Nutzerdaten aller Dienste bündeln Mit Google die Welt sehen?

Von Insa Moog

Eine Datenschutzerklärung für alle Google-Produkte: mehr Transparenz, mehr Übersichtlichkeit soll das den Nutzern von Google Mail, Docs, Google+, Suchmaschine und weiteren bringen. Google führt dafür die Daten aus allen Diensten zusammen. Überzeugt das die User?


Bildschirm mit Googleleiste und Pfeilen
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Mit Google die Welt sehen?

"Bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit und lesen Sie unsere aktualisierte Datenschutzerklärung und die aktualisierten Nutzungsbedingungen. Diese Änderungen treten am 1. März 2012 in Kraft." Der Hinweis steht prominent im Bereich Datenschutzerklärung & Nutzungsbedingungen im Google-Angebot, Besitzer von Google-Konten sollen per Mail informiert werden. Am Dienstag (24.01.2012) wurde bekannt, dass der Internetriese bald die Aktivitäten seiner Nutzer in nie dagewesener Weise zusammenführen will - die Daten aus den verschiedenen Google-Seiten wie Youtube, Google Mail, der Suchmaschine, Google Maps und anderer werden für ein aussagekräftigeres Personenprofil gebündelt.

Ein rein ökonomisches Ziel von Google dabei: personenbezogene Werbung kann auf Basis der verschiedenen Online-Aktivitäten eines Google-Konto-Besitzers genau programmiert und geschaltet werden. Wohnort, zuletzt gesehene Clips auf Youtube, +1-Angaben für Links und Seiten, ebenso wie letzte Suchbegriffe könnten dann für die Auswertung der Nutzervorlieben genutzt werden. Auch die Inhalte von E-Mails, verschickt über den Google-eigenen Maildienst Gmail könnte das betreffen. Ebenso wie (ortsbezogene) Daten aus der Nutzung von Android-Smartphones - wenn diese aktiviert sind.

Was ist überhaupt neu? - User diskutieren die Folgen


Junge Frau benutzt Notebook unterwegs
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Interessenbezogene Anzeigen für alle User

Was das alles genau bedeutet, wird seitdem diskutiert. Im sozialen Netzwerk Google+ hat Stefan Keuchel, PR-Manager bei Google, den aktuellen Eintrag im Unternehmensblog zum Thema gepostet. Im Kommentar-Thread darunter entspinnt sich zunächst eine Diskussion darum, ob Google seine Nutzer duzen darf und ob es im Englischen überhaupt ein "Sie" gibt - bewegt die ersten Leser der Inhalt des Blogeintrages so wenig? Weiter wird alsbald gemutmaßt, ob sich nun überhaupt so viel ändert. "Die Daten wurden doch bisher auch schon für Werbung verwendet", schreibt Michael A.

Google-Sprecherin Lena Wagner mischt sich am Mittag in die Diskussion ein. "Bei Google gibt es einen Opt-Out für interessenbasierte Anzeigen." Darüber hinaus mache das Unternehmen mit Hilfe des Anzeigenvorgaben-Managers transparent, welche Informationen Google dazu verwende, um Anzeigen in der Google-Suche und in GMail sowie interessenbezogene Anzeigen auf Websites im Google-Werbenetzwerk einzublenden. Lena Wagner gibt auch ein Beispiel für das Zusammenführen von Daten: "Wenn Sie Google Mail nutzen und Google-Kalender, können wir Ihnen das Teilen eines Termins mit Ihren Kontakten erleichtern, in dem wir Ihre Google Mail Kontakte integrieren."

Dienste im Parallelbetrieb

Der User Christoph W. ist mit der Antwort Wagners noch nicht zufrieden. Dass Daten aus Google+ und dem Gmail-Adressbuch zusammengeführt werden, sei doch nicht neu. "Wie aber kann ich verhindern, dass ich automatisch an Dienst B angemeldet werde, nur weil ich bei A eingeloggt bin?", fragt der Nutzer weiter. Ein Login - und mehrere Google-Dienste laufen automatisch im Hintergrund? Wer sich bei Google eingeloggt hat und dann auf Youtube surft, sieht oben rechts schon seit längerem eine Schnittstelle zum Google+-Profil. Die Frage von User Jörg von F. an Lena Wagner bleibt zunächst unbeantwortet: "Welche Auswirkungen für den User hat denn das Zusammenführen der Daten, außer 'besseren' interessenbezogenen Anzeigen?"

Auch die WDR.de-Follower bei Google+ reagieren eher entspannt auf die Ankündigungen. "Ich finde diesen Schritt nur logisch und vorteilhaft. Und die Transparenz, einen Monat vorher solch einen Schritt anzukündigen, finde ich vorbildlich", schreibt Arthur K. "Möchte man die Dienste nicht nutzen, meldet man sich einfach ab oder nutzt dann halt mal einen Inkognito-Tab." Thorsten E. sieht es ähnlich: "Jeder sollte selbst für sich die Vor-/Nachteile abwägen. Denkt ihr eigentlich bei Facebook & Co. werden keine "Daten zusammengeführt" ? Wie naiv seid ihr?"

Surfen mit Google-Brille


Ein Mann arbeitet an einem Laptop
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Google: Wissen, wie die Leute ticken - und tippen

Etwas differenzierter betrachtet Rainer B. die Thematik und schreibt, was er als Folge der Datenzusammenführung befürchtet, nämlich "dass Google damit noch extremer als bisher meinen Blick auf die Welt steuert. Ich bekomme nur noch ganz bestimmte Suchergebnisse, ganz bestimmte Werbung usw. zu sehen." Surfen mit der Google-Brille also, zu großen Teilen vor allem das sehen, was einen - in der Vergangenheit - interessiert hat. Und das beträfe ja nicht nur Produkte, empört sich Rainer B. "Es betrifft politische Meinungen, Fachbeiträge, Freizeitangebote, Reiseziele usw. die mir künftig "maßgeschneidert" angeboten werden sollen."

Und bei Twitter? Meinungsäußerungen unter dem Hashtag Google sucht man beinahe vergeblich. Die User zwitschern sich vor allem Hintergrundberichte zum Thema zu. "Ich will eine Suchmaschine die weiß was ich suche, aber keine Daten über mich sammelt", twittert @crackpille am Mittwochnachmittag. "Dann würd ich mal sagen, legt sich jeder, der das nicht mag, pro #Google-Dienst eine andere E-Mail-Addi zu :-P", "empfiehlt" @LittleDevilcom (Tim Shady). @Missfeldt (Martin Missfeldt) twittert seinen Blogeintrag zum Thema, dort heißt es über Google: "Wenn man in der Lage ist, gezielt Werbung zu schalten, weil man weiß, wie die Leute ticken, dann ist es letztlich nur ein kleiner Schritt, wenn es darum geht, Individuen und ganze Gesellschaften zu beeinflussen und nach Belieben zu lenken."

Personalisierte Werbung versus Werbefilter

Auf Netzpolitik.org schreibt unter "Google will seine Nutzer überwachen" auch Markus Beckedahl zum Thema - und muss gleich selbst Kritik für "diesen Boulevardtitel" einstecken, wie Kommentator "ds" schreibt. "Was heißt schon komplett überwachen", kommentiert dort auch "Netzhack". Dieser und die anderen User geben sich auch hier wenig überrascht oder empört. Beckedahl selbst vermutet in seinem Eintrag, dass Google nun zu sozialen Netzwerken wie Facebook aufschließen wolle, die bereits seit längerem Profile ihrer Nutzer anlegten. "Ob die neuen Richtlinien mit den geplanten Änderungen der EU-Datenschutzverordnung übereinstimmen, wird zu klären sein", schreibt er weiter und bezweifelt die Vorteile einer besser personalisierten Werbung angesichts einer "ständig steigender Nutzerzahl" von Werbefiltern.


Stand: 25.01.2012, 16.30 Uhr


Kommentare zum Thema (12)

letzter Kommentar: 27.01.2012, 13:13 Uhr

Skeptiker schrieb am 27.01.2012, 13:13 Uhr:
Ich glaube nicht das, dass "zunageln" der eigenen IT und die Neigung zu Fake Accounts etwas mit Neurosen oder Paranoia zu tun hat sondern eher mit Sabotage der Geschäftsmodelle von Google, Facebook und Co. Das finde ich eigentlich ganz gut! Jedenfalls solange diese Anbieter nicht in Bezug auf den Datenschutz ihrer User streng(!) reguliert werden. Hier müssen klare Gesetze her die die Datensammelwut dieser Spionageunternehmen wirkungsvoll einschränkten und die User schützen, nicht! die Unternehmen. Es muß und darf nicht jeder Euro oder Dollar gemacht werden der möglich wäre.
Paranoia schrieb am 26.01.2012, 13:38 Uhr:
So sieht´s aus Alfons, man kann es übertreiben. Klar nervt Werbung, aber das tut sie auch im Briefkasten und TV und natürlich kann ich meinen Rechner gegen alles absichern, aber dann brauche ich eine derart hochgezüchtete Kiste, damit alles in akzeptabler Zeit abläuft. Außerdem beißen sich manche Programme und bieten auch nur Pseudo-Schutz. Ich finde die Leute immer lustig, die sich jedes blödsinnige Add-on draufziehen und glauben, sie wären IT-Experten und unangreifbar. Ich hab im Übrigen einen kleinen PC zum Surfen und anderen Blödsinn und einen HighEnd-PC zum Zocken. Und der kleine wird spätestens nach 1 Jahr platt gemacht und neu aufgesetzt. Dauert max. 3 Stunden und alles ist wieder sauber.
Tünnes schrieb am 26.01.2012, 13:29 Uhr:
@Alfons: Tip: Konsequent jede Werbung die ihren postalischen Briefkasten erreicht mit dem Vermerk "Zurück an Absender" wieder in den Postkasten werfen. Ich habe mir einen Stempel dafür machen lassen ;-) Nach einigen Wochen bekommen Sie kaum noch Werbung! Zusammen mit einem Aufkleber gegen Wurfsendungen, "Werbung einwerfen verboten", am Briefkasten wirkt das Wunder und Sie müssen so gut wie nichts mehr wegschmeißen.
Alfons schrieb am 26.01.2012, 12:41 Uhr:
@Tünnes: Halten Sie sich nicht selber für ein kleines bisschen neurotisch? Dinge wie NoScript aus Sicherheitsgründen zu verwenden ist ja ganz ok, das mache ich auch. AdBlock halte ich für absolut überflüssig. Mich stört das bisschen Werbung nicht, die nehme ich gar nicht wahr. Spätestens wenn Sie online einkaufen wollen, was ich andauernd mache, werden Sie Accounts zwingend mit korrekten Daten füttern müssen. Anonymisierungsdienste jedweder Art (und auch Tor) verlangsamen den Datenfluss und bietet trotzdem keine vollständige Anonymität, auch wenn das oft anders behauptet wird. Und personalisierte Werbung wäre mir im Briefkasten sehr recht. Was ich da immer alles wegschmeiße Woche für Woche.
Tünnes schrieb am 26.01.2012, 10:27 Uhr:
Personalisierte Werbung braucht kein Mensch. Werbefilter solten bei jedem bewußten User Standard sein, ebenso das blocken von Skripten und Trackern. Eine AdOn Grundausstattung für Firefox: "NoSkript", "AdBlock" und "Ghostery" wer Flash verwendet dem sei noch "BetterPrivacy" empfohlen. Keine Accounts mit realen Daten einrichten und Anonymisierungsdienste bzw. TOR verwenden. Das gibt es als LiveCD auf Debian Linux komplett konfiguriert, mal nach "Tails" suchen, am besten NICHT mit Google sondern mit "ixquick", einer Suchmaschiene die nichts speichert und auch eine anonyme Googlesuche ermöglicht. Es geht, man kann diesen Datenkraken einen Strich durch die Rechnung machen.

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