"iToys" im Test Wenn das Tablet zum Spielbrett wird

Von Robert Franz

Neidvoll blicken die Hersteller von Spielwaren auf die Verkaufszahlen von Smartphones und Tablet-PCs. Davon wollen auch sie profitieren. Deshalb wurden "iToys" entwickelt - Spielzeug, das mit Smartphones funktioniert. Was der neue Trend taugt, hat WDR.de getestet.


Eine Kinderhand bewegt ein Plastikauto über den Bildschirm eines Tablet-PC
Bild 1 vergrößern +

iToys: Was taugt der neue Spieletrend?

Noch ist die Auswahl an "iToys" überschaubar. In vielen Geschäften fristen sie ein Nischendasein. Die meisten angesprochenen Händler sind skeptisch. "Klassische Spiele zu verkaufen ist mir lieber", sagt eine Verkäuferin. Vier Exemplare dieses neuartigen Spieletyps für Smartphone und Co. haben wir von Kindern und Jugendlichen testen lassen. Ziel war es, möglichst unterschiedliche Formen und Preisklassen auszuprobieren. Auch sollten verschiedene Altersgruppen berücksichtigt werden.

In unseren Warenkorb kamen deshalb ein Rennauto aus der "Hot Wheels"-Serie von Mattel, das Geschicklichkeitsspiel "Life of George" von Lego, das Hasbro-Brettspiel "Monopoly" und die Modellbahnsteuerung "Z21" von Roco/Fleischmann. Alle gekauft in verschiedenen Ladengeschäften in NRW. Während Auto und Brettspiel in vielen Läden zu finden sind, bekommt man die Spielsteine nur in einem speziellen Lego-Fachgeschäft. Mit 15 Euro ist das Rennauto das billigste von uns getestete "iToy". Das Brettspiel und die Legosteine kosten jeweils knapp 30 Euro und die Modellbahn sprengt mit knapp 400 Euro den Rahmen. Die Apps zu den Spielen waren kostenlos.

Nur zwei der gekauften Spielzeuge lassen sich auch mit dem Android-Betriebssystem spielen: Das Geschicklichkeitsspiel von Lego und die Steuerung der Modeleisenbahn. Dass nur die Geräte von Apple von allen Spielzeug-Herstellern unterstützt werden, erklärt ein Entwickler damit, dass diese Geräte mit einem geringeren Programmieraufwand für die Apps verbunden seien, weil alle Monitore der Apple-Geräte bislang das gleiche Seitenverhältnis gehabt hätten.

Spiel 1: Heiße Reifen fürs Tablet


Zwei Kinder sitzen vor einem Tablet-PC mit einem Spielzeugauto
Bild 2 vergrößern +

Heiße Reifen: Matz und Efi probieren es aus

Es dauert nicht lange, dann hat Evi das Prinzip verstanden. Nicht das Auto fährt über den Computer, sondern die Landschaft auf dem Bildschirm bewegt sich unter dem Auto her. Das Tablet ihrer Mutter kennt die Vierjährige bereits von speziellen Apps für Kinder. Etwa ein digitales Wimmelbild hat Annette Unkelbach dort installiert. Die Kombination mit einem konventionellen Spielzeug ist neu für die beiden Kinder. Auch ihr kleiner Bruder Matz folgt dem gebannt und will es selbst ausprobieren. Und auch wenn er eigentlich noch zu klein ist, fällt es ihm erstaunlich leicht, das Auto auf der virtuellen Straße zu halten. Das kleine blaue Auto ist ein Renner bei den beiden Kleinen und das "iToy" mit der geringsten Altersempfehlung, das wir in unseren Test einbeziehen.

Spiel 2: Brettspiel mit virtuellem Fluchtversuch


Drei Jugendliche spielen auf dem Boden mit einem Brettspiel
Bild 3 vergrößern +

Monopoly: Testspiel mit Tablet-PC

Monopoly gehört sicherlich zu den Brettspiel-Klassikern. Sophie Prinz, Nils Watzlawek, Leon Schäfer und Tobias Grabow kennen die analoge Variante gut. Die Schulfreunde testen für uns die App-Ausgabe. Zu ihrer Überraschung hat auch die neue Version viele bekannte Elemente behalten. Häuser, Hotels und Würfel gibt es immer noch. Statt der Scheine erhält jeder Spieler eine Chipkarte, mit der er auf dem Tablet-PC bargeldlos zahlen kann. Bei jedem Spielzug muss die Karte auf das Lesefeld gelegt werden. "Das ist etwas nervig", stellt Sophie schnell fest, denn das Scannen der Karte funktioniert selten beim ersten Mal und bremst den Spielfluss.

Erst als der erste der Schüler ins Gefängnis geschickt wird, kann die App des Tablets punkten. Ein Geschicklichkeitsspiel ermöglicht ihm einen Ausbruchversuch aus dem Gefängnis. Die Zurückhaltung ist bei den 15- und 16-Jährigen schnell überwunden. Was die vier nicht bedacht haben, ist der enorme Stromverbrauch. Nach nicht mal zwei Stunden muss das Tablet an das Ladekabel angeschlossen werden, obwohl es zu Spielbeginn voll geladen war. "Es ist ganz nett, aber es geht auch ohne das Tablet in der Mitte", zieht Leon ein erstes Fazit. Nur Tobias würde die App-Version dem konventionellen Brettspiel vorziehen.

Spiel 3: Figuren aus Legosteinen nachbauen


Kinderhände bauen eine Figur aus bunten Spielsteinen aus Plastik
Bild 4 vergrößern +

Nachbauen unter Zeitdruck

"Life of George" heißt das Spiel mit den kleinen bunten Plastiksteinen. Die App zu den Steinen erzählt aus dem Leben des Nerds George, der Fotos von gebastelten Figuren sammelt. Diese kann der User nachbauen. Damit es etwas schwieriger wird, gibt es für jede Vorlage ein Zeitlimit. Die fertig gebastelte Figur kann dann abfotografiert und mit der Vorlage verglichen werden. Für jede Übereinstimmung gibt es Bonuspunkte. Für uns wagt sich Nils als erster an die vermeintlich leichte Aufgabe. Schließlich ist das Spiel für Kinder ab acht Jahren geeignet.

Doch es ist nicht so einfach wie gedacht. Die Spielsteine halten nicht besonders gut. Und Frust stellt sich ein, als Nils sein Bastlerergebnis abfotografieren will. Das funktioniert nicht wirklich und beschert ihm nur wenige Bonuspunkte. "Das ist aber doof." Sophie gefällt das Spiel. "Ein netter Zeitvertreib." Sie könnte sich vorstellen, damit gelegentlich zu spielen.

Spiel 4: Mit dem Smartphone zum Lokführer


Bildmontage: Links stellt eine Hand eine rote Modellok aufs Gleis, recht hält eine Hand ein Smartphone mit simuliertem Fahrregler.
Bild 5 vergrößern +

Das Smartphone wird zur Lokomotive

Große Augen machen Leon und Nils bei der Steuerung für die Modelleisenbahn. "Z21" heißt der kleine schwarze Kasten, der Smartphones und Loks aneinanderkuppelt. Der Hersteller verspricht einen einfachen und schnellen Aufbau. Ein kleiner Schienenkreis ist schnell auf dem Boden ausgelegt. Zwei Kabel müssen mit der Steuerung verbunden werden, die selbst noch an einen Router gekoppelt werden muss, damit eine drahtlose Verbindung zu den Smartphones aufgebaut werden kann. Tatsächlich hat Nils kein Problem damit, die einzelnen Teile miteinander zu verbinden. Schließlich muss er noch den Router auf dem Smartphone auswählen. Die kleine Lok auf die Schienen zu stellen, scheint für ihn das größte Problem zu sein.

Als Nils die App startet, ist er überrascht: Die kleine Lok setzt sich direkt in Bewegung, nachdem er den virtuellen Fahrregler aufgedreht hat. So lassen sich Geschwindigkeit und Richtung problemlos einstellen. "Das ist eine wirklich gute Verbindung von Spielzeug und Smartphone", sagt Nils. Auch die anderen Schüler sind beeindruckt, auch wenn sie sich nicht so sehr für die kleine Bahn begeistern können. Doch die Technik hat für Nils einen entscheidenden Haken: Der Preis. Der liegt mit knapp 400 Euro weit über dem, was er oder seine Eltern bezahlen würden. "100 Euro wären noch o.k.", sagt Nils.

Fazit

Einen Nachmittag lang haben die vier Schüler aus Solingen die verschiedenen "iToys" getestet. Smartphone und Tablet-PC benutzen sie jeden Tag. Doch die speziellen Spielzeuge konnten sie insgesamt nicht überzeugen. Das liegt vor allem daran, dass die Apps ihre Schwächen haben. Es gab zwar keine unerwartete Abstürze, doch die Schnittstellen ins reale Leben müssten aus ihrer Sicht weiter ausgereift werden. Dennoch sind sich die vier Schüler sicher, dass diesen Spielen wohl die Zukunft gehören wird. "Das lässt sich nicht aufhalten", meint Sophie. Jüngere Kinder würden in diese neue Welt hineinwachsen, glaubt sie. Aber auch Evi und ihr kleiner Bruder Matz benutzen das kleine blaue "iToy" nach ein paar Stunden lieber auf dem analogen Verkehrsteppich. Dort ist es nur eines von vielen Rennautos.

Übrigens ...
Robert Franz

... hat die App-Version von Monopoly für Menschen wie mich, die nicht gerne rechnen, einen Vorteil. Am Spielende addiert das System alle Grundstücks- und Vermögenswerte automatisch und ermittelt den Gewinner. Persönlich muss ich noch testen, ob die virtuelle Bank über unbegrenzte Geldreserven verfügt oder bankrott gehen kann. Dann hätte das Spiel noch eine zeitgemäße Komponente.


Stand: 19.12.2012, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (4)

letzter Kommentar: 19.12.2012, 20:13 Uhr

Robert schrieb am 19.12.2012, 20:13 Uhr:
@RI: Ich habe den Eindruck, dass manche der "iToys" eigentlich für die "verspielten" Eltern entwickelt wurden. Aber es ist dennoch ein interessanter Trend, den wir im Auge behalten sollten.
RI schrieb am 19.12.2012, 13:59 Uhr:
Gut gemacht, Robert, aber (noch) nix für unsere Kinderzimmer. 400 Euro sind ne andere Gehaltsklasse und der Rest geht ohne phones und pads sogar besser, oder!?
Zorro schrieb am 19.12.2012, 08:19 Uhr:
Wird man davon spielsüchtig und vergisst man dann, die normale Arbeit zu verrichten? Die Dinger sollen doch nur von dem trostlosen Alltag ablenken. Ein schöner Zeitvertreib für diejenigen, die genug Kleingeld für solche Dinger haben.
Anonym schrieb am 19.12.2012, 07:57 Uhr:
Diese Entwicklung geht mir in die falsche Richtung. Kinder sollten unbedingt 3 dimensionales Denken trainieren. Ebenso ist "begreifen" der Dinge für die Entwicklung unumgänglich.