laufenberg geschafft, der Kölner Oper in den vergangenen Jahren zu neuem Glanz zu verhelfen.


Stand: 03.08.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (5)

letzter Kommentar: 03.08.2012, 16:39 Uhr

Anonym schrieb am 03.08.2012, 16:39 Uhr:
Wenn's den Kommentatoren "Spars. Banause", "Leihschwein" und "Steuerzahler" nicht paßt, daß es Opernhäuser und Theater gibt (eben auch in Köln), können sie ja in die vorwiegend islamisch geprägten Länder ziehen. Dort sind musikalische und andere Theateraufführungen häufig verboten! Oder aber, wenn sie die doch recht bequeme und einigermaßen freie, westliche Welt nicht verlassen möchten, bleiben immer noch die Sender RTL u.a. für den "kulturellen Anspruch"!
hgs schrieb am 03.08.2012, 11:31 Uhr:
wenn ich lese, was die ersten schreiber hier von sich geben, dreht sich mir der magen um. unser volk, ein volk von ignoranten, so müsste man meinen. das die kultur und unsere geschichte dazu uns deutsche erst zu der stellung in der welt verholfen hat, die wir heute einnehmen, müsste fester bestandteil des denkens jedes einzelnen bürgers sein! und wer meint, selbst nicht mitzutun, ok. aber geringschätzen solcher arbeit für die gesellschaft - das ist ein unding. bei den kulturschaffenden werden keine millionen verplempert, dazu muss dort um jede einzelne viel zu sehr gerungen werden. aber das was letztlich hineinfließt ist ja nicht mal mehr so viel wie der tropfen auf den berühmten heißen stein, wenn man das verschleudern hoher 3-stelliger MILLIARDEN-beträge an unseriöse banken, zocker die die weltwirtschaft ausplündern etc. ansieht. und das alles auch noch ohne jede an die hilfen fest gebundene demokratische kontrolle! ein irrwitz. kultur braucht mensch wie luft, liebe und nahrung.
Steuerzahler, 54 schrieb am 03.08.2012, 10:25 Uhr:
Ich stimme Leihschwein zu, es kann nicht sein das dieser elitäre Kram von der Allgemeinheit subventioniert wird. Das muß wie in der freien Wirtschaft geregelt werden, Schlecker wurde auch nicht finanziert und ende. Bei jedem Konzertveranstalter muß ich entsprechende Eintrittspreise bezahlen wenn ich ein Konzert oder was auch immer anschauen möchte, warum soll das bei Oper, Theater oder sonstwas, anders sein?
Das Leihschwein schrieb am 03.08.2012, 08:55 Uhr:
Sofort kostendeckende Eintrittspreise verlangen, wenn nicht schließen. Hier wird für eine absolut kleine Minderheit Steuergelder verpulvert, die finanziell durchaus in der Lage wären, reale Preise zu bezahlen. Diese Opernsubventionierung ist reine Klientelpolitik, wo sich eine Minderheit aus Politik/Wirtschaft sogenannte Elite auf Kosten der Allgemeinheit unterhalten. Da lassen sich Polit-Wirtschaftbonzen vom deutschen Steuerzahler ihre Oper direkt vor der Haustür bauen und renovieren, als Krönung der Dreistigkeit, verlangen sie staatliche Subventionen, da sie es nicht einsehen, reale Eintrittsreise zu zahlen. Da finanziert der Steuerzahler die Gehälter/Pensionen der Opernmitarbeiter, obwohl ihn das nicht interessiert und der Personenkreis der die Oper besucht zahlt keine Steuer, da er entsprechende Abschreibungsmöglichkeiten hat. So lassen sich die Bonzen ihre Oper vom Kleinverdiener bezahlen und die Politik schaut zu.
sparsamer banause schrieb am 03.08.2012, 08:13 Uhr:
Neue Indendantin ? Braucht Köln überhaupt eine Oper ?


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