Koelbl-Fotografien in Bonn: Kanzler im Wandel der Zeit
Bekannt wurde die Fotografin Herlinde Koelbl mit ihrer Serie "Spuren der Macht", für die sie Politiker über Jahre porträtierte. Unter dem Titel "Spurenlese" widmet das Haus der deutschen Geschichte in Bonn der Künstlerin nun eine Sonderausstellung.

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Porträt mit Porträts: Herlinde Koelbl
Die Kanzlerin altert im Schnelldurchlauf: Auf den ersten Porträts ist Anfang der 90er Jahre eine junge Frau mit schmuckloser Kurzhaarfrisur und wachem Blick zu sehen. "Ich gehöre nicht zu den am härtesten gesottenen Politikern, aber ich weiß, dass ich durchkomme", ist darunter zu lesen. Das vorerst letzte Bild ist nur wenige Jahre alt: Nicht nur das Äußere von Angela Merkel hat sich gewandelt. Auch an den Zitaten aus den begleitenden Interviews kann man beobachten, wie eine zunächst sehr offene Gesprächspartnerin sich immer mehr verschließt. Sie habe sich 1991 für "Spuren der Macht" Menschen ausgesucht, die noch am Anfang ihrer Karriere standen, dabei aber Zukunftsaussichten hatten, erklärt Herlinde Koelbl heute. Bei der Auswahl hatte die Künstlerin offenbar ein sehr gutes Gespür bewiesen: Neben Merkel zählten damals auch Gerhard Schröder und Joschka Fischer zu den Porträtierten, wie in der Bonner Ausstellung zu sehen ist.
Porträts von Bettelheim und Wiesenthal

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Aus der Serie "Feine Leute"
Eine Auswahl aus einer weiteren berühmten Porträtserie der Künstlerin ist nur wenige Schritte entfernt: Für das Projekt "Jüdische Porträts" hatte Koelbl in den 80er Jahren deutsch-jüdische Persönlichkeiten fotografiert, die den Holocaust überlebt hatten. Neben eindringlichen Schwarz-Weiß-Fotografien des Psychologen Bruno Bettelheim oder des Publizisten Simon Wiesenthal, der als "Nazi-Jäger" in die Geschichte eingegangen ist, finden sich Auszüge aus Interviews, in denen die Porträtierten ihre Ansichten und ihr persönliches Verhältnis zum Judentum und zu Deutschland erläutern. Das sei ihre wichtigste Arbeit, meint Koelbl: "Ich hoffe, ich konnte damit aufzeigen, was Deutschland alles verloren hat." Das Haus der Geschichte hat einige der Porträts gekauft - sie werden dort also noch zu sehen sein, wenn die Ausstellung "Spurenlese" im Januar 2013 beendet wird.
Blick hinter die Bischofsoutane

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Aus der Serie "Schlafzimmer"
Andere Schwerpunkte setzt Koelbl in den Serien "Das deutsche Wohnzimmer" (1980) und "Das Schlafzimmer" (2002). Die Fotografin zeigt dabei Zimmer und ihren Bewohner aus unterschiedlichen sozialen Milieus. In ihrer neusten Produktion "Kleider machen Leute" geht die Künstlerin der Frage nach, wie Uniformen den Eindruck des jeweiligen Gegenübers verändern. Dazu konfrontiert sie großformatige Porträts von Menschen, einmal in Berufs- und einmal in Freizeitkleidung: Besonders auffällig ist die Veränderung an dem Regensburger Bischof Müller zu beobachten. Der Würdenträger in der roten Soutane und der entspannte Mann im Trainingsanzug scheinen kaum noch derselbe Mensch zu sein. Einen weiteren interessanten Blick auf gesellschaftliche Rituale und Codes bietet die Fotoreportage "Feine Leute". Von 1979 bis 1985 fotografierte Koelbl bei Filmbällen, Modenschauen und Empfängen die Körpersprache der der so genannten "besseren Gesellschaft".
Spurenlese. Fotografien von Herlinde Koelbl, 5. Juli 2012 – 27. Januar 2013, Öffnungszeiten: Di-Fr 9-19 Uhr; Sa/So/Feiertage 10-18 Uhr, Eintritt frei
Stand: 04.07.2012, 14.33 Uhr
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