Digitaler Trend im Kinderzimmer Ein Roboter mit Papas Gesicht

Von Matthias Goergens

Eltern müssen gar nicht mehr im Kinderzimmer auftauchen. Spielzeugroboter "RoboMe" übernimmt den Job, kann mit Mamas oder Papas Gesicht im Smartphone sprechen, loben und ermahnen. Das ist einer der digitalen Trends bei der am Mittwoch (30.01.2013) beginnenden Spielwarenmesse in Nürnberg, und Experten sind sich uneins über Fluch und Segen in der neuen Spielwelt.


"RoboMe" nutzt ein Smartphone als Kopf.
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"RoboMe" nutzt ein Smartphone als Kopf.

Einjährige begreifen in Sekunden, wie sich die Bilder auf Mamas Telefon mit einem Wisch bewegen lassen. Dreijährige zerschmettern durch das Schleudern der "angry birds" mit Wonne riesige Balken-Quader-Gebilde auf dem Bildschirm. Zerknirscht gestehen manche Eltern ein, sich Ruhepausen zu verschaffen, indem sie ihre Tablets und Smartphones kurzfristig in Kinderhände abgeben.


Jetzt wird die Versuchung noch größer. Bei der weltweit größten Spielwarenmesse in Nürnberg (30.01. bis 04.02.2013) liegt die digitale Zukunft des Spielens offenbar besonders  im Trend. Unter dem Arbeitstitel "Toys 3.0 – Die nächste Generation" werden anfassbare und elektronische Spielzeuge kombiniert. Laut Jugendforscher Axel Dammler stünden die Türen dafür weit offen: "Das Tablet wird immer mehr zum Spielbrett, auch mit realen Figuren, und das Smartphone wird immer mehr zum Steuerelement."


Tablet-PC als Billardtisch
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Der Tablett-PC wird zum Billardtisch.

Dem Spielzeugroboter "RoboMe" (ca. 130 Euro) dient das iPhone als Kopf, mit einer kostenlosen "App" lassen sich Gesichtszüge verändern, dank Spracherkennung und Lernvermögen könne er sich auch unterhalten, so das Versprechen. Papa oder Mama müssten fast gar nicht mehr kommen, da per Video-Telefonie sogar die direkte Kommunikation möglich ist. Einige Experten warnen davor, dass Kinder durch die "Toys 3.0" die reale Welt immer schwerer begreifen.

Der Düsseldorfer Kinder- und Jugendpsychiater Willem Geraets rät zu maßvollem und kontrolliertem Gebrauch: "Denn die Kinder müssen den Umgang damit heute lernen wie das Fahrrad fahren." Die digitale Welt sei Teil der zukünftigen Gesellschaft, und von negativen Auswirkungen auf die Entwicklung sei nichts bekannt. Möglicherweise entwickle sich im Gehirn etwas anders, "aber das ist dann Teil der Evolution, die es seit Millionen Jahren gibt. Der Entwicklungsprozess passt sich den Umständen an."


Ein Sphero-Ball wird per Tablet gesteuert.
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Der Sphero-Ball wird per Tablet gesteuert.

Die "Toys 3.0" machen indes nur einen kleinen Teil der rund 70 000 Neuheiten auf der 64. Nürnberger Spielwarenmesse aus. Teddybären und Stofftiere sind nach wie vor im Trend, dazu kommen Bauklötze und Steckspiele für die Kleinsten in neuen Varianten, Brettspiele und Puzzles für die Schulkinder sowie Tischkicker und Strategie-Kartenspiele für die Größeren.

Und das Autorenpaar Johnny und Tanja Häusler schreibt im jüngst erschienen Ratgeber "Netzgemüse", dass die digitale Welt nicht der Untergang des Abendlandes ist und erst recht nichts Schlechtes bedeuten müsse. Der wohl wichtigste Tipp springt zwischen den Zeilen hervor: Kein Ratgeber nimmt Eltern die Aufgabe ab, sich für ihre Kinder zu interessieren, sie respektvoll zu begleiten und selbst ein gutes Vorbild zu sein. Und das kann am Ende eben auch bedeuten, Smartphone und Tablet selbst einmal links liegen zu lassen.


Stand: 30.01.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (4)

letzter Kommentar: 30.01.2013, 19:56 Uhr

katerramus schrieb am 30.01.2013, 19:56 Uhr:
@Bloede Eltern ;) voll d ' accord , das merken Eltern und Großeltern, wenn die Spielsachen irgendwo unten in der Kiste landen- es istdoch auch ganz einfach : ein Baby lernt durch Interaktion und liebt als Kleinkind Interaktion, dieses Bedürfnis ist doch leicht zu befriedigen. Das heiß nicht, dass man ständig hinter dem Krabbler hinterherlaufen muß, wenn die Wohnung Kindgerecht ist - das Kind meldet sich, wenn es Hilfe braucht ;) Mein Enkel (17 Monate ) kommt angelaufen und nimmt mich an die Hand, wenn er gerade etwas haben will, was sich außerhalb seiner Reichweite befindet, ansonsten ist er sehr selbständig und spielt außer mit Bauklötzen, ersten Bilderbüchern mit Wäscheklammern, ärgert die beiden Familienhunde und spielt mit einer Computermaus (er liebt Kabel), die er auch als Telefon benutzt , wenn er mit mir sprechen (hallo !) üben will ;)
Bloede Eltern schrieb am 30.01.2013, 10:43 Uhr:
@katerramus das Problem sind nicht die Kinder sondern die Eltern,denn die kaufen diesen Schrott,ohne jeglichen Spielwert!"Fliegende Prinzessinen Lillifee"und was es da noch so an Hirnverseuchendem Unfug gezeigt wurde.Besser doch so etwas wie Mikado,was dann mal endlich wieder die Feinmotorik und das Spielen mit anderen unterztuetzen wuerde."Gute-Nacht-Kuss"-da sollte doch vorher noch vorgelesen werden-und dies aus einem "richtigem Buch",nicht vom"pad"oder"e-reader" ;)
katerramus schrieb am 30.01.2013, 09:26 Uhr:
Die Gefahr, dass ein Kind N I C H T mit den neuen Medien aufwächst, halte ich für gering- Eltern gehen schließlich auch damit um, das imitiert das Kind. Die Gefahr, dass ein Kind sich in der virtuellen Welt verliert, wenn anstelle der Eltern in Fleisch und Blut, Elternbildchen und -stimme in "Spielzeug" auftaucht, halte ich für groß. Schon Schulkinder verlieren sich in social networks anstatt mit Freunden etwas reales zu unternehmen - mit dem Blödsinn braucht man nicht schon vorher zu beginnen. Hilfreich sind direkte Kontakte übers notebook , wenn ein Elternteil beruflich unterwegs ist und abends nicht nach hause kommen kann- dann wirkt ein direkter Gute- Nacht- Gruß verbindend ;);) Außerdem, liebe Spielwarenhersteller, haltet doch bitte Babies und Kleinkinder nicht für blöd : diese altertümlichen Spielzeugradios und andere "kindgerechte" Elektronik locken keinen kleinen Krabbler hinter dem Sandkasten hervor: ist doch so einfach, "richtige" Geräte zu bedienen ;);)
RechtsDaumenLinks schrieb am 30.01.2013, 07:23 Uhr:
In naher Zukunft....Uterus > Kreissaal > Kita > Schule.... Und wenn sich das Kind zuhause aufhält kann man es zum RoboMe abschieben der es dann in seiner Freizeit bespasst und erzieht. Perfekte Welt :-)