Safer Internet Day in der Schule: "Wer hat hier (k)ein Smartphone?"
Für Datenschutz bei Apps und Facebook interessieren sie sich besonders, als es um Cybermobbing geht, wurden sie ganz still. Zum Safer Internet Day bekamen Schüler eines Bonner Gymnasiums Besuch eines Datenschutzbeauftragten.

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Beim Datenschutzbeauftragten dürfen die Schüler die Unterrichtsthemen auswählen
Nur noch ein Schüler zeigt auf. "Mehr als 800 Freunde bei Facebook?", fragt Rolf Poschmann noch einmal nach. Der Junge mit der Hornbrille nickt. "Ja, so in etwa", antwortet er. Noch über zehn der insgesamt rund 40 Schüler hatten sich zuvor bei der Frage nach der 200-Freunde-Marke gemeldet. Noch drei gaben an, 500 Freunde beim größten sozialen Netzwerk zu haben. "Das sind die, die jeden adden", wurde da getuschelt. "Man bekommt Freundschaftsanfragen, man stellt welche", sagt der 800-Freunde-Schüler. Welche Kriterien er bei der Auswahl zugrunde legt, erklärt er nicht. Rolf Poschmann nickt und kommentiert: "Aus Studien weiß man, dass man zu 150 Freunden im Alltag einen guten Kontakt pflegen kann. Wenn es mehr werden, ist das kaum möglich."
An diesem Tag, am 5. Februar, ist der Safer Internet Day, ausgerufen von der EU-Kommission. Aus diesem Anlass ist der Datenschutzbeauftragte Poschmann in die Bonner Otto-Kühne-Schule gekommen.
Bei Facebook wieder abgemeldet

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Rege Diskussion beim Thema Facebook
Es soll um Fragen des Datenschutzes gehen, auf Facebook und auch sonst. Passwortsicherheit ist auch ein wichtiges Thema, erklärt er den Schülern später. Zwei Gruppen von Neuntklässlern informiert er heute. Beim weltweit größten sozialen Netzwerk angemeldet sind etwa Dreiviertel der Gruppe, davon zwei bis drei mit Nickname statt mit ihrem Klarnamen. "Das verstößt zwar gegen die Facebook-Nutzungsbedingungen, aber das deutsche Recht erlaubt es euch", ermuntert Rolf Poschmann. "Ich hatte meinen Nachnamen ursprünglich nur abgekürzt im Profil, auf einmal stand er komplett drin. Da habe ich mich bei Facebook wieder abgemeldet", berichtet eine Schülerin. Und eine andere: "Immer wenn ich mich mit meinem Smartphone von mobil einlogge, fragt Facebook, ob ich alle Daten auf meinem Telefon synchronisieren möchte." Das, fügt sie hinzu, habe sie bisher nicht zugelassen.
Apps als getarnte Datenkraken

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Datenschutzexperte Poschmann: Vortrag vor Kommunikationsprofis?
Der Datenschutzbeauftragte steht heute vor einer Gruppe von Kommunikationsprofis, das wird schnell klar. Auf seine Frage "Wer hat hier ein Smartphone?" hin schnellt wieder die überwiegende Mehrheit der Schülerfinger in die Höhe, als es dann um die oft unbemerkte Datensammelei von Apps geht und Rolf Poschmann einen kurzen Film zeigt, sind alle Schüler hochkonzentriert. Zwar lachen sie bei dem merkwürdigen Namen einer Protagonistin des Filmes ("Samantha"). Als das Mädchen aber schon durch das Benutzen einer einfachen Foto-App den Test-Hackern des Fernsehteams ihren kompletten SMS-Eingang, ihre Fotoalben und ihr Adressbuch zugänglich macht sowie ihren aktuellen Aufenthaltsort übermittelt, wirken viele Schüler schockiert. "Mittlerweile kann man in den Einstellungen vieler Smartphones genau einstellen, auf welche Informationen Apps zugreifen können. Prüft das regelmäßig", erklärt der IT-Experte Poschmann. Genauso wie die Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook, die vielen für Online-Dienste verwendeten Passwörter, die Sicherheitsupdates von Browser und Virenschutzprogramm. Nur wer regelmäßig aufräumt und Rechner wie Smartphone auf dem neuesten Software-Stand hält, erreicht einen guten Schutz der eigenen Daten, so Poschmann.
Jemand ruft: "Cybermobbing!"

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Schulleiter Joachim Gantzsch
Nun dürfen die Schüler selbst Diskussionsthemen aus einer von Poschmann per Beamer eingeblendeten Sprechblasen-Grafik wählen. Nach "Treffen mit Cyberfreunden", "Zocken" und "Shoppen" ruft jemand: "Cybermobbing!". Das Thema liegt auch dem Schulleiter besonders am Herzen. "Alle zwei bis drei Monate kommt es vor, dass Schüler online und unter anderem Namen sexistische Anspielungen und dumme Witze über Mitschüler verbreiten", erklärt Joachim Gantzsch gleich zu Beginn des Vorgesprächs mit Rolf Poschmann am frühen Morgen in seinem Büro. "Viele Schüler sind dabei sehr unbedarft und können die Folgen nicht abschätzen. Für uns als Schule stellt sich dann die Frage, wie weit wir gehen wollen und müssen, um diese Vorfälle aufzuklären", schildert der Schulleiter und meint damit auch die technischen Mittel zur Aufklärung. Die Kooperation der Eltern sei dann sehr wichtig, seit 2005 gebe es an der Schule auch eine Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes als Ansprechpartnerin für Schüler und Erziehungsberechtigte.
Jeder dritte Schüler wird online gemobbt

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Mit Datenschutz-Tipps in den Computerraum
Als Rolf Poschmann im Workshop am Vormittag dann einen Film über Cybermobbing zeigt, sind die Schüler zunächst sehr still. Ein Mädchen meldet sich und berichtet von einem Fall, in dem ein Lehrer Schüler online belästigt haben soll. Nein, von Mobbing Betroffene werden sich hier heute nicht outen. Dabei ist das laut Statistik heute beinahe jeder dritte Schüler, sagt der Datenschutz-Beauftragte. Nach dem knapp zweistündigen Workshop dürfen die Neuntklässler dann in den Computerraum, um neu Gelerntes anzuwenden. Weil sich vor Mobbing kaum einer schützen kann, wollen viele nun Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook und ihre Passwörter überprüfen.
- Übrigens...
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... war ich früher selbst Schülerin der Otto-Kühne-Schule. Als ich dort Abiturientin war, standen Internet und Datenschutzthemen noch nicht auf dem Stundenplan. Heute können Schüler dort ab der sechsten Klasse für den "Internetführerschein" pauken, bis zur Jahrgangsstufe 9 sind Netzthemen und Datenschutz Bestandteil des Curriculums, ab der achten Klasse allerdings nur noch freiwillig. Ein guter Schritt, einen Datenschutzbeauftragten einzuladen, aber: Da geht noch mehr!
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- Rolf Poschmann
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Rolf Poschmann ist freiberuflicher Datenschutzbeauftragter. Normalerweise berät er Unternehmen. Das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) verpflichtet Firmen unter verschiedenen Bedingungen zur Ernennung eines betrieblichen Datenschutzbeauftragten - etwa, wenn dort mehr als neun Personen beschäftigt sind oder das Unternehmen geschäftsmäßig personenbezogene Daten erhebt oder nutzt. In Schulen kommt Rolf Poschmann auf ehrenamtlicher Basis und im Auftrag des Berufsverbandes der Datenschutzbeauftragten Deutschlands (BvD).
Stand: 06.02.2013, 06.00 Uhr
- Safer Internet Day: So surfen Sie sicher (05.02.2013)
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Kommentare zum Thema (3)
letzter Kommentar: 06.02.2013, 14:44 Uhr
- Horst schrieb am 06.02.2013, 14:44 Uhr:
- Früher als der Buchdruck erschienen ist gab es die Gutenberg Bibel ein tolles Werk doch dieses neue Medium wurde missbraucht z.B. zum drucken der Bild Zeitung... dasselbe passiert heute mit dem Internet und Smartfones, die technik kann sowohl zum guten und auch zum schlechten benutzt werden.
- Steve schrieb am 06.02.2013, 13:07 Uhr:
- Ich weiß nicht, wieso Eltern ihren Kindern bereits ab den frühen Lebensjahren Smartphones und Rechner unkontrolliert zur Verfügung stellen und sie dabei nicht "begleiten". Aber sowohl die Eltern als auch deren Kinder gehören zur "Generation Blöd". Deswegen nicht rumjaulen. Die Blagen kriegen später im Leben sowieso nix mehr hin, weil sie nur noch Smartphones im und bekloppt aussehende Kopfhörer auf den hirnlosen Schädeln haben...
- ThomWeb schrieb am 06.02.2013, 11:02 Uhr:
- Eigentlich verstehe ich nicht, worum es hier geht. Ich habe in den 1980er Jahren Abi gemacht. Seinerzeit gab es für rund 1.100 Schüler zwei Computer, einer davon aus den 1960ern. Internet gab es genausowenig wie mobile Kommunikation. Das Mobbing endete an der Wohnungstür. Heute, so dachte ich, lernen Kinder den Umgang mit der (mobilen) Kommunikation quasi mit der Muttermilch. Ich dacht immer, man müsste Jugendlichen nichts über Viren, Trojaner, Datenklau und gehackte Accounts erzählen, weil sie das alles seit dem Kindergarten kennen. Offenbar überspringt die aktuelle Generation von Jugendlichen aber ganze Phasen, die meine Generation selber gelernt hat. Wir haben erst Rechner, dann Netzwerke selber zusammengebaut und später den Zugang zum Internet konfiguriert. Und Rechner von Viren befreit. Und ich bin kein Informatiker. Offenbar gibt es einen sehr großen Nachholbedarf. P.S.: Mein Smartphone hat Internetverbot. Ich weiß, warum.
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