Suchmaschinen und Mail-Dienste Alternativen zu Google

Von Rainer Striewski

Verunsicherung bei den Usern im Juni 2013: Google, Facebook und Co. geben Daten an den US-Geheimdienst weiter. Bereits ein Jahr zuvor machten sich viele Goosle-User Sorgen um ihre Daten – damals hatte der Konzern seine Datenschutzbestimmungen geändert. WDR.de zeigte damals in einer kleinen Serie Alternativen zu Google-Diensten auf. Im Teil 1: Suchmaschinen und E-Mail-Dienste.


Zum 1. März 2012 hat Google weltweit neue Datenschutzbestimmungen in Kraft gesetzt - trotz massiver Proteste. Damit werden die Richtlinien für mehr als 60 Dienste vereinheitlicht, zudem sollen Nutzerdaten aller Produkte gesammelt ausgewertet werden. Viele Klauseln in den neuen Bestimmungen seien jedoch zu unbestimmt formuliert und benachteiligten die Verbraucher, kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Auch europäische Datenschützer lehnen die neuen Bestimmungen ab, halten sie teilweise sogar für rechtswidrig. Die Nutzer von Google-Diensten konnten und können der neuen Regelung weder zustimmen noch sie ablehnen - die Regeln treten automatisch in Kraft, wenn man Google-Dienste nutzt. Doch dazu wird ja niemand gezwungen. Wer sich mit den Regelungen nicht einverstanden erklärt, kann sich nach alternativen Diensten umsehen. Und die gibt es zum Glück reichlich. Wir stellen einige von ihnen vor - natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Suchmaschine: Gesucht - gefunden?


Screenshot: Browser-Fenster mit den Startseiten mehrerer Suchmaschinen
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Es gibt neben Google noch viele weitere Suchmaschinen im Netz

Google ist zwar die bekannteste Suchmaschine in Deutschland – aber bei weitem nicht die einzige. Der amerikanische Anbieter Yahoo beispielsweise war lange selber Marktführer und größter Konkurrent von Google, musste in den letzten Jahren aber immer mehr Marktanteile an Google abgeben. Yahoo ist zwar noch immer ein großer Mitbewerber, hat sein einstiges Kerngeschäft aber weitgehend aufgegeben. Seit 2009 werkelt unter der Yahoo-Oberfläche die Technik eines anderen Anbieters: Microsoft. Microsoft bietet mit Bing derzeit die bekannteste und größte Google-Alternative an. Wie bei Google kann auch bei Bing in Kategorien wie "Bilder", "News" oder "Karten" gesucht werden. Der Dienst ist zudem 2010 eine Kooperation mit Facebook eingegangen und zeigt in Suchergebnissen unter anderem auch Bewertungen von "Facebook-Freunden" an, sofern man während einer Suchanfrage bei Facebook angemeldet ist.

Noch relativ jung ist die Suchmaschine DuckDuckGo. Die Betreiber haben sich unter anderem den Schutz der Daten ihrer Nutzer auf die Fahnen geschrieben. Eine Besonderheit dieser Suchmaschine ist zudem die Einbindung externer Angebote: Suchanfragen bei DuckDuckGo können direkt an Anbieter wie Amazon, Wikipedia oder auch Google-News weitergereicht werden. Die Nutzer werden dann direkt zu deren Ergebnisseiten weitergeleitet, als wenn sie die Suchanfrage dort gestellt hätten.


Ebenfalls dem Datenschutz der Nutzer verpflichtet fühlt sich der Anbieter Ixquick. Anders als Google oder Bing greift der Anbieter bei Suchanfragen aber nicht auf eine eigene Datenbank mit angesammeltem Wissen zurück. Die Suchmaschine startet vielmehr bei Suchanfragen der Nutzer im Hintergrund selber entsprechende Anfragen an andere Suchmaschinen, sammelt die Ergebnisse und bereitet sie für den Nutzer auf. Dabei speichert Ixquick persönliche Daten wie die IP-Adresse des Nutzers nicht und reicht auch keine Daten an die Suchmaschinenbetreiber weiter. Da Ixquick aber zahlreiche andere Suchmaschinen abfragen und auf Rückmeldungen warten muss, die Ergebnisse dann auf Dubletten überprüft und nach Relevanz sortiert, dauert die Abfrage etwas länger als bei Bing oder Google direkt. Wem möglichst schnelle Ergebnisse jedoch wichtig sind und der alleinige Datenbestand von Google ausreicht, für den bietet Ixquick noch ein alternatives Projekt an: Startpage. Bei diesem Angebot werden die Suchanfragen im Hintergrund nur an Google geschickt und von dort aufbereitet, die Daten der Nutzer (wie die IP-Adresse) werden auch hier von Ixquick  weder gespeichert noch an Google weitergereicht. Dieses Angebot kommt dem Google-Angebot am nächsten, auf die Anzeige zusätzlicher Suchergebnisse aus Google-Angeboten wie "Maps" oder "News" müssen die Nutzer von Startpage allerdings verzichten.

Neben Ixquick gibt es noch weitere Suchmaschinen, die über keinen eigenen Datenbestand verfügen, sondern selber nur andere Suchmaschinen abfragen. Diese Suchmaschinen nennt man Meta-Suchmaschinen. Die bekannteste deutsche Meta-Suchmaschine ist MetaGer. Auch hier werden – wie bei Ixquick – keine Nutzerdaten gespeichert. Der Nutzer kann hier zudem auswählen, welche Suchmaschinen bei einer Anfrage an MetaGer abgefragt werden sollen. Zur Wahl stehen hier neben den großen Anbietern auch wissenschaftliche Suchmaschinen. Die Suche kann auch auf Dienste wie eBay oder Twitter beschränkt werden. Aber auch hier gilt: Je mehr Suchmaschinen die Meta-Suchmaschine abfragen soll, umso länger muss auf das Ergebnis gewartet werden.

E-Mail: Schreib mal wieder!


Screenshot einer E-Mail-Anwendung
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E-Mail-Kommunikation ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken

Google ist zwar als Suchmaschine groß und bekannt geworden, bietet mittlerweile aber noch viele weitere Dienste an. Einer der heute bekanntesten Dienste ist Google-Mail. Diesen Dienst können die Nutzer - wie fast alle Google-Angebote - kostenlos in Anspruch nehmen, doch auch hier zahlen sie die Rechnung letztendlich mit der Preisgabe ihrer privaten Daten – ohne zu wissen, ob, wie und in welchem Umfang Google diese Daten genau nutzt. Alternative E-Mail-Anbieter gibt es zwar viele, sie können jedoch meist nicht alle Annehmlichkeiten bieten, die Google seinem Produkt mitgegeben hat. Häufig wird man bei anderen Anbietern Abstriche machen müssen – sei es beim Speicherplatz, bei den Spam-Filtern oder der leichten Anbindung an Smartphones. Diesen Nachteilen steht jedoch häufig ein erheblicher Gewinn an Datenschutz gegenüber. Entscheidet man sich beispielsweise für einen deutschen Anbieter, der die Nutzerdaten in Deutschland speichert, dann unterliegen diese automatisch dem (recht strengen) deutschen Datenschutzgesetz. Natürlich entbindet allein die Wahl eines deutschen Anbieters den Nutzer nicht von seiner generellen Pflicht, die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und Datenschutzbestimmungen des gewählten Anbieters genau und kritisch zu studieren.


Bei den großen E-Mail-Anbietern in Deutschland handelt es sich entweder um reine E-Mail-Anbieter oder um Webhosting-Unternehmen, die E-Mail-Dienste quasi als Nebenprodukt zu Domainregistrierung und Homepage-Speicherung anbieten. Die reinen E-Mail-Anbieter verfügen häufig über Einstiegspakete, die sie über Werbung finanzieren und ihren Kunden somit kostenlos anbieten. Oft können diese Einstiegspakete bei den so genannten "Freemail-Anbietern" gegen Zahlung einer monatlichen Gebühr noch erweitert werden – um mehr Speicherplatz, bessere Spam-Filter oder auch die Möglichkeit, das E-Mail-Postfach mit einem eigenen E-Mail-Programm statt nur über eine Webmail-Oberfläche abzurufen. Wer statt unter der Domain des Freemail-Anbieters lieber E-Mails mit eigenem Domainnamen (mail@mein-name.de) versenden und empfangen möchte, kann sein Paket häufig auch (kostenpflichtig) um diesen Domainnamen erweitern oder sich gleich für ein Paket bei einem Webhosting-Unternehmen entscheiden. Hier kann dann auch gleich die eigene Homepage unter dem ausgesuchten Domainnamen gespeichert werden.


Stand: 10.03.2012, 09.00 Uhr


Kommentare zum Thema (6)

letzter Kommentar: 12.03.2012, 19.12 Uhr

google ex schrieb am 12.03.2012, 19.12 Uhr:
prima artikel!!! ich verwende kein google mehr und siehe da: entlich keinen google- cookie mehr im vierenscan!!!
Eva Wolk schrieb am 12.03.2012, 12.35 Uhr:
Wie wär´s mal mit einer Suchmaschine, die - nach eigenen Angaben - bei jeder Suche ein bisschen Regenwald rettet? (Links entfernt)
Jürgen schrieb am 10.03.2012, 18.34 Uhr:
@Datenbesitzer: Google speichert doch nicht nur die IP-Adresse und Seiten, die darunter besucht werden. Wenn Sie beispielsweise über ein Google-Konto (Mail, Google+ etc.) verfügen, speichert und verknüpft Google dazu noch Ihren Namen, Anschrift, Ihre Interessen, Ihre Termine und Kontakte, Ihre (GPS-)Bewegungsdaten etc.
arndt schrieb am 10.03.2012, 11.58 Uhr:
Wer sagt denn, daß Google nicht auch an die Datenkrake Deutschland verkauft?
dd schrieb am 10.03.2012, 11.53 Uhr:
ich nehme ecosia als Metamaschine

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