Ein Spielkonsolensammler im Interview: Konsole Mio
Am Freitag (27.01.2012) vor 40 Jahren ging die erste Spielkonsole der Welt in Produktion: die Magnavox Odyssey. Sie steht in René Meyers Keller - zusammen mit 900 weiteren Konsolen. Damit hat er es ins Guinness-Buch geschafft. Und zur Kölner Spielemesse Gamescom, wo er regelmäßig seine Schätze zeigt.

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Vor 40 Jahren hatten Spielkonsolen noch Holzfurnier
René Meyer arbeitet seit Anfang der 1990er Jahre als Computer- und Spielejournalist und betreibt mehrere Webseiten. Der 41-Jährige, der in Leipzig lebt, besitzt laut Guinness-Buch die größte Spielkonsolen-Sammlung weltweit.
WDR.de: Herr Meyer, Sie besitzen die erste Spielkonsole der Welt: die Magnavox Odyssey.
René Meyer: Richtig, und sogar mit einem Autogramm des Entwicklers Ralph Baer. Der war einige Male auf der Spielemesse Games Convention, und auf der Messe haben wir uns dann getroffen. Zusammen haben wir an der "Brown Box" gespielt, das war der Prototyp der Odyssey. Ein sehr cooles Erlebnis, der Mann gilt ja zurecht als Legende.
WDR.de: Und wie spielt sich die Odyssey?

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Sammelwütig: René Meyer
Meyer: Nun ja, eigentlich ist das kein Computer, die Konsole besteht nur aus Transistoren. Entsprechend gering ist dann auch die Rechenleistung. Um den Spielhintergrund zu simulieren, werden Folien auf den Fernsehbildschirm gelegt, beispielsweise ein Fußballfeld. Man selbst kann dann ein paar Quadrate hin- und herbewegen, die den Ball und die Spieler darstellen sollen. Außerdem gab es damals noch keine künstliche Intelligenz, das heißt man musste immer zu zweit gegeneinander spielen. Der Computer als Gegner kam erst später.
WDR.de: Macht es denn Spaß, heute mit dieser Konsole zu spielen?
Meyer: Ich mache seit einigen Jahren eine Ausstellung für Retrogames auf der Gamescom in Köln. Da können die Besucher auch mal an die alten Konsolen ran, und es herrscht immer viel Betrieb. Allerdings steht keiner stundenlang an der Odyssey. Zehn Minuten Tennis, dann haben die meisten genug.
WDR.de: Heute hat jedes Billighandy mehr Rechenleistung als die Konsolen von damals. Dennoch begeistern sich viele für die 1970er und 1980er Jahre und spielen auf modernsten Computern 16-bit-Spiele. Reine Nostalgie?
Meyer: Nostalgie spielt sicher eine Rolle. Es gibt viele Leute, die sich genau die Konsole oder die Spiele besorgen, die sie als Kinder oder Jugendliche immer gespielt haben. Dann sind da aber auch Jüngere, die damals noch gar nicht geboren waren. Die haben einfach ein Interesse, die spielen gerne und wollen wissen: Woher kommt das, wo sind die Wurzeln, wie hat sich das alles entwickelt? Und es gibt Leute, die sich aus Geldgründen eine alte Konsole kaufen. Die können oder wollen sich eine Playstation3 nicht leisten und holen sich stattdessen einen gebrauchten Atari, wo die Spiele fünf Euro kosten statt 50.
WDR.de: Dass die Spiele inzwischen mehrere Quantensprünge in Sachen Grafik und Technik gemacht haben, ist also egal?

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Er erfand die erste Spielkonsole: Ralph Baer
Meyer: Das ist nicht allein entscheidend für den Spielspaß, glaube ich. Wenn man genau hinsieht, merkt man, dass die Spiele heutzutage gar nicht besonders innovativ sind. Ralph Baer hat schon 1966 auf dem Papier verschiedene Genres für mögliche Spiele festgelegt: Schießspiele, Sportspiele, Gesellschaftsspiele und so weiter. Diese Genres dominieren noch heute den Markt, da hat sich gar nicht so viel getan. Damals gab es "Soccer" auf der Odyssey, heute heißt es eben "FIFA 2012". Aber es ist immer noch Fußball.
WDR.de: Ihre Konsolensammlung steht seit 2007 im Guinness-Buch. Seit wann sammeln Sie? Und wie groß ist die Sammlung inzwischen?
Meyer: Ich sammle seit Mitte der 1990er Jahre und habe dafür circa 50.000 Euro ausgegeben. Inzwischen besitze ich um die 900 Geräte: Spielkonsolen, Heimcomputer, LCD-Spiele und Table-Top-Geräte. Das sind Miniaturautomaten, die man auf den Tisch stellen kann. Dazu kommen 5.000 Spiele und mehr als 4.000 Zeitschriften aus den 1970er und 1980er Jahren. Insgesamt nimmt die Sammlung 250 Regalmeter auf 80 Quadratmetern bei uns im Untergeschoss ein. Und sie wächst ständig. Zum Glück habe ich einen findigen und handwerklich geschickten Schwager. Immer, wenn der mich besucht, machen wir eine Begehung und schauen, wo wir ein neues Regal einbauen können.
WDR.de: Ihre Frau hat Sie also in den Keller verbannt?
Meyer: Nein, meine Frau arbeitet bei mir mit. Wir betreiben eine Seite für Computerspiele, da macht sie die Vermarktung. Auch meine Sammelleidenschaft wird von ihr unterstützt. Das ist aber zugegebenermaßen sehr selten. Ich kenne viele Sammler, die sich Pakete an die Nachbarn schicken lassen, damit die Frau es nicht mitbekommt.
WDR.de: Und Ihre Kinder? Stehen die ständig bei Ihnen im Keller und wollen spielen?
Meyer: Ja. Mein Sohn wird zehn, der findet das richtig gut. Allerdings muss man da auch etwas bremsen. Montag, Dienstag und Mittwoch sind die bildschirmfreien Tage bei uns. Nicht nur bei den Kindern, auch für uns Eltern finde ich es wichtig, nicht die ganze Zeit von der Technik zugemüllt zu werden. Deshalb gibt es auch die strikte Trennung bei uns: Unten im Haus sind die Arbeitsplätze, die Computer und die Technik, die oberen Stockwerke sind dagegen analog. Wir haben keinen Fernseher und ich benutze auch privat kein Handy.
Das Interview führte Ingo Neumayer.
Stand: 27.01.2012, 00.01 Uhr
Kommentare zum Thema (3)
letzter Kommentar: 28.01.2012, 14:17 Uhr
- Bross schrieb am 28.01.2012, 14:17 Uhr:
- tagesschau.de: "jedes Jahr kommen neue Spielekonsolen auf den Markt" - ääh ... ja, wenn man die Imitate in China mitzählt.
- Alric schrieb am 28.01.2012, 12:25 Uhr:
- Finde es interessant den Artikel als ''Schlusslicht'' zu lesen. Nur mal ein kleines Gedankenexperiment. Ersetzt das Wörter wie Konsole und Computer durch Auto und Oldtimer. Würde es dann immer nocht als absonderliche Kuriosität gelten die man nur müde belächelt? Bin zwar selbst kein Sammler aber würde es durchaus interessant finden die Entwiklung der Technik zu sehen.
- Anna Lyse schrieb am 27.01.2012, 11:05 Uhr:
- "... die oberen Stockwerke sind dagegen analog. Wir haben keinen Fernseher und ich benutze auch privat kein Handy." Respekt! Der Mann imponiert mir, auch wenn ich seine Sammelleidenschaft nicht teile. Meyer for President!
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