Rapper für "Integration" ausgezeichnet: Unmut bei Bambiverleihung an Bushido
Der Protest im Netz verfehlte seine Wirkung nicht: Die Verleihung des Bambi an Bushido am Donnerstagabend (10.11.2011) als Beispiel für "Integration" löste bei einigen Gästen der Veranstaltung Unmut aus. Der Applaus für seine Dankesrede blieb deswegen verhalten.

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Rapper Bushido posiert während der Bambi-Preisverleihung
Peter Plate vom Duo Rosenstolz, das für sein Comeback ausgezeichnet wurde, nutzte seine Dankesrede, um seinen Unmut zu bekunden: "Es ist sicher richtig, dass Menschen einander neue Chancen geben", sagte er. "Ich finde es aber nicht okay, dass ein Musiker, der frauenfeindliche, schwulenfeindliche, letzten Endes also menschenverachtende Texte schreibt, mit einem Bambi geehrt wird." Die Gesamtverantwortliche des Medienpreises, "Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel, äußerte nur einen einzigen Satz zu diesem Thema: "Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient."
"Ich habe gelernt, dass das, was ich gesagt habe, falsch war"

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Integrations-Bambi für Rapper Bushido
Bushido selbst sah das auch so. Er sei jetzt 33 Jahre alt und werde heute ganz bestimmt nicht mehr das sagen, was er vielleicht vor zehn Jahren gesagt habe. "Und ich habe gelernt, dass das, was ich gesagt habe, falsch war." Alles in allem habe er aber keine Lust, sich zu rechtfertigen, die Kritik an seiner Person interessiere ihn nicht.
Seit der veranstaltende Burda-Verlag am 6. November twitterte, der Rapper erhalte für seine "Verdienste um die deutsche Gesellschaft" einen Bambi in der Kategorie "Integration", wuchs der Protest, vor allem im Netz. Nach einigen bestätigenden Kommentaren von Fans auf der Facebookseite der Bambiverleihung ("Bushido ist eh der beste :)", "Bushido respekt echt =)", "Hammer hat er verdient Bushido" u.a.) meldeten sich immer mehr Kritiker zu Wort. Der Seiten-Administrator reagierte mehrfach auf die empörten Stimmen und bilanziert: "Man sieht, dass Bushido polarisiert".
Ist Bushido ein gutes Vorbild für Integration?
Wenn es nur das gewesen wäre. Der Burda-Verlag sah sich mit einem Sturm der Entrüstung in den sozialen Netzwerken konfrontiert: Bei Twitter, Google+ und Facebook wurde diskutiert - und wird es auch nach der Veranstaltung immer noch. Neben dem Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) und der Frauenrechte-Organisation Terre des Femmes meldeten sich auch Politiker zu Wort. "Es ist mehr als verwunderlich, wenn ein Künstler wie Bushido für die Bambi-Jury als Vorbild für gelungene Integration gilt", äußerte sich die Bundesvorsitzende der Grünen, Claudia Roth. Der Rapper rufe in seinen Liedtexten seit Jahren offen zu Gewalt auf und trete regelmäßig mit homophoben, frauenfeindlichen und schlicht menschenverachtenden Aussagen in Erscheinung, schrieb Roth. Die Betreiber der am Mittwoch (09.11.2011) gegründeten Facebook-Fanseite "Kein Bambi für Bushido" hatten ihr Statement auf ihrer Pinnwand gepostet.
Burda: "Musik ist eine Kunstform"
Über 16.000 Facebook-Mitglieder haben auf der Seite mittlerweile per "Gefällt mir"-Klick ihre Unterstützung kundgetan. Am Mittwochnachmittag (09.11.11) reagierte der Burda-Verlag und veröffentlichte auf der Facebook-Page der Bambi-Verleihung unter einem Bushido-Bild - ein seriöses Pressefoto, das einen Rapper im Anzug zeigt - eine Stellungnahme. "Es ist klar, dass ein Künstler wie er stark polarisiert. Die Bambi-Verantwortlichen distanzieren sich deutlich von jeder Form der Diskriminierung", hieß es dort. Und später: "Musik ist eine Kunstform, der bewusste Tabubruch ein Stilmittel des Raps - ob es einem gefällt oder nicht." Persönlich äußere sich der Rapper immer wieder deutlich. Ergänzt wird das Statement um ein Bushido-Zitat aus der "Bunten", in der der Rapper sich selbst als höflich und respektvoll bezeichnet. Der "Zeit" soll er im Mai 2011 gesagt haben: "Alle Menschen sind erst einmal okay, egal wo sie herkommen, egal was sie machen, egal ob sie aufs gleiche Geschlecht stehen."
Protestmails an die Burda-PR-Chefin
Knapp 70 Personen gefiel diese Äußerung der Bambi-Macher. Über 400 Kommentare fanden sich unter der Stellungnahme. "Für mich war es das definitiv mit Produkten aus dem Burda-Verlag. Und ich wünsche mir, dass es heute bei der Verleihung an den Hass-Rapper zu gewaltigen Buh-Rufen kommen wird", schrieb etwa Jörg J., "Bambi, der neue 'Oscar' für Sexismus und Schwulenhass", urteilte Florian D. direkt darunter. Einige hatten ihre E-Mail an die Burda-PR-Chefin Julia Korn veröffentlicht und forderten auch andere dazu auf, sich persönlich zu beschweren. Kommentatorin Léa O. findet mit ihrem sicherheitshalber doppelt geposteten Statement "Bushido ich liebe dich" in diesem Thread selbsterklärend wenig Gleichgesinnte.
Bushido-Fans über Kritiker: Texte nicht gelesen oder nicht verstanden?

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Generalprobe: Hier werden die Bambis verliehen
Auf der Bushido-Fanseite war die Bambi-Verleihung ebenfalls Thema. Einige Spötter, Kritiker und Empörte hatten sich an der dortigen Pinnwand verewigt. Einige der über 10.000 Fans der Seite protestierten. "Da sieht man mal wieder wie groß der Neid ist! Bushido ist ein Mann der kein Blatt vor den Mund nimmt", schreibt Florian H. Kleene K. empörte sich in ihrem Post über die Seite gegen die Auszeichnung von Bushido. "Einfach nur krank als hätte man nicht andere Probleme... Ich finds cool, dass er eine bekommt", schreibt sie. Einige andere kritisieren, die Protestler hätten seine Texte, "auch eine Form von Marketing", einfach nicht verstanden.
Und Bushido selbst? "Die Grünen und der LSVD regen sich darüber auf, dass ich den Bambi bekomme...Wie erbärmlich... Kümmert euch mal", twitterte Bushido78 am Mittwoch und verlinkte einen Artikel über den Freispruch eines Mannes, der seine Stieftochter über 340 Mal missbraucht haben soll. Twitterer robson_de unterstützt: "Jaja @Bushido78 als Frauen und Schwulenfeindlich abstempeln, aber garantiert nicht einen einzigen Song gehört. Das sind die Besten."
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Video:
Integrationsbambi für Bushido: Rosenstolz üben Kritik
(02:00)
WDR aktuell
11.11.2011 -
Integrationsbambi für Bushido: Rosenstolz üben Kritik
Stand: 11.11.2011, 17.35 Uhr
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