Möbelmesse: Innenstadt aufmöbeln: Tisch und Sitz to go
Der "Gehtisch" und der "Stadtbeutel-Sitz" haben das Format einer Jutetasche, sind leicht und transportabel. Studierende der RWTH Aachen haben die Möbelstücke für Innenstädte entworfen, während der Kölner "Passagen" werden sie getestet.

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Ein Nickerchen zwischen Laternenpfählen - der Stadtbeutel-Sitz
- Audio: Kölner Möbelmesse Passagen (14.01.2013) [WDR 3 Mosaik] Rene Spitz / Raoul Mörchen
Die Straßenlaterne sieht anders aus. An ihrem Pfahl ist mit Kabelbindern eine Art Stehpult befestigt. Auf der Oberfläche könnte man seinen Kaffeebecher abstellen. Doch im Moment liegt dort nur eine dünne Schneeschicht, die die Notiz auf der Holzplatte kaum erkennen lässt. "Passagier13" steht da.
"Passagier13" ist der Name eines Projekts, das im Rahmen der Kölner Designwoche "Passagen" stattfindet. Anders als die meisten Innenausstatter und Möbeldesigner möchte "Passagier13" nichts verkaufen, sondern Anwohnern die Möglichkeit geben, die Stadt neu zu entdecken und kaum genutzte oder weniger attraktive Ecken aufzuwerten. Der Tisch am Laternenpfahl als Mittel zum Zweck.
Stehtisch in der Stofftasche

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Schnee ist nicht die ideale Bedingung zum Testen der Möbel für Draußen
Der Hinweis auf der Tischplatte führt zu Benno Helpenstein, der den sogenannten "Gehtisch" entworfen hat. "Der Tisch ist transportabel und kann in einen Jutebeutel gepackt werden", erklärt Benno Helpenstein, zieht vier Elemente aus Holzfaserplatte aus einer Stofftasche und zeigt, wie schnell die sich zu einem Tisch zusammenstecken lassen. "Durch den Jutesack war das Format des Tisches festgelegt", sagt er. Der Tisch kann nun mit Kabelbindern oder mit Schnellspanngurten an Laternenpfähle, Ampeln oder sonstigen Masten und Stangen im Stadtraum befestigt werden.
Ein Besucher aus Hamburg schaut interessiert zu, wie der Student seinen Tisch auspackt und vorführt. "Eben habe ich einen Tisch unten in der Straße gesehen und mich gewundert", sagt er schmunzelnd, "ich dachte noch, na was haben sich die Kölner da wieder einfallen lassen, damit sie überall ihr Kölsch trinken können."

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Mit dem Gehtisch wird die Laterne zum Stehtisch
Benno Helpenstein studiert an der RWTH Aachen und ist einer von rund 30 Studierenden, die im Herbst 2012 an dem Wettbewerb teilgenommen, haben, bei dem es galt Möbel für die Stadt zu entwerfen. Die sollten sich einfach herstellen lassen, möglichst leicht und tragbar sein und außerdem eine klare Funktion haben. Anfang Dezember wählte dann eine Jury zwei aus 22 eingereichten Projekten aus, um sie während der "Passagen" zu zeigen und zu testen.
"Viele öffentliche Plätze haben ihre Bedeutung verloren"
Neben dem "Gehtisch" wurde auch der "Stadtbeutel-Sitz" ausgewählt. Die Idee stammt von Seeja Lorenzen und Maha Sawas und soll zum Nachahmen anregen. Auch hier ist wieder der gute alte Jutebeutel im Einsatz. Dieses Mal werden gleich zwei Stofftaschen an den unteren Enden zusammengenäht, an den Seiten Spanngurte befestigt und schon funktioniert die Doppeltasche als Sitz, als Schaukel oder sogar als Mini-Hängematte - wo immer sich ein Plätzchen zum Aufhängen findet.

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"Passagier13": Möbel für die Stadt
"Wir haben so viele öffentliche Plätze, die ihre Bedeutung völlig verloren haben", sagt Stephanie Brandt, die das Projekt leitet. Die Architektin sieht das Problem darin, dass Vieles rein theoretisch auf dem Papier geplant wird. Zum Beispiel ein Platz, an dessen Rändern Bänke aufgestellt werden. Da wolle niemand sitzen, sagt Brandt. Oft stecke hinter solchen Planungen eine Logik, die sich aus der zur Verfügung stehenden Fläche ergebe, nicht aber aus den Bedürfnissen der Anwohner und Nutzer. Und das ist ein Anliegen, mit dem sich die Architektin schon länger auseinandersetzt.
Das Projekt besteht aus drei Phasen: dem Studentenwettbewerb, dann werden jetzt in der zweiten Phase, während der "Passagen", die Ideen verbreitet, diskutiert, Tischbausätze verteilt und Anleitungen für Stadtbeutel ausgegeben. Besucher und Anwohner sollen die temporären Möbel im Stadtraum verteilen, sich dort einrichten, wo es ihnen passt. Bei Facebook und auf der Internetseite des Projekts können diejenigen, die mitmachen, dann Fotos von ihren neu entdeckten oder aufgewerteten Orten zeigen. Noch hält sich dort die Bildauswahl in Grenzen. Das Schneewetter ist vielleicht nicht die beste Zeit, um draußen an einem Tisch zu lehnen oder um es sich in einem Hängesitz bequem zu machen. Aber das Projekt wird auch noch nach den "Passagen" weiterlaufen.
Graffiti, Müll, Randale - auch das ist ein Feedback

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Der Stadtbeutel-Sitz
In einer dritten Phase sollen die Ideen dann später ausgewertet, vielleicht auch weiterentwickelt werden. Stephanie Brandt hofft auch auf Diskussionen mit Anwohnern, die mitbekommen, wie ein Ort sich durch Gehtische und Hängesitze verändert oder die vielleicht eigene Ideen hinzufügen.
Was aber ist, wenn Tische oder Sitze einfach zerstört werden? Wenn sie zu Müllablagen oder mit Graffiti besprüht werden? Auch über diese Dinge haben die Macher von "Passagier13" nachgedacht. Als vor Kurzem die ersten Tische neben einem Kiosk befestigt wurden, fehlte am nächsten Tag eine Tischplatte und auf einen anderen hatte jemand ein paar Worte gekritzelt. "Aber auch das ist eine Form von Feedback", sagt Stephanie Brandt, "wir sammeln das und schauen, wie es weitergenutzt werden kann."
Insgesamt verteilen die Studenten 200 Gratis-Jutetaschen mit Bausätzen für den Gehtisch während der Designwoche in Köln, haben selber einige Hängesitze aufgehängt und erklären den Besuchern ausführlich, welche Idee hinter ihrem Projekt steckt. Der Hamburger Besucher ist begeistert und fragt sofort, ob er auch einen Gehtisch bekommt. Natürlich, wenn er dann aber auch ein Foto vom Tisch in Hamburg schicke, so die Antwort. Wo er denn gedenke den Tisch aufzuhängen? "Der kommt auf die Reeperbahn", sagt er, "und da mache ich erst mal ein kleines Event und lade ein paar Leute ein, damit es auf den Fotos auch was zu sehen gibt."
Stand: 16.01.2013, 11.43 Uhr
Kommentare zum Thema (12)
letzter Kommentar: 20.01.2013, 13:53 Uhr
- Ironic Bash schrieb am 20.01.2013, 13:53 Uhr:
- Lieber Herr Polizist, darf ich das? Sie tragen doch eine Uniform, also wissen Sie was ich darf und was nicht. Gibt es eigentlich DIN-Normen für Kreativitätskategorien, oder muss ich an dieser Stelle bei der Verwaltung einen Lichtzeichensignalgebersondernutzungsantrag stellen? Ich würde mich freuen, wenn das Verfahren zügig bearbeitet wird. Ist es mir erlaubt auch nach 22 Uhr 17 kreativ zu sein?
- Sommer schrieb am 17.01.2013, 20:37 Uhr:
- @anonym15 - Ausprobieren etc. ist ja schön und gut, aber ich habe weder Lust, mich von Ihnen als ewig Gestriger oder ideenlos beschimpfen zu lassen wenn ich den Tisch nicht ausprobiere, noch habe ich Lust, mich wegen einer unerlaubten/nicht genehmigten Sondernutzung mit einer Strafanzeige oder Geldbuße konfrontiert zu sehen. Im übrigen bin ich nach wie vor der Meinung, dass im Rahmen eines solchen Projektes auch die Klärung des rechtlichen Aspektes dazugehört. Architekten etc. haben schließlich viel mit Genehmigungsbehörden zu tun. In einer Studentenstadt, rund um eine entsprechende Messe - selbst auf der Reeperbahn mag man über sowas hinwegsehen, aber hier wird nunmal die "Innenstadt" an sich angesprochen und ob das Ordnungsamt in XYZ-Hausen genausoviel Humor hat, weiß ich eben nicht. Das spontane Anlegen einer Gartenanlage auf der Hauptverkehrskreuzung würden Sie ggf. auch nicht mit Humor nehmen, selbst wenn ich das als unglaubliche Bereicherung empfinden würde...
- anonym15 schrieb am 17.01.2013, 13:00 Uhr:
- Typisch deutsch! Ist das gestattet? Darf man das? Wie lautete die DIN-Norm dazu? Meine Güte! Ich stimme Dackel-Dilli zu. Es sind gute Ideen - Menschen sollen sie testen, dann sieht man weiter. An die Studenten: Lassen Sie sich bitte nicht die Ideen vermiesen durch die Ewig-Gestrigen; die "das-haben-wir-schon-immer-so-gemacht"-Typen, die nach den DIN-Normen krakeelen. Alle die haben nämlcih KEINE guten Ideen. Also: weiter so! Im übrigen finde ich die Anregungn in Bezug auf die Obdachlosenhilfe eine gute Idee.
- Sommer schrieb am 16.01.2013, 23:47 Uhr:
- Grundsätzlich finde ich den Tisch toll, aber - ihr schreibt da was von "Ampeln" etc. . Ich weiß, dass das Anbringen von Werbeplakaten etc. mindestens an Ampeln verboten ist/z.T. sogar bestraft wird. Mich würde interessieren, ob sich das Passagier'13-Team auch mit diesem Aspekt befasst hat? Das müsste doch eigentlich auch ein im Rahmen des Projektes zu betrachtender Aspekt sein?
- Dackel-Dilli schrieb am 16.01.2013, 18:38 Uhr:
- @Wackel-Willi, selbst noch Student und schon ein so hochnäsiger Snob? Herzlichen Glückwunsch. Du scheinst ein sehr offener, toleranter Mensch zu sein, der viel Spaß im Leben hat. Anstatt solche Projekte, die Kreativität fördern und Innovation möglich machen - vielleicht nicht direkt in dem Fall, aber irgendwie muss ja begonnen werden - positiv und optimistisch zu beurteilen, muss mit der Keule drauf gehauen werden und Menschen, die ihre Ideen und ihre Leidenschaft in die Arbeit gesteckt haben, mit herablassender Negativität begegnet werden. Wow. Ich bin unterwältigt. Zu dem Projekt selbst: Interessant. Ich freue mich immer über neue Ideen oder zumindest den Versuch etwas neues zu schaffen. Ich wünsche euch viel Erfolg mit eurem Studium und viel Spaß bei der zukünftigen, kreativen Arbeit. Und lasst euch eure Ausarbeitungen nicht von pessimistischen, zu Unrecht herablassenden Miesmachern miesmachen. ;-)
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