Multimedia in den Klassenräumen: Verlage entwickeln digitale Schulbücher
Verlage hoffen darauf, dass zum neuen Schuljahr digitale Schulbücher Einzug in die Klassenzimmer halten. Mit Hochdruck wird an den multimedialen Bildungsangeboten gearbeitet. Das Schulministerium hält sich bedeckt.

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Halten digitale Schulbücher bald Einzug in die Klassenzimmer?
Texte suchen, markieren, Notizen dazu machen, Lesezeichen setzen, Video- und Audio-Dateien integrieren - all das soll möglich sein, wenn Schüler mit digitalen Schulbüchern arbeiten. An der Entwicklung dieser Medien arbeiten die Schulbuchverlage mit Hochdruck. Ob und gegebenenfalls wann Schüler mit ihnen arbeiten werden, ist aber noch ungewiss.
Noch kann man sich nur ein ungefähres Bild von den digitalen Büchern machen. Nutzer müssen zunächst im Webshop des Verlags einen Freischaltcode für ein digitales Schulbuch kaufen. Damit kann man sich die entsprechende Schulbuch-Software herunterladen und ein individuelles digitales Schulbuchregal zusammenstellen. Auch Bücher anderer Verlage können dabei ausgewählt werden.
Flexibleres Lernen?
Doch was würde sich durch digitale Bücher verbessern? "Die Integration von multimedialen Elementen wie Audios, Videos, Links und Zusatzaufgaben ist ein echter didaktischer Mehrwert", wirbt Christoph Bornhorn, Geschäftsführer des Verbands Bildungsmedien, zu dem sich zahlreiche Schulbuchverlage zusammengeschlossen haben. Nutzer könnten von jedem Ort dieser Welt auf ihre Bücher und ihre individuellen Bearbeitungen zugreifen. "Und wenn kein Internet zur Verfügung steht, kann die Offline-Version benutzt werden." Das, so Bornhorn, soll flexibles Lernen ermöglichen.
Natürlich muss auch die entsprechende Hardware vorhanden sein. Grundsätzlich kann man die digitalen Bücher unabhängig vom Betriebssystem nutzen, die Software läuft sowohl auf Apple- als auch auf Computern mit Windows. Eine Version für das iPad und Android-Geräte ist in Arbeit. "Für den Einsatz im Klassenzimmer sehe ich nur in den Tablets eine Zukunft", meint Erziehungswissenschaftler Stefan Aufenenger. Die seien praktisch und einfach zu handhaben.
Zweifel, ob digitale Bücher nicht noch mehr können müssten

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Bildungsexperte Stefan Aufenanger ist noch skeptisch
Der Mainzer Erziehungswissenschaftler Stefan Aufenanger steht den digitalen Angeboten noch skeptisch gegenüber: "Prinzipiell sind diese vielen multimedialen Möglichkeiten interessant, auch weil sie aktuelle Entwicklungen aufgreifen können. So wie ich das bisher sehe, werden aber wohl diese Möglichkeiten seitens der Verlage nicht voll ausgeschöpft."
Und im nordrhein-westfälischen Schulministerium gibt man sich noch zurückhaltend. Man sehe digitale Bücher durchaus "als Chance", so eine Sprecherin von Ministerin Sylvia Löhrmann. Gleichzeitig verweist das Ministerium auf die schon vorhandenen Angebote: den Medienpass NRW sowie die Online-Plattform Learnline, auf der Materialien zur Verfügung stehen.
Klamme Kommunen für Anschaffung zuständig
Selbst wenn die digitalen Bücher Einzug in die Klassenzimmer halten sollten, würde es es wahrscheinlich noch eine Weile dauern, bis Schüler flächendeckend mit ihnen arbeiten könnten. Denn für die Anschaffung ist der Schulträger verantwortlich - das sind in der Regel die Kommunen, die erfahrungsgemäß eher klamm sind. Eltern müssen zu Lernmitteln einen gewissen Anteil - abhängig von der Schulart - übernehmen. "Wir setzen uns seit Jahren für gesonderte Budgets für digitale Bildungsmedien ein - bislang leider erfolglos. Stattdessen sehen wir, dass die Ausgaben für Bildungsmedien generell seit Jahren schrumpfen - und das trotz der zurückgehenden Schülerzahlen", bemängelt der Geschäftsführer des Verbands Bildungsmedien, Christoph Bornhorn.
Plädoyer für neue Formen von Unterricht

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Gemeinsam Lösungen für Probleme erarbeiten
Unabhängig davon, ob die digitalen Bücher kommen: Die Schüler profitieren vom Umgang mit Tablet, PC & Co. "Die Annahme, dass die jüngere Generation mit den neuen Medien alles kann, ist falsch", betont Erziehungswissenschaftler Aufenenger. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass die Jüngeren zwar mit Computern handwerklich umgehen können, aber viele Dinge wie richtiges Recherchieren, sinnvolle Ergebnisse herausfiltern, welche Copyright-Belange muss ich beachten - diese Kompetenzen sind oft überhaupt nicht vorhanden." Mit neuen Medien zu arbeiten, sei eben mehr als nur Copy and Paste. Und begleitend dazu, so Aufenger, müsse es genügend Weiterbildungen für die Lehrer geben, damit auch sie lernen, digitale Bücher und Medien sinnvoll einzusetzen.
WDR.de wird weiter berichten, ob und wie sich die digitalen Schulbücher in der Praxis bewähren.
Stand: 05.08.2012, 06.00 Uhr
- Digital: Aktuelles und Hintergründe
- Interview - Erste Bilanz zum Medienpass: Medienkompetenz in Passform (16.06.2012)
- Tablets im Unterricht: Coole Schule (14.03.2012)
- Lernspiele auf Planet Schule
- schlauer – Netzwerk Medienkompetenz des WDR
- ARD-Special: Spielregeln für die neue Medienwelt
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Surfen ohne Risiko
Homepage Bundesfamilienministerium -
Digitale Schulbücher
Homepage Verband Bildungsmedien
Kommentare zum Thema (8)
letzter Kommentar: 08.08.2012, 12:45 Uhr
- Anonym schrieb am 08.08.2012, 12:45 Uhr:
- sind erst alle schüler in oder on, dann spätestens ist facebook wieder out, da endlich internet mit hirn statt small talk gefüllt wird? output ist eine sache des inputs und je mehr wissenschaftliche inhalte für jedermann verständlich abrufbar , umso uninteressanter sind die fotos oder blablas vieler mitmenschen, die sich in die virtualität flüchten? allerdings sollte es wirklich weniger den schulbuchverlagen überlassen werden, als vielmehr dem staat,der dafür reichlich steuern einnimmt, aber leider nur ...
- RechtsDaumenLinks schrieb am 08.08.2012, 03:04 Uhr:
- Gut das ich nicht mehr zur Schule gehe und auch keine Kinder habe :-) Aber mal davon abgesehen, wer kommt eigentlich für die Kosten auf die so nebenher noch anfallen? Sprich Anschaffung Tablett-PC, mobile I-Net Flat etc.? Oder soll das alles via Schuleigenes W-Lan laufen? Na da dürfte sich dann jede Schule nen eigenen Server nebst entsprechender Breitbandleitung inkl. Admin zulegen der sich darum kümmert. Praktisch für die Schüler wäre es schon, kann man mal eben E-Mails checken, bei You Tube reinschauen und das neuste bei Facebook posten ohne das Smartphone herausholen zu müssen. Digitale Schulbücher schön und gut aber was spricht dann gegen ein normales E-Book ohne I-Net?
- Eltern ins Schulministerium schrieb am 07.08.2012, 11:47 Uhr:
- die bombastische Pädagogik unterwirft sich voll und ganz der Privatwirtschaft. Dieser Trend ist seit 20 Jahren zu beobachten. Statt also die online-Inhalte aus dem Schulministerium zu entwerfen und ins Netz zu stellen(Zentral die Themen ausgearbeitet als Sockel für alle Schüler/innen) überlässt man es wieder den Verlagen. Das erinnert fatal an 90er und erste Jahrzehnt im 21 Jahrhundert, als der Le(e)hrkörper nur noch fotokopiertes Material in die Klassenzimmer schmiss und den Rest Wort für Wort aus dem jeweiligen Lehrbuch vortrug. Null pädagogische Leistung erbrachte Null didaktisches Ergebnis. PISA kommt doch nicht von ungefähr, alle Kinder ohne befähigte Eltern sind doch benachteiligt und bleiben es?(Nur GEW und DBB sehen ihre Leistungen wie immer rosa rot?)
- Hype schrieb am 07.08.2012, 08:07 Uhr:
- Es geht fuer die Verlage um dicke kohle."Buecher"die nicht gedruckt werden brauchen,aber fuer praktisch den gleichen Preis verkauft werden und zudem mit DRM verdongelt sind.Was die Schueler brauchen ist kaine Hard.u.software die nach 2-3 Jahren veraltet ist und dann neu beschafft werden muss-es sind endlich genug Charismatische Lehrer,fuer kleinere Klassen, die begeistern koennen und fuer einen ausfallsicheren Unterricht sorgen!Sehe ich gerade erst wieder bei meiner Enkelin-nach einem Schulwechsel hat sie nun endlich Lehrer die mit liebevoller Strenge fuer Disziplin sorgen und gleichzeitig die Kinder Faecheruebergreifend fuer den Lernstoff begeistern.Kinder lernen nun einmal am besten von Menschen und nicht von Maschinen!
- Jörg schrieb am 06.08.2012, 09:30 Uhr:
- Ich verstehe die negativen Kommentare hier nicht. An den Rechten der Verlage wird sich doch nichts ändern. Es wird "nur" endlich die Möglichkeit geschaffen, Material aus Schulbüchern auch digital verfügbar zu haben. Was ist daran schlecht? Bisher ist genau dies ausgeschlossen, da eine (private) Digitalisierung von Schulbüchern nicht gestattet ist - und das ist aus Sicht der Urheber auch nachvollziehbar. Überall wird der vemehrte Einsatz von Medien in der Schule gefordert, da dies auch unserem heutigen Lebensalltag entspricht. Da ist es doch nur zu begrüßen, wenn endlich auch die Schulbücher digital vorliegen. Es wird aber niemand gezwungen, nur noch mit digitalen Büchern zu arbeiten. An der Kommunikation mit dem Lehrer wird dies auch nichts ändern und es sind auch nicht "irgendwelche Angebote der Verlage im Internet", sondern endlich auch eine Verfügbarmachung der verlagseigenen Werke im Internet. Mehr Rechte bzgl. des Internets erhalten die Verlage dadurch nicht.
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