Batman-Premiere in Mönchengladbach Ein ganz normaler Kinobesuch?

Von Susanne Schnabel

Keine Taschenkontrolle, kein Sicherheitspersonal, niemand kam verkleidet: Die Mitternachts-Premiere des Batman-Films in der Nacht zu Mittwoch (25.07.2012) in Mönchengladbach war ein ganz normaler Kinoabend. Fast! Manche Besucher waren nachdenklich, traurig oder dankbar.


Kino in Mönchengladbach-Rheydt
Bild 1 vergrößern +

170 Besucher schauen die Batman-Premiere in Mönchengladbach

"Meine Gedanken schweifen in dem dunklen Kinosaal manchmal ab und ich stelle mir vor, was die Menschen in Aurora mitgemacht haben müssen. Schrecklich! Ich bin dankbar, dass es in Deutschland strenge Waffengesetze gibt", sagt Eva Wirtz. Die 24-Jährige besucht am Dienstag (24.07.2012) in Mönchengladbach die lange Batman-Filmnacht gemeinsam mit 170 anderen Gästen. Hier laufen alle drei Teile hintereinander, der neueste Film "The Dark Knight Rises" beginnt um Mitternacht. "Ich habe kein mulmiges Gefühl, fühle mich hier sicher. Dieselbe Situation wie in den USA. Dennoch ist hier alles anders", erzählt Maik.

Der Batman-Film hat keine Schuld


Besucher der Batman-Premiere vor dem Kino
Bild 2 vergrößern +

""Ich habe kein mulmiges Gefühl"

Bei der Batman-Premiere in einem Kino in Aurora im US-Bundesstaat Colorado hatte in der Nacht zum vergangenen Freitag ein 24-Jähriger wahllos ins Publikum geschossen. Er wird beschuldigt, zwölf Menschen getötet und 58 weitere verletzt zu haben. Die beiden Freunde Seán und Sebastian, beide 16 Jahre alt, ärgern sich darüber, dass der Batman-Film wegen des Attentates so negativ in die Schlagzeilen gerät. "Wäre nicht der neue Batman-Film gestartet, dann hätte der Attentäter einen anderen Grund gefunden, Menschen zu töten", sagt Seán und Sebastian ergänzt: "Ich kann nicht verstehen, wie der Täter mit den vielen Waffen und seiner Kostümierung ins Kino gelangen konnte. Das wäre doch hier undenkbar."

"Kostüme sind albern"


Vorführer Christian Paris
Bild 3 vergrößern +

Nachtschicht für Vorführer Christian Paris

Damit hat Sebastian wahrscheinlich recht. In Deutschland sei es unüblich, verkleidet Kinos zu besuchen, so die Erfahrungen von Christian Paris, Vorführer im Atlantis-Kino. "Bei 'Star-Trek' oder 'Herr der Ringe' kommen einige wenige in Kostümen, aber bei Filmen wie Batman oder Spiderman habe ich das noch nicht erlebt", sagt er. Das einzige Kleidungsstück, was in dieser Nacht in Mönchengladbach an Batman erinnert, ist das T-Shirt von Kinobesucher Rainer: "Ich bin großer Batman-Fan, aber ein Kostüm fände ich albern und gerade heute mehr als unangebracht." Viele Kinobetreiber in NRW hatten Besucher darum gebeten, bei der Batman-Premiere auf Kostüme zu verzichten und kündigten verstärkte Kontrollen bei den Handtaschen an.

Ein Sommerlochthema?


Angestellte im Kino verkaufen Getränke
Bild 4 vergrößern +

Lange Batman-Nacht - auch für die Angestellten

"Ich habe den Eindruck, das ist ein Sommerlochthema. Auch als Kinobetreiber so viel Aufhebens um die Sicherheitsvorkehrungen zu machen, halte ich für unseriös. Wir arbeiten heute nicht anders als sonst auch", sagt Jochen Kuhnert, Geschäftsführer des Atlantis-Kinos. Seine Angestellten würden bei jeder Vorstellung darauf achten, wer den Kinosaal betritt. Betrunkene sowie Randalierer hätten keinen Zugang und käme jemand mit großen Taschen, würde das Personal ebenfalls aufmerksam, erklärt Kuhnert. Auf Handtaschen-Kontrollen hat er heute verzichtet.

"Was in den USA passiert ist, macht mich betroffen und traurig. Aber ich habe mich heute Abend keinen Moment unwohl gefühlt", sagt Kinobesucherin Simone. "Natürlich gibt es auch in Deutschland Verrückte, doch wenn ich vor allem Angst hätte, dann müsste ich nur noch zu Hause rumsitzen."


Stand: 25.07.2012, 07.00 Uhr


Kommentare zum Thema (14)

letzter Kommentar: 26.07.2012, 09:59 Uhr

Ede schrieb am 26.07.2012, 09:59 Uhr:
@John Gehlen: Was für ein brutaler Dreck? Brutaler als die Wirklichkeit in jedem Krisenherd der Welt? Sie sind wohl auch ein Vertreter der Vogel-Strauss-Taktik in diesen Sachen: was ich nicht sehe, blende ich als nicht existent aus und fühle mich viel sicherer. Und wenn es diese "bösen" Filme und Videospiele nicht mehr gibt, haben sich die Menschen lieb und alle sterben an Altersschwäche. Komisch nur, dass es Massenmorde, Vergewaltigungen und anderes Übel schon lange vor dem modernen Film gab. Die Menschen hat anscheinend auch ohne äußeren Anstoß genug Ideen für Greultaten. Aber packen sie sich einfach in Watte, glauben sie an ihre heile Welt und lassen sie den normalen Menschen seine Filme gucken.
John Gehlen schrieb am 26.07.2012, 09:07 Uhr:
"Manche Besucher sind nachdenklich, traurig oder dankbar." - Was sie aber nicht daran hindert, sich mit Wollust, diesen brutalen Dreck rein zu ziehen.
Das Zentralorgan schrieb am 26.07.2012, 00:06 Uhr:
@ german angst: Das nennt man in Fachkreisen auch "Induzierter Irrsinn". Das tritt bei uns ueblicherweise dort auf, wo indigene Deutsche es wagen eigene Lebensinteressen zu formulieren.
Isa schrieb am 25.07.2012, 15:31 Uhr:
Dass man jetzt eine Batmanpremiere in Deutschland zu so einer Umfrage nutzt halte ich persönlich auch für sehr weit hergeholt. Da gibt es dann auch viele andere Amokläufe in aller Herren Länder, die man auf Deutschland "anwenden" kann. Wieso wird den Kinobesuchern hier durch solche Umfragen auch noch Angst/Sorge gemacht? Also wirklich!
reni schrieb am 25.07.2012, 13:52 Uhr:
Häbääääh, wenn Sie das alles so kalt läßt und absolut nicht interessiert frage ich mich warum Sie hier ihren Kommentar abgeben müssen? M.E. sind hier manche Kommentar an Kaltschnäuzigkeit nicht mehr zu überbieten.

Alle Kommentare anzeigen



Kulturnachrichten

  • Erstes Kölner Festival der Philosophie im Juni

    In Köln findet im Juni erstmals ein Festival der Philosophie statt. Die "Phil.Cologne" steht unter dem Motto "Die Suche hat begonnen...". In 44 Veranstaltungen geht es um den aufrechten Gang, den Tod, den Weltraum und auch um Fußball. Zu den Veranstaltungen werden Philosophen wie Richard David Precht, Oskar Negt und Rüdiger Safranski erwartet, aber auch die frühere Bischöfin Margot Käßmann und Astronaut Reinhold Ewald. Die "Phil.Cologne" ist eine Tochter des etablierten Literaturfestivals "Lit.Cologne", das in diesem Jahr mehr als 90.000 Besucher anzog. Das Festival der Philosophie beginnt am 26. Juni und dauert fünf Tage.

  • Wagner-Nachlass soll in öffentliches Archiv

    Die Bayreuther Festspielchefin Katharina Wagner will den Nachlass ihres Vaters Wolfgang in Kürze dem Bayerischen Staatsarchiv zur Verfügung stellen. Im Gespräch mit dem Berliner Tagesspiegel sagte sie, damit habe die Forschung Zugang zu dem Material. Nachlässe des Wagner-Clans sind von besonderer Brisanz, weil die Familie in der NS-Zeit einen engen Umgang mit den Nazi-Größen pflegte. In den vergangenen Jahren wurde diskutiert, wie mit dem Nachlass Wolfgang Wagners umgegangen werden soll. Der Enkel von Richard Wagner hatte die Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg übernommen und sich auch mit der braunen Vergangenheit der Familie auseinandergesetzt. Er starb 2010.

  • Andris Nelsons wird Chefdirigent in Boston

    Der Lette Andris Nelsons wird neuer Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra. Das Orchester zählt zu den fünf bedeutendsten in den USA. Es nominierte den 34-Jährigen als 15. Musikdirektor seit seiner Gründung vor mehr als 100 Jahren. Nelsons löst James Levine ab, der den Posten seit 2004 innehatte. Nelsons leitete bis 2009 die Nordwestdeutsche Philharmonie in Herford und arbeitete in letzten Jahren mehrfach mit dem WDR Sinfonieorchester Köln zusammen.

  • Rattenfängersage soll UNESCO-Kulturerbe werden

    Die Sage über den Rattenfänger von Hameln soll UNESCO-Kulturerbe werden. Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann sagte, die Rattenfängersage gelte als hohes, weltweit verbreitetes Kulturgut und sei einzigartig. Hameln hat eine Wissenschaftlerin engagiert, die das Antragsverfahren vorantreiben soll. Die Rattenfängersage wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und ist nach Schätzungen rund einer Milliarde Menschen bekannt. Die UNESCO schützt nicht nur Bauwerke, sondern auch herausragende immaterielle Kulturgüter als gemeinsames Erbe der Menschheit.

  • Moers Festival beginnt mit John Zorn

    Das internationale Musikfestival in Moers beginnt am Freitag mit einem Konzert des New Yorker Komponisten und Saxofonisten John Zorn. Am Eröffnungsabend sind gleich vier Konzerte seiner Musik gewidmet, die mit Elementen des Jazz, der Klassik und des Rock arbeitet. Bis Sonntag treten Musiker aus Europa, Afrika, Lateinamerika und den USA im Moerser Schlosspark auf. Es ist das letzte Mal, dass das Moers Festival im Zirkuszelt stattfindet. Aus Kostengründen zieht das traditionsreiche Musikfest im kommenden Jahr in eine feste Veranstaltungshalle um.

  • Kleist-Preis für Katja Lange-Müller

    Der Kleist-Preis 2013 geht an die Schriftstellerin Katja Lange-Müller. Die Kleist-Gesellschaft teilte mit, die 62-Jährige sei eine der sprachmächtigsten Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur. Lange-Müller wuchs in der DDR auf und reiste 1984 nach West-Berlin aus. Sie schreibt Erzählungen und Romane. Zuletzt erschien ihr Roman "Böse Schafe", in dem sie eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte im Berlin der 80er Jahre schildert. Der Kleist-Preis ist mit 20.000 Euro dotiert.

  • Letzte Wohnstätte von Kaiser Wilhelm II. bleibt erhalten

    Die letzte Wohnstätte von Kaiser Wilhelm II. im niederländischen Exil bleibt erhalten. Das "Huis Doorn" in der Nähe von Utrecht wird von September an ein Museum über den Ersten Weltkrieg beherbergen. Der Museumsdirektor sagte zur Begründung, Wilhelm II. habe eine Hauptrolle im Ersten Weltkrieg gespielt. Nachdem im vergangenen Jahr die staatlichen Subventionen für das Haus drastisch gekürzt worden waren, drohte der Villa das Aus. Der Museumsdirektor kündigte an, dass das neue Museum ausschließlich mit Ehrenamtlichen arbeiten werde. Kaiser Wilhelm II. hatte von 1920 bis zu seinem Tod im Jahr 1941 auf dem kleinen Landgut gelebt.

  • Tibetischer Autor zu Gefängnisstrafe verurteilt

    In China ist ein bekannter tibetischer Autor zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Wie der Radiosender "Radio Free Asia" berichtet, wurde der 36-jährige Gartse Jigme zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, sein Buch "Der Mut des Königs" verbreitet zu haben. Jigme schildert darin die Leiden Tibets und der Tibeter und schreibt auch über den Dalai Lama, die Exilregierung und die Selbstverbrennungen. Gartse Jigme war im Januar festgenommen worden. Seitdem hat seine Familie keine Nachrichten mehr von ihm erhalten.

  • Civis-Medienpreise in Berlin vergeben

    In Berlin ist der Civis-Medienpreis für Integration und kulturelle Vielfalt verliehen worden. Der mit gut 20.000 Euro dotierte Preis ging an acht Radio- und Fernsehprogramme aus Deutschland, Polen und der Schweiz. Auch zwei Produktionen des Westdeutschen Rundfunks wurden ausgezeichnet. So kürte die Jury das Porträt eines iranischen Boxtrainers als beste lange Radioreportage. Einen Preis erhielt auch die Fernsehdokumentation "Die story: Friedhof der Illegalen". Autor Andreas Morell zeigt darin das Elend der Flüchtlinge, die über die türkisch-griechische Grenze nach Europa einreisen wollen. Der Civis-Medienpreis würdigt Beiträge, die das friedliche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft fördern.

  • Mäzen Udo van Meeteren erhält Stifterpreis

    Der Düsseldorfer Unternehmer und Mäzen Udo van Meeteren wird am Freitag mit dem Deutschen Stifterpreis geehrt. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen teilte mit, der 86-Jährige habe an Rhein und Ruhr viele mäzenatische Spuren hinterlassen. Die von ihm 1980 gegründete Stiftung van Meeteren fördert Wissenschaft, Kultur, Naturschutz, den internationalen Jugendaustausch sowie soziale und karitative Projekte. Außerdem war er an der Gründung der Stiftung Schloss und Park Benrath sowie weiterer Einrichtungen beteiligt. Die undotierte Auszeichnung wird Udo van Meeteren im Rahmen des Deutschen Stiftungstags in Düsseldorf übergeben.

  • Beuys-Witwe darf Foto-Ausstellung nicht verbieten

    Im jahrelangen Rechtsstreit um Fotos einer Kunstperformance von Joseph Beuys hat der Bundesgerichtshof sein Urteil verkündet. Demnach kann die Witwe von Joseph Beuys dem Museum Schloss Moyland nicht mehr verbieten, Fotos einer Fett- und Schokoladenaktion ihres Mannes auszustellen. Die Witwe hatte argumentiert, dass die Kunstaktion ihres Mannes urheberrechtlich geschützt sei und die Fotos eine unzulässige Bearbeitung darstellten. Die Richter der beiden ersten Instanzen gaben der Witwe Recht. Der Bundesgerichtshof urteilte dagegen, dass Beuys die Fotoserie selbst inszeniert habe. Beuys hatte 1964 in einer Fernsehsendung live aus Margarine-Riegeln eine Fettecke hergestellt und mit Schokolade ein Transparent gemalt.