Open Data Day Köln: Treffen der Überzeugungstäter
Wie gut sind die vor mir liegenden Radwege? Ein Blick ins Internet kann die Antwort auf diese und viele andere Fragen geben. Denn viele Daten liefern Behörden kostenlos. Allerdings muss man sie zu nutzen wissen - wie die Teilnehmer des Open Data Day in Köln.

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Marian Steinbach eröffnete den Kölner Open Data Day
"Möchte noch jemand spontan ein Projekt anbieten?", fragt Marian Steinbach in die Runde. Ja, Sabine möchte. Die Bonner IT-Beraterin will die Finanzdaten der Städte in NRW auswerten und grafisch auf einer Landkarte aufbereiten. Dafür sucht sie noch Mitstreiter unter den rund 45 Teilnehmern des Kölner Open Data Days. Die haben am Samstagmorgen (23.02.2013) im Kölner Mediapark nun die Qual der Wahl, an welcher Arbeitsgruppe sie den Tag über teilnehmen möchten: Wollen sie Finanzdaten mit Sabine auswerten? Oder mit Roland die Qualität von Fahrradwegen in Köln sichtbar machen? Oder vielleicht mit Jan an einer Anwendung arbeiten, die die Standorte der Kölner Straßenbahnen in Echtzeit übermittelt? Schließlich möchte Marian auch noch öffentlich zugängliche Vereins- und Handelsregisterdaten auswerten. Und Jörg will die Bibliotheken im Land für den interessierten Nutzer sichtbar machen, mit Angabe von Öffnungszeiten oder auch Datenbeständen.
Open Data Day als Initialzündung
So unterschiedlich die Ziele auch sind, eines haben alle Projekte des Kölner Open Data Days gemeinsam: Sie suchen Wege, mit öffentlich zugänglichen Daten Anwendungen herzustellen, die den späteren Nutzern einen Mehrwert bieten. "Das sind alles unsere Daten", stellt Mit-Veranstalter Marian Steinbach fest. Die öffentliche Verwaltung verwalte die Daten nur, sie dürfe nicht allein darüber verfügen, so seine Forderung. Steinbach gehört zu den Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, öffentlich verfügbare Daten anzuschauen, sie zu interpretieren und zu verwenden.

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Steinbach arbeitete auf dem Open Data Day bereits eine neue Anwendung
Auf dieser Grundidee basiert auch sein vor einem Jahr gestartetes Projekt "Offenes Köln". Diese Anwendung greift auf die Daten des Kölner Ratsinformationssystem (RIS) zurück und stellt die dort hinterlegten Unterlagen nutzerfreundlich und übersichtlich dar. So werden auf seiner Seite beispielsweise nach Eingabe eines Straßennamens sämtliche städtischen Vorhaben in der Nähe gefunden - und auch gleich übersichtlich in einer Umkreiskarte dargestellt. Ausschlaggebend für die Realisation des Projektes war der Open Data Day 2012. Damals war Steinbach noch kein Veranstalter, sondern nur einer von rund 15 Teilnehmern. "Die Teilnahme am Open Data Day war für mich eine sehr wichtige Initialzündung", erinnert er sich. Die Chancen stehen also gut, dass nach dem diesjährigen Open Data Day auch wieder ein spannendes Datenprojekt entsteht. Denn statt 15 haben sich am Samstag rund drei Mal so viele Interessierte im Kölner Mediapark eingefunden, um an Datenprojekten zu arbeiten.
Kölner Straßenbahnen live verfolgen
Eine große Gruppe um Jan Kus möchte beispielsweise den Verkehr der Kölner Bahnen in Echtzeit darstellen. In Berlin gibt es bereits ein ähnliches Projekt, von dem er sich hat inspirieren lassen. Dort können einzelne Busse und Straßenbahnen live verfolgt werden: In Form von farbigen Punkten bewegen sich Tram, Metro-Bus oder auch U- und S-Bahnen über den Bildschirm, entweder in Echtzeit oder auch zur Nachverfolgung in der Rückschau. Etwas Ähnliches soll nun auch für Köln realisiert werden. Das Ziel ist klar, der Weg dorthin bereitet aber noch viele Probleme: Da die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) die Daten nicht einfach zum Abruf zur Verfügung stellen, müssen sie mühsam von der Webseite der KVB abgegriffen ("gescrapt") werden. Doch damit ist es nicht getan. Um ermitteln zu können, wo sich eine Bahn gerade befindet, müssen zudem noch einige Berechnungen durchgeführt werden. Denn die einzelnen Bahnen übermitteln ihre Position selber nicht in Echtzeit an die KVB, ihre Positionen lassen sich nur anhand von Ankunfts- und Abfahrtsdaten an den einzelnen Stationen berechnen.
Möchte man ermitteln, wo sich die Bahnen derzeit befinden, müsste man also zunächst die Daten von der Webseite der KVB abgreifen, den genauen Standort im Streckennetz berechnen und das Ergebnis dann in einer Karte ausgeben - und das alles in Echtzeit, damit die Nutzer sich stets aktuell informieren können, wo sich welche Bahn gerade befindet.
Programmierer, Designer & Journalisten
Bevor die Arbeitsgruppe "OpenKVB" am Ende des Open Data Days jedoch ein Ergebnis in großer Runde präsentieren kann, müssen die Teilnehmer sich erst auf ein Tagesziel einigen: "Arbeiten wir heute am Frontend? Oder wollen wir uns eher um die API kümmern? Programmieren wir mit Rails?" Viele Fragen stehen zu Beginn des Tages im Raum - Fragen, die man zunächst einmal verstanden haben muss, um sie beantworten zu können. Wer mit "Ruby", "Rails", "Post-Request" oder "API" nichts anzufangen weiß, der verliert am Open Data Day schnell den Überblick.

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Auch der Journalist Timo Stukenberg nahm am Open Data Day teil
Doch es tummeln sich nicht nur Programmierer unter den Teilnehmern: Auch Designer und Journalisten haben den Weg in die Kölner Agentur "Startplatz" gefunden, die die Räumlichkeiten im Mediapark stellt. Einer von ihnen ist Timo Stukenberg, der sich derzeit an der Kölner Journalistenschule ausbilden lässt. "Das Thema liegt mir - und es ist ja auch die Zukunft", ist sich der 23-Jährige sicher. Den Open Data Day nutzt er, um mehr zum Thema Datenjournalismus zu erfahren. "Das ist besser, als irgendein Buch zum Thema zu lesen", so Stukenberg.
Und auch Vertreter der Stadt Köln befinden sich unter den Teilnehmern. "Uns ist es wichtig, den Teilnehmern die Scheu vor der Verwaltung zu nehmen", erläutert Dirk Blauhut, bei der Stadt Köln zuständig für "E-Government und Online-Dienste". Die Verwaltungsmitarbeiter wollen den Tag aber auch nutzen, um sich über die neuesten Trends zu informieren. "Uns ist klar, dass wir nicht ganz vorn mit dabei sind", weiß seine Chefin Sabine Möwes. Deshalb sei der Austausch mit den Teilnehmern, den "Überzeugungstätern", so wichtig. "Wir sehen uns als Mittler, als Übersetzer zwischen den Welten", so Möwes. Schließlich sei in der Verwaltung noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, wenn es darum ginge, Daten für jedermann zur Verfügung zu stellen.
Radweg-Anwendung gewinnt Tagespreis
Der Raum im Kölner Mediapark muss schon lange nicht mehr künstlich verdunkelt werden, als die Arbeitsgruppen schließlich nach zehn Stunden die Ergebnisse ihrer Arbeit an die Wand beamen. Welche Gruppe hat den Tag am besten genutzt? Welches Projekt wurde bisher am besten umgesetzt? Die Teilnehmer entscheiden sich am späten Samstagabend nach kurzen Präsentationen für "Wegmarker" als Tagessieger - eine Anwendung, mit der Radfahrer auch von unterwegs die Qualität von Fahrradwegen beurteilen und ganz einfach auf Landkarten eintragen können.

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Sabine arbeitete mit ihrem Team an einer Auswertung von Haushaltsdaten
Doch das ist nur ein Zwischenstand: Viele Teilnehmer wollen das Wochenende komplett ausnutzen und ihre Arbeit am Sonntag (24.02.2013) fortsetzen, ihre Anwendungen dann weiter perfektionieren. So wird sich wohl auch erst in einigen Tagen oder Wochen zeigen, welches Open Data Day-Projekt es in diesem Jahr von der Idee bis zur ersten marktreifen Anwendung bringen wird. An spannenden Ansätzen mangelt es nicht.
- Rainer Striewski …
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… war überrascht, dass auch Kölns Stadtdirektor Guido Kahlen unangekündigt auf dem Open Data Day vorbei schaute - und sich sogar ein paar Stunden Zeit nahm, um mit den Entwicklern ins Gespräch zu kommen. Dass die Kölner Verwaltungsspitze die Wichtigkeit des Themas erkannt zu haben scheint, ist erfreulich.
Stand: 24.02.2013, 11.56 Uhr
- Open Data Day Köln: Die Datenversteher (22.02.2013)
- Open Data Day Köln - Programm und Informationen
- Video-Mitschnitte vom Open Data Day Köln
- Portal "Offenes Köln"
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10 Prinzipien für offene Daten
im Wiki der Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. - Offene-Daten-Blog der Stadt Köln
- Open Data Network e.V.
- Open Knowledge Foundation Deutschland e.V.
- Bund startet GovData: Datenschatz endlich für alle [tagesschau.de]
Kommentare zum Thema (1)
letzter Kommentar: 25.02.2013, 15:14 Uhr
- freak95 schrieb am 25.02.2013, 15:14 Uhr:
- spannender Beitrag!
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