Senioren entdecken soziale Netzwerke Wenn Opa bei Facebook ist

Von Arne Lichtenberg

Die neueste ARD/ZDF-Onlinestudie, die am Freitag (12.08.11) erschien, zeigt, dass immer mehr Senioren online sind. Sie entdecken auch soziale Netzwerke für sich. Dabei nutzen sie das Netz ganz zielgerichtet und pragmatisch. Aus einem ganz einfachen Grund.


Klaus Schmolz hat keine Angst vor neuen Erfahrungen. Also hat er sich mit 65 Jahren noch  einen Laptop angeschafft. 2004 war das und Schmolz wollte durchstarten – wohlgemerkt damals noch ohne Interneterfahrung. Heute ist der pensionierte Betriebsdirektor fast überall: sei es bei Facebook, wer-kennt-wen.de, ebay oder Skype. Äußerer Zwang war es damals für ihn nicht, sich mit dem neuen Medium zu beschäftigen, wohl ehe "eigenes Interesse", sagt der Kölner Rentner. Er habe sich gedacht, "wenn du hier nicht mit schwimmst, dann bleibst du hinten dran, dann wirst du den Kontakt zu deinen Enkeln und der Jugend verlieren, weil du ihre Sprache nicht sprichst." Das war seine selbst gesteckte Aufgabe damals. Heute profitiert er davon. Der Kontakt zu seinen Enkeln ist wesentlich einfacher geworden.

Kaum eine andere Möglichkeit der Kommunikation

Hendrik Speck, Professor für digitale Medien an der Fachhochschule Kaiserslautern, kann die Beweggründe von Klaus Schmolz gut nachvollziehen. "Senioren haben mittlerweile kaum noch eine andere Chance, wenn sie mit ihren Kindern oder Enkeln in Kontakt bleiben wollen, dann müssen sie auch diese Online-Medien nutzen." Speck begründet diese neuen Entwicklungen mit der steigenden sozialen Mobilität der jungen Generationen.  Kinder und Enkel wohnen nicht mehr ihr ganzes Leben fest an einem Ort oder haben gar ihr gesamtes Berufsleben denselben Arbeitgeber.

Am schnellsten wachsende Altersgruppe im Internet


Senioren am Computer
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Immer mehr Senioren sind im Netz

In Deutschland sind die Senioren in sozialen Netzwerken noch Exoten. Aber sie werden mehr. Ihre Zahl wächst rasant. 2010 gingen überhaupt erst gut ein Viertel der Über-60-Jährigen ins Netz. Laut der neuesten ARD/ZDF-Onlinestudie 2011 sind es jetzt schon 34,5 Prozent. Ein sattes Plus von fast 23 Prozent. Keine Altersgruppe wuchs im Netz schneller als die der Senioren. Von ihnen sind aktuell zwar nur vier Prozent regelmäßig in einem sozialen Online-Netzwerk unterwegs. Aber immerhin: 2008 waren es nur zwei Prozent. Die Nutzerzahlen haben sich in dieser Altersgruppe also verdoppelt.

Spezielle Senioren-Netzwerke unattraktiv

Schon länger gibt es auch soziale Netzwerke explizit für ältere User. Sie tragen so schmucke Namen wie "herbstzeit.de" oder "platinnetz.de", bewusst verzichten sie auf das Wort Senior in im Namen. Aber angesichts ihrer Nutzerzahlen sind solche Angebote Randerscheinungen und werden wohl auch irgendwann verschwinden, meint Medienprofessor Speck. "Solche Plattformen sind für Senioren genauso attraktiv, wie Telefone mit besonders  großen Tasten."

Daten-Sicherheit und höfliche Ansprache


Ein Portal schafft es aber dennoch schon seit Jahren, vor allem Ältere anzulocken. Stayfriends.de hat sich auf Schulfreunde spezialisiert. Auf der Seite, die schon 2002 online ging, kann man nach ehemaligen Klassenkameraden suchen. Im zweiten Quartal 2011 waren13 Prozent der neuen Mitglieder auf Stayfriends älter als 60 Jahre. Zum Vergleich: Im gleichen Quartal 2008 waren lediglich rund fünf Prozent der neuen Nutzer über 60. Am stärksten gewachsen ist in den letzten Jahren die Gruppe Ü50, erklärt Michel Lindenberg, Geschäftsführer und Mitbegründer des Portals. "Wir reden unsere User mit dem im Internet eher seltenen 'Sie' an und das geht weiter bei dem Thema Datenschutz. Das Bedürfnis der Älteren ist einfach, dass hier alles sicher ist", begründet Lindenberg den Erfolg seiner Seite gerade bei älteren Semestern. Auch die Bedienung der Seite sei einfach und ohne Spielereien.

Dank Internet die Töchter wiedergefunden

Für Klaus Schmolz ist das Internet auch in anderer Sicht ein Segen. Aus einer außerehelichen Beziehung hat der Kölner zwei Töchter, zu denen er keinen Kontakt hatte. Bis Schmolz sich auf dem Internetportal wer-kennt-wen.de anmeldete und ein Profil erstellte. Seine Töchter waren dort auch Mitglied, fanden ihren Vater und schrieben eine Nachricht. Der Rentner antwortete und wenig später war die Familie wieder vereint.


Stand: 12.08.2011, 12.00 Uhr


Kommentare zum Thema (4)

letzter Kommentar: 13.08.2011, 14.14 Uhr

Peter Spangenberg schrieb am 13.08.2011, 14.14 Uhr:
Hallo. Ich bin 54, seit dem 12.8. Opa eines süßen Mädchens und bei mehreren Seiten wie Facebook, wer-kennt-wen u. a. aktiv. Ich finde, es ist eine wunderbare Art Leute kennenzulernen, die man sonst nicht treffen würde. Spezielle Networks für Senioren? Klingt für mich irgendwie nach Isolierung, so nach dem Motto: Bleibt ihr Alten unter euch! Habe im Netz schon viele interessante, nette Leute getroffen, einige davon auch schon persönlich. Meiner Meinung nach, können Alt und Jung immer voneinander profitieren. Die Jungen kommen mit der heutigen Technik vllt. besser zurecht, dafür haben wir Älteren die Lebenserfahrung, was ja auch nicht ohne Bedeutung ist. schöne Grüße Peter
Spar Opa schrieb am 12.08.2011, 20.25 Uhr:
Bei den hohen Strompreisen schalte ich den Rechner nur selten an.
Günter-Julius Hammes schrieb am 12.08.2011, 15.21 Uhr:
Als nun 76-jähriger kann ich die Aussagen der Vorschreiber nur nachvollziehen und bestätigen. auch ich hasse es von jedermann im Web geduzt zu werden, habe mich aber überwiegend zähneknirschend diesem üblem Druck gebeugt. Da ich außerdem "Freier Sachverständiger EDV" bin, hatte ich natürlich keine Probleme mit Hard- und Software und das Web kenne ich seit Anfangszeiten beginnend vor 30 Jahren oder früher, als es noch BTX oder Datex J war :-). Heutzutage bin ich natürlich so ziemlich firm in allem und wenn ich was nicht weiß, kenne ich die Wege, um mir Antworten aus dem Web zu holen. Sollte jemand Bedürfnisse haben, mehr zu lernen, stehe ich da heute noch gerne Gewehr bei Fuß, dazu bereit. (Anm. d. Red.: link entfernt)
Weiher-Less-Lahn schrieb am 12.08.2011, 12.36 Uhr:
Als Web2.0-Außenstehender hat mir ein Freund mal seinen fb-Account zur Verfügung gestellt und ich habe einen fb-Schnuppertag eingelegt. Millionen User können ja nicht irren aber mir erschließt sich kein Mehrwert, z.B. 153 'Freunde' zu haben. Aber ich habe etliche Bekannte gefunden, viele neue Facetten von denen erfahren inkl. einiger Sachen, die eigentlich nicht in die Öffentlichkeit sollten. Intereressant auch deren Vorlieben und konnte ich über die Freunde wunderbar alle Kontakte nachvollziehen und oft sehr wundern. Fazit: Nix für mich, ich treffe mich mit meinen Freunden lieber im Café. So nebenbei bemerkt habe ich Geld im Großrechnerbereich verdient, betrachte mich als Experte und kenne auch die Gefahren. Bestimmt ist das auch ein Grund meines Vorbehalts.