Initiator der Online-Petition im Interview Ein Schüler gegen "Drosselkom"

Eigentlich steckt Malte Götz mitten in den Abiturprüfungen. Im Internet ist der 18-Jährige Anführer des Widerstands gegen die Telekom-Flatrate-Bremse. Seine Online-Petition erreichte bei der Abgabe beim Telekomvorstand am Donnerstag (02.05.2013) über 30.000 Unterstützer. Im WDR.de-Interview berichtet er über seine Revolte.


Rückseite eines Computers, Schnittstelle für grüne Lan-Kabel

Telekom will Datengeschwindigkeit drosseln

Die Telekom hatte am Montag (22.04.2013) bekanntgegeben, dass die Internet-Geschwindigkeit ab einer bestimmten Datenmenge gedrosselt werden soll. Die Obergrenzen werden für Neukunden ab Mai je nach Anschluss-Tempo gestaffelt. In Tarifen mit Geschwindigkeiten bis zu 16 Megabit pro Sekunde (MBit/Sekunde) sind bis zu 75 Gigabyte Datenverkehr inbegriffen. Bei schnelleren Anschlüssen von bis zu 50 MBit/Sekunde liegt die Obergrenze bei 200 Gigabyte. Für 100 und 200 MBit/Sekunde sind es jeweils 300 und 400 Gigabyte. Ist das Volumen ausgeschöpft, kann die Leitung wie bei Mobilfunk-Verträgen üblich auf ein Schneckentempo von 384 Kilobit pro Sekunde reduziert werden. Gegner dieser Pläne, wie Malte Götz aus Düsseldorf, nennen das Telekommunikationsunternehmen inzwischen nur noch "Drosselkom". Im Internet hat Malte eine Online-Petition gegen das Vorhaben gestartet.

WDR.de: Was ist so schlimm an der Drosselung des Datenvolumens?


Malte Götz, Initiator der Online-Petition gegen die Telekom-Flatrate-Drosselung
Bild 1 vergrößern +

Schüler Malte Götz aus Düsseldorf

Malte Götz: Ich sehe die Netzneutralität in Gefahr, weil die Telekom eigene Angebote von der Drosselung wie den Videodienst Entertain ausnimmt. Dadurch entsteht ein Marktvorteil für das eigene Angebot. Andere Video-Streaming-Anbieter wie Maxdome oder Lovefilm von Amazon sind dann im klaren Nachteil. Gerade bei Videos handelt es sich um große Dateien. Die Volumengrenze wird relativ schnell erreicht.

WDR.de: Die Telekom sagt, dass der Durchschnittsnutzer nichts merken würde, sondern allein die Vielnutzer.


Götz: Das ist vor allem eine Zukunftsfrage. Wenn ich mich heute vertraglich festlege, bin ich in der Regel zwei Jahre gebunden. Sony will mit der Playstation ein Video-Streaming-Portal gründen, der einen Videodownload mit der Auflösung 4K2K möglich macht. Die Dateien sind um einiges größer als im HD-Format. Ein Film ist allein ein Gigabyte groß. In Zukunft wird man immer mehr Datenvolumen brauchen.

WDR.de: Wer massiv viele Daten herunterladen will, kann doch auch mehr zahlen. Die Telekom will hierfür Zusatzpakete anbieten.

Götz: Das ist zwar richtig, aber die Telekom verkauft ihr Angebot weiterhin als Flatrate. Es gibt keine Alternative hierzu. Es steht zwar Flatrate drauf, aber unterm Strich bekomme ich keine. Die Telekom will nach Erreichen der Daten-Obergrenze die Geschwindigkeit auf 384 Kilobit pro Sekunde zurückfahren. Damit brauche ich gar nicht erst anfangen. Damit komme ich nicht weit. Internetnutzer haben die Geschwindigkeit mal getestet: Allein die Telekom-Homepage hat über eine Minute geladen. Mit dieser Geschwindigkeit kann man nicht surfen.

WDR.de: Warum kündigen Sie nicht einfach?


Götz: Grundsätzlich ist das eine Möglichkeit. Aber nicht in allen Anschlussgebieten ist eine große Auswahl an Anbietern verfügbar. Die Telekom hat auch einen gewissen Service, auf den man nicht verzichten möchte. Mein Ziel ist es, die Telekom auf den Widerstand aufmerksam zu machen und den Andrang im Netz zu bündeln.

WDR.de: Befürchten Sie, dass andere Internetanbieter nachziehen?

Götz: Ehrlich gesagt schon. Es gab schon vor einigen Tagen eine entsprechende Meldung über Vodafone, die aber dementiert wurde. Die Telekom hat zuerst aber auch dementiert. Die Telekom hat einen riesigen Marktanteil. Das hat Auswirkungen auf den Markt.

WDR.de: Inzwischen haben Sie 30.000 Unterstützer. Überrascht Sie der Zuspruch?

Götz: Eigentlich nicht. Der Spott im Netz ist riesig. Mein persönliches Ziel sind 100.000 Unterzeichner. Wir wollen der Telekom zeigen: So geht es nicht.

WDR.de: Gab es schon Reaktionen von der Telekom?

Götz: Bisher nicht. Aber die Telekom bekommt mit jeder Unterschrift automatisch eine E-Mail zugeschickt. Ich schätze, dass die E-Mails inzwischen herausgefiltert werden. Sie werden den Widerstand gemerkt haben.

WDR.de: Sie stecken mitten in den Abiturprüfungen. Wie schaffen Sie es, noch nebenbei zu lernen?

Götz: Die Klausuren habe ich hinter mir. Heute habe ich nur noch eine mündliche Prüfung in Sozialwissenschaften, wofür ich nicht mehr viel lernen musste. Die letzten drei Tage waren mehr durch Pressearbeit als durch Lernen bestimmt.

Das Interview führte Fabian Wahl.


Stand: 29.04.2013, 20.59 Uhr


Kommentare zum Thema (55)

letzter Kommentar: 30.04.2013, 21.01 Uhr

ITler schrieb am 30.04.2013, 21.01 Uhr:
Die Pläne der Telekom sind ein Eingriff in meinen natürlichen Lebensraum. Das gilt es zu verhindern!
Rainer schrieb am 30.04.2013, 20.55 Uhr:
Ich bin seit April, wegen Umzug aufs Land, leider wieder bei der Telekom. Ich bin empört über die Drosselpläne und hoffe das die Telekom damit nicht durchkommt! Ich würde dann nämlich aus Prinzip lieber zur hier schlechteren Konkurenz oder einem DSL Mobilfunkanbieter wechseln wollen und denen mein Geld hinterherwerfen als auch nur noch einen Cent der Telekom zukommen zu lassen. Das gleiche gilt für die Pläne der Telekom ab 2016 alle analogen Telefonverträge zu kündigen und mit Neuverträgen in IP- Telefon Anschlüsse umzuwandeln. Ip Telefonanschlüsse bekomme ich überall, dazu braucht es dann ganz sicher nicht mehr die Telekom!
DocDoc schrieb am 30.04.2013, 14.40 Uhr:
Worum es eigentlich geht, ist doch nicht, dass die Telekom die Flatrate abschafft. Es geht um den demoraktischen und gleichberechtigten Aspekt des freien Internet, um nichts weniger. Wenn erstmal die Infrastruktur geschaffen und vor allem etabliert ist ist, bestimmte Dienste auszubremsen oder abzuschalten, dann können zum Beispiel die vier großen Plattenfirmen durch einen Vertrag mit den Providern die kleinen Plattenfirmen oder Creative-Commons-Portale wie Jamendo einfach platt machen. Oder Microsoft oder Apple können damit einfach die internetbasierten Entwicklerwerkzeuge der Open-Source-Community absägen. Und Nachrichten werden von unabhängigen Zeitungen und Blogs etc. nicht mehr abrufbar sein, weil der nur der Springerverlag an die Provider zahlen kann. Das ist das Szenario, das hier drohnt. Um Flatrates geht es hier eigentlich garnicht.
Knäckebrot schrieb am 29.04.2013, 19.22 Uhr:
Das Problem hinter dem Wechsel ist, dass der Großteil der Mitbewerber nicht autark die Preise bestimmen kann. Ein großer Teil der DSL-Mitbewerber der Telekom erwirbt Datenvolumen der Telekom, welches an die Endverbraucher weiterverkauft wird. Wenn also die Kunden der Telekom zu den Mitbewerbern wechseln, wird die Telekom schlicht die Verkaufspreise erhöhe, was wiederum auf den Endverbraucher umgelenkt werden wird.. So oder so würde sich der Markt stark zu Gunsten der Telekom verschieben.
Ein Internetnutzer schrieb am 27.04.2013, 21.00 Uhr:
Ich bin Betreiber einer kleinen Online-Firma. Wir schulen unsere Mitarbeiter über das Internet per Videostream, tauschen unsere Projekte über eine Cloud aus und nutzen gemeinsame FTP-Zugänge. Unser gebrauchtes Datenvolumen liegt bei weit mehr als 75GB am Tag (!!!). Ich zahle all meinen Mitarbeitern ihren Internetanschluss, damit diesen ein stetiger Kontakt zu uns gewährleistet ist. Für mich als Inhaber wäre ein solcher Schritt und die damit verbundenen Mehrkosten der finanzielle Untergang. Hier geht es nicht darum, ob Wenignutzer die Vielnutzer finanzieren, denn von Preissenkungen für Wenignutzer hat die Telekom nie ein Wort verloren. Es wird eher anders aussehen: Die Wenignutzer zahlen das Gleiche wie jetzt auch und finanzieren damit bereits mehr als das genutzte Datenvolumen. Ein Unternehmen mit einer Jahresbilanzsumme von 107,9 Mrd. Euro, dass stetig und ständig in Flop-Bereichen investiert, um weiterhin staatliche Zuwendungen zu bekommen, sollte lieber seine Firmenpolitik ...

Alle Kommentare anzeigen