Jugendmedienschutz Im Notfall soll ein Klick genügen

Von Insa Moog

Medienkompetenz, Elternverantwortung und Schutz vor Gefahren will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) vereinen. Am Dienstag (13.12.2011) stellte sie mehrere neue Initiativen für Jugendmedienschutz im Netz vor. Eine davon: der Notfallbutton.


Kinderschutz Notknopf (Symbolbild)
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Kommt bald der Notfallbutton?

Wenn sich ein Kind oder Jugendlicher in einem sozialen Netzwerk von einem anderen User bedrängt fühlt oder beim Surfen im Netz auf Seiten und Inhalte gestoßen ist, die ihm Angst machen, genügt ein Klick. Über den Notruf- oder Meldebutton sollen Minderjährige rund um die Uhr Hilfe bekommen - zumindest in besonders dringenden Fällen. "Nach dem Klick auf den Button werden Kinder auf eine Seite weitergeleitet, auf der sie dann angeben können, was ihnen passiert ist", erklärt eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums WDR.de.

Gegebenenfalls werde dann eine Meldung an die zuständige Beschwerdestelle des BKA gemacht - in Fällen, in denen es konkret um kinderpornografische Angebote geht etwa. Aber auch in weniger bedrohlichen Szenarien soll es Beratung und Hilfe geben. Soweit die noch recht unkonkrete Theorie.

Chancen des Internets in den Vordergrund stellen

Der Notrufbutton ist eine von drei "Initiativen für eine Kinder- und Jugendnetzpolitik", die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder am Dienstag (13.12.2011) in Berlin vorstellte. Medienkompetenz, Elternverantwortung und Schutz vor Gefahren sollen dabei zusammen gebracht werden. Die Politik habe die Pflicht, trotz aller etwaigen Bedrohungen für Kinder und Jugendliche, die Chancen des Internets in den Vordergrund zu stellen, sagte Schröder während der Pressekonferenz, die per Livestream ins Netz übertragen wurde. Junge Internetnutzer waren ausdrücklich aufgefordert, der Ministerin per Mail, Twitter (#dialoginternet) oder über eine Seite im Angebot von SchülerVZ Fragen zu stellen.

Internet-Kinderschutzzentrum als Kompetenzzentrale

Antworten soll nach Wünschen Schröders bald auch das geplante "Internet-Kinderschutzzentrum" geben können. Anfragen, die über den Notrufbutton abgesetzt werden, sollen dort bearbeitet werden. Familienministerium, Experten aus Wirtschaft, Kinder- und Jugendschutz sollen dort zusammenarbeiten, um Opfern von Cybermobbing oder sexueller Belästigung im Netz zu helfen. Wie viele Menschen genau dort arbeiten und wo das Zentrum aufgebaut werden soll, sei noch nicht klar, sagte die Sprecherin.

Nun stünden vor allem Gespräche mit möglichen Partnern aus der Internetwirtschaft an, um die Planungen zum Notfallbutton voranzutreiben. Ob dieser auf Webseiten oder im Browserfenster integriert werden soll, sei noch nicht klar. "Für Seitenbetreiber soll er allerdings nicht verpflichtend werden", sagte die Sprecherin.

Sicherer Surfraum für Kinder

Kristina Schröder stellte außerdem die Kampagne "Surfen ohne Risiko" vor. Mithilfe einer Software-Lösung, basierend auf Listen zugelassener Web-Inhalte ("White Lists"), soll für Kinder ein sicherer Surf-Raum zur Verfügung gestellt werden. "Eltern und Kinder können gemeinsam eine Startseite gestalten, über die ausgewählte Angebote erreicht werden können", sagte ihre Sprecherin. Im Zuge der Kampagne sollen ab 2012 auch umfangreiche Informations- und Beratungsangebote - online und offline - gestartet werden.

"eBeteiligung" von Jugendlichen in Kommunen

An Jugendliche wendet sich die Initiative "Youthpart". Ziel ist es, Jugendliche über eine Online-Plattform an Entscheidungen in der Kommune zu beteiligen. "ePartizipation" heißt das auch Neudeutsch. Der Ministerin geht es darum, den Jugendlichen Mitbestimmung zu ermöglichen - "auch das ist eine Facette von Medienkompetenz", so Schröder. Noch gibt es diese Software allerdings nicht, sie soll nun entwickelt werden.

"Dialog Internet" gab Handlungsempfehlungen

Alle vorgestellten Maßnahmen gehen auf Empfehlungen des "Dialog Internet" zurück. Der runde Tisch aus Politikern, Kinder- und Jugendschützern, Bloggern und Netzexperten - darunter Mario Sixtus, Jörg Kantel, Christian Stöcker und Alvar Freude - war im November 2010 ins Leben gerufen worden, um Ansätze für eine Netzpolitik für Kinder und Jugendliche zu entwerfen.

Britische Nutzer haben bereits "Panic Button"


Screenshot der britischen Jugendmedienschutz-App in Facebook

Facebook-App "ClickCeop", die britische User installieren können

Vorbildfunktion, insbesondere für den Notrufbutton, hat das britische "Child Exploitation and Online Protection Centre" (kurz: Ceop Centre), sagte die Ministeriums-Sprecherin zu WDR.de. Das Ceop Centre ist eine Spezialabteilung der Polizei, welche die Ausbeutung und den sexuellen Missbrauch von Kindern im Netz bekämpft - gemeinsam mit Partnern aus Kinderschutz und Industrie. Einen "Panic Button" (Panik-Knopf) gibt es für Nutzer in Großbritannien bereits.

Nach mehrmonatigen Verhandlungen wurde im Juli 2010 dort auch die Zusammenarbeit mit Facebook verkündet. Seitdem können User die App "Click Ceop" installieren. Der Panic Button kann dann auch innerhalb des Facebook-Angebots geklickt werden und ermöglicht den direkten Austausch zwischen User und Ceop Centre - minderjährige User können auf diesem Wege verdächtige Inhalte oder Belästigung durch andere Fremde melden.

Es wäre also durchaus möglich, dass es eine ähnliche App auch für Deutschland geben könnte.


Stand: 13.12.2011, 18.15 Uhr


Kommentare zum Thema (5)

letzter Kommentar: 17.12.2011, 13:23 Uhr

Marion schrieb am 17.12.2011, 13:23 Uhr:
Daniel hat es auf den Punkt gebracht und den Nagel dabei auf den Kopf getroffen! Aufsichtspflicht und Haftung liegen bei den Eltern, diese sind verpflichtet ihren Pflichten nachzukommen und sollten bei Verstößen auch entsprechend sanktioniert werden. Es ist nicht nachvollziehbar warum es im Netz Änderungen geben sollte. Am See mit tiefem Wasser müssen Eltern ja auch auf ihre Kinder achten, da kommt keiner auf die Idee das Wasser bis auf 20cm abzulassen damit keinem Kind etwas passiert. Eigentlich bräuchte es so etwas wie einen Elternführerschein denn die größte Gefahr für Kinder und die Jugend geht von den Eltern aus wenn diese nicht in der Lage sind ihre Kinder ordentlich zu erziehen und zu beaufsichtigen. Eltern die sich als interlektuell nicht erziehungsfähig erweisen sollten unbedingt unter staatl. Aufsicht gestellt werden. Das wäre viel wichtiger als die Show mit dem "Notfallbutton"
Daniel schrieb am 15.12.2011, 09:40 Uhr:
Mir ist nach mindestens 12 Jahren die ich im Netz bin nicht bekannt, dass Kinder Verträge machen dürfen um einen Internetanschluss zu beantragen. Die Anschlussinhaber sind alle(!) über 18. Sprich: Das Internet ist kein Kinderspielplatz. Wenn Kinder das Internet nutzen sind die Anschlussinhaber für die Nutzung verantwortlich. Sprich: Eltern, Lehrer etc. Das Abschieben von Kindern an den PC bzw. das zur Verfügungstellen von Internet im Kinderzimmer geschieht also auf Risiko der Eltern, Lehrer etc.. Und da braucht es keine Notrufbuttons oder so. Die Erziehungsberechtigten sind in der Pflicht - sonst niemand.
MB schrieb am 14.12.2011, 11:39 Uhr:
Wenn Eltern ihrer Verantwortung gerecht würden, sich intensiver dafür zu interessieren wie ihre Kinder moderne Kommunikationsmedien nutzen und selber, durch entsprechende Fortbildung, der Lage sind regulierend einzugreifen brauchen wir diesen ganzen Quatsch mit Notfallbuttons oder so sinnfreie Diskussionen über Inhalte erst ab einer gewissen Uhrzeit usw. nicht diskutieren. Wir sollten lieber darüber reden das Eltern verpflichtet sind ihre Aufsichtpflicht auch im Internet auszuüben und ihre Kinder von jugendgefährdenden Inhalten fernzuhalten haben. Darüberhinaus muß auch für das Internet gelten: "Eltern haften für ihre Kinder"!
Horst schrieb am 14.12.2011, 08:43 Uhr:
Wenn 60 Jahre alte Politiker die so sachen denken wie "Internet gibts jetzt auch für Computer?" dann anfangen wollen zu Regulieren kann das nur in die Hose gehen...
Micha schrieb am 14.12.2011, 08:25 Uhr:
Ich sage es mal auf Neudeutsch: Big Brother ist watching you! Jeder überwacht jeden! Willkommen im Denunzianten-Staat! Sollte die Stasi nicht aufgelöst sein?