Interview zur Maya-Prophezeiung Darum geht die Welt nicht unter

21.12.2012: Dies ist ein Tag, dem Menschen auf der ganzen Welt geradezu entgegenbeben. Denn dann, so haben es die Maya angeblich einst ausgerechnet, geht die Welt unter. Der Bonner Maya-Forscher Nikolai Grube hält mit harten Fakten dagegen.


Eine Szene aus dem Dresdner Maya-Codex, abgeschrieben von Alexander von Humboldt
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Furchterregende Gestalten, furchterregendes Datum: Was sagt der Maya-Kalender wirklich?

Vielen Weltuntergangsszenarien kursieren seit Monaten im Internet. Ist das alles nur Hysterie? Wenn es einer genau weiß, dann Nikolai Grube aus Bonn, einer der führenden Maya-Forscher weltweit.

WDR.de: Professor Grube, was glauben Sie: Erleben wir das nächste Wochenende noch?

Nikolai Grube: Ich bin kein Prophet, ich weiß auch nicht, ob die Welt untergeht oder nicht. Aber ich weiß, dass die Maya den Weltuntergang nicht vorhergesagt haben.

Nikolai Grube, Maya-Forscher aus Bonn
Nikolai Grube in den Ruinen von Caracol in Belize

Nikolai Grube, Jahrgang 1962, ist Professor für Altamerikanistik an der Universität Bonn und gilt als einer der führenden Maya-Forscher weltweit. Zusammen mit seinem Team gräbt er seit einigen Jahren in der mexikanischen Ruinenstadt Uxul. Grube, der sich intensiv mit der Entzifferung der Hieroglyphen beschäftigt, ist Autor eines Werkes über den Dresdner Maya-Kalender ("Codex Dresdenensis"), einer der wenigen erhaltenen Priesterkalender der Maya.

WDR.de: Wieso fürchten sich denn so viele Leute vor dem 21. Dezember?

Grube: Das ist ein Medienhype, eine falsche Idee, die im Internet kursiert und ständig wiederholt wird. Wenn die einmal in der Welt ist, ist sie kaum zu stoppen. Das ist eher ein Phänomen, das mit unserer Kommunikationsgesellschaft zu tun hat als mit den Maya.

WDR.de: Aber woher kommt die Idee, dass der Weltuntergang im Maya-Kalender vorher gesagt werde?


Grube: Im Maya-Kalender geht tatsächlich ein Zyklus zu Ende, nämlich der 13. Baktún, ein 400-Jahre-Zyklus. Das wäre von den Maya sicherlich gefeiert worden, so wie wir die Jahrtausendwende gefeiert haben, aber der Kalender geht weiter, auf den 13. Baktún folgt der 14. Für die Maya geht die Welt also nicht unter.

WDR.de: Was ist mit dem Dresdner Maya-Kalender, einer der wenigen noch erhaltenen Handschriften? Da ist ein speiendes Krokodil zu sehen, das ein Zeichen für eine vernichtende Sintflut sein soll.

Grube: Dieses Wasser speiende Himmelskrokodil ist tatsächlich die Darstellung einer großen Flut. Das hat aber nichts mit dem 21.12.2012 zu tun. Die Maya glaubten, dass ihre Welt durch die immer wiederkehrenden Hurrikane bedroht sei, die mit Wind und Unmengen von Niederschlägen die Katastrophe über sie brachten. In diesem Codex haben sie versucht, die Zyklizität dieser tropischen Stürme zu berechnen.

WDR.de: Es gibt aber doch andere Quellen, die das Datum nennen.


Grube: Es gibt zwei Inschriften, die tatsächlich das Jahr 2012 nennen. Aber in beiden steht nichts von einem Weltuntergang. Im Gegenteil: Die Texte sagen, dass die Schöpfung, wie sie die Maya in der klassischen Blütezeit ihrer Kultur, also zwischen 250 und 900 n. Chr. kannten, weiter existieren wird. Und in den Wandmalereien von Xultún, die gerade erst entdeckt wurden, wird ganz deutlich, dass die Maya ihren Kalender weiter zählten. Der hörte nicht mit dem 13. Baktún auf. Für sie war klar, dass ihre Welt über viele tausend Jahre weiterbesteht.

WDR.de: Wieso wird eigentlich ausgerechnet der 21.12.2012 als Datum genannt? Das hat ja fast schon etwas von einem magischen Zahlenspiel.

Grube: Nein, das ist ein Zufall, dass das Ende des 13. Jahreszyklus ausgerechnet auf den Tag der Wintersonnenwende auf der Nordhalbkugel fällt. Es ist auch nicht gesichert, ob tatsächlich der 21. Dezember gemeint ist, das hängt davon ab, wie man den Maya-Kalender auf unseren umrechnet. Nach anderen Berechnungen fällt er auf den 24. Dezember, also auf Weihnachten.

WDR.de: Wenn die alten Maya selbst nicht an den Weltuntergang glaubten - wie reagieren denn die heutigen Maya auf diesen Hype, wie Sie es nennen?

Grube: Vorweg: Es gibt nicht die Maya. Sie leben unter ganz unterschiedlichen Bedingungen in verschiedenen Ländern Mittelamerikas und im Süden Mexikos. Da gibt es die traditionellen Maisbauern, andere haben studiert und sind politisch engagierte Intellektuelle. Da ist die Spannbreite sehr groß. Was das Datum betrifft, so nehmen die meisten davon keinerlei Notiz, weil es in ihren Traditionen und Geschichten keine Rolle spielt. Dann gibt es andere, die sagen: "Das ist eine große Inszenierung der kapitalistischen Gesellschaft des Westens, da wird die Kultur der Maya vermarktet, das ist eine neue Form des Kolonialismus." Und schließlich eine Gruppe, die ziemlich groß ist, die das Datum nutzt, um Geld zu verdienen.

WDR.de: Wie das?


Die Mayas feiern am 21.12. Neujahr an der Pyramide in Chichén Itzá
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Zeitenwende: Grund zum Feiern

Grube: Das ist ein Datum, das stark vermarktet wird, auch touristisch. Da gibt es zum Beispiel Feiern, wo der Übergang von der einen in die andere Welt zelebriert wird. Da wollen die Maya natürlich teilhaben und verkaufen sich dann als diejenigen, die die authentische Botschaft haben und zwischen dem Ende der einen und dem Beginn der anderen Welt vermitteln können.

WDR.de: Aber ist das nicht auch eine gute Gelegenheit, die Welt daran zu erinnern, dass es die Maya noch gibt?

Grube: Doch, das ist ein wichtiger Faktor. Das sind 400 Millionen Menschen in Mexiko und Guatemala, die meistens an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind und nur wenige Rechte haben. Jetzt redet man über sie und ihre Kultur. Aber meistens beschränken sich die Berichte auf die vorspanische Zeit, und sie sind oft falsch.

WDR.de: Sie kennen sich da besonders gut aus - Sie haben ja auch schon als Kind beschlossen, Maya-Forscher zu werden. Was hat Sie denn so fasziniert?


Nikolai Grube in den Ruinen von Caracol in Belize

Graben und entziffern: Nikolai Grube beschäftigt seit Jahren mit den Maya

Grube: Das war eine große antike Kultur, über die damals nichts bekannt war. Man wusste nur, dass es die Maya gab, das war schon alles. Die Schrift konnte man nicht lesen, man wusste nur wenig über die Lebensweise, und da dachte ich, wenn ich einen Beitrag zur Altertumsforschung leisten und sehen will, wie sich menschliche Gesellschaften entwickeln, dann auf dem amerikanischen Kontinent. Die Maya sind ja auch eine der wichtigsten Kulturen, weil sie eine Schrift haben, das fand ich sehr faszinierend. Man hat ja immer gedacht, diese Völker sind intellektuell gar nicht in der Lage, eine Schrift zu haben. Aber wir konnten zeigen, dass das ein koloniales Vorurteil war, und mit der Schrift bekommen wir einen Einblick in das Denken und Leben der Menschen vor der spanischen Eroberung.

WDR.de: Dass Sie immer wieder erklären müssen, warum die Welt nicht untergeht, hätten Sie sich damals aber auch nicht träumen lassen.

Grube: Nein, ich hatte das Datum gar nicht auf dem Kieker. Das ging vor drei Jahren los, vielleicht auch wegen des Films "2012" von Roland Emmerich. Ich weiß gar nicht, wie viele Interviews ich seitdem gegeben habe, bestimmt im dreistelligen Bereich.

WDR.de: Dann zum Schluss nur noch eine Frage: Wie begehen Sie das Ende des 13. Baktún?

Grube: Ich dachte, ich könnte den ganz ruhig zuhause begehen, aber jetzt bin ich zu einer Fernsehshow eingeladen worden, wo ich mit anderen Experten aus der ganzen Welt den Weltuntergang live kommentieren soll.

WDR.de: Der aber nicht stattfindet - oder doch?

Grube: Wir haben jedenfalls unsere Grabungen für nächstes Jahr schon organisiert (lacht).

Die Fragen stellte Marion Kretz-Mangold

Ein Buch ...
Marion Kretz-Mangold

... verbindet uns: Den Archäologie-Bestseller "Götter, Gräber und Gelehrte" haben wir beide mehr als einmal gelesen. Aber Grube hat Ernst gemacht. Mein Traum, mit der Hacke in der Erde zu wühlen und sensationelle Funde zu machen, ist leider ein Traum geblieben.


Stand: 17.12.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (19)

letzter Kommentar: 21.12.2012, 11:17 Uhr

Anonym schrieb am 21.12.2012, 11:17 Uhr:
Watt denn? Hat sich Eurer Kölsch in Alt verwandelt? Für den jemeinen Kölner an sich is das de Dante unn de Innfarkt in einem ;-D
Norbert Steinmetz schrieb am 21.12.2012, 11:07 Uhr:
Wieso gibts kein Weltuntergang? In Köln gehts doch schon los....
endlich was neues schrieb am 21.12.2012, 09:03 Uhr:
ich hab mal meinen komposs auf den schreibtisch gelegt, damit ich die umkehrung der pole nicht verpasse...
Endlich haben wir uns dann alle lieb!!! schrieb am 18.12.2012, 16:14 Uhr:
"Wenn unsere Welt wirklich untergehen sollte,wer aber kann denn dann berichten,daß sie auch untergegangen ist"?.Wo sind wir dann,um es zu erfahren?. Mein Gott,das ist aber auch schwer?,nicht war,liebe Weiblein und liebe Männchen.So was aber auch,denn wir sind doch alle sooooooooooo neugierig,und was wird dann aus meiner Katze und meinen Hund?. Fragen über Fragen,und keine Antworten.Und nach dem 21.12.2012 geht's dann doch,---wie--- ,weiter,hurra ist dann alles überstanden,bis zum nächstenmal, oder was?.
Versicherungsheini schrieb am 17.12.2012, 23:08 Uhr:
Ab dem 21.12.2012 gilt der Unisex in unseren Versicherungen. Wenn das mal nicht der wahre Untergang unserer Welt ist. Ab da sind wir alle gleich, selbst wenn wir es nicht sind. Das haben die Maya bestimmt nicht vorher gesehen.

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