Deutscher Kamerapreis vergeben: Bescheidene Stars hinter der Kamera
Dieser Preis ist einmal nicht für Stars vor, sondern hinter der Kamera: Der Deutsche Kamerapreis wurde am Samstagabend (16.06.2012) in Köln verliehen. Mit dabei waren erstmals junge Webvideo-Macher. Die Schau stahl allen aber ein Kölner "Kohlenmann".
-
-
Bild 1 vergrößern
+
Große Bühne für die junge Webvideo-Gestalter (Fotostrecke 1)
Für sie war es der erste große Auftritt vor der Kamera. Da standen sie auf der großen Bühne in der Kölner Vulkanhalle, noch zurückhaltender als ihre älteren Kollegen, aber mit umso mehr Freude im Gesicht. Ihre Auszeichnungen für die besten Webvideos sind das "Sahnehäubchen" des diesjährigen Kamerapreises, wie Moderatorin Katty Salié sagte, einmalig gestiftet zum 30-jährigen Bestehen des begehrten Preises.
"Bock, einen Film zu machen"

-
Bild 8 vergrößern
+
Laudatorin Sabine Heinrich
"Die haben zwar keine große Technik, aber einfach Bock, einen Film zu machen", meinte 1LIVE-Moderatorin Sabine Heinrich, die als Laudatorin begeistert war von allen drei Clips der Webvideo-Preisträger. Thema für alle eingereichten Beiträge war der "30. Februar".
Vom Baby zur Oma in drei Minuten

-
Bild 9 vergrößern
+
"Iterum": Ein Bild, ein Lebensalter
Platz eins - dotiert mit einem Camcorder - ging an das Video "Iterum" der beiden Berliner Mediengestalter Romek Watzlawik und Sebastian Glowinski. Große Babyaugen, ein Grinsen mit Zahnspange, ein Kuss, ein Krankenbett - in Nahaufnahmen zieht innerhalb von drei Minuten ein ganzes Leben vorbei. Baby, Mädchen, Oma, alle Protagonisten kämen aus dem Dunstkreis ihres Büros, erzählte der 25-jährige Sebastian Glowinski. In zwei Tagen war "das Ding" fertig.
Erfolgreicher Dreh am WG-Küchentisch

-
Bild 10 vergrößern
+
Preis für den Clip "Hammergeil"
Den zweiten Preis bekamen die Kölner Jonas Görtz und Samuel Kunz für "Hammergeil", gedreht am Küchentisch in ihrer Wohngemeinschaft. Zwei Mitbewohner wurden genötigt, die Hauptdarsteller zu spielen und sich einen Dialog auszudenken zum 30. Februar. Der eine verspricht, den anderen mitzunehmen (wohin auch immer ...). Der freut sich daraufhin wie Bolle, auch wenn es am 30. Februar sein soll, an einem Tag, den es niemals geben wird. Als Anerkennung gibt es für die Videomacher ein Praktikum beim WDR oder beim ZDF, das sie wohl nicht wahrnehmen können. Görtz ist Cutter und Kunz Kameraassistent beim WDR. Der dritte Preisträger, Marcel Gothow aus Petershagen, freute sich mehr darüber.
Ein Kohlenhändler, ein Preisträger und schöne Frauen

-
Bild 11 vergrößern
+
Spaß auf der Bühne mit einem Kölschen Original
Den regulären Kamerapreis 2012 bekamen zehn Cutter und Kameraleute. Zu ihnen gehört Andreas Köhler, der für seine warmherzige Reportage "Der Kohlenmann" ausgezeichnet wurde. "Kohlenmann" ist der 75 Jahre alte Kölner Peter Van de Beeck, der Überraschungsgast des Abends. In dem Film, der in der WDR-Reihe "hier und heute" lief, sieht man den Kohlenhändler bei den Touren zu seinen Kunden. Auf der Bühne überreichte er dem Kameramann ein Brikett aus der letzten Schicht der Zeche Frechen und verglich den Kamerapreis mit einer schönen Frau: Er werde Köhler sein Leben lang begleiten.
Ja, sie ist gut genug: Judith Kaufmann

-
Bild 12 vergrößern
+
Lieber hinter der Kamera: Judith Kaufmann
450 Beiträge waren für den regulären Kamerapreis eingereicht worden, 35 Kameraleute und Cutter waren nominiert. Der Ehrenpreis stand schon vorher fest. Ihn bekam die 49-jährige Kamerafrau Judith Kaufmann, von der unter anderem "Die Fremde" mit Sibel Kekilli ist. Ihr Laudator, Regisseur Lars Büchel, schilderte sie als bescheiden und zurückhaltend. Sie frage immer, "war das gut genug?" Die gebürtige Stuttgarterin, die schon zwei Kamerapreise hat, eröffnete ihre Dankesrede mit den Worten: "Leider ist keine Kamera da..." Katty Salié brachte den Satz für sie zu Ende "... hinter der Sie sich verstecken können!"
- Die Preisträger des Deutschen Kamerapreises 2012
-
Kategorie Kamera Kinospielfilm
Markus Förderer – "Hell"
Kategorie Kamera Fernsehfilm/Dokudrama
Peter Zeitlinger – "Verfolgt – Der kleine Zeuge"
Kategorie Kamera Dokumentarfilm/Dokumentation
Victor Kossakovsky – "Vivan las Antipodas!"
Kategorie Kamera Fernsehserie
Wolf Siegelmann/ Simon Schmejkal – "Allein gegen die Zeit: Elf Uhr"
Kategorie Kamera Kurzfilm
Lotta Kilian – "Wir sterben"
Kategorie Kamera Bericht/Reportage
Andreas Köhler – hier und heute: "Der Kohlenmann"
Kategorie Schnitt Kinospielfilm
Andreas Menn – "Hell"
Kategorie Schnitt Dokumentarfilm/Dokumentation
Saskia Metten – "Cinema Jenin – Geschichte eines Traums"
Förderpreis Kamera
Jan Mettler - "Eddy" (Kurzfilm) und Christian Stangassinger – "Silent River" (Kurzfilm)
Ehrenpreis
Judith Kaufmann
Internetwettbewerb Kamera3030
1.Preis: Romek Watzlawik und Sebastian Glowinski für "Iterum" 2.Preis: Jonas Görtz und Samuel Kunz für "Hammergeil" 3.Preis: Marcel Gothow für "Ein Tag, den es niemals geben wird"
- 30 Jahre Deutscher Kamerapreis
-
Seit 30 Jahren zeichnet der Preis die Bildgestalter aus - Kameraleute und die, die für den Schnitt zuständig sind: die Cutter. Mehrere Jurys aus Filmschaffenden entscheiden über die Gewinner in sechs Kategorien und über zwei Förderpreise. Zu den Kategorien gehören zum Beispiel die Fernsehserie und der Kinospielfilm. Der undotierte Kamerapreis gilt als bedeutendste Auszeichnung der Branche. Verliehen wird er von dem Verein "Deutscher Kamerapreis", zu dem unter anderem die Stadt Köln, der WDR und die Film- und Medienstiftung NRW gehören.
Stand: 17.06.2012, 09.00 Uhr
Seite teilen
Über Soziale Medien