Höchstdotierter Forschungsförderpreis Vier "deutsche Nobelpreise" für NRW-Forscher

Der wichtigste und mit jeweils 2,5 Millionen Euro auch der höchstdotierte deutsche Forschungsförderpreis geht gleich vier Mal an Forscher in NRW. Ein Islamwissenschaftler, ein Chemiker, ein Psychologe und ein Physiker erhielten am Donnerstag (06.12.2012) die Nachricht, den Leibniz-Preis zu bekommen.

Insgesamt gibt es elf neue Preisträger, sie waren aus 135 Vorschlägen ausgewählt worden. Der Preis geht unter anderem an Thomas Bauer, Islamwissenschaftler der Uni Münster, Frank Glorius, Molekülchemiker, ebenfalls Uni Münster, Onur Güntürkün, Biopsychologe der Uni Bochum und Achim Rosch, Festkörperphysiker der Uni Köln. Dies teilte am Donnerstag (06.12.2012) die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit.

Thomas Bauer, Islamwissenschaftler


Der 1961 geborene Wissenschaftler wurde 2000 Professor für Arabistik und Islamwissenschaft der Uni Münster. Dort gründete er das "Centrum für religiöse Studien" und wurde Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters "Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und Moderne". Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hebt hervor, dass Bauer "auf vielleicht weltweit einmalige Weise die philologische Interpretation und Edition von Texten mit einem ebenso breiten wie innovativen kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Ansatz verbindet." Mit Bauer sei eine Wiederentdeckung des Islam als "Kultur der Ambiguität" (Kultur der Mehrdeutigkeit) verbunden.

Frank Glorius, Molekülchemiker


Die DFG schwärmt über den erst 40 Jahre alten Wissenschaftler, dass er auf seinem Gebiet Pionierarbeit geleistet habe. Er sei eine "absolute Ausnahmeerscheinung" und habe bereits jetzt "Bahnbrechendes geleistet". Und: Den "Höhepunkt seiner Produktivität" werde er sogar noch vor sich haben. Konkret forscht er zur sogenannten Organischen Katalyseforschung. Mit seinen Forschungsergebnissen könnten gezielt Bindungen zwischen Kohlenstoffatomen erzeugt werden. Das sei für Pharmazeutika oder Pflanzenschutzmittel von grundlegender Bedeutung. Mit nur 32 Jahren war Glorius Professor in Marburg geworden und folgte 2007 dem Ruf nach Münster. Glorius, der seinem Namen alle Ehre macht, wurde unter anderem bereits mit dem Alfred Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer ausgezeichnet.

Onur Güntürkün, Biopsychologe


Prof. Onur Güntürkün
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Onur Güntürkün

Der 54-jährige Onur Güntürkün erhält den Leibniz-Preis "als einer der Wegbereiter und wichtigsten Vertreter einer biologisch fundierten Psychologie". Sein grundlegendes Ziel sei zu ergründen, wie Wahrnehmung, Denken und Handeln im Gehirn entstehen. Er beschäftigte sich unter anderem mit Themen wie dem motorischen Lernen, der Angst und den Entscheidungsprozessen oder dem Risikoverhalten und dem Küssen. Zudem fand Güntürkün heraus, dass Elstern sich ähnlich wie Primaten im Spiegel selbst erkennen können. "Über seine vielfach ausgezeichneten Arbeiten hinaus genießt er auch als akademischer Lehrer einen ausgezeichneten Ruf – und als Wissenschaftsvermittler, der mit seiner eigenen Begeisterung für die Forschung auch seine Zuhörer und die Öffentlichkeit in den Bann zu schlagen versteht", lobte die DFG.

Achim Rosch, Festkörperphysiker


"An den Gedanken muss ich mich erst mal gewöhnen", sagte Achim Rosch nach der Bekanntgabe der Preise. "Das ist eine sehr große Ehre". Rosch teilt sich den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Preis mit seinem Kollegen Roderich Moessner aus Dresden. Beide haben laut DFG "herausragende Beiträge zur Erforschung von stark wechselwirkenden Quantensystemen erbracht." Achim Rosch befasse sich höchst erfolgreich mit einem breiten Spektrum physikalischer Fragestellungen auf dem Gebiet der Theorie der kondensierten Materie. Der 43-Jährige studierte und promovierte in Karlsruhe. Danach forschte er an der Rutgers University in New Jersey, bevor er wiederum in Karlsruhe Leiter einer DFG-geförderten Emmy Noether-Nachwuchsgruppe wurde. Seit 2004 ist er Professor an der Universität Köln.

Höchstdotierte Auszeichnung

NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) gratulierte den vier Preisträgern aus NRW. Sie sagte am Donnerstag (06.12.2012) in Düsseldorf, die Ehrung sei Ausweis herausragender wissenschaftlicher Leistungen. "Nicht umsonst werden die Leibniz-Preise auch als deutsche Nobelpreise bezeichnet", so die Ministerin. Der Leibniz-Preis ist der international höchstdotierte wissenschaftliche Förderpreis. Neun der Ausgezeichneten erhalten je ein Preisgeld von 2,5 Millionen Euro, zwei Wissenschaftler teilen sich einen Preis zur Hälfte mit je 1,25 Millionen Euro, so die DFG. Ziel der Förderung ist eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Forscher. Verliehen werden die Leibniz-Preise 2013 am 19. März in Berlin.


Stand: 06.12.2012, 17.11 Uhr


Kommentare zum Thema (6)

letzter Kommentar: 07.12.2012, 14.19 Uhr

schland schrieb am 07.12.2012, 14.19 Uhr:
@vollhorst ... wie heißt der Forscher noch?
Horst schrieb am 07.12.2012, 12.46 Uhr:
@Schland, wiso der her Günürkürk ist doch auch Türke und vermutlich islamischen Glaubens der hat aber wenigstens was Sinnvolles erforscht...
Schland schrieb am 07.12.2012, 12.08 Uhr:
Natürlich ein Hetzkommentar, ohne eine Abwertung anderer oder andersdenkender geht es ja heute nicht mehr. Wie beknackt kann man sein. Vielleicht noch ein bisschen Neid, eine Prise "Boot ist voll" oder darfs auch mal wieder ein "ich hab ja viele türkische Freunde, AAAAAber" sein? Egal, bitte, Sie dürfen mich jetzt als Gutmensch beschimpfen und über die Kulturbereicherer herziehen, bin gespannt, wie sie den Bezug zum Artikel herstellen. Den Forschern nebenbei auch einen herzlichen Glückwunsch!
Dieter schrieb am 07.12.2012, 11.39 Uhr:
Ich finde "Religionswissenschaften" haben einen solchen Preis nicht verdient esseidenn Sie beweisen ein für alle mal das es Gott, Alah, Buddah gar nicht gibt...
Horst schrieb am 07.12.2012, 11.38 Uhr:
@JC, wie ich genau dasselbe schreiben wollte... hatte aber Angst.

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