Franz-von-Assisi-Ausstellung in Paderborn Roter Teppich für den Bettelmönch

Der heilige Franz von Assisi predigte und lebte die Armut. Überaus reich ist hingegen die Ausstellung, die seit Freitag (09.12.2011) im Erzbischöflichen Diözesanmuseum in Paderborn zu sehen ist: mit Reliquien des Heiligen, prachtvollen Miniaturen aus dem Vatikan sowie Gemälden und Skulpturen.


Leihgaben aus dem Louvre, der Vatikanischen Pinakothek, dem Nationalmuseum Kopenhagen: frühe italienische Tafelmalerei, spätmittelalterliche Fresken, Handschriften mit prachtvollen Miniaturen, Meisterwerke aus dem Barock und Reliquien des Heiligen Franziskus – die 200 Exponate, die das Erzbischöfliche Diözesanmuseum ab Freitag (09.12.2011) zeigt, sind ein Paukenschlag. Nach den Ausstellungen zur Karolingerzeit (1999) und Canossa (2006) ist dies eine weitere Schau der Paderborner, die sich dem Mittelalter widmet. "Franziskus - Licht aus Assisi" - unter diesem Titel werden Leben und Wirken des Heiligen (1181/82-1226) beleuchtet. "Franziskus hat in vielem vorweggenommen, was unser modernes Denken bewegt", meint Alfons Hardt, Generalvikar des Erzbistums Paderborn. Er habe sich Christi Lehre und Leben kompromiss- und bedingungslos zum Vorbild genommen. Konsumverzicht und der Lobpreis der Schöpfung Gottes im berühmten Sonnengesang ("Schwester Sonne, Bruder Mond") sowie die Mahnung diese zu erhalten scheinen in der Tat von unverwüstlicher Aktualität zu sein.

Vom wilden Feger zum einsamen Asketen


Reichlich Stoff für die Legendenbildung bietet das Leben des Franz von Assisi. Dazu gehören die Wundmale Christi (Stigmatisation), die sich bei ihm zeigten, seine Predigt an die Vögel und natürlich der Weg vom Sohn eines reichen Textilhändlers zum Bettelmönch. Als Giovanni Battista Bernardone 1181 oder 1182, so genau weiß man es heute nicht, auf die Welt kommt, ist sein Vater in Frankreich. Nach seiner Rückkehr nennt er darum seinen Sohn Francesco (deutsch: Franziskus). In seiner Jugend soll Franz ein wilder Feger gewesen sein, der mit dem Geld seines Vaters seine Freunde freihielt.


Der Legende nach wird er jedoch von Gott berufen, dem Leben Christi zu folgen. Einsamkeit, Armut und Askese bestimmen mehr und mehr sein Leben, es kommt zum Bruch mit den Eltern. Franz sammelt Gleichgesinnte um sich. Unter ihnen ist Klara von Assisi (1193/94–1253), die zur Gründerin des Klarissen-Ordens wird. In der Ausstellung zu sehen ist die wohl früheste erhaltene Großplastik der heiligen Klara im deutschsprachigen Raum. Sie ist um 1330/1340 entstanden und gehörte zur Gründungsausstattung des mecklenburgischen Klosters Ribnitz.

Der Strick der Franziskaner


Franz von Assisi erhielt 1209/1210 die päpstliche Erlaubnis, einen Orden zu gründen. Bereits 1228, also nur vier Jahre nach seinem Tod, wird er heilig gesprochen. Aus seinem Bettelorden sind später der Minoriten- und Kapuziner-Orden entstanden. In Deutschland gibt es heute noch rund 350 Franziskaner. Weltweit sind es nach Angaben des Ordens rund 15.000. Damit sind die Franziskaner der zweitgrößte katholische Orden nach den Jesuiten. Das äußere Zeichen der Mönche ist eine braune Kutte, die von einem schlichten Strick mit drei Knoten zusammengehalten wird. Sie erinnern an die drei Prinzipien, die eine Richtschnur der Bettelmönche sind: Armut, Keuschheit und Gehorsam. Wie das Leben der Mönche konkret aussieht, zeigt eine begleitende Ausstellung im Kreuzgang des Paderborner Franziskanerklosters. Es liegt in der Nähe des Erzbischöflichen Diözesanmuseums.

Die Ausstellung "Franziskus – Licht aus Assisi" ist bis zum 6. Mai 2012 im Erzbischöflichen Diözesanmuseum in Paderborn zu sehen.


Stand: 09.12.2011, 00.01 Uhr




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