Warnung vor Kontrolleuren in Dortmund Schwarzfahren mit Facebook

Von Dominik Reinle

Wer in Dortmund mit Bus und Bahn unterwegs ist und Kontrolleure sieht, kann das auf einer Facebook-Seite melden. Die Dortmunder Stadtwerke DSW21 haben damit kein Problem - warum, das verrät ihr Sprecher im Interview.


Thomas Steffen, Webmaster der Dortmunder Stadtwerke AG

"Du fährst mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Dortmund und hast einen Kontrolleur gesehen?", fragt seit Dienstagabend (02.08.2011) die Gemeinschaft "Schwarzfahren Dortmund" auf ihrer Facebook-Seite. Ihre Antwort: "Dann schnell ans Smartphone und melde uns auf welcher Linie!" Bis zum Mittwochabend (03.08.2011) hat die Aktion 52 Freunde gewonnen.

WDR.de: Was halten Sie von der Facebook-Seite "Schwarzfahren Dortmund"?

Thomas Steffen: Unsere Kontrolleure wechseln ständig die Fahrzeuge. Sie bleiben ja nicht auf einer Bahn und fahren da acht Stunden mit. Von daher ist die Information über Facebook nicht so aktuell und hat nicht den Effekt, der wohl beabsichtigt ist. Wir nehmen das deshalb gelassen hin. Da hat sich jemand was überlegt, aber in der Ausprägung ist es nichts, was bei uns die Alarmglocken schellen lässt.

WDR.de: Sie werden also gegen diese Seite auch nichts unternehmen?

Steffen: Nein, was sollen wir dagegen unternehmen? Wir können natürlich sagen, die Seite soll aus dem Netz. Aber wir wollen der Seite nicht noch mehr Aufmerksamkeit geben, indem wir die Frage stellen, wie kriegt man eine Facebook-Seite wieder weg. Das ist ja bei amerikanischen Konzernen gar nicht so einfach. Von daher wollen wir das gar nicht weiter aufbauschen. Auch die ehrlichen Kunden werden nicht sagen: "Oh, jetzt gibt es da plötzlich eine Möglichkeit, mit der ich meine Fahrt erschleichen kann."

Facebookseite warnt vor Kontrollen im ÖPNV Video: Schwarzfahren mit Facebook (02:00) WDR aktuell
04.08.2011

Schwarzfahren mit Facebook

WDR.de: Wie sieht es aus mit den Schwarzfahrern in Dortmund?

Steffen: "Schwarzfahrer" sagen wir nicht. Das sind immer noch Fahrgäste - nur eben ohne gültigen Fahrausweis. Es kann ja sein, dass jemand sein gültiges Monatsticket zu Hause vergessen hat. Bei uns fahren im Jahr rund 100 Millionen Fahrgäste mit. Davon werden etwa zwei bis drei Prozent bei Kontrollen ohne Ticket angetroffen, also mindestens etwa 20.000 Personen. Das bedeutet für uns einen jährlichen Einkommensverlust von rund 2,5 bis drei Millionen Euro. Das ist natürlich viel Geld - aber in der deutschen Nahverkehrswelt ist klar: Der Aufwand, um diesen Betrag mit mehr Personal und Technik noch weiter zu minimieren, ist höher als die daraus möglicherweise resultierende Einsparung.

Wir haben zudem in Dortmund eine hohe Akzeptanz der Monatstickets. Mit diesem hohen Abo-Anteil haben wir auch nicht die gleichen Probleme wie andere Verkehrsunternehmen, die mehr Einzeltickets verkaufen. Bei uns herrscht somit eine ganz andere Kauf-Mentalität.

Das Interview führte Dominik Reinle.


Stand: 03.08.2011, 18.46 Uhr