75. Geburtstag von Nicolas Born Lyriker, Romanautor, Atomkraftgegner

Von Martin Teigeler

Nicolas Born war einer der wichtigsten Dichter der 70er Jahre. Volker Schlöndorff verfilmte seinen Roman "Die Fälschung". An diesem Montag (31.12.2012) wäre der gebürtige Duisburger 75 Jahre alt geworden.


Katharina Born, Nicolas Born
Bild 1 vergrößern +

Wird von jüngeren Lesern neu entdeckt: Nicolas Born

Er wurde von so ungleichen Persönlichkeiten wie Marcel Reich-Ranicki, Dieter Wellershoff und Günter Grass geschätzt. Seine Gedichte und Romane fanden in den 70er-Jahren begeisterte Leser und Rezensenten. Der am Niederrhein und im Ruhrgebiet aufgewachsene Nicolas Born starb 1979 an Krebs.

Wiederentdeckter Atomkraftgegner


Nachdem er lange Zeit vergessen schien, wird Born seit einigen Jahren von jüngeren Lesern wiederentdeckt. Eine Hörspielfassung seines Romans "Die Fälschung", 1981 von Volker Schlöndorff bereits verfilmt, entstand 2009. "Die Fälschung" erzählt von einem deutschen Magazinreporter, der aus dem Bürgerkrieg in der libanesischen Hauptstadt Beirut berichtet. Ein auch heute noch aktuelles Thema, das Born laut "FAZ" zu "seinem besten Buch" verarbeitete. Born sei "eine der größten Begabungen seiner Generation" gewesen. Die "Süddeutsche Zeitung" veröffentlichte 2011 in ihrer Wochenend-Beilage einen der letzten Texte Borns.


Katharina Born, Tochter des verstorbenen Lyrikers Nicolas Born
Bild 2 vergrößern +

Katharina Born

Borns Tochter Katharina wacht über das literarische Erbe des 1973 ins niedersächsische Wendland übergesiedelten Schriftstellers. "Es geschieht immer mal wieder etwas um das Werk herum, Gedichte werden vertont, ich werde zu Lesungen eingeladen, auch in NRW. In Borns niedersächsischer späterer Heimat sind eine Schule und eine Bibliothek nach ihm benannt", sagte Katharina Born zu WDR.de. "Das ist natürlich schön. Wichtiger ist meiner Meinung nach, dass Born weiter gelesen wird. Ich habe das Gefühl, das ist mehr und mehr wieder der Fall." Es entstünden zum Beispiel noch immer neue Übersetzungen der "Fälschung", zuletzt ins Türkische sowie eine zweisprachige Gedichtausgabe in Italien. 2007 erhielt sie gemeinsam mit ihrem Vater den Literaturpreis Ruhr - Nicolas Born posthum für sein Lebenswerk, Katharina Born für die Edition seiner Gedichte und Briefe.

"Wer uns entsorgen will, den wollen wir stilllegen"

Neben Borns Romanen und Gedichten, die oftmals auch Menschen, Landschaften und Städte des Ruhrgebiets beschreiben, sind auch seine zeitkritischen Essays nach wie vor relevant. Born war ein leidenschaftlicher Gegner der Atomkraft. 1977 sagte er in einer Rede gegen das geplante Endlager Gorleben: "Wer uns entsorgen will, den wollen wir stilllegen. Vorläufig sind wir darauf angewiesen, uns unsere Sorgen nicht nehmen zu lassen. Ein industriell erzeugtes Vernichtungspotential soll unter Acker- und Waldboden endgelagert werden."


In Borns Büchern ist reichlich Alltagsleben. Die (Anti-)Helden gehen oft in Kneipen. Es wird viel geraucht und getrunken. Sein Stil wurde von Literaturkritikern der "Neuen Innerlichkeit" zugerechnet, was aber nicht so richtig zu dem politischen Menschen Nicolas Born passen will. Sein Roman "Die erdabgewandte Seite der Geschichte" aus dem Jahr 1976 wurde zum Beispiel als distanziert-entlarvender Schlüsselroman über die linke Literatenszene gedeutet. Zugleich waren Borns eindringliche Beschreibungen von Seelenzuständen und kaputten Leben wiederum auf spezielle Weise hochpolitisch.

Keine Straße in Duisburg

"Nicolas Born hat kein Aufsehen gemacht", schrieb sein Autorenkollege Ludwig Harig in einem Nachruf: "Als wir auf einer Literaturtagung in der Champagne fast verdurstet wären, wollte er ein Bier haben, aber er musste Champagner trinken, bis sein Durst gestillt war: es machte ihm ... nichts aus, verwechselt zu werden und mangels Bier Champagner zu trinken; er blieb offen, er nahm es nicht eng im Leben."


2010 monierte der Literaturnobelpreisträger Günter Grass bei einem Besuch in Duisburg, dass in Borns Geburtsstadt noch nicht einmal eine Straße, ein Platz oder eine Schule nach dem Schriftsteller benannt sei. "Er ist ein großer Lyriker gewesen, hat wichtige Romane geschrieben", sagte Grass. Born habe in seinen Gedichten auf "meisterliche Art" Probleme wie Umweltzerstörung aufgegriffen.


Stand: 31.12.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (3)

letzter Kommentar: 02.01.2013, 11:02 Uhr

FRED SCHYWEK - Dichterkollege Duisburg/Rhein schrieb am 02.01.2013, 11:02 Uhr:
Nicolas Born - Selbstverantwortung // EINMAL STEHT JEDER VOR DER FRAGE OB / ER SELBST FÄHRT ODER SICH FAHREN LÄSST. /// * * * Zitat ENDE
FRED SCHYWEK (RHEINLAND) schrieb am 02.01.2013, 10:53 Uhr:
Okay WDR.de, Nicht Kling und Klang und Ex-SSler (Grass) sondern mein Lieblingsgedicht von BORN selbst, ZITAT(!): * NICOLAS BORN / SELBSTVERANTWORTUNG // Jeder sein eigener Volksempfänger / jeder sein eigenes Kaufhaus / Konserve für den Winter der kommt / jeder sein untötbarer Held im Verkehr / sein eigener Fisch an der Angel / jeder sein saloppes Ärgernis / verlogen verschwiemelt / jeder sein scheinheiliger Mörder / wenn er an der Reihe ist / es auf ihn zukommt unvermeidlich / wo er sich gerade eingeordnet hat / aufgerückt ins Licht / ungeachtet der Schmarotzer / an den Öffnungen des Leibes / den sie auffüllen als Gegenleistung / mit Fraß. / Wozu an dieser Stelle Kleinigkeiten / daß die Kinder überfüttert sind mit falschen Daten / daß die Erde Papst und Krupp gehört / der Himmel den Starfightern / die Nordsee der NATO. / Klein beigeben / wieder und wieder kochen / die Bohnensuppe mit Speck. / Einmal steht jeder vor der Frage ob / er selbs ...
FRED SCHYWEK - DUISBURG am RHEIN schrieb am 02.01.2013, 08:16 Uhr:
Warum eine Straße in der kulturellen Katastrophen-Stadt Duisburg? Das Wort ist wichtig: (Anm. d. Red.: link gelöscht). 2013 wird ein Jahr des politischen Umbruchs und da ist Nicolas Born aktuell wie eh und je. Den rechten Kräften wird jetzt begegnet. FRED SCHYWEK * * *


Kulturnachrichten

  • Maximilian Schnaus erhält Paul Hindemith-Preis

    Der Paul Hindemith-Preis geht in diesem Jahr an den Organisten und Komponisten Maximilian Schnaus. Die Auszeichnung wird vom Schleswig-Holstein Musik Festival im Rahmen eines Kompostitionswettbewerbs für Orgel vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Maximilian Schnaus wurde 1986 im fränkischen Bad Neustadt geboren. Ausgezeichnet wurde er für seine Komposition "Come sweetest death", die im Juli in Lübeck uraufgeführt wird.

  • Berliner Kurzfilm in Cannes ausgezeichnet

    Beim Filmfest in Cannes hat der deutsche Kurzfilm "Komm und Spiel" den Preis für die beste Neuentdeckung erhalten. Regisseurin Daria Belova erzählt von dem Jungen Grisha, der in Berlin Krieg spielt - bis auf einmal Bilder der Gegenwart mit denen aus dem Zweiten Weltkrieg verschmelzen. Daria Belova wurde in St. Petersburg geboren und studiert seit 2008 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. "Komm und Spiel" ist einer der wenigen deutschen Beiträge beim diesjährigen Filmfest in Cannes.

  • Göttinger Unibibliothek gibt NS-Raubgut zurück

    Die Göttinger Universitätsbibliothek hat NS-Raubgut nach Frankreich zurückgegeben. Dabei handelt es sich um drei Bände zur Kunstgeschichte in Indien und Siam sowie um mehr als 4.000 Landkarten. Bereits im Februar hatte die Universitätsbibliothek 38 Bücher an die polnische Stadt Posen zurückgegeben. Insgesamt haben Wissenschaftler in einem Forschungsprojekt rund 1.100 Bücher aus dem Göttinger Bestand als eindeutige oder verdächtige NS-Raubgutfälle identifiziert. Im Dritten Reich waren neben Kunstwerken auch Bücher in großem Umfang beschlagnahmt und geraubt worden.

  • Höhlenmalereien im Norden Mexikos entdeckt

    Forscher haben im Nordosten Mexikos fast 5.000 gut erhaltene Höhlenmalereien entdeckt. Dargestellt sind unter anderem Menschen, Hirsche, Eidechsen und Tausendfüßler. Nach Auffassung der leitenden Archäologin Martha García Sánchez belegt der Fund, dass in der Region drei Jäger- und Sammlerkulturen aus der Zeit vor der spanischen Eroberung gelebt haben müssen. Sie hätten sich offenbar 200 Jahre lang der spanischen Kontrolle entzogen.

  • Deutsche Theaterlandschaft als Weltkulturerbe

    Die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft soll nach dem Willen des Deutsche Bühnenvereins zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt werden. Der Präsident des Bühnenvereins, Klaus Zehelein, sagte in einem Zeitungsinterview, eine Anerkennung von der UNESCO als Weltkulturerbe werde zwar keinen zusätzlichen Cent in die Kassen spülen. Die Aufmerksamkeit gegenüber der Theaterlandschaft werde aber dann eine andere sein. In Kiel treffen sich die Intendanten und Direktoren der deutschen Theater und Orchester zur Jahreshauptversammlung des Deutschen Bühnenvereins.

  • Nike Wagner wird neue Intendantin des Beethovenfestes

    Nike Wagner wird neue Intendantin des Bonner Beethovenfestes. Der Rat der Stadt wählte die Urenkelin von Richard Wagner einstimmig auf den Leitungsposten des Musikfestivals. Nike Wagner folgt auf die scheidende Intendantin Ilona Schmiel, die an die Tonhalle Zürich wechselt. Wagner tritt ihr Amt zu Beginn des kommenden Jahres an. Bekannt wurde die 1945 in Bayreuth geborene Kulturwissenschaftlerin unter anderem durch die kritische Auseinandersetzung mit ihrer Familiengeschichte. Nike Wagner leitet seit 2004 das Kunstfest "Pèlerinages" in Weimar.

  • Streichquartett des 14-jährigen Max Bruch entdeckt

    Eine Frankfurter Wissenschaftlerin hat ein verschollen geglaubtes Streichquartett von Max Bruch entdeckt. Der Komponist war 14 Jahre alt, als er sich damit 1852 um ein Stipendium der Frankfurter Mozart-Stiftung bewarb. Er gewann mit dem Streichquartett ein Vierjahres-Stipendium. Die Musikwissenschaftlerin Ulrike Kienzle fand die Handschrift bei Recherchen über die Geschichte der Mozart-Stiftung und ihrer Stipendiaten.

  • Emscherkunst-Projekt erhält UNESCO-Auszeichnung

    Die Freiluftausstellung Emscherkunst ist von der UNESCO als Beitrag zur UN-Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet worden. Das teilten die Veranstalter des Projektes in Essen mit. Premiere hatte die Emscherkunst im Kulturhauptstadtjahr 2010. Mit der Ausstellung sollte der Umbau des Abwasserflusses Emscher hin zu einer natürlichen Flusslandschaft künstlerisch begleitet werden. Ab dem 22. Juni folgt für genau 100 Tage eine Neuauflage des Kunstprojektes. Herzstück der Ausstellungsfläche ist wieder die Emscherinsel zwischen Emscher und Rhein-Herne-Kanal.

  • Europaparlament: Kultur aus Freihandel mit USA ausnehmen

    Das Europaparlament hat sich dafür ausgesprochen, die Kultur aus dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA auszuklammern. Das Straßburger Plenum verlangte in einer Entschließung, dass die "kulturelle und sprachliche Vielfalt Europas" gewahrt bleiben müsse. Kulturschaffende fürchten, dass im Zuge einer Liberalisierung Möglichkeiten wegfallen könnten, Filme und andere Kulturgüter öffentlich zu fördern. Die Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und den USA sollen im Sommer beginnen.

  • Fotografin Leibovitz erhält Prinz-von-Asturien-Preis

    Die amerikanische Fotografin Annie Leibovitz erhält den spanischen Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Kommunikation und Humanwissenschaften. Zur Begründung hieß es, Leibovitz habe den internationalen Fotojournalismus dynamisiert. Der Prinz-von-Asturien-Preis gilt als die "spanische Version des Nobelpreises". Er wird alljährlich in acht Sparten vergeben und ist mit jeweils 50.000 Euro dotiert. Die Auszeichnungen werden den Preisträgern im Oktober vom spanischen Kronprinzen Felipe überreicht.

  • UNESCO Deutschland sorgt sich um kulturelle Vielfalt in der EU

    Die Deutsche UNESCO-Kommission sorgt sich um die kulturelle Vielfalt in der Europäischen Union. Anlass dafür ist das zwischen der EU und den USA geplante Freihandelsabkommen. Dieses Abkommen dürfe nicht zu einem Verbot öffentlicher Förderung von Kultur, Wissenschaft, Bildung und Medien führen, heißt es in einer Erklärung der deutschen Sektion der Weltkulturorganisation UNESCO. Vergangene Woche hatte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erklärt, er sorge sich mit Blick auf das Freihandelsabkommen um die Buchpreisbindung in Deutschland. Der Verband forderte die Bundesregierung auf, der EU-Kommission nur dann ein Verhandlungsmandat für das Abkommen zu erteilen, wenn der Kultur- und Mediensektor ausgenommen werde.