Lebensmittel einkaufen im Netz: Online-Theke statt Ladenschluss?
Die rot-grüne Regierung will wieder strengere Regeln für den Ladenschluss. Was aber tun, wenn Supermärkte künftig wieder früher schließen? Längst kann man vom Computer aus Lebensmittel einkaufen. Die Angebote der so genannten Online-Frischetheke sollten aber gut geprüft werden.

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Viele User können sich vorstellen, Lebensmittel online zu kaufen
Ein Liter Milch, Sechserpack Eier, Avocado und Bananen, Brot und Butter - ein Klick, Bestellung abgeschickt. Nicht lange zwischen Regalen herumirren oder sich über den vermeintlich viel zu langsamen Kassierer in der Kassenschlange ärgern. Aber sind Onlineshops für Lebensmittel wirklich die Heilsbringer? Rund sechs Millionen Deutsche wollten das bisher zumindest ausprobieren. Das sind zwölf Prozent der Internetnutzer (2010 waren es nur neun Prozent) und befragt hat sie das Forsa-Institut im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom im Oktober 2011 in einer repräsentativen Webumfrage. Rund jeder dritte User zwischen 18 und 29 kann sich demzufolge vorstellen, Lebensmittel online zu shoppen. Bei den über 50-Jährigen ist es nur noch jeder Zehnte. Männer zeigten mehr Interesse an den betreffenden Online-Angeboten als Frauen: zehn Prozent männliche und 13 Prozent der von Forsa befragten weiblichen Nutzer hatten schon Lebensmittel im Netz bestellt.
Bio-Zwiebeln - drei Sterne
Wählen können Verbraucher zwischen den Angeboten von spezialisierten Webshops, kleineren regionalen Geschäften, aber auch von klassischen Supermärkten. Seit 2010 führt zum Beispiel der Online-Versandhändler Amazon Lebensmittel in der Warenliste. Man kann tatsächlich auf die Bio-Zwiebeln klicken. Die sind mit drei von fünf Sternen bewertet, die Kundenrezension motiviert aber nicht weiter zum Kauf: "Schmeckt leider nur durchschnittlich, kann man essen, muss man aber nicht. Es hat das gewisse Nichts", hat der enttäuschte Zwiebel-Fan dort eingegeben. Wer munter seinen virtuellen Einkaufswagen mit allerlei Essbarem füllt, wundert sich dann allerdings spätestens beim Bezahlen: Stammen die Waren nicht ausschließlich aus dem Angebot des Amazon Marketplace, sondern auch von Partner-Händlern von Amazon, so addieren sich die Versandkosten. Bestellte Lebensmittel lassen sich auch an Packstationen verschicken. Für Frisches, leicht Verderbliches wie Milchprodukte ist das nicht unbedingt empfehlenswert. Mitdenken ist also gefragt.
Schummeln beim Grundpreis

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Online einkaufen wie im Supermarkt - nur wo?
Die Verbraucherzentrale NRW machte nach einigen Testkäufen aber noch auf ganz andere Fallen beim Lebensmittel-Shoppen online aufmerksam. "Oft ist der Grundpreis der Produkte nicht korrekt angegeben, der Kunde zahlt dann unter Umständen mehr als im Laden", sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Düsseldorf. Gerade beim Kauf von Würstchen, Obst- und Gemüsekonserven sollten Verbraucher unbedingt den angegebenen Grundpreis mit dem Abtropfgewicht vergleichen. Den Grundpreis anzugeben ist eine gesetzliche Pflicht der Händler. "Was zählt, ist das Nettogewicht, auf das muss sich der Grundpreis Euro pro 100 Gramm beziehen", so Tryba. Zehn Onlineshops mit Lebensmitteln im Angebot testete die Verbraucherzentrale 2011 und forderte Nachbesserungen bei den Händlern, Mettwürstchen mit falsch angegebenen Grundpreis hat Georg Tryba aber auch aktuell noch bei Amazon entdeckt.
Zwei Drive-in-Märkte und eine Abholstation in NRW
Wer seinem Supermarkt treu bleiben möchte, kann das unter bestimmten Bedingungen auch online. Wirklich unabhängig von Ladenöffnungszeiten machen sogenannte "Drive-in"-Supermärkte deutsche Verbraucher nicht. Sie funktionieren grob wie Fast-Food-Restaurants mit Bedienung am Auto und ködern die Kunden erstrangig mit der versprochenen Zeitersparnis: online bestellen - verpackten Einkauf abholen, Aussteigen unnötig. Voraussetzung ist natürlich, dass die Kunden sich im Einzugsgebiet eines der entsprechenden Märkte befinden. Viele sind das (noch) nicht. In Nordrhein-Westfalen haben die Verbraucher die Auswahl zwischen Köln-Porz (Real) und Bergisch Gladbach (Rewe). Die Real-Einzelhandelskette, Tochter der Metro Group, eröffnete im November 2010 den eigenen Angaben zufolge "ersten eigenständigen inländischen Drive-In-Lebensmittelmarkt" in Isernhagen-Altwarmbüchen bei Hannover. Im Mai des selben Jahres hatte Real bereits den Onlineshop gestartet. Anfang Oktober 2011 eröffnete der zweite "Drive" in Köln-Porz. Zwei Stunden nach Bestellung ist der Einkauf abholbereit, einen Mindestbestellwert gibt es nicht. Eine Gebühr von einem Euro fällt an.
"Wir sind in einer Testphase"

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Wer online shoppt, füllt selbst nur den virtuellen Wagen
Die Konkurrenz-Kette Rewe bietet ihren Kunden seit März 2011 einen Onlineshop und unterhält derzeit deutschlandweit acht Drive-Märkte - davon auf NRW-Gebiet seit April 2011 jenen in Bergisch Gladbach. Kölner Kunden können online bestellen und ihren Einkauf zwei Stunden später in einer Abholstation in Köln-Klettenberg abholen. Für den regulären Abholservice am Supermarkt berechnet Rewe zwei Euro (2,50 Euro bei Nutzung der Abholstation), die Bestellung muss drei Stunden im Voraus eingegangen sein. In Filialen in Hamburg und Frankfurt ist inzwischen auch ein Lieferservice verfügbar - ab einem Bestellwert von 30 Euro, Gebühr: fünf Euro.
Eine Ausweitung des Services ist vorerst nicht geplant. "Wir sind in einer Testphase und müssen erst sehen, wie es weitergeht", sagte Thomas Bonrath von der Rewe-Unternehmenskommunikation zu WDR.de. Sicher sei etwa das Ruhrgebiet als Ballungsraum für eine Ausweitung des Abholservices generell interessant. Da man aber vorerst darauf setze, ein solches Angebot komplett über lokale Märkte abzuwickeln, müsse erst umfangreich geprüft werden, ob es die passende Infrastruktur gibt. "Das hängt auch an baurechtlichen Bedingungen, ob etwa eine Kühlung der verpackten Ware sichergestellt werden kann", erklärt Bonrath. Überhaupt lohnenswert sind all diese Angebote offenkundig nur für den, der im unmittelbaren Einzugsgebiet eines Abholservices lebt.
Wachstumsmarkt in einer alternden Gesellschaft?
Die vielen regionalen Anbieter von Lebensmittel-Lieferdiensten, wie etwa Biomärkte, hätten gegenüber jenen mit bundesweitem Service den Vorteil, dass sie die Waren bei einer Anfahrt von unter einer Stunde Dauer gut auf Temperatur halten können, erklärt Christiane Auffermann vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund. "Verpackung und Kühlakkus nehmen die Lieferanten einfach wieder mit. Bei einem bundesweiten System muss die Verpackung in der Regel beim Kunden verbleiben, das macht ein solches Angebot aufwendiger und teurer." In Deutschland fehle es bisher auch einfach noch an der breiten Bereitschaft, den Mehraufwand für einen solchen Service zu finanzieren. "In Großbritannien oder der Schweiz gibt es schon lange Anbieter mit professioneller Logistik für Onlineshops und Lieferservice", sagt Auffermann. Sie erwartet, dass sich das Einkaufsverhalten der Deutschen mit dem Aufkommen neuer Verkaufskonzepte, etwa über Smartphones, langsam wandelt. "Wir sehen ein Wachstumspotenzial, weil sich die Bevölkerungsstruktur ändert."
Stand: 19.01.2012, 00.00 Uhr
- Servicezeit: Ab in die Tonne! – Wie wir unsere Lebensmittel verschwenden
- Regionale Lebensmittel suchen im Portal für nachhaltige Regionalentwicklung
- Einheitliche Lebensmittel- und Nährwertkennzeichnung in der EU [BMELV]
- "Ampelcheck" für Lebensmittel der Verbraucherzentrale: Dickmachern auf der Spur
- Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zu vielen Lebensmitteln
- Webspecial Ralphs Leckerwissen
Kommentare zum Thema (18)
letzter Kommentar: 23.01.2012, 15:04 Uhr
- Rolf schrieb am 23.01.2012, 15:04 Uhr:
- Sollen die mit ihren Ladenöffnungszeiten machen was sie wollen. Dann hat sich der Ladeneinkauf bald so weit erledigt, dass die Ladengeschäfte immer mehr Mitarbeiter freisetzen müssen. Das haben die dann selber zu verantworten. Das Internet hat 24 Stunden geöffnet wen interessieren da noch Ladenöffnungszeiten! Wenn Ladengeschäfte da mithalten wollen müssen sie den Kunden etwas bieten, Öffnungszeiten rund um die Uhr sind da zumindest in den Städten unverzichtbar. Wenn die Gewerkschaften, die Kirchen und die Arbeitnehmer im Eizelhandel der Meinung sind, dass es zuviele Jobs im Einzelhandel gibt und auf Arbeitsplätze verzichtet werden kann dann sollen die ruhig weiter machen mit ihren dümmlichen Bestrebungen die Öffnungszeiten wieder zurückzufahren.
- anonym schrieb am 22.01.2012, 08:10 Uhr:
- zwei drei im Lebensmittelbereich, wo man noch Lebensmittel einkaufen kann. Der Bedarf sollte den Menschen angepaßt werden, nicht die Menschen dem Bedarf. Ich meine das insoweit, daß die Verhältnissmässigkeit stimmen sollte, nicht die Geschäftszeiten nach oben verändern, sondern die Arbeitszeiten sollten insgesamt stimmig irgendwie sein. Allzeit bereit unser Leben nach der Arbeitswelt zu richten und richten zu müssen, ist für diese Zeit aus meiner Sicht nicht allein nur modern und zeitgemäss, sondern entspricht teils früheren Zeiten. Wir sind was bestimmte Themen betrifft vor allem den Umgang mit Menschen wohl eher auf dem Weg zurück in die Steinzeit und das ist doch traurig. Könnte gerade heute die Arbeitswelt sehr viel eröffnen und bieten, wenn nicht nur Gewinne und anderes im Vordergrund stünde, sondern den Menschen am besten zu dienen, in dem man ihr Leben einbindet und berücksichtigt. Dann wäre es gewiß optimal.
- anonym schrieb am 22.01.2012, 08:04 Uhr:
- IT-Mensch Danke für Ihre offene Antwort. Ich hatte früher auch ein Problem damit, wenn ich von der Arbeit kam, schlossen die Geschäfte. Insoweit habe ich die neuen Zeiten begrüßt. Aber heute sehe ich wie es läuft und das mißfällt mir teils sehr. Ich begrüße auch den Online-Kauf für Menschen die darauf angewiesen sind, so ist es nicht. Andererseits solange man nicht muß, sollte man schauen. Letztlich ist entscheidend wie wir was aus etwas machen, denke ich. Mißbrauch des Personals war damals sicher nicht mit eingeplant. Und wir als Verbraucher sollten schauen, daß sich da nicht noch mehr negativ ändert. Ich verstehe Sie ja. Aber denke wir sollten schauen wie wir zurecht kämen, wenn es das alles so nicht gäbe und dann wägen. Das immer höher immer mehr geht auf Kosten unserer Mitmenschen und wir sollten schauen welchen Anteil wir haben und nehmen und wie wir dazu stünden, wären wir in deren Situation. Alternativ könnte es in jeder großen Stadt oder am Ort Abendmärkte geben ...
- Frank schrieb am 19.01.2012, 23:38 Uhr:
- Lebensmittel sind das einzige, was ich noch im Laden kaufe, alles andere kaufe ich online. Aber wenn die Ladenzeiten wieder verkürzt werden, werde ich auch Lebensmittel online kaufen. Ich gehe um 9.00 aus dem Haus und bin gegen 20.00 Uhr zurück. Früher musste ich dann schon mal an der Tanke Brot, Milch oder Wurst kaufen. Heute freue ich mich darüber, dass ich noch in Ruhe in den Supermarkt kann. Es gibt eben immer weniger Menschen mit einem 9 to 5 Job.
- IT-Mensch schrieb am 19.01.2012, 19:03 Uhr:
- @anonym: Ich hatte mich auf einen Kommentar von einem ebenfalls "Anonym" bezogen welcher mittlerweile von der Redaktion gelöscht wurde! Sie haben im Grunde ja Recht. Aber wenn ich von meinen Arbeitszeiten ausgehe dann sind lange Öffnungszeiten für mich notwendig und die Möglichkeit Online Dinge zu kaufen ist fast ein Segen. Natürlich möchte ich nicht das Menschen schlecht behandelt werden! Es ist alledings leider nicht zu vermeiden das alternative Vertriebswege wie z.B. Onlineshops den stationären Ladengeschäften Kunden wegnehmen. Durch den deutlich geringeren Personalbedarf von Onlineshops können diese natürlich auch günstigere Preise machen. Wenn ich die Vorteile für mich betrachte kann ich mich eigentlich nicht mehr für ein Ladengeschäft entscheiden nur damit das dortige Personal seinen Arbeitsplatz behält, schon gar nicht wenn ich das zeitlich auch noch planen muß.
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