Telefonieren im Urlaub: Abschalten mit Handy - aber richtig
Das Handy kann im Urlaub zum teuren Spaß werden. Zwar hat die EU die Gebühren fürs Telefonieren und Simsen begrenzt. Aber es lauern immer noch Kostenfallen. WDR.de erklärt, wie man sie umgeht.

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Abschalten - aber nicht das Handy
Eine Familie aus Deutschland liegt in Spanien am Strand und macht Urlaub. Die Oma daheim in Aachen möchte wissen, ob es allen gut geht, und ruft auf dem Handy an. Kurz darauf klingelt es am Strand. Situationen wie diese gibt es jeden Tag tausendfach überall auf der Welt.
Die EU-Kostenbremse
Online im Urlaub
Die Möglichkeit, ein Handy auch im Ausland zu benutzen, heißt Roaming. Dieser Gesprächstransfer von einem Land in ein anderes kostet Geld - manchmal sogar mehr als manchem Handybesitzer lieb ist.
Um den Verbraucher vor "Roaming-Abzocke" in Europa zu schützen, hat die EU in den vergangenen Jahren eingegriffen und immer kräftiger auf die Kostenbremse getreten. Zum 1. Juli wurden die Gebühren per Verordnung erneut gesenkt.
| Leistung | maximale Gebühren (inkl. MwSt.) |
|---|---|
| Abgehende Anrufe | 35 Cent pro Miinute |
| Eingehende Anrufe | 10 Cent pro Minute |
| Versand einer SMS | 11 Cent |
| Eingang einer SMS | gratis |
Achtung: Die Kosten bei MMS-Nachrichten hat die EU nicht reguliert. Hier können je nach Anbieter laut Stiftung Warentest bis zu 2,56 Euro für jedes verschickte Bild fällig werden. Auch der Empfang kann bis zu 1,39 Euro kosten.
Das sollten Sie beachten:

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Prepaid-Karten: kostengünstige Alternative
- Flatrates gelten zwar für Deutschland, aber nicht im Ausland. Dort fallen zusätzlich immer die Roaming-Gebühren an.
- Der Euro-Tarif gilt nur in den 27 EU-Mitgliedsstaaten. Außerhalb der Eurozone mit deutscher SIM-Karte zu telefonieren, kann deutlich teurer werden. Das gilt auch für die Schweiz und die Türkei.
- Die Abfrage der Mailbox am Urlaubsort im Ausland wird als Auslandsgespräch abgerechnet und so zum Gebührenfresser.
- Der Euro-Tarif ist verbindlich. Einige Unternehmen bieten auch Sommer- und Holiday-Specials an, die günstiger, aber auch teurer sein können - beispielsweise wenn neben dem Minutenpreis auch noch eine Pauschale für die Herstellung der Verbindung berechnet wird. Diese Spezialtarife setzen die EU-Verordnung außer Kraft.
- Das Handy wählt sich im Ausland meist in das stärkste Netz ein - und nicht unbedingt das preiswerteste.
- Wichtig für Urlauber im Grenzgebiet: Das eigene Handy kann auch auf deutschem Boden den Netzanbieter im Nachbarland stärker empfangen als den in Deutschland. Dann wählt sich das Handy ins ausländische Netz ein - und das kann kosten. In einigen Ländern kann man über die Hälfte der Kosten sparen, wenn man sich ins günstigste Netz einbucht.
- Mit dem Handy kann der Urlauber nur telefonieren, wenn die Frequenz des dortigen Mobilfunknetzes vom eigenen Handy unterstützt wird. In Nord- und Südamerika benötigt man deshalb ein Tri- oder Quadband-Handy, in Japan und Korea ein UMTS-fähiges Mobiltelefon.
Tipps der Verbraucherschützer
Einige Kostenfallen hat die EU aus dem Weg geräumt, einige können Urlauber selbst beseitigen.
Vor der Reise

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Tarife vergleichen
- Vergleichen Sie Tarife. Die kostenlosen Hotlines der einzelnen Anbieter geben Auskunft über Roaming-Preise für Anrufe, SMS, MMS und Datentransfer. Am besten ist, sich in Ruhe beraten und die Angebote schriftlich geben zu lassen.
- Erkundigen Sie sich nach dem günstigsten Netz. Der Partner des eigenen Anbieters muss nicht der preiswerteste im Urlaubsland sein.
- Fragen Sie Anbieter nach günstigen Auslandspaketen, die zu Ihrem Urlaubsland und Ihrem Telefonierverhalten passen. Prüfen Sie, ob zu Ihrem normalen Tarif bereits ein spezielles Auslandspaket voreingestellt dazugehört und wie teuer es ist.
Während der Reise
- Stellen Sie die Netzwahl vor Ort auf "manuell" ein, um den günstigsten Anbieter auswählen zu können.
- Deaktivieren Sie Ihre Mailbox. Provider dürfen seit 2010 zwar nichts mehr für die Aufzeichnung einer Nachricht berechnen. Das Abhören wird aber in Rechnung gestellt. Notfalls sind Sie immer noch per SMS erreichbar.
- Schalten Sie das Handy möglichst nur zu festen, vorher verabredeten Uhrzeiten ein. Sonst kann es passieren, dass immer wieder Bekannte oder Kollegen anrufen, die nicht wissen, dass Sie im Ausland sind und Sie teuer für Telefonate bezahlen müssen.
- Für Vieltelefonierer oder bei längeren Auslandsaufenthalten kann es sich lohnen, sich eine ausländische Prepaid-Karte zuzulegen. Der Urlauber telefoniert dann nach Deutschland wie die Einheimischen und zahlt nichts für ankommende Gespräche. Die Nachteile: Man bekommt eine weitere SIM-Karte und damit eine andere Telefonnummer. Die Kosten für Anrufer steigen. Und bei Prepaid-Handys von Anbietern wie beispielsweise Base oder der Telekom ist die Nutzung einer anderen SIM-Karte in den ersten zwei Jahren wegen des SIM-Lock nicht möglich und die Aufhebung dieser Sperre für andere Karten ist kostenpflichtig.
Nach der Reise
- Prüfen Sie die Rechnung!
Stand: 06.07.2012, 06.00 Uhr
- Mit dem Handy in den Urlaub - Was ist zu beachten? [WDR 4]
- Neue EU-Höchstgrenzen für Roaming-Dienste : Billige Urlaubsgrüße (02.07.2012) [WDR 2]
- Verkehrsregeln im Ausland: Urlauber, kommst du nach... (06.07.2012) [WDR 2]
- Themenblock der Verbraucherzentrale NRW: " Telefonieren im Ausland"
- Mit dem Handy unterwegs: Infos des Europäischen Verbraucherzentrums
- Handykosten im Ausland laut Stiftung Warentest
Kommentare zum Thema (9)
letzter Kommentar: 07.07.2012, 12:08 Uhr
- Prioritäten schrieb am 07.07.2012, 12:08 Uhr:
- Im Grunde kann es sich jeder erlauben im Urlaub alles abzuschalten, dazu ist der Urlaub da! Es liegt an jedem selber ob er/sie diesen Erreichbarkeitswahn mit macht. Gerade Arbeitgeber sollten keine Möglichkeit haben Arbeitnehmer im Urlaub zu nerven. Ich habe mich bei mir in der Firma mit meiner Einstellung durchgesetzt. Ich schalte im übrigen mein Diensthandy auch zum Feierabend konsequent aus. Das mag bei dem ein oder anderen Vorgesetzten nicht so gut ankommen, das ist aber nicht wirklich wichtig weil das Recht auf meiner Seite ist. Man muß halt Prioritäten setzen! Aber erlauben kann sich den Verzicht auf Handy und Co. im Urlaub grundsätzlich jeder.
- Hugo1 schrieb am 06.07.2012, 15:53 Uhr:
- Was soll diese leidige Neiddebatte. Ich nehme mein I-Phone mit in Urlaub und habe gute Gründe. Wer es sich erlauben kann, alles abzuschalten, sollte sich glücklich schätzen und schweigen.
- Schieber schrieb am 06.07.2012, 13:19 Uhr:
- Dieser ganz Handyquatsch müsste noch viel teurer sein. Urlaub ist zum Erholen und Ausspannen da. Wenn man hier so liest, muss man wirklich glauben, manche fahren nur in den Urlaub um zu telefonieren.
- Thomweb schrieb am 06.07.2012, 12:34 Uhr:
- Wer braucht ein Handy im Ausland? Wer unbedingt jedes Mal seinen Liegestuhl mit Bild bei Facebook posten will, dem ist auch nicht zu helfen. Es sind ja vor allem die Menschen, die absolut keine Ahnung von der Technik haben, die dann auf Teufel komm raus ihr Handy die ganze Zeit online haben. Ich habe meinem Handy nur das WLAN zu Hause erlaubt. Ich brauche im Ausland, wie letztens in Frankreich, kein Internet. Seit 12 Jahren habe ich den ganzen Tag beruflich mit Internet zu tun, ich betreiben eine ganze Menge Webseiten, ich bin ständig erreichbar, und es gibt keinen Grund, das auf ein mobiles Gerät zu verlagern. Der Gesundheitszustand meiner Eltern, der eine 24h-Bereitschaft erfordert, ist mit SMS abzudecken. Wer also unbedingt meint, im Ausland einen auf großen Macker machen zu wollen die BILD-Gott Kai Dieckmann mit 42.000 Gebühren aus Marocco mit seinem Blog (nicht BildBlog!!!), der ist selber Schuld.
- brauch ich nicht schrieb am 06.07.2012, 12:09 Uhr:
- Habe kein Handy, habe auch keine Kosten. Und Stress mache ich mir selber und kein anderer. So lebt es sich eindeutig entspannter.
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