Smartphones verändern die Fotografie Der Reiz der Phoneografie

Von David Ohrndorf

Eigentlich sind sie zum Telefonieren gedacht, aber Smartphones können inzwischen so gute Fotos machen, dass auch Profis sie nutzen. Auf der Photokina, die am Dienstag (18.09.2012) in Köln beginnt, gibt es eine Sonderausstellung zum Thema "Mobile Imaging".


Paris von oben

"Smartphonekameras spalten die Gemüter. Die einen lieben sie, die anderen hassen sie", sagt Heike Kaufhold. Die Kölner Fotografin und Bloggerin fotografiert viel mit ihrem Handy, und hatte zeitweise sogar die Lust an der Arbeit mit ihrer großen Spiegelreflexkamera verloren. Mancher Profi verteufele diesen "Hype", andere würden sich aber gerne darauf einlassen und beispielsweise ganze Hochzeiten mit einem Smartphone professionell ablichten. Es ist die Bildqualität moderner Smartphonekameras, die Heike Kaufhold und viele ihrer Kollegen überzeugt. Bei früheren Handys seien die Bilder oft matschig und unscharf gewesen, erst bei den neueren Geräten seien die Ergebnisse mit denen von Spiegelreflexkameras vergleichbar. Dazu gehöre auch, dass es nun möglich sei, "den Hintergrund in Unschärfe verschwinden zu lassen", ähnlich wie mit einer professionellen Ausrüstung.

Smartphones im Kriegseinsatz


Der US-Fotograf Damon Winter hat Ende 2010 bei vielen seiner Kollegen weltweit ein Aha-Erlebnis ausgelöst. Damals veröffentlichte die New York Times eine Fotoserie von ihm, die Soldaten im Einsatz in Afghanistan zeigt. Beeindruckende Bilder, die der Fotograf allesamt mit seinem Smartphone gemacht hatte. 2011 dokumentierte der Fotoreporter Michael Christopher Brown den Umbruch in Libyen ausschließlich mit seinem Iphone, bei der Einreise ins Land war seine Spiegelreflexkamera kaputt gegangen. Brown erinnert sich im Gespräch mit WDR.de, dass nicht alle Kollegen ihn für voll genommen hätten. Ein Fehler, wie er findet, schließlich habe die Professionalität eines Fotografen nichts mit dessen Ausrüstung zu tun. Besonders bei der Berichterstattung aus Krisengebieten sei es manchmal ein Vorteil, nicht sofort als Profi-Fotograf erkannt zu werden. Außerdem sei das Smartphone klein, leicht und immer dabei. Nachteile gegenüber der großen Ausrüstung, wie eine Auslöseverzögerung oder schlechtere Bildqualität bei geringer Beleuchtung, müsse man dafür aber in Kauf nehmen.

Wie verändert sich die Fotografie?


Heike Kaufhold
Bild 3 vergrößern +

Heike Kaufhold

Martin Kang vom Telefonhersteller HTC glaubt, dass sich durch die Smartphonekameras die Ästhetik des Bildes generell verändert hat. Es werde lockerer mit dem Medium umgegangen und eine "Lomo-Mentalität" breite sich aus. Damit ist die Bearbeitung der Fotos mit Filter-Apps, wie Instagramm gemeint. Heike Kaufhold nutzt diese App auch, findet allerdings, dass hier oft weniger mehr ist. Die verwendeten Filter sollten auf jeden Fall zum Bild passen. Das Smartphone habe ihre Art der Fotografie tatsächlich "völlig verändert". Schon allein weil sie mit den Handyfotos über soziale Netzwerke "quasi live" von Reisen oder Events berichten könne. Der besondere Reiz liege auch darin, dass jeder - ein aktuelles Smartphone vorausgesetzt - die gleichen technischen Voraussetzungen zum Fotografieren habe.

Michael Christopher Brown glaubt auch, dass Smartphones die Fotografie verändern. Jeder sei damit zu jeder Zeit in der Lage ein "anständiges Foto" zu machen, ohne etwas über Fotografie zu wissen. Er schränkt allerdings ein: Nicht jedes schöne Foto sei auch wirklich ein "starkes Bild" - hier käme dann eben doch das Können des Fotografen ins Spiel, mit einem Bild auch eine Geschichte erzählen zu können.

Es werden weniger Kameras verkauft

Nicht nur die Fotografie, auch der Fotomarkt wird durch die Smartphones aufgemischt. So rechnet der Photoindustrie-Verband in 2012 mit sinkenden Absatzzahlen. Voraussichtlich würden in diesem Jahr 7,9 Millionen klassische Digitalkameras verkauft, 2011 waren es noch 8,6 Millionen Stück. Gleichzeitig rechnet der Verband aber mit einem Anstieg des Gesamtumsatzes der Fotobranche um 20 Prozent - dabei hilft allerdings ein Trick in der Umsatzstatistik. Der Verband rechnet nun auch den Umsatz mit Smartphones in seine Zahlen mit ein. Alles andere sei nicht "zeitgemäß", so der Geschäftsführer.

Auch hier auf WDR.de kommen übrigens immer mal wieder Fotos aus dem Smartphone zum Einsatz. So kam unser Bild des Tages von einer riesigen Sonnenblume kürzlich aus dem Smartphone eines Kollegen vom WDR-Hörfunk.

Über den Autor
David Ohrndorf

David Ohrndorf bloggt für den WDR über Themen aus Digitalien und fotografiert seit er 12 Jahre alt ist. Von der Bildqualität seines Smartphones ist er allerdings überhaupt nicht begeistert, was allerdings vermutlich daran liegt, dass es schon über vier Jahre alt ist.


Stand: 17.09.2012, 06.02 Uhr


Kommentare zum Thema (7)

letzter Kommentar: 21.09.2012, 09:08 Uhr

Jonny schrieb am 21.09.2012, 09:08 Uhr:
Ein wirkliches Bildgestalten ist mit Smartphones aber wohl kaum möglich. Es sind wohl eher Zufallstreffer.
Martin schrieb am 19.09.2012, 12:52 Uhr:
Mit großer Trauer aber auch Wut habe ich die heutige Ausgabe von Scala gehört. Statt sachlich über mobile imaging zu Berichten, wird als Expertin irgendeine Architekturfotografin eingeladen. Diese darf, wie in Deutschland leider chic, mit ihrer Technikahnungslosigkeit kokettieren. Gerade wenn dieser Dame angeblich wichtig ist, was "hinten rauskommt" sollte sie die Chancen immer besserer Handykameras erkennen, legen diese doch die Latte für fotografischen Nachwuchs wieder ein Stück niedriger. Es ist doch schön, wenn mehr Menschen in die Lage versetzt werden, sich künstlerisch betätigen zu können. Aber auch bei diesem Thema darf eine reaktionäre Schicht von Besitzstandswarern ihr Herrschaftssissen öffentlich verteidigen. Schade eigentlich, wieder ein Punkt mehr, in dem unser Land seine Zukunftsfähigkeit öffentlich-rechtlich verspielen darf.
Niemals schrieb am 17.09.2012, 10:46 Uhr:
Kein Profi benutzt ein Smartphone - echt nicht!
Foto Horst schrieb am 17.09.2012, 10:08 Uhr:
Lomo hat schon etwas mit Filtern zu tun, denn besonders beliebt sind dabei doch die vergammelten 35mm-Filme, die bei der Entwicklung dann besonders schräge Farben ergeben. Aber dieser billige Trick des Verbands mit der Statistik ist ja mal echt zum lachen. Mal sehen, bei wie vielen Medien der Hinweis auf die Änderungen in der Statistik gegeben wird.
Nerd schrieb am 17.09.2012, 09:51 Uhr:
Die Handy-Fotos sind aber wirklich hübsch!

Alle Kommentare anzeigen