Online-Shops analysieren ihre Kunden Verfolgt von Werbung

Von David Ohrndorf

Viele Online-Shops setzen mittlerweile Retargeting ein. Eine Technik, bei der angeschaute Produkte den Nutzer auf Werbebannern "verfolgen". Beim Einkaufen von Weihnachtsgeschenken kann einem das die Überraschung verderben.


Einkaufen im Internet
Bild 1 vergrößern +

Online-Shopping hinterlässt Spuren - schon beim Anschauen

Wer das Phänomen noch nicht kennt, kann es an einem einfachen Experiment nachvollziehen: Einfach bei einem Online-Schuhverkäufer ein Paar anklicken und dann beispielsweise auf ein Nachrichten-Portal gehen. Dort und auf vielen anderen Seiten mit Werbung erscheinen dann exakt die gerade im Online-Shop angesehenen Schuhe in einem Werbebanner. (Falls nicht, kommen Ihnen die Produkte, die angezeigt werden, sicher auch irgendwie bekannt vor, oder?)

95 Prozent der Online-Shopper gucken erstmal nur


Robert Lang, Geschäftsführer der Criteo GmbH
Bild 2 vergrößern +

Robert Lang

Retargeting heißt diese Technik in der Fachsprache der Online-Marketing-Experten. Criteo ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Anbieter für personalisiertes Retargeting. Laut Geschäftsführer Robert Lang profitieren Online-Shops von dieser Technik, weil etwa 95 Prozent der Nutzer, die einen Shop besuchen, erstmal nichts kaufen. "Mit Retargeting können Shop-Betreiber diese User wieder finden und zurück in den Shop führen." Und das nutzen nicht nur Schuhverkäufer: Ebay, Conrad, Völkner, Otto, Hagebau - die Liste der Shops, die so Umsatz generieren wollen, ist lang.

Nicht immer ist die Verbindung zwischen Produkt und Werbung so platt, wie im genannten Beispiel. Laut Robert Lang kann Retargeting noch sehr viel gezielter eingesetzt werden. Ein Reiseanbieter könne etwa seinen Kunden nach einer Buchung, kurz vor der Abreise noch "Candlelight Dinner oder Mietwagen" via Retargeting anbieten. Spätestens bei diesem Beispiel wird klar: Da wird irgendwo einiges an Daten über die Kunden gespeichert.

Datenschützer kritiseren Cookies

Die Anbieter von Retargeting erklären übereinstimmend, alle geltenden Datenschutzvorschriften zu beachten. Die Daten würden anonymisiert und keine personenbezogenen Informationen gespeichert. Das System funktioniert über Cookies, kleine Dateien, die auf dem Rechner des Internet-Nutzers gespeichert werden. Anhand der dort hinterlegten Informationen wird die passende Werbung ausgewählt und eingeblendet.

Die Verwendung von Cookies für Werbezwecke ist auf EU-Ebene allerdings umstritten. Laut der E-Privacy-Richtlinie sollen Internetnutzer jedes angelegte Cookie einzeln bestätigen können. In Deutschland ist dieser Teil der EU-Richtlinie allerdings bisher nicht in ein Gesetz umgesetzt worden. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, kritisierte Ende Oktober 2011 in einer Mitteilung, dadurch werde in Kauf genommen, "dass weiterhin ohne Einwilligung der Betroffenen umfangreiche Persönlichkeitsprofile erstellt werden".

Retargeting abschalten
Screenshot Werbeanzeige von Zalando

Retargeting kann die Überraschung bei Weihnachtsgeschenken gründlich verderben. Wird ein Computer von allen Familienmitgliedern gemeinsam genutzt, werden einem Geschenke-Empfänger möglicherweise die Dinge in Werbebannern präsentiert, über die sich "der Weihnachtsmann" in einer stillen Stunde schon mal im Netz informiert hat. Die Lösung heißt: Abschalten. Alle Anbieter von Retargeting bieten auch die Möglichkeit zum Ausstieg. Oft gibt es ein kleines Kreuz in einer Ecke des Werbebanners oder ein kleines "i", über das die gespeicherten Daten gelöscht werden können.


Stand: 26.11.2011, 00.00 Uhr


Kommentare zum Thema (25)

letzter Kommentar: 29.11.2011, 16:12 Uhr

Jane D. schrieb am 29.11.2011, 16:12 Uhr:
Ich empfehle zum Thema Sicherheit des Anonymisierungsdienstes "JonDoe" bei Wickipedia die Vor- und Nachteile des Anonymisierungsmodells von JonDoe nachzulesen und nicht dem Wunschdenken eines Kommentators leichtfertig zu folgen. Mit der viel zitierten Sicherheit ist es nämlich in der Praxis auch bei Jon Doe nicht wirklich weit her. Das Bezahlmodel ist auch nicht unumstritten und führte im letzten Jahr dazu das u. a. die "German Privacy Foundation" als Kaskadenanbieter bei JonDoe ausgestiegen ist. Beide, TOR und JonDoe haben Vor und Nachteile. Da TOR gegenüber JonDoe grundsätzlich kostenlos ist und den allermeisten Ansprüchen zur Anonymisierung genügt habe ich mich für TOR entschieden. Wer keine kriminellen Aktivitäten verschleiern will ist damit sicherlich gut bedient. Es gibt wunderbare kostenlose LiveCDs die schon ein fertig konfiguriertes Linux mit Tor und Firefox enthalten, so ist die Nutzung von TOR problemlos für jederman/frau geeignet. Bei Interesse einfach mal googlen.
Fozzy Bär schrieb am 28.11.2011, 16:19 Uhr:
Leute,ruft doch einfach mal mit eurer standard browser konfiguration ip-check.info auf. Dann seht ihr recht schnell wie geschwätzig euer browser ist und was man mit den gesendeten infos so alles anfangen kann.Nur eine kleine Einführung in die Problematik,aber sehr erhellend wenn man etwas mehr Wissen will. Ja es ist ein Hase und Igel Rennen-aber wir koennen die Igel sein,denn auf"unserer Seite"stehen weltweit vernetzte Organisationen wie die EFF,CCC,German Privacy Foundation u.v.a mehr.
@JonDoe Teil 2 schrieb am 28.11.2011, 15:14 Uhr:
Tor,so aehnlich es aufgebaut ist-ist eindeutig unsicher.Es ist leangst bekannt das gut 50%der nodes(speziell die exit nodes)von Geheimdiensten(CIA\NSA aber auch FBI.Sogar der FSB sol einige betreiben)betrieben werden.Deine "Russen"-die vergiss mal lieber gleich ganz.Duerfte sich um VPN(unsicher und voller Zugriff durch die Betreiber)und zudem von FSB oder Russenmafia gesteuerten Schrott handeln. Aber schoen das du mal wieder deinen Unfug ablassen und deine Unkenntnis zur Schau stellen durftest.Bei deinen Kumpels aus der 4ten Klasse machst Du damit natuerlich meachtigen Eindruck. ROFL
@JonDoe schrieb am 28.11.2011, 15:13 Uhr:
Schoen wenn man keine Ahnung hat(nur"denkt"-aber nichts"weis"!)und dann uralte Geschichten aus dem Netz von sich gibt-statt_selber_zu recherchieren. A:Einfach mal die Geschichte des alten Vorfalles bei Uni Dresden selber nachlesen. B:Es gibt bei JonDo keinerlei"Kundendatenbank". C:JonDo bietet auch dieverse frei Mixe(Kaskaden)an,die zwar im Leistungsumfang etwas reduziert sind(speed,keine mail via mailclient)aber mehr als ausreichend sind selbst aus dem Ausland(abgelegenes bergdorf mit keinem highspeed Anschluss)darauf zuzugreifen um unbeobachtet von Staatlichen oder Firmenspionen zu surfen! Tor,so aehnlich es aufgebaut ist-ist eindeutig unsicher.Es ist leangst bekannt das gut 50%der nodes(speziell die exit nodes)von Geheimdiensten(CIA\NSA aber auch FBI.Sogar der FSB sol einige betreiben)betrieben werden.Deine "Russen"-die vergiss mal lieber gleich ganz.Duerfte sich um VPN(unsicher und voller Zugriff durch die Betreiber)und zudem von FSB oder Russenmafia gesteuerten Schrott han ...
Klaus Lohmann schrieb am 28.11.2011, 14:57 Uhr:
@Anonym, 12:54 Uhr: Ich biete als Fachautor selber Grundlagen-Wissen zur IP-Technologie als aufwendig erstellte Bücher im PDF-Format zum kostenfreien Download an. Einzige Bedingung ist eine persönliche Mail des zukünftigen Nutzers, um die Verbreitung meines Werks unter Urheberrechts-Regeln überwachen zu können, da es früher schon Leute gab, die mit meiner Arbeit in betrügerischer Weise Geld verdienten. Somit verweigere ich mich also nicht der Forderung, Wissen frei im Netz zur allgemeinen Verfügung zu stellen, wehre mich aber gegen Betrugsabsichten. Bin ich damit "Bestandteil" Ihrer Definition von müll-produzierender Wirtschaft und dem irrationalen "Alles umsonst"-Traum?

Alle Kommentare anzeigen