Gefakte Polizeiwarnungen im Netz Hoax & Co: Schlechte Scherze, genervte Polizisten

Von Martin Teigeler

Per Mail und in sozialen Medien werden häufig falsche Polizeiwarnungen verbreitet. Für das LKA sind die Hoax-Meldungen einfach nur nervig. An einer Kölner Schule tauchten etwa seltsame Hinweise zu Trickdieben auf.


Es sind obskure Warnhinweise aus den Untiefen des Internets. An einer Kölner Schule kursierte bei Schülern und Lehrer im Januar 2013 folgende Mail: "WARNUNG AN ALLE AUTOFAHRER. Es könnte Ihnen passieren, dass Sie an Tankstellen oder Parkplätzen von Unbekannten angesprochen werden, die 'Geschenke' wie Schlüsselanhänger oder dekorative Artikel für ihr Auto anbieten. Bitte beachten Sie den Rat der deutschen Polizei: Diese 'Geschenke' bitte nicht annehmen!" Jedes Präsent enthalte nämlich "einen Chip, der es ermöglicht zu erkennen, wo Ihr zu Hause ist, wann sie da sind und wann nicht". "Kriminelle Banden" steckten dahinter. Der Wahrheitsgehalt? Null. Laut Polizei gibt es dazu auch keinen Rat der Ordnungshüter.

"Verunsicherung in der Bevölkerung"

Bereits im Oktober 2012 hatte dieselbe Hoax-Mail laut Paderborner Polizei für "Verunsicherung in der Bevölkerung" gesorgt. "Zahlreiche besorgte Bürger haben sich mittlerweile bei der Polizei erkundigt - die gibt jetzt Entwarnung", teilten die Polizei Paderborn mit. Die Falschmeldung entbehre jeder Grundlage.

"Achten Sie auf Zettel auf der Heckscheibe Ihres Autos", heißt es in einer anderen Kettenmail. Pkw-Fahrer seien aus ihrem Fahrzeug gestiegen, um den Zettel zu entfernen. Genau in diesem Moment sei ein Unbekannter herbeigeeilt und habe das Auto vor den Augen des Besitzers gestohlen. Unglaublich krude Story? Mit solchen Hoax-Meldungen muss sich die Polizei öfter mal herumschlagen.

Urheber der Falschmeldungen unbekannt

"Es lässt sich nicht nachvollziehen, wer solche Falschhinweise beispielsweise in Netzforen verbreitet", sagt Frank Scheulen vom Landeskriminalamt (LKA) in Düsseldorf. Für die Polizei seien Hoax-Meldungen und Kettenbriefe "nervig und zeitraubend", weil man ihnen immer mal wieder nachgehen müsse. "Wenn ein Bürger wegen einer solchen Meldung in Sorge ist, kann er sich an die örtliche Polizeidienststelle wenden." An solchen Nachrichten sei aber so gut wie nie etwas dran, betont LKA-Sprecher Scheulen.

Halb- und Unwahrheiten bei Facebook & Co


E-Mail Symbol im Hintergrung, Smartphone zeigt eine Facebookfunktion
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Spaß an Kettenmails?

Gelangweilte Foren-User oder Spaßvögel? Die Urheber der oft absurden Mitteilungen bleiben unerkannt. Seit 1997 sammelt der IT-Experte, Wissenschaftler und Journalist Frank Ziemann auf einer Website der Technischen Universität (TU) Berlin Hoax-Meldungen und ähnliche Mails. "Früher hat der Mensch am Lagerfeuer oder beim Friseur über Gerüchte und Urban Legends gesprochen. Heute gibt es dafür eben auch das Internet", erklärt Ziemann das Phänomen. Nach dem Motto "Das habe ich irgendwo gehört" würden einige Zeitgenossen ganz gezielt Halb- und Unwahrheiten in Foren, bei Facebook oder anderen Netzwerken verbreiten. Durch die Weiterleitungen der Mails oder Postings könne man nicht nachverfolgen, wer den Unsinn ausgedacht habe.

Laut Ziemann fielen bereits Polizeibeamte auf Hoax-Mails rein - und leiteten sie weiter. Auch Journalisten sind davor nicht gefeit. 2006 ließ sich beispielsweise die Nachrichtenagentur AP durch eine E-Mail eines Bundes Deutscher Juristen (BDJ) zu einer Falschmeldung verleiten. Der vermeintliche Juristenbund äußerte sich zur damals aktuellen Debatte über die Verwendung von Folter-Geständnissen im Kampf gegen den Terrorismus. Das Problem: Diese Organisation gab es gar nicht.

Stichworte

Hoax

Als Hoax (engl.: "Streich, schlechter Scherz") werden falsche Meldungen oder Warnungen bezeichnet. Die Urheber haben gerade im Netz Spaß daran, ihre Falschmeldung per Mail oder in Foren und sozialen Netzwerken immer weiterzuverbreiten. Letztlich sind Hoax-Berichte vergleichbar mit Falschmeldungen in Medien, etwa der Zeitungsente.

Urban Legends

Bei sogenannten Urban Legends (dt: Großstadtlegenden) handelt es sich um moderne Mythen aus dem Reich populärer städtischer Schauergeschichten. Meist weiß niemand so genau, ob sie wahr sind oder wer sie erfunden hat. Oftmals drehen sich die Legenden um unwahrscheinliche Begebenheiten und wundersame Ereignisse, etwa um Krokodile, die in den Abwasserkanälen New Yorks leben sollen, oder um tote Prominente, die angeblich doch noch leben.


Stand: 07.02.2013, 06.00 Uhr


Kommentare zum Thema (7)

letzter Kommentar: 08.02.2013, 11:57 Uhr

soester schrieb am 08.02.2013, 11:57 Uhr:
Soso, sogar Journalisten fallen auf so was rein. Interessant, sehr Interessant. Wenn das schon passiert, was soll der normal intelligente Bürger da noch machen? Er sit vermutlich völlig hilflos. (Achtung: Satire)
thermel schrieb am 07.02.2013, 20:45 Uhr:
gut, dass immer nur die anderen so blöd sind..... willkommen im club der klugscheißer
basti schrieb am 07.02.2013, 14:59 Uhr:
Ich verstehe einfach nicht warum man solche Meldungen ernst nehmen kann. Angebliche Schlüsselanhänger mit nem Chip drin.... Zettel an der Heckscheibe.... Da kann man doch nur drüber lachen.
Anna Lyse schrieb am 07.02.2013, 10:24 Uhr:
Meine Mutter hört auch immer was. Meistens im Fernsehen. Aber im Internet recherchieren oder mal in die Bücherei gehen tut sie nie. Und dann bin ich immer der Dumme, weil ich nicht glauben will, was sie im Fernsehen sagen. Also, ich glaub das schon, dass die das im Fernsehen gesagt haben. Sonntags morgens in der Kirche wird auch immer was gesagt. Und das schon viel länger, als es das Fernsehen gibt. Vermutlich ist das Internet die Hölle, in der wir alle wegen unserer Ungläubigkeit schmoren müssen ...
Hirni schrieb am 07.02.2013, 09:21 Uhr:
Ich habe mal gehört man soll nicht alles glauben was man so hört.

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