Kinofilm "Cloud Atlas" Der teuerste deutsche Film aller Zeiten

Am Donnerstag (15.11.2012) startet "Cloud Atlas" in den Kinos - mit einem Budget von 100 Millionen US-Dollar der teuerste deutsche Film aller Zeiten. Einer der Regisseure: der Wuppertaler Tom Tykwer. WDR.de sprach mit Produzent Uwe Schott darüber, wie das Mammutprojekt, das auch in Düsseldorf gedreht wurde, zustande kam.


Szene aus dem neuen Film "Cloud Atlas"
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Szene aus dem neuen Film "Cloud Atlas"

WDR.de: Was ist das Besondere an dieser Filmproduktion?

Uwe Schott: Das Besondere an der Produktion ist ihre von Hollywood unabhängige Finanzierung und die ungewöhnliche Art der Realisierung. David Mitchells Bestseller "Cloud Atlas" galt als unverfilmbar. Tom Tykwer und die beiden Wachowski-Geschwister aus Chicago waren aber so begeistert von dem Buch, dass sie es unbedingt zusammen auf die Leinwand bringen wollten. Die drei befreundeten Regisseure haben das Drehbuch gemeinsam entwickelt und die verschiedenen Zeitebenen und Erzählstränge der Romanvorlage auf eine unorthodoxe Weise neu verknüpft. "Cloud Atlas" ist kein Episodenfilm oder bloße Aneinanderreihung von Geschichten. Jede Szene greift in die nächste.

WDR.de: Die ersten Kritiken fielen gemischt aus und reichten von "filmischer Offenbarung" bis zur "beispiellosen Katastrophe".  Für den Filmkritiker des epd Martin Schwickert  ist "Cloud Atlas" ein Film, auf dem man sich einlassen muss, um seine Qualitäten zu erkennen. Sehen Sie das auch so?


Uwe Schott, Grant Hill und Stefan Arndt bei der Premiere des Films "Cloud Atlas"

Uwe Schott, Grant Hill und Stefan Arndt bei der Premiere des Films "Cloud Atlas"

Schott: Absolut. Jeder Zuschauer sollte ihn als Kinoerlebnis auf sich wirken lassen. Dieser Film vereint mehrere Genres, er ist zugleich Geschichtsepos, Science-Fiction Movie, Liebesfilm, Komödie und Thriller, und ist zudem ein visuelles Meisterwerk. Und wenn der Film polarisiert, haben wir alles richtig gemacht. Jeder sollte sich seine eigene Meinung dazu bilden.

WDR.de: Wie sind diese immens hohen Produktionskosten entstanden?

Schott: Wenn ein amerikanisches Studio das Projekt gemacht hätte, wäre das Budget fast doppelt so hoch gewesen. Ein Major hatte für diese anspruchsvolle Literaturverfilmung zunächst 180 bis 190 Mio. US-Dollar kalkuliert, was sich für deutsche Verhältnisse utopisch anhört. Der letzte Matrix-Film (The Matrix Revolutions) 2003 hat etwa 150 Mio. US-Dollar gekostet. Heute würde so eine Blockbuster Produktion in Hollywood mindestens 50 Prozent mehr kosten. Insofern haben wir für einen solch aufwendigen Film wesentlich weniger ausgegeben.

WDR.de: Was war Ihre Aufgabe als ausführender Produzent dieses Riesenprojektes?

Schott:  Der Film wurde von X Filme Creative Pool und Anarchos Productions in Co-Produktion mit A-Company und ARD Degeto produziert. Meine Hauptaufgabe im Vorfeld bestand darin, gemeinsam mit Stefan Arndt,  eine solide Finanzierung mit internationalen  Partnern auf die Beine zu stellen und die hierfür notwendigen Verträge zu verhandeln. Dafür haben wir rund 170 Verträge mit Geldgebern aus fünf Kontinenten geschlossen.

Ein Viertel des Budgets kam von Privatinvestoren, die Summen von je 2 bis 10 Mio. Euro aufbrachten. Warner Brothers hat nur die Distributionsrechte für Nordamerika gekauft, weshalb wir uns klassische Distributions- und Co-Finanzierungspartner gesucht haben. Zudem wurde die Produktion mit insgesamt knapp 14,5 Mio. Euro von deutschen Filmförderungen unterstützt. Von der Film- und Medienstiftung NRW wurde der Film mit 1 Mio. Euro gefördert.  Wir wiederum haben dafür rund 45 Mio. in Deutschland ausgegeben. Allein 10 Prozent davon in NRW.

WDR.de: Warum wurde "Wolkenatlas" mit zwei parallel arbeitenden Regie-Teams produziert?

Schott: Um die Produktionskosten zu senken, wurde der Film mit zwei parallel arbeitenden Teams gedreht, während die Darsteller hin und her pendelten.  Damit konnte die Produktionszeit halbiert und das zeitliche Engagement der internationalen Schauspielerriege auf drei Monate reduziert werde. Die Dreharbeiten, die im September 2011 begannen, waren deshalb eine enorme logistische Herausforderung.

Tom Tykwers Team drehte zunächst in 10 Tage in Schottland und Lana und Andy Wachowski drehten auf Mallorca und in Sachsen, bevor beide für die Innen- und Green-Screen-Aufnahmen ins Studio Babelsberg in Potsdam zogen. Im Dezember fanden noch die Dreharbeiten in Düsseldorf statt.

WDR.de: Welche Filmszenen wurden in Düsseldorf gedreht?


Düsseldorfer Dreischeibenhaus im Stile des San Francisco von 1970
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Düsseldorfer Dreischeibenhaus im Stile des San Francisco von 1970

Schott: Das Düsseldorfer Dreischeibenhaus findet sich im Film wieder, allerdings im San Francisco der 1970er Jahre. Diese Szene hat Tom Tykwer mit Halle Berry im Dezember nachts vor dem ehemaligen Thyssen-Hochhaus gedreht.

WDR.de: Welche finanzeillen Risiken sind mit einer solchen Blockbuster Produktion verbunden?

Schott: Die grossen Hollywood- Studios produzieren heute nur noch fünf bis sechs große Filme pro Jahr, vor allem Folgen oder auch Remakes. Noch vor wenigen Jahren waren es bis zu 20 Filme pro Jahr. Die Studiobosse wollen kein Risiko mehr eingehen. 

Anstatt ihr Geld anonym in teure Projekte in Hollywood zu investieren, boten wir unseren Distributoren und Finanzierungspartnern eine echte Teilhabe und gleichberechtigte und faire Erlösbeteiligung an. Und wir sind sehr zuversichtlich, für unsere Investoren eine gute Rendite zu erwirtschaften.

WDR.de: Bei der Weltpremiere in Toronto im September gab es eine 10-minütige Standing Ovation. Doch trotz des US-Staraufgebots spielte "Cloud Atlas"  am Eröffnungswochenende in den USA und Kanada nur 9,34 Mio. US-Dollar ein. Wie erklären Sie sich das? War Hurrikan Sandy ein Faktor?

Wir sind auf Platz 2 gestartet. Sicherlich lag das Ergebnis etwas unter unseren Erwartungen, was allerdings angesichts des Sturmes an der Ostküste nicht wirklich verwunderlich war. Mittlerweile liegen wir bei knapp 25 Mio. Dollar. Am letzten Wochenende wurde der Film in Russland gestartet und hat dort in nur drei Tagen auch mehr als 9 Mio. Dollar eingespielt. Wir sind mit den bisherigen Einspielergebnissen sehr zufrieden.

Das Interview führte Sandra Prüfer

Über den Kinofilm "Der Wolkenatlas"

Das nahezu 3-stündige Fantasy-Epos "Wolkenatlas" des Wuppertaler Regisseurs Tom Tykwer ("Lola rennt", "Das Parfüm") und der Geschwister Lana und Andy Wachowski ("Matrix"-Triologie) wurde fast aussschlieβlich in Deutschland gedreht, unter anderem in Düsseldorf. Die Verfilmung von David Mitchells Erfolgsroman mit imposantem internationalen Staraufgebot (Tom Hanks, Halle Berry, Hugh Grant, Susan Sarandon) erzählt sechs ineinander verwobene Geschichten, die 500 Jahre und mehrere Kontinente umspannen. Die Geschichte erschliesst sich aus der Mehrfachbesetzung der Darsteller und Wiedergeburt der Hauptfiguren, deren Schicksale sich gegenseitig beeinflussen. So wandelt sich Tom Hanks über die Jahrhunderte von einem fiesen Verbrecher zu einem tapferen Schafshirten, der zum Retter der Menschheit wird. "Wolkenatlas" ist groβes Kino, eine atemberaubende Reise durch Raum und Zeit - von einer südpazifischen Insel in der Mitte des 19. Jahrhunderts bis ins post-apokalyptische Hawaii im Jahr 2346."


Stand: 14.11.2012, 12.00 Uhr


Kommentare zum Thema (4)

letzter Kommentar: 16.11.2012, 13:52 Uhr

WDR.de schrieb am 16.11.2012, 13:52 Uhr:
Posting wurde entfernt. Externe Links sind nicht gestattet.
Andycolonia schrieb am 14.11.2012, 13:25 Uhr:
"Der teuerste deutsche Film aller Zeiten" Alle Zeit = Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wie kann man wissen das es in Zukunft nicht einen noch teureren Film geben wird ? Hier wird ein Superlativ unsinnigerweise verwendet um für Aufsehen zu sorgen.
Horst schrieb am 14.11.2012, 13:03 Uhr:
Ich hab ja diverse Trailer gesehn, und dachte erst es ist ein Mehrteiler... keine Ahnung wie die sonst so viel Handlung in einen Film quetschen wollen...
Ich schrieb am 14.11.2012, 12:49 Uhr:
Wie offt haben wir das in den letzten Jahren gelesen. Der teuerste Film aller Zeiten. Offt waren es grottenschlechte Filme. Viel Geld verteilen sagt nichts über die Qualität des Films aus. Wenn ich sehe wie Schauspieler und Produzenten leben wundert es mich nicht das Filme immer teurer werden.


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