Netz-Experte Jörg Schieb: Auch E-Mails können sicher sein
Die meisten User machen sich Gedanken um mangelnden Datenschutz in sozialen Netzen, verschicken aber sorglos ungeschützt E-Mails. So lassen sie sich leicht mitlesen und manipulieren. Kostenlos E-Mails zu verschlüsseln und zu signieren ist aber eigentlich gar nicht schwer.

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De-Mail macht Mails sicherer
Die meisten E-Mails werden vollkommen ungeschützt verschickt. Auf dem Weg vom Absender zum Empfänger kann sie theoretisch jeder mitlesen. Die Absenderangabe lässt sich mit wenig Aufwand ändern oder manipulieren, dazu sind nicht mal technische Tricks erforderlich. Dasselbe gilt für den Inhalt der E-Mail: Auch der kann jederzeit verändert werden, ohne dass Absender oder Empfänger davon etwas bemerken. Was tun?
Bislang werden E-Mails praktisch nie geschützt
Obwohl die E-Mail sich zum mit Abstand wichtigsten Kommunikationsmittel gemausert hat, wird wenig Aufwand betrieben, sie sicherer zu machen. Sieht man mal von der Initiative De-Mail ab: Seit kurzem kann jeder Deutsche ein De-Mail-Konto eröffnen und rechtsverbindliche E-Mails mit Behörden, Banken oder Anbietern austauschen. Die E-Mails sind fälschungssicher. Allerdings ist dieser Service von einer Einführungsphase abgesehen kostenpflichtig – und auch nicht sonderlich weit verbreitet.
Doch E-Mails lassen sich auch so mit relativ geringem Aufwand verschlüsseln. Niemand kann sie dann mitlesen. Auch das Absichern des Inhalts ist möglich: Der Empfänger kann so leicht überprüfen, ob der Absender stimmt und ob die E-Mail unversehrt bei ihm angekommen ist. Jeder kann diese Verfahren nutzen – und das sogar kostenlos.
Schlüsselpaar bringt Sicherheit: Aufschließen und Abschließen

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Das Prinzip Ver- und Entschlüsseln von Daten
Bei diesen Schutzverfahren bekommt jeder User einen Schlüssel. Oder besser: ein Schlüsselpaar. Den öffentlichen Schlüssel (Public Key) darf jeder kennen, er kann öffentlich verteilt werden. Mit dem privaten Schlüssel (Private Key) muss man vorsichtig sein: Der bleibt geheim, damit werden die eigenen E-Mails unterschrieben (signiert). Der Empfänger einer so geschützten E-Mail kann die Authentizität der Nachricht mit dem öffentlichen Schlüssel überprüfen.
Alles eigentlich keine Hexerei, vor allem, weil die Software die nötigen Dinge im Hintergrund selbst erledigt. Trotzdem ist das Ganze mit etwas Aufwand verbunden: Man muss erst mal die nötige Software installieren, Schlüssel organisieren und auch dafür sorgen, dass die Partner der E-Mail-Kommunikation ebenso ausgestattet sind – anderenfalls macht der Schutz keinen Sinn und verschlüsselte E-Mails bleiben ein geheimnisvoller, unlesbarer Zeichensalat.
Am weitesten verbreitet: Pretty Good Privacy und OpenPGP

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Kostenlos erhältliche Software gpg4win
PGP (Pretty Good Privacy) und S/MIME nennen sich die Verfahren, die einen solchen Schutz bieten. Der am weitesten verbreitete Standard zum Verschlüsseln und Signieren ist OpenPGP. Hier kann sich jeder kostenlos mit Schlüsseln versorgen. Allerdings braucht man auch noch Software, die idealerweise mit der eigenen E-Mail-Software kooperiert. Zum Beispiel ein Programm wie das kostenlos erhältliche Gpg4win. Die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Auftrag gegebene Software soll den Einstieg in die Welt der sicheren E-Mails ermöglichen. Allerdings funktioniert die Kooperation mit E-Mail-Programmen wie Outlook oder Thunderbird nur leidlich oder gar nicht. Da ist Frust programmiert. Besser ist es daher, für die auf dem PC verwendete E-Mail-Software (Outlook, Mail, Thunderbird) die passenden Plugins zu laden, um PGP dort zu aktivieren.
Wer auf einem Smartphone oder Tablet E-Mails signieren oder verschlüsseln will, hat es richtig schwer: Hier existieren mitunter nur Apps, um signierte E-Mails zu überprüfen, aber keine, um selbst E-Mails sicher zu verschicken. Die Anbieter nehmen das Thema einfach nicht ernst genug, das gilt für Apple, Google und Microsoft gleichermaßen – und ist auch beklagenswert, da mehr Sicherheit im E-Mail-Verkehr im Interesse aller wäre.
Mehr Vertrauen durch Zertifikat
Eine Alternative ist das digitale Beglaubigen von E-Mails mit einem Zertifikat. Der Absender lässt sich von einem angesehenen Anbieter ein Zertifikat ausstellen und hängt dieses digitale Zertifikat der E-Mail an. Der Empfänger kann mit wenig Aufwand überprüfen, ob das Zertifikat in Ordnung ist und damit zumindest den Absender leicht überprüfen. Das erledigt in der Regel die E-Mail-Software, hier ist kein zusätzlicher Aufwand nötig.
Beim Versenden von E-Mails wird das Zertifikat automatisch genutzt – eine bequeme Methode, E-Mails sicher zu verschicken. Die nötige Vorgehensweise hängt jedoch vom jeweiligen Betriebssystem und E-Mail-Client ab, lässt sich mit etwas Einsatz aber durchaus bewerkstelligen. Wünschenswert wäre es natürlich, wenn Softwareanbieter und auch Onlinedienste mehr auf das wichtige Thema achten und die User besser an die Hand nehmen würden.
- Über den Autor
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Jörg Schieb ist der Computerexperte und Netzkenner der ARD und setzt schon seit Jahren Pretty Good Privacy (PGP) ein, um vertrauliche E-Mails abzusichern. Allerdings eher selten, denn nur Wenige sind bereit, denselben Aufwand zu betreiben - und nur dann klappt es.
Stand: 23.10.2012, 10.48 Uhr
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De-Mail soll Mails sicherer machen
- Audio: Die De-Mail kommt - ist sie wirklich sicher? (23.08.2012) Andreas Braun / Katrin Schmick, WDR 2 Zwischen Rhein und Weser
- Angeklickt Videoblog - De-Mail: Telekom startet Angebot für sichere Mail (23.08.2012) [Aktuelle Stunde]
- OpenPGP: Kostenlose Schlüsselpaare und Infos
- Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) über PGP
- Nützliche Tipps zu Pretty Good Privacy
Kommentare zum Thema (8)
letzter Kommentar: 24.10.2012, 11:52 Uhr
- E-Mailfünfnull schrieb am 24.10.2012, 11:52 Uhr:
- Hallo Herr Schieb, Ist denn nach Ihrer Auffassung " eine sichere E-Mail auch gerichtsfest? Oder besser noch Grundlage für einen HGB/BGB verbindlichen Geschäftsvorgang? DE-Mail oder auch der E-Postbrief sind Systeme die doch eigentlich genau diese Verbindlichkeit herstellen sollen - wie kann denn aus Ihrer Perspektive der "Home-user" ein ähnliches Ergebnis erzielen in dem er sich umständlich zu installierende Tools in seine Mailinfrastruktur einbindet. Vielleicht könnten Sie da eine solide Aufklärung die auch für nicht Experten verständlicher ist betreiben. Wünschenswert wäre das allemal.
- ratz60 schrieb am 24.10.2012, 11:44 Uhr:
- Hallo, sehe das genau wie der Herr Schieb, ich benutze seit mehreren Jahren OpenPGP und hänge an meinen Mails immer noch ein Link zu Gpg4win an. Verschlüsselt habe ich gerade mal eine handvoll Mails, in meinem Bekanntenkreis werde ich mild belächelt. Für alle Skeptiker http://www.tagesschau.de/inland/datenueberwachung100.html ratz
- Snoopy schrieb am 24.10.2012, 08:33 Uhr:
- Für das private Umfeld viel zu viel Aufwand. Die beschriebene "Gefahr" des Mitlesens ist - lobenswerterweise wird das am Beginn des Artikels erwähnt - eher theoretischer Natur. Allein die Menge der täglich verschickten E-Mails macht es ziemlich uninteressant, den Mailverkehr von Lieschen Müller auszuspionieren. Wer sich allerdings die Mühe machen will, erfährt dann möglicherweise zufällig, dass X nach Feierabend einkaufen will. Welch Erkenntnisgewinn!
- BB-Nutzer schrieb am 23.10.2012, 22:57 Uhr:
- neben Äpfeln, M$ etc. wird immer gerne BlackBerry vergessen, obwohl die eine sehr sichere Kommunikation ernöglichen. Aber RIM bekommt es in Deitschland ja nicht gebacken, die Produkte ordentlich zu vermarkten.
- einsweniger schrieb am 23.10.2012, 20:38 Uhr:
- Vielen Dank Herr Schieb! Ich dachte schon, das hier wird reine DE-Mail Propaganda. Schön, dass sie PGP vorgestellt haben! Gruß, einsweniger
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