Deutscher Kamerapreis Roter Teppich für Webvideo-Macher

Von Marion Menne

Seit 30 Jahren wird der begehrte Deutsche Kamerapreis an Kameraleute und Cutter vergeben. Im Jubiläumsjahr gibt es einen zusätzlichen Preis: für das beste Webvideo. Die Gewinner wurden am Samstagabend (16.06.2012) in Köln bei einer Fernseh-Gala ausgezeichnet.


Screenschot aus dem Webvideo "Hammergeil" von Jonas Görtz

Ungewöhnliche Perspektiven, emotionale Bilder und überraschende Schnitte waren gefragt bei dem Internetpreis kamera3030, der in diesem Jahr zusätzlich im Rahmen des altehrwürdigen Deutschen Kamerapreises vergeben wird. Die besten 30 eingereichten Clips stehen bereits per Internetvoting fest. Der Sieger wird aber erst am Samstag (16.06.2012) gekürt. Denn der rote Teppich vor der Kölner Vulkanhalle wird im 30. Jahr der Verleihung des Deutschen Kamerapreises speziell auch für junge Kreative ausgerollt.

Liebe, Einsamkeit und düstere Szenen


Mit kamera3030 soll der Kamerapreis "ein Stück in die Zukunft verlängert werden", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Kamerapreises, Christoph Augenstein. Die eingereichten Clips, die drei Minuten lang sein durften, seien handwerklich überaus gut und zeigten eine große Vielfalt. Thema des Wettbewerbs war der 30. Februar - "Ein Tag, den es niemals geben wird". Niemals mehr geben wird es dann auch diesen Internetpreis - er wird einmalig zum Jubiläumsjahr des Kamerapreises vergeben.

Eintauchen in die Welt der Videofilmer


Screenschot aus dem Webvideo Mouche von Ahmad Mohammadi
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"Mouche" von Ahmad Mohammadi

Auffällig ist, dass die meisten Filme von jungen Filmemachern stammen und sich um Liebe, Einsamkeit und düstere Themen drehen. Da ist zum Beispiel das wunderbar ästhetische Stück von Ahmad Mohammadi aus Hannover, der eine Schwimmerin bei ihrer Unterwasser-Tanzgymnastik filmte - und das Bild einfach auf den Kopf stellte. Oder Lara Steinemanns (Essen) Einblick in die liebenswürdig piefige Wohnung einer alten Dame. Ein lustiges Tänzchen auf nebliger Wiese vom rechten zum linken Bildrand zeigt ein Beitrag des Stuttgarters Leon Lattik. Rasante Schnitte und ganz große Freude auf den 30. Februar gibt es bei Jonas Görtz aus Köln.

Ehrenpreis für Kameraufrau Judith Kaufmann


Judith Kaufmann
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Judith Kaufmann

Für den regulären Deutschen Kamerapreis sind insgesamt 35 Kameraleute und Cutter nominiert. 450 Beiträge waren eingereicht worden. Die Preise werden in sechs Kategorien verteilt. Fest steht bereits, wer den Ehrenpreis erhält: Die 49-jährige Kamerafrau Judith Kaufmann. Zur Begründung hieß es, nur wenigen Bildgestaltern gelinge es, eine solche Seelenverwandtschaft mit den Protagonisten vor der Kamera aufzubauen. Die gebürtige Stuttgarterin erschaffe Bilderwelten von athmosphärischer Dichte und ergreifender Tiefe. "Wo Dialoge enden, beginnen ihre Bilder", sagte Augenstein.

30 Jahre Deutscher Kamerapreis
Logo Deutscher Kamerapreis

Seit 30 Jahren zeichnet der Preis die Bildgestalter aus - Kameraleute und die, die für den Schnitt zuständig sind: die Cutter. Mehrere Jurys aus Filmschaffenden entscheiden über die Gewinner in sechs Kategorien und über zwei Förderpreise. Zu den Kategorien gehören zum Beispiel die Fernsehserie und der Kinospielfilm. Der undotierte Kamerapreis gilt als bedeutendste Auszeichnung der Branche. Verliehen wird er von dem Verein "Deutscher Kamerapreis", zu dem unter anderem die Stadt Köln, der WDR und die Film- und Medienstiftung NRW gehören.


Stand: 15.06.2012, 09.00 Uhr




Kulturnachrichten

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    In Köln findet im Juni erstmals ein Festival der Philosophie statt. Die "Phil.Cologne" steht unter dem Motto "Die Suche hat begonnen...". In 44 Veranstaltungen geht es um den aufrechten Gang, den Tod, den Weltraum und auch um Fußball. Zu den Veranstaltungen werden Philosophen wie Richard David Precht, Oskar Negt und Rüdiger Safranski erwartet, aber auch die frühere Bischöfin Margot Käßmann und Astronaut Reinhold Ewald. Die "Phil.Cologne" ist eine Tochter des etablierten Literaturfestivals "Lit.Cologne", das in diesem Jahr mehr als 90.000 Besucher anzog. Das Festival der Philosophie beginnt am 26. Juni und dauert fünf Tage.

  • Wagner-Nachlass soll in öffentliches Archiv

    Die Bayreuther Festspielchefin Katharina Wagner will den Nachlass ihres Vaters Wolfgang in Kürze dem Bayerischen Staatsarchiv zur Verfügung stellen. Im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel sagte sie, damit habe die Forschung Zugang zu dem Material. Nachlässe des Wagner-Clans sind von besonderer Brisanz, weil die Familie in der NS-Zeit einen engen Umgang mit den Nazi-Größen pflegte. In den vergangenen Jahren wurde diskutiert, wie mit dem Nachlass Wolfgang Wagners umgegangen werden soll. Der Enkel von Richard Wagner hatte die Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg übernommen und sich auch mit der braunen Vergangenheit der Familie auseinandergesetzt. Er starb 2010.

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    Der Lette Andris Nelsons wird neuer Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra. Das Orchester zählt zu den fünf bedeutendsten in den USA. Es nominierte den 34-Jährigen als 15. Musikdirektor seit seiner Gründung vor mehr als 100 Jahren. Nelsons löst James Levine ab, der den Posten seit 2004 innehatte. Nelsons leitete bis 2009 die Nordwestdeutsche Philharmonie in Herford und arbeitete in letzten Jahren mehrfach mit dem WDR Sinfonieorchester Köln zusammen.

  • Rattenfängersage soll UNESCO-Kulturerbe werden

    Die Sage über den Rattenfänger von Hameln soll UNESCO-Kulturerbe werden. Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann sagte, die Rattenfängersage gelte als hohes, weltweit verbreitetes Kulturgut und sei einzigartig. Hameln hat eine Wissenschaftlerin engagiert, die das Antragsverfahren vorantreiben soll. Die Rattenfängersage wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und ist nach Schätzungen rund einer Milliarde Menschen bekannt. Die UNESCO schützt nicht nur Bauwerke, sondern auch herausragende immaterielle Kulturgüter als gemeinsames Erbe der Menschheit.

  • Moers Festival beginnt mit John Zorn

    Das internationale Musikfestival in Moers beginnt am Freitag mit einem Konzert des New Yorker Komponisten und Saxofonisten John Zorn. Am Eröffnungsabend sind gleich vier Konzerte seiner Musik gewidmet, die mit Elementen des Jazz, der Klassik und des Rock arbeitet. Bis Sonntag treten Musiker aus Europa, Afrika, Lateinamerika und den USA im Moerser Schlosspark auf. Es ist das letzte Mal, dass das Moers Festival im Zirkuszelt stattfindet. Aus Kostengründen zieht das traditionsreiche Musikfest im kommenden Jahr in eine feste Veranstaltungshalle um.

  • Kleist-Preis für Katja Lange-Müller

    Der Kleist-Preis 2013 geht an die Schriftstellerin Katja Lange-Müller. Die Kleist-Gesellschaft teilte mit, die 62-Jährige sei eine der sprachmächtigsten Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur. Lange-Müller wuchs in der DDR auf und reiste 1984 nach West-Berlin aus. Sie schreibt Erzählungen und Romane. Zuletzt erschien ihr Roman "Böse Schafe", in dem sie eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte im Berlin der 80er Jahre schildert. Der Kleist-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

  • Letzte Wohnstätte von Kaiser Wilhelm II. bleibt erhalten

    Die letzte Wohnstätte von Kaiser Wilhelm II. im niederländischen Exil bleibt erhalten. Das "Huis Doorn" in der Nähe von Utrecht wird von September an ein Museum über den Ersten Weltkrieg beherbergen. Der Museumsdirektor sagte zur Begründung, Wilhelm II. habe eine Hauptrolle im Ersten Weltkrieg gespielt. Nachdem im vergangenen Jahr die staatlichen Subventionen für das Haus drastisch gekürzt worden waren, drohte der Villa das Aus. Der Museumsdirektor kündigte an, dass das neue Museum ausschließlich mit Ehrenamtlichen arbeiten werde. Kaiser Wilhelm II. hatte von 1920 bis zu seinem Tod im Jahr 1941 auf dem kleinen Landgut gelebt.

  • Tibetischer Autor zu Gefängnisstrafe verurteilt

    In China ist ein bekannter tibetischer Autor zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Wie der Radiosender "Radio Free Asia" berichtet, wurde der 36-jährige Gartse Jigme zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, sein Buch "Der Mut des Königs" verbreitet zu haben. Jigme schildert darin die Leiden Tibets und der Tibeter und schreibt auch über den Dalai Lama, die Exilregierung und die Selbstverbrennungen. Gartse Jigme war im Januar festgenommen worden. Seitdem hat seine Familie keine Nachrichten mehr von ihm erhalten.

  • Civis-Medienpreise in Berlin vergeben

    In Berlin ist der Civis-Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt verliehen worden. Der mit gut 20.000 Euro dotierte Preis ging an acht Radio- und Fernsehprogramme aus Deutschland, Polen und der Schweiz. Auch zwei Produktionen des Westdeutschen Rundfunks wurden ausgezeichnet. So kürte die Jury das Porträt eines iranischen Boxtrainers als beste lange Radioreportage. Einen Preis erhielt auch die Fernsehdokumentation "Die story: Friedhof der Illegalen". Autor Andreas Morell zeigt darin das Elend der Flüchtlinge, die über die türkisch-griechische Grenze nach Europa einreisen wollen. Der Civis-Medienpreis würdigt Beiträge, die das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft fördern.

  • Mäzen Udo van Meeteren erhält Stifterpreis

    Der Düsseldorfer Unternehmer und Mäzen Udo van Meeteren wird am Freitag mit dem Deutschen Stifterpreis geehrt. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen teilte mit, der 86-Jährige habe an Rhein und Ruhr viele mäzenatische Spuren hinterlassen. Die von ihm 1980 gegründete Stiftung van Meeteren fördert Wissenschaft, Kultur, Naturschutz, den internationalen Jugendaustausch sowie soziale und karitative Projekte. Außerdem war er an der Gründung der Stiftung Schloss und Park Benrath sowie weiterer Einrichtungen beteiligt. Die undotierte Auszeichnung wird Udo van Meeteren im Rahmen des Deutschen Stiftungstags in Düsseldorf übergeben.

  • Beuys-Witwe darf Foto-Ausstellung nicht verbieten

    Im jahrelangen Rechtsstreit um Fotos einer Kunstperformance von Joseph Beuys hat der Bundesgerichtshof sein Urteil verkündet. Demnach kann die Witwe von Joseph Beuys dem Museum Schloss Moyland nicht mehr verbieten, Fotos einer Fett- und Schokoladenaktion ihres Mannes auszustellen. Die Witwe hatte argumentiert, dass die Kunstaktion ihres Mannes urheberrechtlich geschützt sei und die Fotos eine unzulässige Bearbeitung darstellten. Die Richter der beiden ersten Instanzen gaben der Witwe Recht. Der Bundesgerichtshof urteilte dagegen, dass Beuys die Fotoserie selbst inszeniert habe. Beuys hatte 1964 in einer Fernsehsendung live aus Margarine-Riegeln eine Fettecke hergestellt und mit Schokolade ein Transparent gemalt.