Stichtag

30. November 2009 - Vor 30 Jahren: Das Album "The Wall" von Pink Floyd erscheint

"Ist da draußen jemand?", fragt ein von Ängsten gequälter Pink. Er ist die Hauptfigur des Doppelalbums "The Wall" ("Die Mauer"), das die britische Rockgruppe Pink Floyd am 30. November 1979 in Großbritannien veröffentlicht. In dem von Roger Waters konzipierten Werk, das wie ein Theaterstück aufgebaut ist, geht es um Isolation, Frust, Gehorsam und Erziehung. Der Bassist hat in der Rock-Oper seine eigenen Erfahrungen verarbeitet. Die Idee dazu hat Waters nach einem Konzert in Montréal entwickelt. Dort hat er einen wild gewordenen Fan bespuckt - und sich nur noch eine Mauer zwischen sich und dem Publikum gewünscht. Dass die anderen Band-Mitglieder Waters Ego-Trip mehr oder weniger willig mitmachen, hängt an der finanziellen Situation der Gruppe. Sie ist durch eine Investment-Gesellschaft in die Pleite getrieben worden und braucht dringend Geld.

Aufgenommen wird "The Wall" in Studios in Südfrankreich und Los Angeles. Die Plattenproduktion dauert von April bis November 1979. Neben vielen Sound-Effekten besticht das Album durch die brillante musikalische Umsetzung der düsteren Geschichte: Pinks Vater stirbt im Krieg, von seiner Mutter wird Pink unterdrückt, in der Schule wird er gequält. Er verwandelt sich schließlich in einen traumatisierten Rock-Star, der sich in die Isolation flüchtet und eine hohe Mauer um sich errichtet. Von Wahnvorstellungen geplagt, befiehlt ihm eine innere Stimme, die Mauern um sich einzureißen. Gitarrist David Gilmour hält noch heute die Umsetzung auf der Platte für besser als auf der anschließenden Tournee und in dem späteren Film.

"The Wall" sollte Pink Floyd finanziell wieder auf die Beine bringen. In der Tat zählt das Doppelalbum zu den meist verkauften seiner Art, und es bringt der Band mit Waters "Another Brick in the Wall" ("Ein weiterer Stein in der Wand") einen Welthit. Für Pink Floyd ist der Erfolg von "The Wall" jedoch zugleich mit einer großen Krise der Gruppe verbunden: Waters wirft damals dem - mittlerweile verstorbenen - Keyboarder Rick Wright vor, dieser habe seine Ideen nicht mitgetragen und sich zu wenig am Gelingen des Albums beteiligt. Wright sei damit unnötiger Ballast. Wright hält Waters dagegen vor, er halte nur sich alleine für Pink Floyd. Das Geld, das Pink Floyd mit dem Album verdient, geht für die anschließende Tournee drauf. Die ist so aufwändig und teuer, dass am Ende Wright als einziger mit ein paar Pfund in der Tasche nach Hause geht. Denn er ist für die Tour wieder als Gastmusiker angeheuert worden.

Stand: 30.11.09