Tag des offenen Denkmals Hölzerne Geschichte und Geschichten

Von Susanne Schnabel

Historisches zum Anfassen: Am Tag des offenen Denkmals (09.09.2012) können in NRW rund 1.100 Denkmäler besucht werden. Der Naturstoff Holz steht dabei im Mittelpunkt. In Düsseldorf-Gerresheim zeigt Stadtführerin Ute Pannes passend zum Thema heilige, grausame und romantische Beispiele.


Ute Pannes
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Stadtführerin Ute Pannes erzählt Gerresheimer "Holz-Geschichten"

Ein Naturstoff hat Geschichte geschrieben: Holz hat die Menschheit geprägt wie kein anderer Rohstoff. Schon vor Tausenden Jahren haben unsere Vorfahren damit Häuser, Boote und Brücken gebaut, formten daraus Kunstwerke und Gebrauchsgegenstände. Geschichts- und Architekturexpertin Ute Pannes hat in Düsseldorf-Gerresheim zum Tag des offenen Denkmals nicht nur ein Objekt ausgewählt, sondern gleich eine ganze Stadtführung ausgearbeitet unter dem Motto: "Gut(es) Holz in Gerresheim".

Fachwerkmauer von innen


Fachwerkhaus in Nettetal
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Fachwerk in Nettetal aus dem Jahr 1568

Bei einem Gang durch den historischen Ortskern zeigt sie den Besuchern, wie vielseitig Holz verwendet wurde. "Vom Fachwerkhaus zum Knüppeldamm, vom Scheiterhaufen zum Kruzifix - Holz spielt die Hauptrolle bei diesen Szenen aus der Gerresheimer Geschichte", so beschreibt Ute Pannes ihre Route. Gut erhaltene Fachwerkbauten stehen in Gerresheim viele, aber das ehemalige Pfarrhaus, Baujahr 1568, bietet besondere Einblicke: Der Architekt Aloys Odenthal hat es Mitte der 1980er-Jahre original restauriert. An einer Stelle im Fachwerk ließ er eine Glasscheibe einsetzen, damit die Konstruktionsweise und die verwendeten Materialien sichtbar sind.

Soldaten kamen über den "Knüppeldamm"


Quadenhof  in Gerresheim
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Die Sümpfe hinter dem Quadenhof boten keinen Schutz

Der Quadenhof ist eine Wasserburg aus dem späten Mittelalter, der zum Schutz und zur Versorgung des Stiftes erbaut wurde. Genau hinter diesem Gebäude nahm im Jahr 1586 das Unglück seinen Lauf: Gerresheim wurde damals in die Wirren des Truchsessischen Krieges verwickelt. Grund war die Liebe zwischen dem Kölner Erzbischof und Kurfürsten Gebhard Truchsess von Waldburg und dem hübschen Gerresheimer Stiftfräulein Agnes von Mansfeld. Ute Pannes schildert, wie die feindlichen Soldaten durch den Bau eines so genannten "Knüppeldamms" aus Reisig und dünnen Holzstämmen, die schützenden Sümpfe hinter dem Quadenhof überqueren konnten und dann die Stadt ausplünderten.

Die letzte Hexenverbrennung im Rheinland


Brunnen in Gerresheim
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Ein trauriges Stück Geschichte: Hexenverbrennung

"Gerresheim hat auch einen grausamen Bezug zu Holz: Hier wurden die letzten Hexen des Rheinlandes verbrannt. Sie hießen Helena Curtens und Agnes Olmans", erzählt Ute Pannes. Ein Relief am Heimatbrunnen zeigt die Szene, als die beiden aus Gerresheim stammenden Frauen auf den Scheiterhaufen gefesselt werden. "Es ist überliefert, dass man für den Bau eines Scheiterhaufens acht Klafter Holz, zudem Teer und Stroh verwendet hat", so die Stadtführerin. Ein Klafter ist ein altes Raummaß für Brennholz und entspricht etwa vier Raummetern. Kurz: Jede Menge Holz für die qualvolle Todesstrafe.

Kruzifix aus dem Jahr 960


Kruzifix in St. Margareta
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Das Kruzifix in St. Margareta ist fast 1.100 Jahre alt

Die letzte Station der hölzernen Stadtführung zeigt zwar auch eine Hinrichtung, doch da strahlen die Augen von Ute Pannes wieder, denn die Basilika St. Margareta beherbergt über dem Altar einen wahren Kunstschatz: "Experten haben das Kruzifix untersucht und schätzen, dass es um 960 gefertigt wurde. Zehn Jahre später kam es nach Gerresheim". Es ist neben dem Kölner Gerokreuz das älteste erhaltene Hochkreuz nördlich der Alpen.

Führungen in ganz NRW

Der Tag des offenen Denkmals ist die Einladung in die Vergangenheit, der seit 20 Jahren Millionen Interessierte folgen. In NRW sind an der von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz koordinierten Veranstaltung rund 1.100 Denkmale zu sehen, die zumeist kostenlos besucht werden können.


Stand: 08.09.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (3)

letzter Kommentar: 10.09.2012, 12:28 Uhr

balve schrieb am 10.09.2012, 12:28 Uhr:
Das Objekt in Balve "Hönnetalstr. 1 -3 " Herr Schröder sollte von 15.45 Uhr bis 15.00 Uhr zur Besichtigung geöffnet sein Um 16.00 Uhr sollte ein Führung sein. Wir kommen von 60 km Entfernung und nichts ist vor Ort geöffnet. Ich war sehr enttäuscht das ich verschlossene Türen vorfand.
OWL schrieb am 09.09.2012, 09:07 Uhr:
Der Tag des offenen Denkmals findet nicht nur im Rheinland statt, obwohl man diesen Eindruck gewinnen kann, auch wenn im letzten Satz noch der Hinweis auf NRW gegeben wird. Der Rheinlandsender WDR könnte auch mal historische Bauten aus OWL oder Westfalen in den Focus stellen, aber da sitzt wahrscheinlich das rheinische Hemd näher, als die Bollerbuchse Westfalen.
Zorro schrieb am 09.09.2012, 00:26 Uhr:
Ich wohne in einer Kleinstadt in Mittelhessen. Hier gibt es viele alte Fachwerkhäuser, die zwar unter Denkmalschutz stehen, aber immer mehr zerfallen, weil die Sanierung dieser alten Häuser zu teuer ist. Trotzdem mag ich diese morbiden alten Kleinstädte. Ich mag aber auch Städte mit einer Skyline wie Frankfurt am Main mit den Denkmälern der Moderne. Öde sind für mich die Plattenbauten der ehemaligen DDR, obwohl es auch im Westen Bausünden der 50-er, 60-er und 70-er Jahre gibt.


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