Film über deutsche Soldaten in Afghanistan Sie sind mitten im Krieg

Von Susanne Rabsahl

Die Bundeswehr ist seit 2002 am Hindukusch um humanitäre Hilfe zu leisten und den Wiederaufbau zu unterstützen. Aber die Soldaten erleben viel mehr. Der WDR-Film "Auslandseinsatz" ist der erste Spielfilm über junge deutsche Soldaten in Afghanistan. WDR.de hat den Film in einer Vorabvorführung in Berlin gesehen.


Auslandseinsatz Regie: Till Endemann
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Bilder aus dem Film "Auslandseinsatz"

Wie muss es sich für einen jungen deutschen Soldaten anfühlen, der sich in die Fremde begibt, um humanitäre Hilfe zu leisten und den Demokratisierungsprozess zu unterstützen, sich tatsächlich aber dort in einen Krieg begibt? Und wie würden wir entscheiden, wenn wir die Wahl hätten: entweder folgenschwer gegen bestehende Regeln zu verstoßen oder unseren besten Freund im Stich zu lassen? Fragen, die der Film "Auslandseinsatz" aufwirft.

"Auslandseinsatz", betont der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios Ulrich Deppendorf, "ist ein wichtiger, längst überfälliger Film. Er zeigt Ängste und Nöte, Zweifel und Grausamkeiten, denen junge Soldaten ausgesetzt sind. Er wird ein Publikum erreichen, das auf fiktionale Stoffe vielleicht eher reagiert als auf Nachrichten." Unter den Zuschauern befinden sich auch Bundeswehrsoldaten. Die meisten möchten sich nicht äußern. "Einiges ist zwar sehr zugespitzt. Aber das Kernproblem kann ich bestätigen, bemerkt ein junger Mann, der acht Jahre gedient hat. "Die Erwartungen, mit denen man in einen solchen Einsatz geht, sind groß. Die Enttäuschung, mit der man zurück kommt, ebenfalls."

Fiktive Zeitsoldaten Daniel und Ronnie


Daniel Gerber (Max Riemelt, l) und Ronnie Klein (Hanno Koffler, dahinter) in Afghanistan
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Daniel Gerber (Max Riemelt, l) und Ronnie Klein (Hanno Koffler, dahinter) gemeinsam in Afghanistan

90 Minuten können die Zuschauer mit den fiktiven Zeitsoldaten Daniel und Ronnie durchleben und durchleiden, wie sie im Krieg am Hindukusch an ihre Grenzen geraten. Sie sind  in einem vorgerückten Außenlager stationiert. Beide sind Mitte 20, Freunde seit Kindheitstagen. Daniel ist zutiefst überzeugt von der Richtigkeit der Mission. "Er sieht einen Sinn in dem Wertesystem seines Landes und auch in der Bundeswehr", bemerkt Darsteller Max Riemelt. Anders der hemdsärmelige Ronnie, der den Einsatz zunächst als Abendteuer sieht. "Jede Art von Charakter findet einen Weg in die Bundeswehr, so auch ein etwas protziger Typ wie Ronnie", beschreibt Hanno Koffler seine Figur. "Was er sagt, kommt wie ein Impuls aus ihm heraus. Sätze wie: 'Die müssen alle weg. Die Taliban werden alle getötet'. Aber letztendlich merkt er, dass es keine einfachen Lösungen gibt. Er, der völlig naiv in dieses Unternehmen ging, erfährt schließlich einen tiefen Riss durch seine Persönlichkeit".

"Sie wollen Aufbauarbeit leisten!"


Daniel Gerber (Max Riemelt) verteilt Unterrichtsmaterialien
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Daniel Gerber (Max Riemelt) verteilt Unterrichtsmaterialien

In einem abgelegenen Ort sollen die Soldaten eine zerstörte Schule wieder aufbauen.  Die tägliche Bedrohung, die fremde, so unberechenbare Kultur und ein erstes Gefecht mit den Taliban katapultieren sie in die raue Realität des Landes, lösen ungeahnte Beklemmungen aus - bis hin zu Todesängsten. US-Trupps führen eine Geheimoperation im Schutzgebiet der Deutschen durch und erschießen dabei den Sohn des Bürgermeisters. Der Tochter des Ortsvorstehers droht eine Zwangsehe mit einem Taliban. Die radikalen Islamisten haben ihr bereits einen Finger abgehackt, weil sie ihre Fingernägel lackiert hatte. Eine deutsche Entwicklungshelferin, die als letzte Ausländerin im Dorf verblieben war, wird von den Taliban entführt. Der deutsche Soldat Ronnie will nicht länger Dienst nach Vorschrift machen, sondern helfen – allen Bundeswehrregeln und Warnungen seines langjährigen Freundes und Vorgesetzten Daniel zum Trotz. "Das bringt Daniel in einen wahnsinnigen Konflikt", bemerkt Max Riemelt, "er will den Freund nicht verlieren, möchte auch nicht resignieren und deshalb eskaliert es am Ende."

Produzentin: "Alles hat sich so oder ähnlich ereignet"

All das hat sich so oder so ähnlich tatsächlich ereignet, erzählt Produzentin Nikola Bock. Vor mehr als sechs Jahren hatte sie die Idee zu dem Film. "Es geht uns nicht um traumatisierte Heimkehrer", betont sie. "Wir wollen vor allem erreichen, dass man sich bewusst wird, was da in Afghanistan passiert, was es eigentlich heißt, als deutscher Soldat in einer völlig fremden Kultur zu sein. Sie gehen mit der Absicht und dem Auftrag dort hin, Aufbauarbeit zu leisten. Stattdessen finden sie sich aber mit der Waffe in der Hand in einem Krieg wieder."

Auf anderem Weg fand sie Heimkehrer aus dem Afghanistaneinsatz, mit denen sie Interviews führen konnte. Bewegende Interviews. Fast alle berichteten, dass sie voller Enthusiasmus nach Afghanistan aufgebrochen seien. Sie glaubten, etwas Sinnstiftendes zu tun. "Und eigentlich sind alle Soldaten nach dem Einsatz desillusioniert gewesen, zum Teil auch deprimiert und traumatisiert. Sie mussten in aller Härte erfahren, dass ihr politischer Auftrag gar nicht erfüllbar ist!"

Kiloschwere Montur am Körper

Entstanden ist der Film in Marokko. Bei 40 Grad trockener Hitze. Mit kiloschwerer Montur am Körper robbten die Schauspieler tagelang durch die Wüste. "Für einen Schauspieler ist es ein tolles Gefühl, wenn man so etwas mitbekommt", erinnert sich Max Riemelt. "Dir klemmen sieben Kilo am Körper. Du spürst diesen Druck unmittelbar."


Eintreffen im Einsatzort Milanh
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Eintreffen im Einsatzort Milanh

Marokkanische Panzer wurden für den Dreh umgestrichen und mit deutscher Flagge ausgestattet. "Eine der großen Aufgaben war es, in Marokko Afghanistan herzustellen", beschreibt Regisseur Till Endemann seine Arbeit. Die Korrespondenz mit König und Militär des nordafrikanischen Landes erwies sich als schwierig. Es war nicht sehr einfach, Waffen und Munition ins Land einzuführen. Genehmigungsverfahren mussten überstanden werden – es musste Geld fließen. Auch Till Endemann hat vor den Dreharbeiten mit Soldaten gesprochen, sie während der Entstehung des Films als Berater eingesetzt und sie anschließend als seine härtesten Kritiker befragt: "Sie haben sehr positiv reagiert, weil sie froh waren, dass das Thema und die Soldaten endlich ein Gesicht bekommen. Viele glauben, dass kaum einer in Deutschland würdigt, was sie tun. Auch wenn hier und da vielleicht mal eine Schulterklappe nicht stimmt. Auch die Fahrzeuge im Film entsprechen nicht ganz den Bundeswehrfahrzeugen, weil wir die nicht in Marokko einführen durften."

"Auslandseinsatz" ist ein Anti-Kriegs-Film


Regisseur Till Endemann
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Regisseur Till Endemann

Das Team hofft nicht nur auf hohe Einschaltquoten. "Der Film sollte ein Interesse am Thema wecken und die Einsicht, dass man sich nicht zu schnell eine Meinung zu dem Einsatz bilden sollte, wie es viele gewöhnlich schon nach einem kurzen Tagesschaubeitrag tun. Diese Biertischmentalität ist einfach tödlich für diejenigen, die die Realität erleben", sagt Schauspieler Devid Striesow, im Film als streng in Hierarchien denkender Hauptmann zu sehen. "Auslandseinsatz" ist ein Anti-Kriegs-Film, betont Nikola Bock. "Dahinter möchte ich ein großes Ausrufezeichen setzen," fügt Regisseur Till Endemann hinzu. "Ich erhoffe mir, dass der Film die Zuschauer emotionalisiert. Das Ende ist mit einer gewissen Härte erzählt und ich glaube, dass das einen emotionalen Nachhall hinterlässt, der hoffentlich eine Diskussion anstoßen wird."


Stand: 17.10.2012, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (6)

letzter Kommentar: 17.10.2012, 23:08 Uhr

CIMIC-Soldat schrieb am 17.10.2012, 23:08 Uhr:
Vorab: Ich bin Soldat. Ich habe als deutscher Soldat insgesamt über 600 Einsatztage in Afghanistan verbracht; und nochmal über 400 Tage als Zivilist. Ich weiß, wovon ich rede. Dieser Film strotzt nur so von sachlichen Fehlern, falschen Bildern und völlig verkehrten Darstellungen. Mit der Realität des ISAF-Einsatzes der Bundeswehr hat dieser Film nichts, aber auch gar nichts gemeinsam. Wenn dieser Film wirklich eine Botschaft übermitteln wollte, dann wurde sie durch diese traurige Mischung aus Ignoranz, Halbwahrheiten und klamaukhaften Versatzstücken erschlagen. Fazit: Das "wohlwollende Desinteresse" (Horst Köhler) unserer Gesellschaft an der Bundeswehr und ihren Einsätzen findet sich voll in diesem Machwerk wieder. Für dieses Geld hätte man bestimmt auch einen guten und sachlich richtigen Film drehen können; auf jeden Fall aber eine interessantere und vor allem korrekte Darstellung der Lage in Afghanistan und nicht ein so wirres Militärmärchen. Schade um die verpaßte Gelegenheit.
ingo schrieb am 17.10.2012, 15:08 Uhr:
@ heinzb : Rommel war erfolgreich , was zum scheitern führte war die Naive dumme Deutsche Heeresführung . Die Bundeswehr gehört nach Hause dann im inneren einsetzen die Polizei unterstützen und somit die Kriminalität im eigenen Land bekämpfen , hier gibt es genug zu tun
heinzb aus nrw schrieb am 17.10.2012, 13:57 Uhr:
Und ermorden unschuldige Zivilisten und Kinder, die haben da nichts zu suchen, meine ich, Rommel in Afrika war doch Warnung genug.
FPG schrieb am 17.10.2012, 12:48 Uhr:
Holt unsere Jungs da raus, und zwar so schnell wie nur möglich !!! MfG FPG
Herbert schrieb am 17.10.2012, 12:15 Uhr:
Wir haben und hatten In Afganistan nichts verloren. In Zukunft sollten wir uns aus solchen kostspieligen Abeneuern heraushalten und sehen das wir so schnell wie eben möglich aus Afganistan wieder verschwinden. Den Afganen ist eh nicht wirklich zu helfen solange die nicht mehrheitlich auf die Straße gehen und die Taliban selbst zum Teufel jagen.

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