Tag der Büchereien "On-Leihe" bei Bibliotheken boomt

Von Martin Teigeler

Viele Stadtbüchereien in NRW bieten ihren Lesern seit einiger Zeit E-Books an. Selbst kleine Büchereien auf dem Land wollen den Trend nicht verschlafen. Die allermeisten Leser nehmen aber bislang noch Bücher aus dem Regal.


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Immer mehr E-Book-Nutzer leihen digitale Bücher aus

Knapp 1,6 Millionen Menschen in NRW haben 2011 in einer der über 1.600 öffentlichen Bibliotheken im Land ein Buch oder ein anderes Medium entliehen. Rund um den bundesweiten Tag der Bibliotheken an diesem Mittwoch (24.10.2012) machen die Büchereien mit zahlreichen Veranstaltungen auf ihr Angebot aufmerksam. Die Leser leihen zunehmend auch E-Books und andere digitale Medien aus, wie die Geschäftsführerin des Verbandes der Bibliotheken des Landes Nordrhein-Westfalen, Monika Kolberg, bestätigt. "Der Trend geht dahin. Viele Bibliotheken machen schon mit." In einem Workshop zur "On-Leihe" wollen sich die Büchereien bald vernetzen.

100 Prozent Zuwachs


In Düsseldorf erwartet die Stadtbibliothek im laufenden Jahr einen Zuwachs von etwa 100 Prozent bei den E-Book-Ausleihen. "2011 haben wir insgesamt 60.000 digitale Medien ausgeliehen. In diesem Jahr liegen wir bisher bereits bei über 90.000", sagt Klaus Peter Hommes von der Düsseldorfer Stadtbibliothek. Zwar sei das derzeit nur ein Anteil von 1 bis 2 Prozent an der Gesamtzahl der entliehenen Medien, doch der Zuwachs zeige, dass E-Books im Trend liegen. Beliebt seien zum Beispiel digitale Ausgaben der Romane von Umberto Eco oder Jussi Adler-Olsen, aber auch Kinderbücher. Über 20.000 E-Papers, E-Books, E-Audios und E-Videos stehen bereit.

Registrierte Nutzer können im Bestand der NRW-Landeshauptstadt zwischen aktuellen Bestsellern, Hörbüchern oder E-Zeitungen wählen. "Unser digitales Rechtemanagement sorgt dafür, dass ein E-Buch 14 Tage lang auf dem Endgerät des Kunden abrufbar ist", erklärt Hommes. Digitale Tageszeitungen können die Düsseldorfer Bücherei-Nutzer auf ihren Endgeräten für eine Stunde buchen. Für E-Books stehen diverse Formate von PDF bis EPUB bereit. Angebote gibt es für Linux, Apple und Microsoft.

Neben Besitzern von E-Book-Lesegeräten können auch Smartphone- oder Tablet-PC-Nutzer 24 Stunden pro Tag öffentliche E-Medien ausleihen. Ausgeschlossen von diesem Modell sind bisher Kindle-Kunden, denn der Amazon-Konzern betreibt ein eigenes Ausleih-Angebot.

Software sichert Digitalrechte

Das von einem externen Dienstleister auch für andere nordrhein-westfälische Bibliotheken gelieferte System zur digitalen Rechteverwaltung passt nicht nur auf das Ende der Leihfrist auf, sondern auch darauf, dass die Bücher am heimischen PC nicht ausgedruckt oder kopiert werden können. Wenn die Uhr abgelaufen ist, kann der nächste Leser das Medium ausleihen.

Die Stadtbibliothek Köln verzeichnete 2011 ein Plus von rund 27 Prozent bei den E-Ausleihen. Aber auch kleinere Büchereien auf dem Land reagieren auf die wachsende Beliebtheit der elektronischen Bücher. "Das boomt. Wir haben steigende Downloads", sagt Maria zu Klampen, Leiterin der Stadtbücherei im münsterländischen Ahaus. Gemeinsam mit anderen regionalen Anbietern aus Städten wie Münster und Bocholt kaufe man im Verbund Lizenzen für E-Books.


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Nicht alle Bücher

Bei den E-Nutzern handele es sich "eher um Frauen als um Männer", sagt zu Klampen. Und: Viele Menschen hätten noch immer lieber ein richtiges Buch in der Hand, aber im Urlaub nehme der E-Book-Reader im Koffer einfach weniger Platz weg als ein dicker Schmöker.

Nicht alle Verlage machen mit

In Ostwestfalen-Lippe schließen sich ebenfalls zehn Stadtbibliotheken zwischen Bad Salzuflen bis Verl zu einem neuen Onleihe-Verbund zusammen. Das neue virtuelle Angebot soll ab Dezember 2012 zur Verfügung stehen. Die Stadtbücherei Münster veranstaltet jeden Donnerstag einen "E-Book-Tag".

Nicht alle Verlage verkaufen allerdings ihre Netz-Veröffentlichungen an Bibliotheken. "Es gibt da bei einigen Häusern Vorbehalte", sagt der Düsseldorfer Bibliothekar Hommes. Bei bestimmten literarischen Werken müssen die Leser somit noch ganz klassisch ins Regal greifen.

Stichworte

EPUB

Die Abkürzung EPUB steht für Electronic Publishing. Dies ist ein herstellerunabhängiges Format, das für E-Book-Reader optimiert wurde. Zudem gibt es EPUB-Apps für Smartphones und Tablets. Nicht kompatibel ist die Technik zum Amazon Kindle.


Stand: 24.10.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 24.10.2012, 09:07 Uhr

Lisa schrieb am 24.10.2012, 09:07 Uhr:
Ich nutze schon etwas länger das Angebot der Kölner Stadtbücherei für Ebooks über mein Iphone. Zum Lesen in der Bahn für mich deutlich praktischer, als ein Buch mit zu nehmen. Leider ist die Auswahl nur sehr eingeschrenkt. Neuerscheinungen und Bestseller gibt es fast gar nicht, von Mehrteilern gibts es oft nur 1 Teil. Die Ausleihfrist von 2 Wochen ist gerade für umfangreichere Werke meines Erachtens zu kurz, eine Verlängerung ist nicht möglich. Ich würde mich sehr freuen, wenn das Angebot erweitert werden würde.


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