Auftakt der Kraftwerk-Konzertreihe Die Musik-Maschine

Von Susanne Schnabel

Kraftwerk kommt nach Hause. Erstmals seit über 20 Jahren spielte am Freitagabend (11.01.2013) die Kultband des Elektropop in ihrer Heimatstadt Düsseldorf. Der Auftakt der Konzertreihe wurde von Zuschauern aus aller Welt bejubelt.


Kraftwerk in Düsseldorf auf der Bühne

"Schatz! Hör mal, hör mal! Ich kann nicht glauben, dass ich dabei bin. Es ist wunderbar", flüstert ein Mann in sein Handy und hält das Gerät dann minutenlang in die Luft. Der Schatz am anderen Ende der Leitung hat wohl keine Karte mehr bekommen, hört nun über Telefon das Lied "Autobahn" und verpasst dabei die 3D-Videoanimation an der riesigen Leinwand und den Surround-Klang aus 36 Boxen.

800 Zuschauer jubeln


Junge mit 3D-Brille
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Der jüngste Zuschauer beim Kraftwerk-Konzert

Zwei Stunden dauert der Auftakt zu der Konzertreihe, an dem die vier Musiker an acht Abenden jeweils eines ihrer legendären Alben präsentieren werden. Neben den Tracks des Albums "Autobahn" aus dem Jahr 1974 spielt Kraftwerk viele Hits wie "Tour de France", "Das Model" oder "Computerwelt". Die rund 800 Zuschauer jubeln zwischen den Stücken. Während die aufwendigen Animationen an der Leinwand laufen und die Musiker an ihren Laptops klicken, ist eher souveränes Kopfnicken statt Tanzen angesagt. "So war es schon immer bei Kraftwerk, was aber nicht heißt, dass diese elektronische Musik einen kalt lässt. Im Gegenteil: Der Sound geht unter die Haut, auch nach 40 Jahren. Die Melodien wurden für die Ewigkeit komponiert", schwärmt Ellen aus Krefeld.

Kein typisches Kraftwerk-Publikum


Jochen Schöttler
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Jochen Schöttler macht ebenfalls elektronische Musik

An diesem Abend sei nicht unbedingt das typische Kraftwerk-Publikum in das K20 der Kunstsammlung NRW gekommen, sagt Jochen Schöttler, der selber seit vielen Jahren elektronische Musik mit Freunden macht. Darunter habe die Stimmung aber nicht gelitten, sagt er. Der Düsseldorfer ist in den 80er Jahren auf die Musik von Kraftwerk aufmerksam geworden. "Im Fernsehen lief ein Bericht über industrielle Roboter und im Hintergrund wurde 'Roboter' von Kraftwerk eingespielt. Da bin ich neugierig geworden", so der 43-Jährige.

Kraftwerk im DDR-Jugendradio


Fan mit Kraftwerk-CD-Box
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Matthias Hilla besucht alle acht Konzerte

Matthias Hilla aus Leipzig hat bereits zu DDR-Zeiten Musik von Kraftwerk geliebt. "Ich habe immer das Jugendradio 'Electronics' gehört und der damalige Moderator Olaf Zimmermann hat dort Kraftwerk laufen lassen. Das erste Stück, das ich von denen gehört habe, war 'Radioaktivität' und es war sofort um mich geschehen." Matthias Hilla hat die Band schon öfters live gesehen und bedauert, wie publikumsscheu die Musiker geworden sind. "Ich habe noch Fotos, wo ich als 16-Jähriger Arm in Arm mit Ralf Hütter und Florian Schneider stehe. Die haben mir ein Autogramm auf meinen ollen Pullover gegeben. Schade, ich würde auch heute gerne mal mit denen sprechen."

2.400 Euro für acht Konzerte


Fans aus England und Schweden
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Fans aus der ganzen Welt sind angereist

Hilla hat die Karten zu allen acht Konzerten im Internetauktionshaus teuer erstanden, weil er, wie so viele andere, beim offiziellen Ticketverkauf im Netz scheiterte. "Ich habe insgesamt 2.400 Euro für acht Konzerte ausgegeben. Dazu kommen noch die Reise und die Hotelkosten", erzählt der 36-Jährige, der sich vor dem Konzert noch schnell die CD-Box für 120 Euro kauft. Für einen echten Fan wie ihn sind das alles gute Investitionen. Das findet auch Paul Wilkinson aus der Nähe von Manchester. "Dies ist mein 27. Kraftwerk-Konzert", sagt der Engländer, der sich auch für alle acht Konzerte Karten gekauft hat und immer das passende T-Shirt anziehen wird. Der 41-Jährige reist um die ganze Welt, um die Elektro-Pioniere zu sehen. Die Szene kennt sich – Paul Wilkinson trifft in Düsseldorf Anders, Tobias und Jan aus Schweden wieder, die ebenfalls echte Kraftwerkianer sind.

"Unerreicht"

"Es war herrlich", resümiert die 48-Jährige Eva aus Düsseldorf das Konzert und strahlt vor Freude. "Ich war vor Kurzem beim David Guetta-Konzert. Kraftwerk sind mit ihren alten Stücken mindestens genauso modern. Diese eingängigen Melodien, gegen die man sich nicht wehren kann, sind unerreicht."

Magischer Moment...
Susanne Schnabel

Auf dem Weg auf der Autobahn zum Konzert höre ich im Radio einen WDR 5-Beitrag über Kraftwerk. Nach dem Bericht spielt der Sender das Lied "Autobahn" - eines meiner liebsten Kraftwerk-Stücke. Ein Gänsehautmoment.


Stand: 12.01.2013, 11.00 Uhr


Kommentare zum Thema (4)

letzter Kommentar: 15.01.2013, 15:40 Uhr

Tim schrieb am 15.01.2013, 15:40 Uhr:
Ich habe mal vor Jahren auf der Homepage des Goetheinstitutes gelesen: Kraftwerk ist der größte musikalische Beitrag aus Deutschland seit Beethoven. (keine Anführungszeichen, da "fast" in originalem Wortlaut wiedergegeben)
Tom B. schrieb am 13.01.2013, 19:12 Uhr:
Schöner Bericht, Kraftwerk hat schliessliche Musikgeschichte geschrieben. Kann die Meinung von "anonym" nicht verstehen wieso das Kulturschande sein soll, man muss ja nicht alles mögen, aber sich so aufzuregen, peinlich. Da gibt es andere Bereiche (z.B. Sport) bei den öffentlich Rechtlichen wo viel mehr Gebühren verprasst werden und auch nicht alle interessiert. Ich danke dem WDR, weiter so!
Atze schrieb am 13.01.2013, 09:19 Uhr:
Danke an den WDR für den Bericht über die Kultband Kraftwerk. Der eine mag Marschmusik, Musikantenstadl oder Dieter Bohlen. Im Gegensatz zu vielen " Stars" hat sich Kraftwerk über Jahrzehnte eine einzigartige Fangemeinde geschaffen. In Japan und anderswo, sind sie hoch angesehen. Das ist Kultur, denn noch in vielen Jahren wird die Musik der Kraftwerker zu hören sein. Das ist nicht Mainstream und endlich mal abseits der üblichen seifigen Mucke, wo es mehr aufs' Aussehen und weniger auf musikalisches Können ankommt.
Anonym schrieb am 12.01.2013, 19:20 Uhr:
Warum zahlen wir für einen Bericht über so einen so einen Quatsch unsere Fernseh-Gebühren. Das ist keine Musik, das ist eine Kulturschande. Aber neben wirklich interessanten Berichten werden immer Berichte über vollkommen uninteressante Themen gesendet.


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