Billiger surfen, Klima schützen : Stromfresser Internet & Co.
Such-Anfragen, Downloads, Serverkapazitäten - das Internet zu nutzen, verbraucht eine Menge Energie und trägt zum Klimawandel bei. Während in Durban um einen neuen Konsens im Klimaschutz gerungen wird, haben wir ein paar Ideen zum Sparen.

-
Bild 1 vergrößern
+
Energiesparend surfen, aber wie?
Ein WLAN Router verbraucht so viel Strom wie ein moderner Kühlschrank, ein Plasmabildschirm mit über einem Meter Diagonale frisst gleich sechsmal so viel. Das Mobiltelefon kann Bilder aus dem Internet herunterladen, das Laptop hochauflösende, komplizierte Computerspiele im Netz steuern. Nicht nur die Geräte selber, auch die Nutzung des Internets verbraucht dabei Strom: Bei jeder Suchanfrage, bei jedem Bild, das im Browser erscheint, beim Download eines Videos oder beim Hochladen eines Fotos steigt der Verbrauch deutlich an. "Zwar werden die Geräte selber immer energieeffizienter", sagt Claudia Bruhn von der Verbraucherzentrale NRW, "dennoch wird sich der Stromverbrauch durch das Internet in den nächsten Jahren stark erhöhen, weil Internetnutzer immer besser ausgestattet sind."
Ausstattung dem eigenen Bedarf anpassen

-
Bild 2 vergrößern
+
Kostet nicht nur bei der Anschaffung: Computerspiel
Es lohnt sich also, beim Kauf eines PCs oder Laptops auf den Energieverbrauch zu achten. Einen genaueren Blick sollte man vor allem auf die Komponenten werfen, rät Claudia Bruhn: Rund 75 Prozent der benötigten Energie gehen an Prozessoren, Grafikkarten und Bildschirm. "Oft sind die Geräte mit aufwendigen Details ausgerüstet, die der Nutzer eigentlich gar nicht braucht", weiß Bruhn. So reiche für jemanden, der in erster Linie Texte oder E-Mails schreibt, sich hin und wieder durchs Internet klickt und gelegentlich ein einfaches Computerspiel spielt, ein Netbook, das mit acht Watt auskommt. Wer dagegen auch DVDs brennen will oder aufwändigere 3D-Computerspiele mag, braucht dafür schon ein spezieller ausgestattetes Notebook, das dann 20 Watt oder mehr verbraucht und bis zu doppelt so viel Strom frisst wie das einfache Netbook. Lässt sich das Gerät zudem noch aufrüsten und verfügt über ausreichend Schnittstellen, kann man später bei Bedarf immer noch Komponenten dazu kaufen oder austauschen.
Sparsame Geräte erkennbar an der Auszeichnung

-
Bild 3 vergrößern
+
So sieht es aus: das TCO Siegel
Genau hinsehen sollte man auch, das rät die Verbraucherzentrale, beim Kauf von leistungsstarken Desktop-PCs: Energiesparende Modelle können schon mit 30 bis 50 Watt laufen, die ineffizienteren schlucken bis zu 200 Watt. Ein "Gamer-PC" für aufwändige Spiele kann sogar bis zu 767 Kilowattstunden pro Jahr benötigen, ein sparsamer Multimedia-PC kommt dagegen mit 88 Kilowattstunden aus. Bei den Stromkosten kann das einen Unterschied von bis zu 70 Euro im Jahr machen - eine Betriebszeit von vier Stunden täglich vorausgesetzt. Zu erkennen sind die energiesparenden Geräte am Umweltzeichen TCO, sparsame Peripheriegeräte wie Drucker oder Monitore können außerdem mit dem Blauen Engel ausgezeichnet sein.
Energie sparen lässt sich auch bei den so genannten Peripherie-Geräten: Befinden sich Drucker, Kopierer oder Scanner unbenutzt im Stand-by-Betrieb, verbrauchen sie unnötigen an Strom. Sinnvoll sind da Steckerleisten mit Kippschalter, mit dem die komplette Hardware vom Stromnetz genommen werden kann, wenn die Geräte nicht in Benutzung sind.
Tipps zum energiersparenden Surfen
Und zum energiesparenden Surfen finden sich auf der Homepage des Umweltbundesamts noch interessante Tipps: Je schneller die Internetverbindung, desto mehr Zeit kann man sparen beim Abrufen großer Dokumente oder multimedialer Anwendungen im Netz. Werden Suchanfragen präzise formuliert, sind weniger Vorgänge nötig, um die gewünschte Information zu finden. Und: Digitale Musikdateien aus dem Netz herunterzuladen, um sie dann auf CD zu brennen, oder E-Mails regelmäßig auszudrucken vergeudet unnötig Energie. Daher: Möglichst viel online "leben".
Echte Umweltsünder: Server und Rechenzentren
"Viel mehr Strom als die Rechner oder einfache Downloads schlucken allerdings die Server", erklärt Claudia Bruhns. Etwa 50.000 Rechenzentren steuern deutschlandweit die Nutzung des Internetangebots - und verbrauchen dabei gigantische 8,7 Milliarden Kilowattstunden im Jahr, so hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ausgerechnet. Das entspreche in etwa der Jahresstromproduktion von drei Kohlekraftwerken. Bis zum Jahr 2013 rechnen Forscher mit einem Anstieg dieses Verbrauchs um 47 Prozent - und 2,2 Milliarden Euro Stromkosten. Je mehr Daten im Internet kursieren, desto mehr Server sind zu ihrer Verwaltung und Versendung in den Rechenzentren nötig. Dabei wird gut die Hälfte des gesamten Energiebedarfs allein zur Kühlung der Geräte aufgewendet, nur ein kleiner Anteil fließt in die eigentliche Rechenarbeit des Prozessors.
CO2-Ersparnis im Internet?
Wer also beim Kauf seines Computers auf eine passgenaue Ausstattung achtet, schont damit nicht nur die eigene Stromrechnung, sondern leistet auch einen Beitrag zum Klimaschutz. Angesichts der rasant steigenden Zahl der Internetnutzer weltweit - inzwischen sind es schätzungsweise zwei Milliarden - beschäftigt sich auch die Wissenschaft seit einiger Zeit mit dem Thema, das unter dem Begriff "Green IT" zusammengefasst wird: Wie kann die sogenannte Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) in Zukunft so genutzt und entwickelt werden, dass der Schaden für das Klima in Grenzen bleibt?
Forschung noch am Anfang
"Wirklich konkrete Zahlen zum derzeitigen und zukünftigen Energieverbrauch durch die Internetnutzung haben wir zurzeit noch nicht", sagt Marc Thylmann vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM). Diverse Studien und Untersuchungen wissenschaftlicher Institute seien in Arbeit. Erstmals veröffentlichte Google vor einigen Wochen Details aus der Energiebilanz des Unternehmes. Demzufolge fraßen die riesigen Serverfarmen, die das reibungslose Funktionieren der Google-Dienste und das Ausspielen von You-Tube-Videos gewährleisten, 2,26 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr 2010 - eine Menge, mit der man eine mittelgroße Stadt versorgen könnte. Google beziffert die Menge an CO2, die dabei verursacht wurde, auf rund 1,2 Millionen Tonnen und rechnet weiter vor: 100 Suchanfragen auf einem 30-Watt-Laptop entsprächen rund einer halben Stunde Glühzeit einer 60-Watt-Birne.
Internet vermeidet unnötige Autofahrten
Dennoch sehen IT-Forscher auch die Gegenrechnung: So lässt sich beispielsweise durch die Möglichkeiten, Daten per Internet von einem Ort zum anderen zu transportieren, durch Telearbeit oder Videokonferenzen zusätzlicher Auto- und Flugverkehr vermeiden. In einem Hintergrundbericht des Umweltbundesamts zum Thema Green IT heißt es, dass durch intelligente Nutzung der Informationstechnologien der bisher kalkulierten CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um bis zu 7,8 Milliarden Tonnen reduziert werden könnte. Das entspräche 15 Prozent der bisher für 2020 angenommenen weltweiten Emissionen.
Stand: 29.11.2011, 00.00 Uhr
- Dossier zum Klimawandel
- Infoseite beim Umweltbundesamt: Grüne Informationstechnik (28.11.2011)
- Tipps der Verbraucherzentrale zur umweltfreundliche Nutzung von PC & Co. (28.11.2011)
- Klima sucht Schutz - Infos zum Energiesparen
-
Computer, Internet und Co
Info-Broschüre des Umweltbundesamts (pdf) - Tipps zum Kauf von energiesparenden PCs (pdf) (28.11.2011)
- Bitkom: So verbrauchen PCs und Drucker weniger Strom
- Roadmap "Ressourceneffiziente Arbeitsplatz-Computerlösungen 2020" (pdf)
Kommentare zum Thema (18)
letzter Kommentar: 30.11.2011, 11:21 Uhr
- Butzi schrieb am 30.11.2011, 11:21 Uhr:
- Ich stimme Anton zu, auch ich spare wo ich kann, trotzdem zahle ich jedes Jahr mehr. Will man den "kleinen Leuten" jetzt auch das Internet mies machen? Die Leutchen die vor`m PC hängen haben meistens kein Geld mehr um sich was anderes - sprich, Kino, Musical, Theater u.ä. - zu leisten, also lasst denen doch die Freude. Außerdem, so lange es noch Menschen gibt die durch ihre frühere Zugehörigkeit zu Energieunternehmenm - auch wenn sie nur Ableser waren - Strom beziehen die sie nicht bezahlen müssen und Tag und Nacht, auch wenn sie in Urlaub sind, selbst an Sommertagen bei 30° im Schatten und die Sonne vom Himmel knallt, ihre Lampen als "Festbeleuchtung" brennen lassen, so lange lassen wir uns nicht vorschreiben welche "Stromfresser" wir am Netz lassen, denn wir müssen es ja bezahlen. Wir werden von Lobbyisten regiert und nicht von unserer Regierung. Also immer schön den Ball flach halten.
- Horst schrieb am 30.11.2011, 11:18 Uhr:
- Wir kämpfen gegen Windmühlen China hat seinen CO2 ausstoß um über 200% gesteigert und wir reissen uns den A**** auf und "verbrennen" Mrd. von Euro in Umweltschutzprogramme. Es ist auch für die Zukunft keine besserung in sicht, ich werde mich Freiweiliig nicht mehr weiter Einschränken damit die Chinesen weiter die Luft verpesten auf meine kosten...
- didi schrieb am 30.11.2011, 09:25 Uhr:
- Jemanden der das Ohmsche Gesetz nicht beherrscht bringe ich gerne gegen entsprechende Kursgebühr auf Stand. (das verlangt mein Arbeitgeber so) Nun stellen Sie sich mal vor, da säßen nur Politiker und Staatsdiener in den Ministerien (wie es das GG vorsieht), dann würden die Gesetze verfassen wo das Oligopol der Stromanbieter sich nicht in dem masse bedienen / bereichern könnte, oder gehen diese Stromanbieter dann ins Ausland und beliefern die Deutschen nicht mehr mit Strom?! Ich werde in naher Zukunft einen Teil meines Strombedarfes selber Produzieren aus einem Wind Solar Mix, mit einer Anlage die man inklusive Pufferbatterien schon lange kaufen kann.
- Sebastian Stock schrieb am 29.11.2011, 17:09 Uhr:
- Didi erklärt die Welt. Sie stören sich also daran, dass Politiker in den Aufsichtsräten der Versorger sitzen. Nun stellen Sie sich mal vor, da säßen nur Unternehmer (die dann wirklich Interesse an Gewinnmaximierung haben könnten) und die drehen an der Preisschraube. Dann sind Sie doch bestimmt wieder der erste der da schreit, die Politik müsse einschreiten und das arme Volk verteidigen (das das anscheinend nicht selber kann? Nebenbei, produzieren Sie Ihren Strom selber?) Dann kommen wieder die Ewiggestrigen und wollen eine Verstaatlichung und dann sitzen doch nur noch die Politiker am Hebel dieser Unternehmen. Diese zwei Alternativen sind ja offensichtlich. Also dann schlagen Sie doch mal ein Modell vor, wie es funktionieren müsste/sollte? Und dann noch etwas: Nachdem Sie diese tolle Batterie serienreif gemacht haben, bauen Sie mir dann noch einen 12V-Kühlschrank und Herd?
- Biker schrieb am 29.11.2011, 15:23 Uhr:
- Um einen solchen Schwachsinn, kann ich mich nicht auch noch kümmern. Sollen die Ökos doch ihre Rechner recyceln und den denkenden Teil der Menschheit in Ruhe lassen.
Alle Kommentare zu "Billiger surfen, Klima schützen :Stromfresser Internet & Co." anzeigen
Seite empfehlen
Über Social Bookmarks