Diskussion um Urheberrecht im Internet Zum Nachlesen: Die Positionen im Netz

Los ging's mit Regener, ihm folgte der Chaos Computer Club und Stück für Stück meldeten sich alle zu Wort, die meinten, etwas zum Thema Urheberrecht sagen zu müssen. WDR.de hilft, die Diskussion mit Hilfe einer Linkliste nachzuverfolgen.

Der Anfang


Diskutiert wird schon lange über das Urheberrecht in digitalen Zeiten. Doch richtig Fahrt nahm die Debatte Ende März auf. Sven Regener war als Interviewgast in der Sendung "Zündfunk" des Bayerischen Rundfunks zugeschaltet. Das Thema: Urheberrecht. Aus dem Statement wurde ein flammender Appell gegen die Kostenlos-Kultur im Netz. Tenor: Unsere Arbeit ist was wert, ein Geschäftsmodell, dass darauf beruht, Musik kostenlos zu nutzen, ist falsch. Die Reaktionen auf Regener ließen nicht lange auf sich warten. In Blogs, Zeitungen und Magazinen hagelte es Kritik. 1LIVE hat eine Auswahl der wichtigsten Beiträge von Regener bis zu den Piraten zusammengestellt.

"... es geht immer nur gegen die Künstler."


Und jetzt?

Mittlerweile sind sowohl die Positionen als auch die Akteure deutlich differenzierter geworden. Wer steht für was? Worüber wird aktuell gestritten? Bei den Antworten auf diese Fragen sollen die folgenden Links helfen.

11. Januar 2013

Gema und You Tube brechen Verhandlungen ab


Die Gema will für jeden Song, den User auf der Plattform Youtube anschauen einen festen Betrag von 0,375 Cent. Den will die zum Google-Konzern gehörende Videoplattform aber nicht zahlen. Stattdessen bietet Youtube einen Pauschalbetrag als Vergütung für die Künstler an. In monatelangen Verhandlungen sind sich beide Parteien nicht näher gekommen - nun hat die Gema die Beratungen abgebrochen und das Marken- und Patentamt als Schiedsstelle angerufen. Dort soll nun binnen Jahresfrist geklärt werden, ob die Forderung der Gema angemessen ist. Bis dahin bleibt es dabei, dass Youtube Songs von Künstlern, die von der Gema vertreten werden, aus dem Angebot nehmen muss.

4. Juli 2012

Umstrittenes Handelsabkommen Acta gekippt

Das EU-Parlament lehnt das Urheberrechtsabkommen Acta ab. Eine breite Mehrheit der Abgeordneten in Straßburg stimmt gegen den Vertrag: 478 Nein- und nur 39 Ja-Stimmen gab es. Überraschend kam das nicht. Seit dem Frühjahr hatten Tausende Europäer auf den Straßen protestiert, zuletzt hatten sich auch verschiedene EU-Ausschüsse kritisch geäußert. Ohne Zustimmung des Europaparlamentes kann Acta nicht in Kraft treten.


Die Reaktionen darauf sind höchst unterschiedlich: Während etwa Vertreter von SPD, FDP, Grünen, Linkspartei, Piraten und die Netzaktivisten jubeln, gibt es auch kritische Stimmen. Einen "Sieg der Meute" erkennt etwa Jasper von Altenbockum von der Frankfurter Allgemeinen. Dirk von Gehlen (Süddeutsche Zeitung) beschreibt dagegen einen Sieg gegen "eine Politik der Vergangenheit" und die Financial Times Deutschland wiederum rät der Politik, aus dem "Vorgang" zu lernen. Die "Welt" lässt den Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie (BVMI) Hoffnungen nach dem Acta-Aus aussprechen, die Netzlobbyisten der "Digitalen Gesellschaft" ("Wir alle haben Acta gemeinsam gestoppt!") sehen die Gefahr, dass "Acta in neuem Gewand wiederkehrt" und dokumentieren auch gleich das Stimmverhalten der Europaabgeordneten vom 4. Juli 2012.

18. Juni 2012

Piraten diskutieren an "Runden Tischen"


Der Urheberrechtsdialog der Piraten findet an "Runden Tischen" statt. Zu den Veranstaltungen lädt die Partei unter anderem Autoren, Musiker, Softwareentwickler und Interessenvertreter ein. Auch ein Besuch bei der Gema gehört zum Diskurs. Ein Fazit nach den Runden Tischen: Die Piraten wollen das Urhebervertragsrecht reformieren und die Verwertungsgesellschaften hinsichtlich Transparenz und fairer Verteilung überprüfen.

11. Juni/1. Juli 2012

No Copyright – eine radikale Streitschrift


Im Carta-Blog beschäftigt sich Wolfgang Michal mit der provozierenden These der Niederländer Joost Smiers und Marieke van Schijndel. Die sprechen sich nämlich für eine komplette Abschaffung des Urheberrechts aus. Für die Masse der Nutzer sei das Urheberrecht so etwas wie Zensur. Über "No Copyright" diskutiert auch Vera Linß von DRadio Wissen mit Christoph Keese vom Springer Verlag, dem Blogger Michael Seemann und dem Juristen und Urheberrechtsexperten Till Kreutzer von irights.info.

31. Mai 2012

Der Ton wird sanfter


Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberg meldet sich zu Wort. In einem Namensbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" plädiert sie für ein starkes Urheberrecht - und entet für ihre Darstellung viel Lob. Leonhard Dobusch hat für netzpolitik.org die Reaktionen gesammelt - ein Indiz für einen entspannteren Umgangston in der Diskussion.

30.Mai 2012

Der Preis des Kostenlosen – Ergebnisse als Grafik


Gemeinsam mit dem Fachgebiet Wirtschaftsinformatik an der TU Darmstadt geht hr-iNFO in einem Forschungsprojekt dem Wert von Daten im Netz auf den Grund. Erste Ergebnisse liegen bereits vor.

21. Mai 2012

Debatte über das Urheberrecht an der Piraten-Basis


Wie stehen die Piraten zum Urheberrecht? Eine allgemeingültige Antwort auf diese Frage fällt sogar den Piraten selbst schwer. Mit einer "basisdemokratischen Debatte" beschäftigen sich die Piraten Ende Mai mit dem Thema. Die Ergebnisse werden dann im "Urheberrechtsdialog" bis Mitte Juni diskutiert.

20. Mai 2012

Fünf Fragen, die die Gesellschaft beantworten muss


Dirk von Gehlen ist Redakteur der Süddeutschen Zeitung und plädiert für ein neues Urheberrecht. Dafür stellt er fünf Fragen in den Raum, die von der Gesellschaft beantwortet werden müssen. Seine Befürchtung: "Wenn die Gesellschaft nicht selbst aktiv nach diesen Antworten sucht, werden kommerzielle Unternehmen uns Lösungen präsentieren, bei denen sicher nicht der gerechte Ausgleich unterschiedlicher Gruppen im Vordergrund steht."

20. Mai 2012

Wie speichern wir das Internet?


Auf iRights.info meldet sich Dr. Eric W. Steinauer in einem Interview zu Wort. Er ist Bibliothekar an der Universitätsbibliothek der Fernuni in Hagen und sorgt sich ernsthaft um die digitale Langzeitarchivierung. Denn die werde vom europäischen Urheberrecht erschwert.

13. Mai 2012

Schluss mit dem Hass


Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, will Frieden stiften. Er mahnt die Akteure zur verbalen Abrüstung.

Stichworte

Gema

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) wurde 1903 gegründet und vertritt als staatlich anerkannte Treuhänderin die Rechte der Musikschaffenden. Sie ermöglicht den Kauf von Rechten zur Musiknutzung und leitet Lizenzbeiträge dafür an mehr als 60.000 Komponisten, Texter und Musikverleger in Deutschland und über eine Million Berechtigte im Ausland weiter.

Die Gema bekommt zwar zunehmend Einnahmen aus dem Internet, doch können diese bislang nicht die Einbußen im Kerngeschäft mit Tonträgern ausgleichen. Überweisungen kommen bereits von den Streaming-Diensten Simfy und Deezer. Mit weiteren Anbietern wie Spotify steht die Gema in Verhandlungen.

Acta

ACTA steht kurz für Anti-Counterfeiting Trade Agreement ("Handelsabkommen gegen Fälschungen"). Mit dem internationalen Abkommen wollen die USA, die EU-Staaten, Australien und andere die Durchsetzung von Urheberrechten auch im Internet sicherstellen und gezielt gegen Produktpiraterie vorgehen. Seit 2006 wurden zu diesem Zweck geheime Verhandlungen geführt, hauptsächlich von Lobbyisten. Immer wieder gelangten seitdem Versionen und Textpassagen an die Öffentlichkeit, die Endversion liegt seit Mai 2011 vor. Mehr als 30 Staaten sind an Acta beteiligt. EU-Parlament und nationale Parlamente müssen zustimmen, bevor das Abkommen wirksam wird. Deutschland hat Acta bislang noch nicht unterschrieben. Zusätzlich zu Polen, Tschechien und der Slowakei hat auch die lettische Regierung die Ratifizierung von Acta vorerst ausgesetzt.


Stand: 26.07.2012, 06.00 Uhr