Teil 2: Wie das Experiment funktioniert: Welche Daten verlangt das Small-World-Experiment?
Wie funktioniert das Small-World-Experiment? Was Teilnehmer beachten müssen und welche Daten die Wissenschaftler brauchen: ein Überblick.

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Welcher Facebook-Freund führt näher an die Zielperson?
Wer am Kleine-Welt-Experiment von Yahoo und Facebook teilnehmen möchte, kann sich auf der Website registrieren. Die Forscher suchen in erster Linie "Sender", denen eine von Yahoo vorausgesuchte Zielperson zugewiesen wird. 15 Zielpersonen an verschiedenen Orten der Welt hatten die Forscher zum Versuchsbeginn ausgewählt und festgelegt. Weitere werden derzeit gesucht. Ein neu registrierter Sender erhält Informationen über die Zielperson: Name, Alter, Wohnort, Beruf, Bildungsweg. Er wird nun zum Initiator einer neuen Kette und ist aufgefordert, jene Zielperson so schnell wie möglich zu erreichen – über eine möglichst kurze Reihe von untereinander verbundenen Facebook-Mitgliedern. Den aktuellen Fortschrtitt einer jeden Kette, deren Teil sie sind, können User über einen Link auf der Experiment-Seite einsehen.
Jeder, der eine Nachricht weiterleiten möchte, wird zum Experiment-Teilnehmer, muss den Teilnahmebestimmungen zustimmen und Forschern über die Facebook-App Zugriff auf persönliche Informationen gewähren: Name, Profilfoto, Netzwerke, die komplette Freundesliste, Geburtsdatum, unter Umständen auch Informationen zu Bildungsweg und Beruf.
Zugriff über API-Funktion
Die App nutzt dafür eine von Facebook zur Verfügung gestellte Programmiererschnittstelle: die API-Funktion. Über diese können allerdings ausschließlich Basis-Informationen ausgelesen werden, die der Profilinhaber öffentlich zugänglich macht. Und zwar nur, während der User bei Facebook eingeloggt ist, betont Sharad Goel. Nutzerinformationen, die nur begrenzt zugänglich sind, können nur auf ausdrückliche Freigabe durch den Profilinhaber hin abgerufen werden. "Was passieren kann, ist, dass ungesicherte, öffentliche eigene Daten auf diese Weise schneller/leichter ermittelt werden und in die Öffentlichkeit geraten", gibt WDR-Netzexperte Jörg Schieb zu Bedenken. "Wir ermuntern die Teilnehmer dazu, darauf zu achten, nur die Informationen zu übermitteln, die sie auch mit anderen teilen möchten", lautet die Antwort von Yahoo. Man bemühe sich um Klarheit bei der Formulierung der Datenschutz- und Privatsphärebestimmungen.
Auch die Wissenschaft muss Userrechte wahren
Ob viele User sich trotz aller gegenteiliger Beteuerungen von Yahoo um die Sicherheit ihrer Daten sorgen? "Die informationelle Selbstbestimmung der User zu achten beinhaltet auch, dass nicht ungefragt Daten für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden können bzw. dass einer solchen Nutzung zugestimmt werden muss", sagt Jan-Hinrik Schmidt, er forscht am Hamburger Hans-Bredow-Institut zu digitalen Medien und politischer Kommunikation. "Im Fall dieses Experiments ist das durch entsprechende Hinweise prinzipiell gegeben", so Schmidt. Das Projekt an sich findet er interessant, weil "gerade Netzwerkplattformen für Sozialwissenschaftler eine Fülle von Informationen über soziale Zusammenhänge und gesellschaftliche Prozese liefern können". Unklar sei aber, inwieweit für Nutzer, die an dem Experiment teilnehmen, die Hinweise auf die Verwendung ihrer Daten wirklich transparent und verständlich seien.
Anmeldung in 13 Sprachen - Datenschutz in einer
Vermutlich nur teilweise - was auch an Sprachbarrieren liegen könnte. Während nämlich Basis-Informationen zur Teilnahme auf der Experiment-Website in insgesamt 13 Sprachen abrufbar sind, liegen zwei wichtige Dokumente nur in englischer Sprachversion vor: die auch für das Experiment gültigen Yahoo-Datenschutzrichtlinien sowie die "Dienstleistungsbestimmungen" – die "Terms of Use". Darin heißt es wiederholt, auch "third parties" – Dritte – würden Zugriff auf die Daten erhalten. "Mit 'Dritten' meinen wir in erster Linie Facebook, weil wir ja für die Analyse zusammenarbeiten. Ansonsten können Teilnehmer einer Kette untereinander Namen und Profilbild austauschen – wobei diese Informationen ja ohnehin öffentlich sind", erklärt Sharad Goel. Es gelten daher auch die Facebook-Datenschutz- und Privatsphäre-Bestimmungen, denen Teilnehmer als angemeldete Mitglieder ja ohnehin zugestimmt haben.
Kooperation auch bei der Analyse
Die Forscher um Sharad Goel erbitten sich in den Dienstleistungsbestimmungen noch bis 24 Monate nach Experimentende Zugriff auf die Profilinformationen. Eine Gefahr für die Datensicherheit? "Bei Yahoo würde ich grundsätzlich davon ausgehen, dass sie keinen Schindluder mit den Daten treiben und alles mit rechten Dingen zugeht", anderes wäre viel zu riskant für das Unternehmen, so Jörg Schieb. Uneingeschränkten Zugriff auf die Daten hat außerdem noch Facebook, bei der Analyse wollen die Wissenschaftler beider Unternehmen zusammenarbeiten: Auf Yahoo-Seite sind das Sharad Goel und sein Kollege Duncan Watts. Watts hatte bereits 2003 im Dienste der New Yorker Columbia University einen ähnlichen Versuch mit E-Mails durchgeführt. Die Idee, das Experiment auf das weltweit größte soziale Netzwerk zu übertragen, stammt von ihm und Goel. Bei der Durchführung kooperieren sie mit zwei "Datenwissenschaftlern" von Facebook.
Auf der Suche nach Abkürzungen zu Fremden

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Globale Netzwerke - ein Datenfundus für Sozialwissenschaftler
Wie genau man bei der Analyse vorgehen wolle sei noch nicht restlos geklärt, sagte Sharad Goel WDR.de. Die Wissenschaftler interessieren sich besonders dafür, nach welchen Kriterien Teilnehmer den nächsten Empfänger der Nachricht auswählen. Dahinter steht eine der Kernfragen: Wie finden Menschen innerhalb eines großen Netzwerks Pfade, quasi Abkürzungen hin zu einer anderen Person. Warum sind einige erfolgreich und andere nicht? Und welche Fortschritte auf dem Weg zur Zielperson machen sie von einer Zwischenstation zur nächsten? Daher fragen die Wissenschaftler optional auch nach, in welcher Verbindung ein Teilnehmer zu dem Facebook-Kontakt steht, den er für die Weiterleitung ausgewählt hat. Die Beantwortung dieser Fragen, betont Sharad Goel, sei aber freiwillig. Auch könne jeder Teilnehmer zu jedem Zeitpunkt vom Experiment zurücktreten. Dafür müssen Versuchsmüde Goel direkt anschreiben und die Facebook-App wieder löschen.
Stand: 31.08.2011, 06.00 Uhr
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