Interview mit Fotograf Thomas Wimmer Klotografie: Ästhetik der Toiletten-Decken

Auf einer Toilette richtet Thomas Wimmer stets auch den Blick nach oben. Da gibt es oft Erstaunliches zu entdecken, so erstaunlich, dass Wimmer in den letzten Jahren tausende Fotos von Toiletten-Decken gemacht hat. Ein Interview anlässlich des Welttoilettentages (19.11.2012).


Tiffanylampen, Neonröhren, gerahmte Bilder, gemusterte Tapeten oder lustige Sprüche an Decken von Toiletten bleiben meist unbeachtet. Nicht bei Thomas Wimmer. Der fotografiert sogar die schönsten Decken-Motive. In sieben Jahren hat der Kölner tausende Bilder davon gemacht. Seit 2010 zeigt der 34-Jährige seine "Klotografien" der Öffentlichkeit. Als Mitglied der German Toilet Organization (GTO) hat seine Arbeit auch einen ernsten Hintergrund. Ein Interview anlässlich des Welttoilettentages (19.11.2012).

WDR.de: Seit wann beschäftigen Sie sich fotografisch mit Ihrem ungewöhnlichen Thema?

Thomas Wimmer: Vor etwa zwölf Jahren ist mir aufgefallen, dass sich alle Fotos, die ich gemacht habe, sehr ähneln: Partygäste mit Glas, ohne Glas, mit Grimasse oder ohne. Ich wollte Fotos machen, die interessanter sind als das Alltägliche. Zufällig ist mir eine Toiletten-Decke aufgefallen, die interessant beleuchtet war. Ich suchte nach weiteren Decken und wurde fündig. Schnell wurde meine Sammelleidenschaft geweckt.

WDR.de: Welche Toiletten interessieren Sie besonders?


Wimmer: In der Anfangszeit habe ich überall fotografiert, wo es eine Toilette gab: bei Freunden, im Theater oder in Galerien. Die besten Motive fand ich in Bars, Diskotheken, Kneipen und Hotels. Irgendwann habe ich das Fotografieren eingeschränkt auf spannend gestaltete Decken.

WDR.de: Sie haben auch auf Reisen fotografiert, zum Beispiel in Italien, England oder Kroatien. Gibt es gravierende Unterschiede zu deutschen Toiletten-Decken?

Wimmer: Nicht wirklich. Dort gibt es genauso trostlose Decken, aber auch viele Gastronomen, die sich richtig Mühe geben bei der Beleuchtung oder der Gestaltung der Wände und Decken. In Italien habe ich ein Toilettenhäuschen am Strand gefunden, dessen Wände in Pastellfarben gestrichen waren. Es gab eine offene Stelle an der Decke, so dass man in den blauen Himmel sehen konnte.

WDR.de: Wie reagieren die Menschen, wenn Sie Ihnen erzählen, welche Motive Sie fotografieren – ist das stille Örtchen ein Tabu-Thema?


Wimmer: Nein, gar nicht. Am Anfang war es für mich ein Tabu-Thema. Ich habe in den ersten zwei Jahren keinem davon erzählt. Erst als ich genug Motive zusammen hatte, habe ich ein kleines Fotobuch mit den schönsten Decken gedruckt. Die Reaktionen waren durchweg positiv, was mich bestärkt hat, die Bilder auch in Ausstellungen zu zeigen.

WDR.de: Sie haben sich den Begriff Klotografie ausgedacht. Gibt es Nachahmer?

Wimmer: Zum Thema Toilette gibt es im Internet zahlreiche Blogs und Seiten, die teils ernsthaft, teils humorvoll, über das Thema Klo in Wort und Bild berichten. Einige Fotografen benutzen mittlerweile auch den Begriff Klotografie. Damit habe ich kein Problem – es gibt keinen, der genau das gleiche macht wie ich.

WDR.de: Sie sind Mitglied der GTO. Was ist das Ziel dieser Organisation?


Wimmer: Ziel ist es, die Gesundheit der Menschen weltweit zu verbessern. 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt ohne saubere sanitäre Einrichtungen. Wir unterstützen im Ausland einige Projekte, zum Beispiel an Schulen. Es gibt tatsächlich Mädchen, die den Unterricht nicht besuchen, weil es an der Schule keine Toilette gibt. Es geht also nicht nur um Gesundheit, sondern in solchen Fällen auch um Bildung. Gibt es keine Kanalisation, müssen Alternativen gefunden werden. Umweltaspekte spielen ebenfalls eine große Rolle. Die kulturellen Gegebenheiten eines Landes werden berücksichtigt, so ist es in manchen Ländern nicht möglich, dass Männer und Frauen unter einem Dach die Toilette besuchen. Die GTO erfährt viel Unterstützung und Anerkennung für ihre Arbeit.

Das Interview führte Susanne Schnabel.

Aktuelle Ausstellungen:
bis 3. Januar 2013 "Ehrenfelder Kunsteck präsentiert Klotografie"
Bürgerzentrum Ehrenfeld, Köln
bis 5. Januar 2013 "Klotografie einmal gerahmt"
Kunstfenster Rheydt, Mönchengladbach

Stichworte

Welttoilettentag

Um auf das Problem der weltweit fehlenden Toiletten aufmerksam zu machen, hat die World Toilet Organization (WTO) im Jahr 2001 erstmals den 19. November als Welttoilettentag ausgerufen. Unterstützt wird die WTO von den Vereinten Nationen. Gemeinsam will man auf die Bedeutung der hygienischen Sanitäreinrichtungen vor allem in den ärmeren Teilen der Welt aufmerksam machen. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung - das sind 2,6 Milliarden Menschen - haben keinen Zugang zu einer sanitären Grundversorgung. Das hat verheerenden gesundheitliche und sozio-ökonomischen Folgen. Deutscher Partner der WTO ist die German Toilet Organization e.V. mit Sitz in Berlin.


Stand: 19.11.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (2)

letzter Kommentar: 23.11.2012, 05.16 Uhr

Lisa Kloppick schrieb am 23.11.2012, 05.16 Uhr:
Anbetracht dieses Beitrags könnte man meinen, es wäre der 1. April.
Herrmann Hasse schrieb am 21.11.2012, 19.03 Uhr:
Leute fresst Scheisse! Millionen Fliegen koennen sich nicht irren (man weiss echt nicht, ob man lachen oder wimmern soll...)