Vorhersagen durch Suchanfragen Google & Co. als Trend-Radar

Von Jörg Schieb

Google kennt die Welt - und kann sogar Grippewellen vorhersagen. Weil immer mehr Menschen der Suchmaschine ihre Sorgen anvertrauen, kann der Onlinedienst früher als jeder andere Trends erkennen. Was macht der Onlineriese mit dieser Verantwortung?


Google Trends sagt Grippewellen voraus
Bild 1 vergrößern +

Nicht jeder, der krank ist oder erste Symptome erkennt, geht gleich zum Arzt. Aber viele suchen auf die ein oder andere Weise im Internet nach Hinweisen, was sie haben könnten: Da werden Symptome gegoogelt und die besten Therapien erfragt. Suchmaschinen wie Google sind daher bestens im Bilde: Wenn irgendwo Fieber, Husten oder Grippe grassiert - Google weiß es garantiert als erster, noch bevor die Ärzte vor Ort Wind davon bekommen.


Längst ist bekannt, dass Google verlässlich vorhersagen kann, wann und wo eine Grippewelle anrollt. Denn Google bekommt nicht nur mit, ob viele Menschen nach typischen Begriffen wie "Grippe", "Fieber" oder "Influenza" suchen, sondern auch, wenn nach typischen Symptomen gefahndet wird. Google bekommt sogar mit, wo das konkret passiert.

Google ist ein perfekt funktionierendes Trend-Radar

Die Suchmaschine erkennt also regionale Unterschiede beim Suchverhalten. Bereits 2009 wurde in einer wissenschaftlichen Arbeit in der Zeitschrift "Nature" nachgewiesen, dass die im allgemein zugänglichen Bereich von Google Trends ermittelten Daten oft verblüffend mit den aktuellen Erhebungen der jeweiligen Gesundheitsbehörden übereinstimmen. Bedeutet: Google kennt die Gesundheitssituation ebenso gut wie die Behörden - mindestens. Google bietet sogar eine eigens eingerichtete Unterkategorie namens Fluetrends an (zu deutsch: Grippetrends) an, die jeder aufrufen kann. Hier ist in einer Karte zu sehen, wo auf der Welt sich gerade besonders viele Menschen mit Grippesymptomen rumplagen.


Aktuelle Grippewellen in der Welt

Und während Behörden auf offizielle Meldungen von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten warten und diese auswerten müssen, was im Fall von Krankheiten oft erst Tage nach dem Ausbrechen passiert, kennt Google die Trends bereits früher. In der Regel sogar, bevor eine Grippe richtig ausbricht. Google ist erkennbar schneller. So viel machen die von Google online veröffentlichten Grippe-Trends deutlich: Die Grippe grassiert in dieser Saison vor allem in den USA und in Japan, in Deutschland ist das Ansteckungsrisiko am größten in Berlin und Sachsen. Wer Zweifel an der Zuverlässigkeit der Vorhersagen hat: Google ermittelt bereits seit Jahren Grippe-Daten und vergleicht die eigenen Prognosen später immer wieder mit den offiziellen Daten. Regelmäßig zeigt sich, dass die Vorhersagen erstaunlich präzise der späteren Entwicklung entsprechen.

Auch Twitter kann als Themen- und Trend-Scout fungieren


Weil sich immer mehr Menschen online informieren oder in sozialen Netzwerken über ihren Gesundheits- oder Gemütszustand berichten, lassen sich Trends immer leichter erkennen, vor allem Massentrends. Während bei einer Suchanfrage jeder einzelne Internetnutzer mit der Suchmaschine kommuniziert, kann Twitter als ein öffentlicher Kommunikationskanal betrachtet werden. Auch hier lassen sich Trends erkennen und ablesen, schließlich zwitschern die Menschen jede Menge relevante Informationen in die Welt.

Wer twittert: "Liege mit Grippe im Bett, habe Fieber und Husten", der liefert erkennbar gleich mehrere relevante Informationen - nicht nur über den Krankheitszustand. Die meisten Tweets lassen sich heute, wenn sie entsprechend getaggt sind, auch verorten, so dass auch auf Twitter durchaus Aussagen über Grippewellen möglich sind. An der Brigham Young University in Provo (Utah) jedenfalls haben Wissenschaftler jüngst versucht, sich dieser Informationen zu bedienen. Und siehe da: Es funktioniert auch bei Twitter ganz gut.

Google, Twitter und Co. machen Marktforschung

Wer so gut erkennt, wo es uns gerade zwickt und piekst, wer also den Gesundheitszustand der Welt besser ermitteln kann als die Gesundheitsbehörden vor Ort, der kann auch andere Trends erkennen. Das gilt für Google, Twitter und Facebook gleichermaßen. Ob ein vier Millionen Dollar teurer 30-Sekunden-Spot im Fernsehen während des Superbowl funktioniert oder nicht, auf Google, Twitter und Facebook lässt sich das herausfinden. Ob einzelne Berufe gerade angesagt sind oder nicht: Die großen Onlinedienste wissen es unter Garantie, auch, für welche Produkte wir uns interessieren, welche Nachrichten uns bewegen, welche politischen Themen gerade eine Rolle spielen.

Was wir nicht wissen: Ob und in welchem Rahmen Google, Twitter und Co. von solchen Daten und Erkenntnissen bereits Gebrauch machen. Doch insbesondere die von Google zur Verfügung gestellten, äußerst präzisen und aktuellen Daten über Grippe machen deutlich, welche Möglichkeiten der Suchmaschinenanbieter heute hat. Man darf getrost davon ausgehen, dass die großen Onlinedienste längst auch andere Erhebungen machen, wenn sie nur einem Geschäftszweck dienen.



Stand: 04.02.2013, 08.45 Uhr


Kommentare zum Thema (1)

letzter Kommentar: 04.02.2013, 13:20 Uhr

walter schrieb am 04.02.2013, 13:20 Uhr:
bitte Beweise und keine Unterstellungen Herr Schieb!