Nach Kürzung der Landesmittel: Bund rettet Frauenarchiv
Das finanziell angeschlagene feministische Archiv der Frauenrechtlerin Alice Schwarzer in Köln ist gerettet. Nachdem das Land die Förderung um zwei Drittel gekürzt hatte, wurde am Dienstag (21.02.2012) bekannt, dass das Bundesfamilienministerium einspringt.

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Der FrauenMediaTurm: Sitz des feministischen Archivs
150.000 Euro jährlich, und das vier Jahre lang: Soviel stellt das Bundesfamilienministerium für das feministische Archiv jetzt bereit. "Ich mache das aus Freude und Überzeugung", teilte Ministerin Kristina Schröder mit, "denn bei der Förderung von Projekten geht es nicht um die Übereinstimmung in jeder Tonlage oder Argumentationsweise, sondern um den Grundkonsens, dass wir bedeutende Zeugnisse dieser bedeutenden Bewegung als Gesellschaft erhalten, unterstützen und befördern."
Damit weist Schröder auf eine alte Fehde zwischen ihr und Schwarzer hin. Denn in der Vergangenheit hatte Schwarzer kaum ein gutes Haar an Schröder gelassen. Nach distanzierenden Äußerungen der Ministerin zum Feminismus der 70er Jahre schrieb Schwarzer ihr in einem Offenen Brief: "Was immer die Motive der Kanzlerin gewesen sein mögen, ausgerechnet Sie zur Frauen- und Familienministerin zu ernennen - die Kompetenz und Empathie für Frauen kann es nicht gewesen sein."
Schröder zeigte sich heute davon unbeeindruckt. Es sei der Ministerin ein besonderes Herzensanliegen gewesen, das Archiv zu unterstützen, betonte ihr Sprecher und ergänzt: "gerade weil langfristige Zusagen von NRW bestanden". Darauf hatte sich Alice Schwarzer immer wieder berufen: Der damalige CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers habe die Förderung bis 2017 fest zugesagt.
Schwarzers Angst vor dem "Todesstoß"

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Frauenarchiv im mittelalterlichen Wehrturm am Rheinufer
Nach dem Regierungswechsel kam die Förderung aber auf den Prüfstand. Die Folge: Das Archiv sollte im Jahr 2012 nur noch mit 70.000 Euro gefördert werden - 2008, also zu Zeiten der schwarz-gelben Landesregierung, waren es noch 210.000 Euro. Schwarzer sprach daraufhin von einem "Todesstoß" für ihr Archiv und davon, dass ein Kernbetrieb mit mindestens drei Mitarbeiterinnen so nicht möglich gewesen wäre. Rüttgers Nachfolgerin Hannelore Kraft (SPD) blieb aber dabei, dass sie angesichts der schwierigen Haushaltslage sparen müsse - "trotz aller Wertschätzung für die großen Verdienste von Alice Schwarzer".
Können andere Frauenarchive auf Hilfe vom Bund hoffen?
Zwischenzeitlich fanden sich private Spender, die die Mitarbeiter weiter bezahlten, jetzt hilft das Bundesfamilienministerium aus und macht damit dem "Skandal", wie es in der Pressemitteilung genannt wird, ein Ende. Das sei nicht ungewöhnlich, betont der Sprecher. Die Förderung gelte für vier Jahre, was danach passiere, stehe nicht fest. Ob sich andere Frauenarchive im Lande, die der Landesregierung zufolge bisher auch nicht gefördert wurden, Hoffnungen auf Geld vom Bund machen können? Knappe Auskunft: "Die Liste derjenigen, die sich bewerben, ist lang."
CDU kritisiert Kürzung der Landesregierung
Die CDU im Düsseldorfer Landtag begrüßte die Förderzusage aus Berlin. "Bundesfrauenministerin Kristina Schröder korrigiert so, was die Frauen in der Landesregierung, Hannelore Kraft, Svenja Schulze, Barbara Steffens und Ute Schäfer verbockt haben", erklärte der frühere NRW-Frauenminister Armin Laschet. "Obwohl sieben Millionen Euro Mittel des Frauenetats nicht abgerufen wurden, kürzte man rückwirkend 70.000 Euro und gefährdete das Forschungszentrum in seiner Substanz", so Laschet weiter.
Eine Sprecherin von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erklärte unterdessen, Kraft habe in einem Schreiben an Schwarzer selbst angeregt, dass sie sich auch um Bundesmittel bemühen könne.
Schwarzer: "Archiv hat wieder Perspektive"
Jetzt habe "das über 28 Jahre überwiegend aus privaten Kräftren und mit acht Milllionen Euro aufgebaute Universalarchiv zur aktuellen wie historischen Frauengeschichte wieder eine Perspektive", freute sich Alice Schwarzer über die Förderzusage. Jetzt könne wieder "solide gearbeitet" werden. Das Archiv umfasst rund 15.000 Bücher, 25.500 Zeitschriften und rund 32.650 Aufsätze zur Frauenbewegung.
Stichworte
- Der Frauenmediaturm
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Im Archiv des Frauenmediaturms (FMT) finden sich folgende Sammelschwerpunkte: Die Neue Frauenbewegung von 1971 bis zur Gegenwart, die Historische Frauenbewegung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1933 sowie zu "Pionierinnen aus allen Zeiten – also rollensprengende, herausragende, prägende Frauen aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Sport". Zum Bestand gehören nach Angaben des Frauenmediaturms 15.000 Bücher, 25.500 Zeitschriften verteilt auf 929 Titel, 32.650 Aufsätze sowie 600 Presseordner, Fotos, Plakate, Filme, Tondokumente und eine Chronik der Neuen Frauenbewegung. "Der FMT ist im deutschsprachigen Raum die thematisch umfassendste, modern erschlossene Spezialbibliothek zu Geschlechtergerechtigkeit und Genderforschung", heißt es in einer Selbstdarstellung.
1984 wurde das Archiv in Frankfurt am Main gegründet, zehn Jahre später bezog es Räume in Köln im Bayenturm, einem Wehrturm der mittelalterlichen Stadtmauer in unmittelbarer Rheinnähe. Finanziert wurde das Archiv bislang durch Spenden und öffentliche Gelder. Getragen wird der Frauenmediaturm von der gleichnamigen gemeinnützigen Stiftung. Deren Vorsitzende ist Alice Schwarzer.
Stand: 21.02.2012, 15.50 Uhr
Kommentare zum Thema (17)
letzter Kommentar: 24.02.2012, 17:41 Uhr
- Anonym schrieb am 24.02.2012, 17:41 Uhr:
- Wenn schon der Steuerzahler dafür bluten muss dann sollte dieser Turm jeden Werktag ganztägig für jedermann und jederfrau ohne Einschränkung geöffnet sein!
- Jutta schrieb am 23.02.2012, 11:24 Uhr:
- Der "Schwarzer" auch noch ihr eigenes Denkmal mit Steuergeld zu finanzieren ist eine Frechheit. Wo ist der Bund der Steuerzahler der diese Verschwendung rügt? Kann man dagegen etwas tun?
- Hmm schrieb am 22.02.2012, 17:07 Uhr:
- Dieser Turm ist nicht mal für jeden zugänglich, wird aber aus Steuermitteln gefördert? Eine bodenlose Frechheit. Möchte mal wissen, wo die Rechtsgrundlage für diesen Fall der Steuerverschwendung zu finden ist. Ich werde in Berlin mal nachfragen und dann ggf. die StA bitten, den Sachverhalt zu überprüfen.
- Bernhard Schellen schrieb am 22.02.2012, 16:09 Uhr:
- Es ist eine Frechheit wie mit unseren Steuern umgegangen wird. Hier wird so getan als ob die Ministerin es aus eigener Tasche zahlt und damit auf Liebkind machent. An allen Ecken und Kanten wird gespart. Unsere Bibliotheken werden in den Vororten dichtgemacht und dieser Tempel wird mit Millionen subwensioniert. Auslagern in eine öffentlich zugängliche Bücherei und fertig. Archiv.... lächerlich.
- Andrea schrieb am 22.02.2012, 15:52 Uhr:
- Was für ein Schwachfug! Liebe Familienministerin, dieser Turm hat NICHTS mit Familien zu tun. Das ist eine absolut sinnfreie Verschwendung von Steuermitteln.
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