Gefährlicher Medizin-Internet-Handel : "Die Fälscher werden immer besser"
Mit Sorge blicken Apotheker auf den Internethandel mit gefälschten Arzneimitteln. Vor dem Apothekertag in Düsseldorf warnt Axel Thiele vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor den Risiken des Onlinehandels.
WDR.de: Welche Arzneimittel werden vor allem gefälscht und im Internet angeboten?

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Axel Thiele vom Bundesinstitut für Arzneimittel
Axel Thiele: Gefälscht wird im Prinzip alles. Wobei man sagen muss, dass in der EU natürlich das am meisten gefälscht wird, was am meisten Geld bringt – und das sind Lifestyle-Arzneimittel, Potenzmittel, Haarwuchsmittel, Abmagerungsmittel. Mittlerweile werden aber auch Aids-Arzneimittel oder dergleichen gefälscht.
WDR.de: Wo werden diese Medikamente produziert?
Thiele: Es gibt mittlerweile auch einige Labore in der EU, aber man kann davon ausgehen, dass das Meiste im Fernen Osten, in China und in Indien, produziert wird.
WDR.de: Wie funktioniert der Handel mit derlei Medikamenten im Internet?
Thiele: Bei illegalen Online-Apotheken können Sie die Präparate einfach kaufen, ohne dass ein Arzt eine Diagnose stellt. Viele bieten einen so genannten Online-Arzt, dem Sie ein paar Fragen beantworten. Dann wird online ein Rezept ausgestellt – einen realen Arzt gibt es aber sehr wahrscheinlich gar nicht.
WDR.de: Aus welchen Motiven bestellen Kunden im Internet? Gibt es andere Gründe als das Preisargument?
Thiele: Natürlich ist es erheblich preiswerter. Bei Potenzmitteln beispielsweise gibt es auch eine große Scham, zum Arzt zu gehen. Da ist es natürlich leichter, es im Internet zu bestellen.
WDR.de: Es gibt aber ja auch seriöse Angebote- wie erkenne ich die?
Thiele: Das ist relativ schwierig. Denn mittlerweile ist es so, dass die illegalen Internetapotheken einen perfekten Webauftritt haben, in perfektem Deutsch. Es gibt aber Anzeichen: Wenn versprochen wird, die Arzneimittel rezeptfrei zu versenden, dann ist es mit Sicherheit eine illegale Apotheke. Wenn das Impressum der Seite zudem ein Land außerhalb der EU aufweist, dann kann man auch davon ausgehen, dass es kein seriöses Angebot ist. Darüber hinaus muss man vorsichtig sein, wenn völlig unrealistische Heilungsversprechen gemacht werden.
WDR.de: Und wodurch zeichnen sich die legalen Apotheken aus?
Thiele: Es gibt mittlerweile ein sogenanntes DIMDI-Logo, das vom Deutschen Institut für medizinische Information und Dokumentation vergeben wird. Das erhalten zugelassene Internet-Apotheken in Deutschland. Zusätzlich ist vor Kurzem eine Fälschungsrichtlinie auf europäischer Ebene verabschiedet worden. Diese sieht ein Siegel für alle legalen, zugelassenen Internet-Apotheken in ganz Europa vor. Sie soll Ende nächsten Jahres in Kraft treten.
WDR.de: Wie kann ich ein gefälschtes Präparat erkennen, falls ich dennoch auf eine illegale Apotheke hereingefallen bin?
Thiele: Das ist fast unmöglich. Die Fälscher werden immer besser, und die Fälschungen sind kaum noch von Originalen zu unterscheiden. Manchmal werden die Tabletten aber in einem Druckverschlussbeutel zugesandt, ohne Beipackzettel oder mit einem ausländischen Informationsblatt, dann fällt es natürlich auf. Ansonsten ist es für den Laien kaum zu erkennen.
WDR.de: Wie gefährlich sind solche Präparate, wenn ich sie einnehme?
Thiele: Das ist eben das Gefährliche: Man weiss nicht, was man bekommt. Es kann der Original-Wirkstoff in exakter Dosierung enthalten sein, er kann aber auch über- oder unterdosiert sein. Oder es ist gar kein Wirkstoff enthalten beziehungsweise ein verunreinigter oder falscher. Dann können durchaus schwerwiegende Folgen auftreten.
Das Gespräch führte Nina Giaramita.
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Video:
Gefährlicher Medizin-Internet-Handel
(00:51)
WDR aktuell
05.10.2011 -
Gefährlicher Medizin-Internet-Handel
Stand: 05.10.2011, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (7)
letzter Kommentar: 07.10.2011, 06:01 Uhr
- Cialis schrieb am 07.10.2011, 06:01 Uhr:
- Das Fatale ist, dass man nicht erkennen kann, ob wirklich der gewünschte Wirkstoff enthalten ist oder vielleicht doch Rattengift !
- Analytiker schrieb am 06.10.2011, 09:05 Uhr:
- Im Beitrag geht es um gefälschte Medikamente und hier in den Kommentaren liest man völlig unqualifizierte Propaganda gegen Apotheker. Die Ausbildung der Apotheker ist deutlich anpruchsvoller als die Ausbildung eines Arztes. Was hat das mit den Apothekern zu tun, wenn meist in Asien gefälschte Medikamente produziert werden ? Wenn diese Fälschungen dann so gut wären, würde ich mich als Apotheker mit diesen Präperaten eindecken und meinen Gewinn maximieren. Tun die Apotheker (meines Wissens) aber nicht. Der große Leidtragende ist hier die von einigen Parteien kritisierte Pharmaindutrie. Sicherlich sind einige Medikamente hier im Vergleich zum Ausland zu teuer. Da muß etwas getan werden, doch Fälschungen zu kaufen ist der falsche Weg. Das kann nur dazu führen, daß Produktionen in Billig-Lohn-Länder verlegt werden und die Forschung ganz eingestellt wird. Wenn diese Fäschungen auch noch falsche Wirkstoffe enthalten , läßt man sich auf Kosten der Allgemeinheit (Krankenkassen) wieder heilen.
- Ruhri schrieb am 06.10.2011, 03:18 Uhr:
- Pure Panikmache um erhöhte Preise zu rechtfertigen. Die Pharmaindustie ist mafiös aufgestellt, oder warum kann ich Aspirin in jedem Land für den Bruchteil des deutschen Preises bestellen? Klar machen Ausländer mittlerweile ales nach, aber wenn Apotheker so was verkaufen, machen sie sich strafbar. Die Pharma-Lobby muss trotzdem gestoppt werden.....Apoheker- und Verbrecherpreise
- Anonym schrieb am 05.10.2011, 14:28 Uhr:
- geiz ist geil!
- toni schrieb am 05.10.2011, 13:43 Uhr:
- Wieso muss ich erst zum Arzt und danach zum Apotheker? Wieso gibt mir der Arzt nicht direkt die Medikamente? Ganz einfach, ein Parasit - auch Apotheker genannt - möchte auch ein ordentliches Stück vom Geldkuchen abhaben.
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