Parlament beleuchtet WestLB-Ära: Brisanter U-Ausschuss im Wahljahr
Der Landtag will einen Untersuchungsausschuss zur WestLB einsetzen. Soweit sind sich die Parteien in Düsseldorf noch einig. Aber wer, wann , wozu befragt werden soll, könnte im Jahr der Bundestagswahl heikel werden.

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Ist Geschichte, bleibt aber politisches Streitthema: die WestLB in Düsseldorf
Die WestLB ist eigentlich Geschichte. Auf Anordnung der EU-Kommission musste die jahrelang vom Staat subventionierte Westdeutsche Landesbank 2012 abgewickelt werden. Unter den Namen Portigon werden in Düsseldorf noch die Restgeschäfte der WestLB verwaltet. Im Landtag wird die skandalträchtige Vergangenheit der Bank jetzt aufgearbeitet. Im Februar oder spätestens im März 2013 wollen alle Fraktionen im Landtag einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss einsetzen - im Jahr der Bundestagswahl ein brisantes Vorhaben. Hinter den Kulissen laufen derzeit informelle Gespräche der Fraktionen für einen gemeinsamen Antrag zum "U-Ausschuss".
Stelldichein der Spitzenpolitiker?

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Potenzieller Zeuge Steinbrück
Frühere und amtierende Politiker waren mit der WestLB und ihren Kontrollgremien verbandelt - sie müssen damit rechnen, vom Untersuchungsausschuss vorgeladen zu werden. Die Liste der potenziellen Zeugen reicht vom früheren Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) bis zur jetzigen Amtsinhaberin Hannelore Kraft (SPD). Besonders interessant könnte es werden, falls der ehemalige Ministerpräsident, frühere Bundesfinanzminister und jetzige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück aussagen muss.
Die Geschichte der WestLB gibt reichlich Stoff her für den Ausschuss. Von Aktienzockereien über Fehlinvestitionen bis hin zur Flugaffäre reicht die Skandalbilanz der Landesbank. Und immer wieder werfen Kritiker der Politik vor, im Aufsichtsrat der WestLB nicht eingeschritten zu sein. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums werden die Gesamtlasten durch das jahrelange WestLB-Debakel bei etwa 18 Milliarden Euro liegen.

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CDU-Fraktionschef Laumann
Alle Fraktionen im nordrhein-westfälischen Landtag wollen den Untersuchungsausschuss zur WestLB - unklar ist aber noch, wie tief sie schürfen möchten. Die CDU als größte Oppositionsfraktion im Landtag will im Ausschuss die "Geschichte der WestLB" als "eine Geschichte des Scheiterns" ins Visier nehmen. "Falsches Management, ein Versagen der Kontrolle und mutwillige politische Fehlentscheidungen haben den Steuerzahler einen mehrstelligen Milliardenbetrag gekostet", sagte CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann Mitte Januar 2013. "Wir wollen eine lückenlose Aufarbeitung aller Vorgänge ab dem Jahr 1980", forderte der Christdemokrat einen langen Untersuchungszeitraum - wohl auch, weil in den 80er und 90er Jahren sozialdemokratische Politiker Verantwortung in WestLB-Gremien trugen.
Piraten wollen ganze Historie aufarbeiten
Bei SPD und Grünen liegt das Erkenntnisinteresse wohl eher auf den Jahren 2005 bis 2010 - damals regierten CDU und FDP in NRW. Der Grünen-Finanzpolitiker Mehrdad Mostofizadeh betonte indes, Vorgänge seit 1999 seien bereits relevant. "Rot-Grün hat kein Interesse daran, aus dem Ausschuss ein Spektakel zu machen, bei dem es nur um die Befragung prominenter Zeugen geht", sagte der Abgeordnete. Ziel müsse es sein, "dass der Landtag herausarbeitet, welche Lektionen aus dem traurigen Kapitel WestLB für andere Landesbanken in der Bundesrepublik gezogen werden können". Die Piraten fordern einen völligen Verzicht auf Parteitaktik. "Wir setzen uns dafür ein, die komplette Historie aufzuarbeiten, unabhängig von der jeweiligen Regierungsfarbe", sagte der Haushaltsexperte der Piraten, Dietmar Schulz. Die Piratenfraktion hatte bereits im Landtagswahlkampf einen Untersuchungsausschuss zur WestLB verlangt. Später schlossen sich die anderen Fraktionen an. Nun müssen sich alle noch auf den konkreten Untersuchungsauftrag verständigen.
Ob der Ausschuss neue Erkenntnisse zutage fördern kann, erscheint zweifelhaft. "Gerade in einem Wahljahr besteht die Gefahr, dass ein solcher Untersuchungsausschuss politisch instrumentalisiert wird", sagte der Bochumer Politikwissenschaftler Uwe Andersen zu WDR.de. Angesichts der hohen Folgekosten für die Steuerzahler sei es aber gleichwohl "nachvollziehbar", ein solches Gremium mit der Aufklärung zu beauftragen. Ein Risiko für die SPD könne die Aussage von Peer Steinbrück vor dem Ausschuss sein. "Es bleibt allerdings abzuwarten, welche Fehlentwicklungen Steinbrück konkret zugeordnet werden können", sagte der Parteienforscher.
Steinbrück-Auftritt erst nach der Wahl?
Aus Fraktionskreisen ist bereits zu hören, dass SPD und Grüne eine Befragung Steinbrücks mit Geschäftsordnungs-Tricks auch auf die Zeit nach der Bundestagswahl hinauszögern könnten. Ohnehin dürften Regierung und Opposition in diesem Ausschuss eine harte Gangart wählen. Im Wahljahr will sich keine Partei von der Konkurrenz öffentlich vorführen lassen.
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Die WestLB entstand 1969 durch den Zusammenschluss der Landesbank für Westfalen und der Rheinischen Girozentrale und Provinzialbank. Unter der Führung des SPD-Politikers Friedel Neuber entwickelte sich die WestLB ab 1981 zu einem eng mit der Politik verbundenen Kreditinstitut. Seit gut zehn Jahren dauert der Niedergang der Düsseldorfer Bank an. Schon vor der weltweiten Finanzkrise brachten Milliardenverluste durch misslungene Auslandsgeschäfte und Fehlspekulationen die Bank in Schieflage. Doch mit Ausbruch der Finanzkrise spitzte sich die Situation existenzgefährdend zu: Seit 2008 musste die krisengeschüttelte Bank von der öffentlichen Hand nach Angaben der EU mit 16 Milliarden Euro gestützt werden. Auf Druck der EU-Kommission musste die angeschlagene Landesbank im Juni 2012 ihr Neugeschäft einstellen und wurde abgewickelt. Das zwischen Bund, Land und Sparkassen vereinbarte Konzept bedeutete eine Zerschlagung der WestLB. Das Sparkassenverbundgeschäft einschließlich des mittelständischen Firmenkundengeschäfts wurde von der Sparkassen-Finanzgruppe übernommen. Es umfasst etwa ein Fünftel der bisherigen Bilanzsumme und 400 der 4.500 Beschäftigten der Landesbank. Übrig blieb nur noch eine stark geschrumpfte, landeseigene "Restbank", die Portigon Financial Services.
Stand: 04.02.2013, 06.00 Uhr
Kommentare zum Thema (16)
letzter Kommentar: 06.02.2013, 17:00 Uhr
- Das Leihschwein schrieb am 06.02.2013, 17:00 Uhr:
- Alles nur Wahlkampfgetöse dieser Untersuchungsausschuss kommt viel zu spät und wie immer kommt nichts bei heraus. CDU, FDP und GRÜNE wussten doch genau wie korrupt es in der West LB zu ging, interessierte nur keinen. Wie funktioniert unsere Demokratie, welchen Sinn hat die Justiz, Gewerkschaften, Pressefreiheit, Opposition,Landesrechnunghof, freie Meinungsäußerung, wenn gleichgültige, Politiker, Vorstände, Aufsichtsräte eine Landesbank an die Wand fahren können, ohne das sie zur Verantwortung gezogen werden. Zwanzig Jahre Parteien-Gewerkschaftsfilz, auch ver. di Funktionäre saßen im Aufsichtsrat der West LB und keiner will was gemerkt haben, wer soll das glauben. Sicherlich haben sich CDU, FDP und GRÜNE ihr Schweigen von der Regierung Rau/Clement in irgendeiner Form bezahlen lassen.
- Hochqualifiziert und hochbegabt schrieb am 06.02.2013, 08:58 Uhr:
- Wer gegen die Kommissare in Brüssel anstinken will, muss diese WestLB-Qualifikation mitbringen. Nur wer weiß wo Transparacy die Hoffnung aufgibt, der kann im Brüsselsumpf bestehen? Schließlich will ein Steinbrück demnächst mehr als eine Kanzlerin verdienen und das kann er in politischer Funktion nur in Brüssel oder in Frankfurt(aber dort sitzt Draghi felsenfest)?
- Justus schrieb am 05.02.2013, 17:19 Uhr:
- Hier hätte schon längst vom Landesrechnungshof ein Strafverfahren eingeleitet werden müssen. Da aber auf den Präsidentelsessel dieser Institution eine linientreue SPD Genossin sitzt brauchen die Genossen von dort nichts Schlimmes befürchten.
- Anonym schrieb am 05.02.2013, 16:57 Uhr:
- eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus *grins* beztl. WestLB haben wir seit Jahrzehnten eine große Kolloboration...
- Parlament beleuchtet WestLB-Ära schrieb am 05.02.2013, 12:46 Uhr:
- Wenn es nur beleuchtet wird, passiert ja wieder nix. Sitzungsgelder für den Beleuchtungsausschuss wird es doch geben?
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