Symposium zu Kunst am Bau in NRW Schöner Bauen

Von Anke Fricke

Wenn der Bund baut, muss er einen Teil der Bausumme für Kunst aufwenden. Nicht so in NRW. Das Land kann neue Gebäude ohne Kunstwerke erstellen. Am Mittwoch (30.01.2013) diskutieren Architekten, Künstler und Politiker, ob im neuen Kulturfördergesetz die Kunst am Bau wieder zur Pflicht werden soll.


Ein Brunnen vor dem Finanzamt, eine Skulptur vor dem Rathaus oder ein nicht definierbares Gebilde an der Fassade eines Ministeriums. Kunst am Bau erzürnt nicht selten die Gemüter von Politiker und Bürger. Doch ohne die Kunst wäre der öffentliche Raum oft trist. Das hatte bereits die preußische Regierung erkannt und 1928 vorgeschrieben, dass in und an öffentlichen Gebäuden Kunst angebracht werden muss.

Wenn der Bund baut, ist die Kunst dabei

Auch der Bundestag beschloss 1950, dass ein bestimmter Prozentsatz der Bausumme für Kunst aufzuwenden ist. Die meisten Länder übernahmen die Verordnung auch für landeseigene Bauten, so auch NRW. Doch im Zuge der Gründung des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW im Jahr 2001 wurde die Richtlinie aufgehoben. Die Kunst am Bau wanderte vom Bauministerium zum Kulturministerium. Im noch nicht verabschiedeten Haushalt 2013 sind nach Angaben des NRW-Kulturministeriums 400.000 Euro für Kunst am Bau veranschlagt. Ohne gesetzliche Regelung kann der Posten schnell der nächsten Sparrunde zum Opfer fallen.

Kunst und Kunstplanung in einer Hand


Künstler und Architekten sind damit nicht glücklich. Denn Bau- und Kunstetat sind derzeit verschiedene Töpfe. "Wenn Kunst unabhängig vom Bauprojekt vergeben wird, kann das zu Problemen führen", sagt Christof Rose, Sprecher der Architektenkammer NRW. Nachträglich ergänzte Kunst empfinde der Architekt oft als aufgepfropft. "Immerhin versteht sich der Architekt selbst als Schaffer eines Kunstwerkes", sagt Rose. Für die Bauplaner sei es daher wichtig, dass die Kunst möglichst früh in den Prozess mit eingebunden wird.

Frühe Zusammenarbeit nötig

Das sehen auch die Künstler so. "Kunst am Bau ist heute nicht mehr irgendein Stahlgebilde im Eingang", erklärt Friederike van Duiven vom Landesverband der Bildenden Künstlerinnen und Künstler. Vielmehr habe der Künstler einen anderen inhaltlichen Blick auf die Dinge. "Wird der Künstler frühzeitig eingebunden ist die Zusammenarbeit mit den Architekten meistens sehr fruchtbar", sagt van Duiven. So gestalten Künstler Fassaden und Bauteile, wie etwa das Musiktheater in Gelsenkirchen oder die Universitäts- und Landesbibliothek in Münster.

Neues Kulturfördergesetz im Frühjahr


Damit gewährleistet ist, dass Künstler und Architekten gemeinsam bei großen Projekten zusammenarbeiten können, wünschen sie sich eine gesetzliche Regelung für Landesbauten. Wie eine solche Vorschrift aussehen soll, darüber diskutieren am Mittwoch (30.01.2013) rund 200 Künstler, Architekten und Politiker in Düsseldorf. "Wir wollen einen Gesprächsraum für die Beteiligten schaffen", erklärt Anette Kolkau vom Museum für Architektur und Ingenieurskunst NRW, der zusammen mit der Architektenkammer NRW zum Symposium eingeladen hat. Im Frühjahr will die Landesregierung das neue Kulturfördergesetz im Kabinett vorlegen. Darin soll auch die Kunst am Bau neu geregelt werden.

Vorbildfunktion des Landes

Doch kann sich das Land überhaupt Kunst am Bau leisten? "Angesichts der enormen Bausummen wären die Kosten für die Kunst sicher überschaubar", meint die Künstlerin van Duiven. Keiner frage bei einem Neubau, ob die Grünanlage tatsächlich nötig sei. Genauso müsse es mit der Kunst sein. Außerdem sei es fraglich, ob durch die Kunst der Bau tatsächlich teurer werde. "Künstler übernehmen oft Aufgaben, die ansonsten andere Handwerker machen müssen." Etwa die Gestaltung von Fassaden oder Dächern.


Stand: 30.01.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (9)

letzter Kommentar: 04.02.2013, 18.48 Uhr

Bert Brech schrieb am 04.02.2013, 18.48 Uhr:
Nee, Stephan. Das wird den "Studierten" ueberlassen. Letztendlich muss man diesen Krampf schliesslich lange "studiert" haben, um ihn zu "verstehen". Volkskunst oder den blossen Volkswillen in solchen Fragen zu beruecksichtigen, waere fuer "unsere" Politiker darueberhinaus ein "Rueckfall in die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte".
Stephan schrieb am 04.02.2013, 13.36 Uhr:
Alle Menschen, die sich künstlerisch ausdrücken wollen, sollen die Möglichkeit dazu haben. Sie sollen Räume, Mittel und Aufträge bekommen. Und es soll eine breite Diskussion darüber geben, welche Art von Kunst gefördert, ausgestellt und angekauft wird. Leisten können wir uns das allemal.
Bert Brech schrieb am 31.01.2013, 04.00 Uhr:
Es ist leider eine unumstoessliche Tatsache, dass die BRD-Raumschachteln UND die dazugehoerige "Kunst" aus den letzten 60 Jahren nicht nur scheisse aussehen, sondern auch noch nach 10-15 Jahren baufaellig sind (siehe die Berliner Kanzlerwaschmaschine und die Holokloetze daneben). Baulich-kuenstlerische Geschmacksverirrung trifft auf Pfusch und Minderwert - Ein steinernes Sittenbild "unserer" Demokratie und eine unfreiwillige oeffentliche Selbsteinschaetzung ihrer eigenen politischen Halbwertzeit.
Clonia schrieb am 30.01.2013, 18.45 Uhr:
Kunst gehört zur Kultur, dürfte aber leider nur bei wenigen Zeitgenossen auf Zustimmung stoßen. In der letzten Zeit war ja leider sehr häufig zu lesen, man solle den Kölner Dom abreißen, Schauspiel- und Opernhäuser seien völlig überflüssig, Museen ebenso! Wie will man da den Bürgern die Kunst näher bringen? Das geht ja dann noch nicht mal mehr über die Schulen, nachdem heute im Laufe des Tages gemeldet wurde, daß junge Lehrer fürchten müssen, nicht (!) eingestellt zu werden. Klar ist es viel wichtiger, Islamuntericht an die hiesigen Schulen zu bringen, als gemeinsames Lernen von Behinderten und Nichtbehinderten zu ermöglichen, ebenso sind Fächer wie Deutsch und Mathe, Geografie, Englisch und auch Sport weniger wichtig, dafür gibt's ja auch nicht genügend Lehrpersonal. Wer setzt die Prioritäten, sowohl in der Kunst als auch erst recht an den Schulen? Beides ist Kultur und beides ist immens wichtig. Sonst wird unsere Gesellschaft immer ärmer, vor allem im Geiste!
andrea schrieb am 30.01.2013, 13.53 Uhr:
Deutschland wird immer bekloppter! Und dann entscheiden noch irgendwelche Leute für uns Bürger (die den Sch... bezahlen!), was Kunst (und wahrscheinlich auch schön) ist. Manchmal denke ich wirklich: Besser ist, auszuwandern!

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