NS-Dokumentationszentrum in Köln: Mehr Platz für die NS-Geschichte
Am Sonntag (02.12.2012) ist in Köln mit einem Festakt das erweiterte NS-Dokumentationszentrum eröffnet worden. Die Besucher erwartet viel Neues: Ein zeitgemäßes Geschichtslabor und ein künstlerisch gestalteter Innenhof sind die Höhepunkte des Umbaus.

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Der künstlerische Entwurf für den Innenhof des NS-DOK
Werner Jung, Leiter des NS-Dokumentationszentrums (NS-DOK), ist erleichtert. Mit den Umbaumaßnahmen im Kölner EL-DE-Haus ist ein in seinen Augen "unwürdiger Zustand" beendet worden. "Nach einer jahrelangen Debatte können wir nun endlich den Innenhof in die Gedenkstätte mit einbeziehen", sagt er. Der Hof war über Jahrzehnte für die Besucher des NS-DOK nicht zugänglich – obwohl der Ort im Herzen der Stadt Köln ein wichtiger Schauplatz der Nazi-Verbrechen ist. In den letzten Monaten des Krieges wurden hier im Innenhof mehrere hundert Menschen, vor allem ausländische Zwangsarbeiter, von der Kölner Gestapo erhängt. In den letzten Jahren wies jedoch nichts darauf hin. Der Hof war Stellplatz für Autos und Müllcontainer. Inzwischen ist der Platz frei geräumt. Der Berliner Künstler Thomas Locher wird hier nun seinen Entwurf verwirklichen. Unter anderem sollen alle Wandflächen im Innenhof verspiegelt werden – das soll "die Reflektion über einen historischen Gedenkort" ermöglichen.
700.00 Euro für den Umbau
Die Neugestaltung des Innenhofs ist Teil einer großen Erweiterung, die vier Jahre nach einem Beschluss des Kölner Rats nun vollzogen werden konnte. Geld der Stadt, private Spenden sowie Eigenmittel in Höhe von insgesamt rund 700.000 Euro wurden aufgewendet, um die Ausstellung und Veranstaltungsfläche des NS-Dokumentationszentrums um rund 1.000 Quadratmeter zu erweitern. Möglich wurde dies durch die Anmietung von neuen Räumlichkeiten, die bisher von einer Galerie genutzt wurden.
Ein neuartiges "Geschichtslabor"

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Geschichte zum Anfassen
Im Zuge der Erweiterung hat Werner Jung mit seinen Mitarbeitern ein neuartiges "Geschichtslabor" entwickelt, das "selbstforschendes, entdeckendes Lernen" ermöglichen soll. Die Besucher des Geschichtslabors erwartet zunächst einmal eine ungewöhnliche Räumlichkeit: An den Wänden steht Mobiliar aus den dreißiger und vierziger Jahren, und an der Decke ist eine Installation mit Gegenständen aus der NS-Zeit angebracht. Die Gegenstände können von der Decke herunter gezogen werden – mit ihrer Hilfe soll die Zeit des Nationalsozialismus gegenwärtig werden. Dabei ist viel Eigeninitiative nötig: Die Besucher sollen Stück für Stück den Lebensgeschichten von Zeitzeugen auf die Spur kommen – indem sie herausfinden, was beispielsweise ein Baströckchen, eine Milchkanne und eine Briefmarkensammlung gemeinsam haben. Die Antworten lassen sich finden, indem Kommoden- und Schrankschubläden geöffnet werden. "Das Geschichtslabor ist keine Spaßlandschaft, diese Feststellung ist mir sehr wichtig", so Werner Jung. Die neuartigen Ausstellungsräume dienten vielmehr der intensiven Auseinandersetzung mit der NS-Zeit.
Steigende Besucherzahlen
Zu dem neuen Angebot des NS-Dokumentationszentrums zählen auch eine vergrößerte Bibliothek und eine Mediathek mit Arbeitsplätzen – für das Ansehen von Zeitzeugen-Interviews und Abhören von Tondokumenten. Darüber hinaus wird es im Keller einen großen Veranstaltungsraum geben. "Auf solch einen Raum haben wir lechzend gewartet", so Jung. Das vielfältige Angebot wird sicherlich für einen noch größeren Andrang sorgen. Die Besucherzahlen haben sich seit 2002 mehr als verdoppelt.
Stand: 02.12.2012, 09.00 Uhr
Kommentare zum Thema (7)
letzter Kommentar: 03.12.2012, 16:59 Uhr
- zeigefinger schrieb am 03.12.2012, 16:59 Uhr:
- Immer schön den Zeigefinger der Geschichte hochhalten. Damit der "böse" Deutsche daran erinnert wird was er vor fast 70 Jahren getan hat. So kann man immer schön noch Geld damit machen. Es sollte irgendwann mal Schluß damit sein. Was die Amerikaner bzw. Engländer gemacht haben (Indianer, Sklaven, Inder etc.) wird diesen ja heute auch nicht mehr aufs Butterbrot geschmiert.
- WDR.de schrieb am 03.12.2012, 15:59 Uhr:
- Kommentar gesperrt. Bitte diskutieren Sie sachlich.
- RechtsDaumenLinks schrieb am 03.12.2012, 10:29 Uhr:
- Ha, soll noch mal jemand sagen das es das tausendjährige Reich nicht gäbe. Hitler und seine Spiesgesellen sind ständig präsent, selbst siebzig Jahre danach könnte man fast den Eindruck gewinnen das Sie noch da sind. Ich glaube es vergeht nicht ein Tag an dem keine Dokumentation über das 3. Reich im Fernsehen läuft, ist fast wie zu Zeiten der deutschen Wochenschau, wundert mich das man es nicht gleich so nennt. Und siehe da, ein neuer Schrein für das NS Regime zu dem man pilgern kann. Leute es reicht wirklich. Oder steckt hinter dem ganzen vielleicht auch so ein bisschen Bewunderung für das was damals passiert ist oder warum werden die Leichen der Vergangenheit immer wieder aus dem Keller geholt? Fangt endlich mal an den Rest der deutschen Geschichte(bis 1933 und ab 1945) ähnlich zu würdigen wie die Zeit dazwischen.
- Bert Brech schrieb am 02.12.2012, 21:19 Uhr:
- Das Verbiegen unserer Geschichte in den bisher ueblichen BRD-"Geschichtswerkstaetten" reicht wohl nicht mehr. Von jetzt an wird im "Geschichtslabor" manipuliert! :#
- Bart Simpsen schrieb am 02.12.2012, 19:52 Uhr:
- Es scheint wohl einmalig auf dieser Welt zu sein, dass man die Geschichte so kultiviert wie in Deutschland. Überlebende und Gefangene des Dritten Reiches werden mit einer Mini-Rente ausgestattet, und stattdessen werden Denkmäler im Werte von 25 Millionen Euro oder Dokumentationszentren wie in Köln geschaffen. Einziges Ziel ist es, die Erinnerung der Schreckensherrschaft, die es nicht nur in Deutschland gab, sondern auch in der Sowjetunion - am Leben zu erhalten. Und wenn dann noch der Direktor des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln von einem "großen Wurf" sinniert und der Meinung ist, "das Mitarbeiter und Besucher unseres Hauses von der Erweiterung profitieren werden“, dann sagt das alles über Deutsche Befindlichkeiten aus. Als Sahne-Häubchen obendrauf heißt es im Fazit weiter: "Mit der Erweiterung ergeben sich faszinierende Aussichten für unsere weitere Arbeit“. Na dann, kann ja in Deutschland nichts mehr schief gehen?
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