Das freiwillige Kulturjahr ist heiß begehrt: Viel mehr Bewerber als Plätze
Zuletzt gab es rund 1.400 Bewerbungen auf landesweit 170 Plätze in NRW: 16 bis 26-Jährige reißen sich darum, ein Jahr lang für wenig Geld in Theatern, Museen oder anderen Kulturbetrieben zu arbeiten. Seit Anfang Januar können sie sich für das Kulturjahr 2012 bewerben.

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Arbeitsplatz Dortmunder "U"
David Groher und Malte Zander arbeiten bereits seit Anfang September für den "Hartware Medienkunstverein" im "Dortmunder U". Das "U" ist Dortmunds neues Kreativzentrum. Es ist in einem ehemaligen Brauereikühlturm in Bahnhofsnähe untergebracht. Die beiden Abiturienten wollen sich ausprobieren und ein Jahr lang hinter die Kulissen eines Kulturbetriebs schauen. Dafür erhalten sie ein Taschengeld von 300 Euro pro Monat und sind pflichtversichert. Der 19-jährige David Groher findet das in Ordnung: "Es heißt ja immer noch 'soziales Jahr'. - Man soll sich in diesem Jahr nicht bereichern. – Bereichern an Geld, meine ich. An Informationen bereichern und an Erfahrungen bereichern – das ist eher das, worauf das Jahr hinzielt."
Hinter die Kulissen schauen

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David Groher und Malte Zander wollen Erfahrungen im Kulturbetrieb sammeln
David Groher ist 19 und will später Medienwissenschaften studieren. Angesichts der angestiegenen Studentenzahl befürchtete er, nicht sofort einen Studienplatz zu bekommen. Deshalb bewarb er sich zusätzlich um ein freiwilliges Kulturjahr. Wenn er das abgeschlossen hat, werden ihm, wie allen Freiwilligen, zwei Wartesemester gut geschrieben. Der 20-jährige Malte Zander dagegen wollte unbedingt erst einmal das Kulturjahr absolvieren, "weil ich noch nicht genau wusste, was ich studieren will und noch gar nicht studieren wollte. Ich will erst einmal das Arbeitsleben kennenlernen."
Eins haben sie schon gelernt: Auch in einem Kulturbetrieb kommt man um Routineaufgaben nicht herum. Die beiden Freiwilligen müssen unter anderem Pressespiegel erstellen, Inventarlisten führen und Einladungen verschicken. David Groher gibt zu: "Es gibt Momente, da fragt man sich: Warum habe ich das jetzt angefangen? Das ist ganz normal, es kann einem nicht alles richtig gut gefallen, aber es gibt auch richtig schöne Momente wie neulich die Eröffnung des "Japan Media Arts Festivals", als ganz viele Japaner hier waren und eine japanische Mädchengruppe beim Eröffnungskonzert gesungen hat. Solche Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen und Kulturen sind das, was einen mit dem ganzen anderen versöhnt."
Die Kulturbetriebe schätzen ihre Freiwilligen

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Mirjam Laaker betreut die Freiwilligen
Beide haben eine ausgeprägte künstlerische Ader. Deshalb, sagt Mirjam Laker vom Medienkulturverein, passen sie gut ins Anforderungsprofil. Der Verein beschäftigt erst zum zweiten Mal Freiwillige, ist aber schon jetzt voll und ganz von ihnen überzeugt. Mehr noch: "Wir haben uns entschieden, keine Praktikanten mehr zu nehmen, sondern nur noch Freiwillige. Sie sind sehr fleißig, sehr interessiert und wollen gerne was lernen. Außerdem ist es von Vorteil, dass sie ein Jahr lang da sind. Da kann man sie viel besser einarbeiten."
Christine Köndgen vom "Beethovenhaus" in Bonn ist ebenfalls voll des Lobes. Zurzeit wird dort der sechste Freiwillige in Folge beschäftigt. "Ausnahmslos alle Freiwilligen, die wir bis jetzt hatten, waren liebenswert, hilfsbereit und sehr selbstständig. Die kommen in der Regel auch, wenn wir kurzfristig Hilfe brauchen, sogar am Abend oder am Wochenende." Im Beethovenhaus gibt es viele Betätigungsfelder für die so genannten FSJler. Das fängt an mit Routineaufgaben wie dem Telefondienst und der Arbeit im Museumsshop. "Später unterstützen sie uns im Museum bei Führungen, werten in der Bibliothek historische Zeitschriften aus und betreuen Kindergruppen." Jeder Freiwillige präsentiert zum Abschluss eines Kulturjahrs ein eigenes Projekt. "Der aktuelle FSJler bereitet einen Workshop für Eltern und Kinder vor. Bisher gibt es nämlich im Museum nur Kinderworkshops und die Eltern sind oft enttäuscht, weil sie selber gerne mitmachen würden." Es gibt sogar Überlegungen, demnächst zwei Plätze für Freiwillige pro Jahr anzubieten. Falls die Finanzen des Vereins das zulassen.
Viele Kulturbetriebe können sich Freiwillige nicht leisten

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Thomas Pösz würde gerne mehr Einsatzstellen anbieten
Die Landesarbeitsgemeinschaft Kultur mit Sitz in Bochum ist Träger der 170 Einsatzstellen, die es in NRW gibt. Sie sind übers ganze Land verteilt, aber die meisten Angebote gibt es in den Städten. Die Mitarbeiter der LAG werben ständig neue Einrichtungen, nehmen Bewerbungen entgegen und treffen für die teilnehmenden Kulturbetriebe eine Vorauswahl aus der Liste der Interessenten.
Es ist schwer, so Thomas Pösz von der LAG Kultur, Einsatzstellen für die Freiwilligen zu finden. "Viele kleine Vereine sagen gleich, dass sie sich die FSJler nicht leisten können. Andere springen nach einiger Zeit wieder ab. Das liege daran, "dass in den Städten der Finanzhahn weiter zugedreht wird und die 7.000 Euro, die ein Freiwilliger pro Jahr kostet, nicht mehr vorhanden sind."
Noch nie, sagt Pösz, musste für das Kulturjahr geworben werden. Von Beginn an gab es mehr Bewerber als Plätze und: Kaum einer bricht das Kulturjahr zugunsten eines Studienplatzes oder einer anderen beruflichen Alternative ab. Auch Malte Zander bereut seine Entscheidung nicht: "Ich kann das FSJ Kultur empfehlen, weil ich bis jetzt schon viel gelernt habe."
Stand: 03.01.2012, 08.00 Uhr
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