Ende eines E-Mail-Dienstes Bei Hotmail gehen die Lichter aus

Von Jörg Schieb

Mit Hotmail geht einer der größten und bekanntesten E-Mail-Anbieter vom Netz. Microsoft hat sich entschlossen, den kostenlosen Mail-Dienst zu schließen und bietet als Alternative outlook.com an. Eine klare Kampfansage an Google. Aber auch andere Mail-Dienste könnten User verlieren.


Finger gleitet über Bildschirm
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Bei Hotmail kommt bald keine Post mehr an

Hotmail ist so etwas wie ein Urgestein im Internet: 1995 gegründet und 1996 offiziell gestartet, hat sich Hotmail rasch zu einem äußerst beliebten kostenlosen Mail-Anbieter entwickelt. Damals waren E-Mail-Postfächer oft an den jeweiligen Internetprovider gebunden, so etwas wie Hotmail deshalb eine Rarität. Hotmail sollte mehr Freiheit bringen. Das hat den Leuten gefallen: Hotmail war überaus erfolgreich. Bereits 1997 hat Microsoft den Mail-Dienst für 400 Millionen Dollar übernommen. So recht etwas anzufangen wusste Microsoft mit Hotmail aber nicht.

Hotmail hat sich zur Spam-Schleuder entwickelt

Mit der Zeit wurde Hotmail immer öfter benutzt, um Spam-Mails zu versenden. Außerdem haben lange Zeit viele Kriminelle Hotmail-Adressen verwendet, um ihre Herkunft zu verschleiern. Das hat dem Ruf von Hotmail enorm geschadet. Mit Folgen: Einige Zahlungsdienste und Onlineshops akzeptieren keine Kunden mit Hotmail-Adresse. Deshalb und weil andere Mail-Anbieter mit der Zeit technisch interessantere Dienste anzubieten hatten, haben viele Hotmail den Rücken gekehrt. Mittlerweile gibt es diverse Alternativen, die ebenfalls kostenlos sind, mehr Speicherplatz und Service bieten und vor allem einen besseren Ruf genießen.


Mail-Dienst outlook.com
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Kostenlos und komfortabel: outlook.com

Dazu gehört vor allem GMail von Google, in Deutschland aber auch GMX und Web.de. Darum hat Microsoft die Reißleine gezogen: Hotmail wird in einigen Wochen endgültig geschlossen. Mit outlook.com hat der Softwareriese eine wirklich interessante Alternative am Start. Vor einigen Monaten ist outlook.com als Beta (Test) gestartet, seit einigen Tagen kann sich jeder kostenlos bei outlook.com anmelden. Auch wenn der Name anderes vermuten lässt: Man benötigt kein Microsoft Outlook, nicht mal ein Microsoft Office oder Windows, um sich bei outlook.com registrieren zu können. Der Mail-Dienst ist gratis. Spätestens Ende des Sommers will Microsoft alle alten Hotmail-Konten in outlook.com überführt haben. Danach wird man sich gar nicht mehr bei Hotmail anmelden können.

outlook.com bietet aufgeräumte Benutzeroberfläche

outlook.com hat eine aufgeräumte Web-Oberfläche mit vielen Extras zu bieten. Wer sich bei outlook.com anmeldet, kann wahlweise ein eigenes Postfach einrichten oder auch bestehende E-Mail-Postfächer importieren und in outlook.com verwalten. Microsofts neuer Mail-Dienst versucht, mehr Ordnung im Posteingang zu halten als andere Web-Mailer. Newsletter zum Beispiel werden automatisch erkannt und entsprechend behandelt. Wer mag, kann sich per Knopfdruck von einem Newsletter abmelden. Spam-Nachrichten werden geblockt und Nachrichten von bekannten Absendern anders behandelt als die von unbekannten Absendern. Außerdem gibt es eine geschickte Anbindung an Facebook und Twitter.


Microsofts Online-Kampagne gegen Google
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Microsofts Online-Kampagne gegen Google

Worauf Microsoft besonders viel Wert legt: outlook.com ist komplett werbefrei - anders als Google Mail, das zumindest im Web-Interface immer wieder Reklame präsentiert, die zum jeweiligen Thema im Mail-Verkehr passt. Microsoft hat sogar eine Online-Kampagne gestartet, die Googles Mail-Dienst aufs Korn nimmt: "Scroogled!" heißt die Seite, in der genau erklärt wird, dass User von Google Mail es sich gefallen lassen müssen, dass ihre Mails von Robotern gescannt werden, um passende Werbung präsentieren zu können. Selbst eine Online-Petition gegen diese Geschäftspraktik hat Microsoft ins Leben gerufen. Über 98.000 Personen haben bereits unterschrieben. Die Kampagne macht Stimmung gegen den erfolgreichen Mail-Dienst der Konkurrenz.

Trend: Mehr Datenschutz als Wettbewerbsvorteil

Für die Konsumenten ist es gut, wenn sich die Riesen der Branche auf diese Weise bekriegen: Wann hat das Thema Datenschutz schon mal eine derart zentrale Rolle gespielt, wann war weniger Werbung und mehr Diskretion ein Verkaufsargument für einen Onlinedienst? Eine durchaus begrüßenswerte Entwicklung. Allerdings müssen moderne Mail-Dienste heute derart viele Funktionen und vor allem auch ausreichend Speicherplatz bieten, und das idealerweise kostenlos, dass hier nur noch wenige Anbieter mithalten können: Geld verdienen werden muss trotzdem - wenn nicht mit dem Mail-Dienst selbst, dann über Umwege. Microsoft und Google bekommen das hin, kleinere Anbieter von Mail-Diensten auf Dauer nicht.

Deshalb ist es durchaus ratsam, sich nicht auf einen Mail-Anbieter zu verlassen. Wer auf Nummer sicher gehen will, reserviert für kleines Geld eine eigene Domain (etwa: maxmustermann.de). Dann kann man entscheiden, mit welchem Mail-Dienst man das Mail-Postfach verknüpfen möchte und kann auch jederzeit wechseln, ohne die eigenen Kontakte über den Umzug informieren zu müssen. Allerdings setzt das etwas mehr Mühe und Sachverstand voraus, um alles korrekt einzurichten.

Selbst getestet
Jörg Schieb

Ich teste outlook.com schon eine ganze Weile. Mein Urteil: Microsofts neuer Mail-Dienst ist besser, als viele das vom Softwareriesen vielleicht erwarten würden. Microsofts Kritik an Google erscheint überzogen - bringt aber Leben in die Diskussion, was gut ist.


Stand: 24.02.2013, 16.39 Uhr


Kommentare zum Thema (10)

letzter Kommentar: 25.02.2013, 20:36 Uhr

Uwe Breitfelder schrieb am 25.02.2013, 20:36 Uhr:
Outlook ist unmöglich! Anmeldung geht nicht!!Email öffnen geht nicht. Oberfläche von Outlook erinnert stark an Outlook bei Windows 3.1. Hotmail war zuverlässiger gewesen. Keine Konkurenz zu Gogglemail oder dergleichen. Outlook nicht zu empfehlen.
Überfällig schrieb am 25.02.2013, 11:43 Uhr:
Mit dem Start der Beta habe ich mir vor einigen Monaten sofort meine (online) Namen bei Outlook.com gesichert. Das meine Mails nicht mehr "gelesen" und ausgewertet werden ist ein Schritt in die richtige Richtung. So langsam scheint das wichtige Thema Datenschutz auch beim 0815-User anzukommen.
Klaus Lohmann schrieb am 25.02.2013, 11:23 Uhr:
Scheint mal wieder einige Kommentatoren zu geben, denen selbst das kostenlose Denken noch zu komplex erscheint und die sich demnächst über die vielen Kopfschmerzen beklagen werden. Wie wär's denn mit 'ner Sammelklage vorm Bundesverfassungsgericht, lieber heinzb?
Anonym schrieb am 25.02.2013, 10:41 Uhr:
mir gehts genauso..von heute auf morgen vor 14 tagen..kein reinkommen mehr..auf die eigenen mails... gott sei dank hab ich dort nicht die wichtigen laufen..aber ne riesenfrechheit..ist das schon..null chance..an seine mails zu kommen..das sowas überhaupt möglich iist..hätt ich nie gedacht..
heinzb aus nrw schrieb am 24.02.2013, 19:09 Uhr:
Ich war jahrelang bei @msn.com , ich wurde von einem auf den anderen Tag gesperrt, ich hatte und habe keinen Zugriff auf meine gespeicherten Daten, zig Beschwerden und angedrohte Klagen von mir halfen nichts, Alles war weg von jetzt auf gleich, ich meine daher, für mich nicht nachzuvollziehen, Mafia Strukturen, vermute ich, für mich nicht unfassbar. Bei eGun ging es mir ebendso, trotz positive Bewertungen in 2 stelliger Höhe Sperrung ohne vorherigen Zwischenfall, , nach meiner Meinung sollten msn.com und eGun aus dem Netz genommen werden als Anbieter, Willkür, keine Reaktionen auf Kundenbeschwerden, kein Interesse an Beschwerden, Zensur, schlimmer als im 3.Reich unter Freisler, meine ich. Shalom und das muss ich mir nie wieder von diesen Anbietern antun lassen.

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