7. März 1913 - Todestag des Kartografen Carl Diercke "Schlag nach bei Duden, schlag zu mit Diercke"


Ein Atlas kann eine wirksame Waffe bei Klassenschlachten sein. "Schlag nach bei Duden, schlag zu mit Diercke" – dieser Spruch kursierte früher manches Schülerleben lang. Der berühmte Diercke-Weltatlas wird nämlich auf besonders reißfestem Papier gedruckt und ist besonders schwer. Über seinen Erfinder Carl Diercke ist wenig bekannt. Auf Bildern sieht er streng aus, mit seinem Vollbart und den tiefliegenden Augen. Der nach ihm benannte Weltatlas gehört nach hunderten Auflagen und verschiedenen Spezialausgaben noch immer zu den deutschen Standardschulbüchern.

"Eine Karte muss einfach, zweckmäßig und schön sein"

Bei seinem Atlas verfolgte Diercke -  ein Lehrer, Lehrerausbilder und Kartograf  - ein Prinzip: "Eine Karte muss einfach, zweckmäßig und schön sein." Also lässt er Vieles weg: Politische Inhalte rücken in den Hintergrund, die physischen Verhältnisse der Erdoberfläche werden prägnant dargestellt. Mehr als die meisten Kartografen vor ihm setzt er Farben ein, um Inhalte zu vermitteln: Je höher ein Berg, umso dunkler das Braun; je tiefer das Meer, umso dunkler das Blau.

Lehrerlaubnis für acht Fächer

Geboren wird Carl Diercke 1842 in Brandenburg als Sohn eines Gastwirts und Brauereibesitzers. Er ist fächerübergreifend begabt: Nach dem Abitur wird er zum Lehrer ausgebildet und erhält eine Lehrerlaubnis für nicht weniger als acht Fächer: darunter Chemie, Französisch, Latein, Rechnen, Geographie und Naturgeschichte. Als Lehrer, bald Direktor und Schulrat machte er Station in Riga, Berlin, Stade, Osnabrück und Schleswig. Nebenbei erstellt der leidenschaftliche Geograf Landkarten - für seinen Unterricht und für seine acht Kinder.

Ein Atlas für die Volksschule

Schließlich stößt der Braunschweiger Verleger Georg Westermann auf Diercke. Westermann will einen gut gemachten, aber preiswerten Atlas für die höheren Schulen auf den Markt bringen. "Carl Diercke kümmerte sich damals recht intensiv um die einklassige Volksschule auf dem Land. Und es bedurfte dort eines Atlanten: preiswert, aber gut. Und den hoffte er 1875 nun zusammen mit dem Verlagshaus Westermann machen zu können", sagt Verena Kleinschmidt vom Westermann-Verlag, in dem der Atlas bis heute erscheint.

Der "Schul-Atlas über alle Teile der Erde" erscheint schließlich 1883, erst als quadratisches Buch, später im üblichen Hochformat. Diercke gibt dabei die Leitlinien vor und Eduard Gaebler, ein Leipziger Kartograf setzt sie um. Auflage um Auflage wird gedruckt – auch längst nach Dierckes Tod am 7. März 1913.

Stand: 07.03.2013

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